Literaturgefluester

2018-03-27

Verloren in Frankfurt

Die Taschen wogen schwer in ihrer Hand, pflegte sie doch an den Mmesseständen regelmäßig und mit Interesse einzupacken, was sich ihr da bot. Verlagsprogrammen, Leseproben, Prospekte, manchmal auch ein Goody, wie ein Kugelschreiber, ein Notizheftchen, ein Keks oder eine buntschillernde Postkarte und sie war  auch ein wenig verärgert, als sie durch dieMessehöfe wankte. Hatte sie doch vorhin auf einer der Lesebühnen, als sie höflich aufgestanden war, um die neben ihr Sitzenden hinauszulassen, ihren Platz, als sie ihn wieder  einnehmen wollte, besetzt gefunden und war an den sich nun dort Befindenden, als sie ihnen ihren Unmut äußern wollte, abgeblitzt. Sie ihatten sie einfach ignoriert und gar nicht dran gedacht, aufzustehen und sie wieder hinzulassen, hatten höchstens und auch das sehr unfreundlich, die Achseln gezuckt und etwas gemurmelt, das wie „Selber schuld!“, klang.

„Was bist du auch so blöd, aufzustehen, um die anderen an dir vorbei zulassen, du hättest doch auch sitzen bleiben können und sie sich an deinen Knien vorüberdrängen lassen!“

Wieder etwas gelernt, könnte man so sagen. Aber jetzt war es zu spät dazu. Jetzt hatte sie die Halle, an einem Tisch, wo, was sie ein bißchen gewundert hatte, österreichische Magazine aufgestaptelt waren, vorbei, verlassen und überlegte, wann sie ihren Liebsten am Foyder treffen sollte? Hatten sie zwölf Uhr Mittag, um etwas zu essen oder doch erst den Nachmittag, um gemeinsam zu einer anderen Veranstaltung zu gehen, abgemacht?

Die Gedanke daran beschäftigte sie so sehr, daß sie gar nicht bemerkt hatte, daß sie die das Messegebiet bereits verlassen hatte und erst aufmerksam darauf wurde, als sie plötzlich Häuser vor sich sah, ein Postamt, Straßen und keinen Messehof, wo man sich an einer Imbißbude hinsetzen oder Prosepekte einsammeln konnte.

Shit, sie hatte das Messegebiet verlassen, was an sich nichts machte. Hatte sie ja ihren Akkredierungsausweis bei sich in der Tasche und konnte sie also jederzeit wieder betreten, wenn sie nur den Eingang fände und genau das war das Problem, denn sie hatte ihn verloren. War unbeachsichtigt aus ihm hinausgetreten und hatte sich ein paar Schritte in der fremden Stadt verwirrt, die sie an sich  gerne  besichtigen würde, was sie aber nicht konnte, wenn sie Norbert um zwölf vor dem Hauptausgang treffen wollte.

Aber wo war der? Sie hatte ihn und die Orientierun verloren. Befand sich in einer fremden Stadt und plötzlich auf einem Moped. Saß dort festgekrallt hinter einer anderen Frau und wußte gar nicht, wie sie auf es hinaufgekommen war? Natürlich ja, es war offenbar ein öffentliches Verkehrsmittel und sie hatte es bestiegen, wahrscheinlich, um wieder in die Messehallen zurückzukommen. Aber jetzt fuhr es mit ihr davon. Eine dichtbefahrene Straße entlang. Sie bemerkte,  daß sie Angst hatte herunterzufallen und klammerte sich aus diesem Gefühl heraus fest an ihren Sitz.

Sollte sie abspringen oder auf die nächste Station warten? Aber wo befand sie sich diese und wie fand sie wieder auf die Messe zurück, die ja, wie ihr mit Schrecken einfiel, sehr groß war und daher höchstwahrscheinlich nicht so einfach, den richtigen Eingang, den sie vor kurzen verlassen hatte, wiederzufinden.

Die Angst war immer noch in ihr vorhanden, wie sie da nach der möglichen Haltestelle Ausschau hielt und nicht recht wußte, ob sie die vor ihr sitzende Frau ansprechen sollte?

Diese Frage wurde ihr nun abgenommen, hatte sich nun doch eine andere Frau auf das Mopoed aufgeschwungen und sich zwischen sie gedrängt. Eine Geister- oder Schwartzfahrerin, eine Trittbrettfahrerin fiel ihr ein und merkte mit Befriedigung, daß sich nun auch ein Kontrolleur dazugesellte, der der Aufgesprungenen ein Ticket in die Hand drückte und die anderen Fahrgäste, die sich inzwischen auch hier befanden, zu kontrollieren begannen. Das war für sie kein Problem, hatte sie ja ihre Akkreditierungskarte, mit der sie auch die öffentlichen Verkehrsmittel benützen konnte, hatte aber ohnehin vor das Fahrzeug zu verlassen und begann nun mit ihren Taschen abzuspringen, was insofern mit einer Katastrophe endete, daß sie den Halt verlor und auf den Boden fiel und nun doch eine helfende Hand benötigte, die ihr beim Aufstehen half.

Das war nun gelungen und sie stand nun auf der Straße und vor der Frage, wie sie wieder auf die Messe zurückkommen konnte? Da hatte sie, da sie kein Handy besaß, keine Ahnung und fühlte sich völlig orientierungslos. Also jemanden fragen. Zum Glück war die Straße, die sie inzwischen hinuntergegangen war, dich bevölkert und sie mußte sich nur die Person aussuchen, die sie nach ihrem Ziel befragen konnte.

„Entschuldigen Sie, sind Sie vorn hier?“

Sie hatte sich für ihre Frage einen eher zwergenhaft kleinen Mann ausgesucht, der ihr freundlich zuzwinkerte und sich bei näheren Ansehen auch als eine Frau entpuppte.

„Ja!“, antwortete sie ihr freundlich.

„Das Messegelände? Natürlich ja-“ und begann dann etwas von einem Ballhausplatz zu schwatzen und einem Cafe Central, das sie ihr zeigen wollte. Orte, die sich, wie sie wußte, in Wien befanden und ihre Hoffnung von der kleinen Frau auf das Messegelände zurückgeführt zu werden, schwand, obwohl die nun, immer noch fröhlich vor sich hinschwatzend, zu laufen angefangen hatte und sie eine Weile orientierungslos hinter ihr herrante, bis sie sie verloren hatte und sie stehenblieb und sich wieder suchend umblickte.

Sie befand sich nun vor einer Straßenbahnhaltestelle, an der der wieder eine Menge Leute warteten, die sie wahrscheinlich fragen konnte. Wen aber aussuchen, wer würde die Antwort wissen?

„Entschuldigen Sie, sind Sie vor hier?“, fragte sie jetzt eine größer gewachsene junge Frau, die auch nickte und zu überlegen begann, wie sie ihr die Lage des Messegeländes erklären konnte, als just die Straßenbahn vorfuhr und sie ihr bedeutete, daß sie leider in sie einstieigen müsse.

„Hat es Sinn mitzufahren, fährt sie in die richtige Richtig?“, fragte sie noch hoffnungsvoll. Die junge Frau aber schüttelte den Kopf und war schon weggefahren, während sie weiter origentierungslos an der Haltestelle stand, sich umblickte und keine Ahnung hatte, wie sie auf das Gelände zurückfinden sollte, um rechtzeitg um zwöfl vor den Eingang zu stehen und ihren Liebsten dort zu treffen.

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