Literaturgefluester

2018-03-21

Utopie-Workshop

Das letzte Utopie-Workshop in der Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur habe ich ja ausgelassen, weil wir vorigen Mittwoch von Essen nach Leipzig gefahren sind und so ging es vor den Osterferien noch einmal damit weiter.

Wieder zwei Teilnehmer, ich und die kroatische Dame. Herr Eder scheint dieses Semester nicht zu kommen oder an den Utopien nicht so interessiert zu sein. Ein Thema aber, das ich sehr spannend finde und so bin ich nach meinen heutigen Vormittagsstunden, diese Woche ist es ja nach dem Deutschlandurlaub wieder sehr dicht bei mir, mit den George Orwell und der Mappe mit den Samjatin-Ausdrucken in die Spengergasse marschiert.

Ein kleines Geschenk hatte ich für Stehphan Teichgräber, nämlich einen tschechischen Neuerscheinungskatalog, den ich ihm von Leipzig mitgebracht habe und dann natürlich als besonderes Highlight, den Hammer 95 mit Ruths und meinen Texten vom öffentlichen Raum und da muß ich am 18. 4. wenn ich mit der Ruth und dem Robert vom Ballhausplatz, zur Servitenkirche und zum Turyhof gehe, wieder ein Workshop ausfallen lassen, denn unser Spaziergang findet ja an einem Mittwochnachmittag statt.

Aber vielleicht kann ich die Beiden überreden mitzukommen und die Utopie in den öffentlichen Raum zu verlegen und zwei wochen Osterferien gibt es vorher auch.

Den nächsten Mittwoch werde ich in meiner Praxis verbringen und wenn gewünscht ganz normale Stunden machen, die Woche darauf, wo auch noch Uni-Osterferien sind, lese ich ja in der „Alten Schmiede“ beziehungsweise stelle ich dort mein „Literaturgeflüster-Buch“ vor, was vielleicht auch ein bißchen utopisch ist.

Zumindest gibt es in meinem Blog schon ein paar Besprechungen von utopischen Romanen, habe ich ja beobachtet, daß in diesem Frühjahr eine ganze Reihe Bücher erschienen sind, die sich mit Dystopien beziehungsweise dem Szenario von der Machtübernahme der Rechten und der Islamisierung beschäftigen.

Stephan Teichgräber hatte da auch seine Leseliste, die ja mit Thomas Morus anfängt, beziehungsweise weiter in die Antike zu den alten Griechen zurückgeht. Ich bin da mehr an der Gegenwartsliteratur interessiert, an der deutschen beispielsweise, während der Slawist sich vorwiegend mit der russischen beschöftigt und da hat er seine Leseliste noch um ein paar Bücher erweitert und sie heute vorgestellt.

Den Houllebecq hat der Sprachkünstler, wie er uns erzählte, auf Französisch zu lesen angefangen und dann gibt es noch eine ganze Menge anderer Bücher, die sich mit den Utopien oder Dystopien beschäftigten.

Da gibt es in Stephan Teichgräbers Sekundärliteratur ganz genaue Unterscheidungen und der Übergan zur Science Fiction ist ja auch nicht so ohne und da zitierte Stephan Teichgräber zunächst einmal den Klassiker H G. Wells, der 1866 in Bromley geboren und 1946 in London gestorben ist und von dem ich, obwohl er einige sehr berühmte Bücher, wie die „Zeitmaschine“ oder „Den Krieg der Welten“ geschrieben hat, noch nie etwas gehört habe.

Aber ich bin keine große SF-Leserin und habe da gerade ein bißchen Stanislaw Lem Erfahrungen und interessant, daß es in der Diskussion auch darum ging, ob Robinson Crusuo als utopische Literatur gilt? Nein, würde ich auch spontan sagen, was auch stimmt, weil die Klasssifizierung eines utopischen Romans offenbar die ist, ob es dabei um ein Einzelschicksal oder um die Gesellschaft geht?

Stephan Teichgräber zitierte dann noch, daß es in den Achtzigerjahren eine ganze Reihe von utopischen Romanen gegeben hat, die sich mit den Klimaveränderungen und Katastrophen beschäftigt hat, während ich ja gerade beobachtete, daß es bei den Neuerscheinungen, um den Rechtsruck und die Islamisierung geht, die die Gegenwartsschfiftsteller und offenbar auch die Leser derzeit sehr beschäftigten.

Jules Verne ist vielleicht mit seinen Büchern auch zu den Utopisten zu zählen und am Schluß ging es wieder zu George Orwell und wir lasen wieder in den ersten Seiten. Stephan Teichgräber in der Originalausgabe, ich in meinem alten 1950er  Buch und da staunte er , daß die deutsche >Übersetzung des „Screen“ „Televisor lautete, obwohl es 1948 offenbar noch keine Fernseher gegeben hat.

Und jetzt bin ich noch daraufgekommen, daß Margaret Atwoods „Der Report der Magd“, das ich einmal im Schrank gefunden habe, den dystopischen Romanen zuzuordnen ist. Wenn ich es in meinen Bücherbergen finde, kann ich es das nächste Mal in den Workshop mitnehmen.

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2018-03-20

Engele

Jetzt kommt wieder ein Debut und wieder ein Roman in dem ein Einelkind über die Großelterngeneration erzählt, aber diesmal wird nicht mit dem Großvater in die USA gefahren oder dorthin geflogen, um das Tagebuch der Großmutter zu verkaufen, in dem Buch der 1968 in Augsburg geborenen Medienredakteurin Claudia Tischky geht es, um dasselbe Thema, aber weniger spekulärer zu.

Da geht es um Lotte, die eine Fernbeziehung zu einem Frieder hat und wenn sie mit ihm im Bett liegt oder nach Italien reist, fängt sie an ihn von ihren Vorahninnen zu erzählen.

Da ist einmal Ruth, die Großmutter, in der Zwischenkriegszeit geboren, die sich als Krankenschwester ausbilden ließ und  bis zum zweiten Weltkrieg wahrscheinlich ein recht emanzipiertes männerreiches Leben führt. Dann heiratet sie einen Sigfried, einen Musiker, der in den Krieg eingezogen wird, von ihm bekommt sie zwei und später noch ein drittes Kind. Clara ist Lottes Mutter und in den Fünfzigerjahren wird der Herr Musikschullehrer in der Schule wegen Kindesmißbrauch verhaftet und eingesperrt. Ein Kollege bringt Ruth die Aktentasche und die Mutter erklärt den Kinder „Der Vater ist verreist!“

Das alles, die Nachkriegskindheit und die Geschichte der Groß- und Muttergeneration wird sehr abgehackt erzählt und man fragt sich manchmal, was das Besondere der Geschichte ist?

Ruth arbeitet als Ordinationshilfe, nimmt einen Juristen als Untermieter, damit sie mit den Kindern die Beamtenwohnung behalten kann und als Sigfried, der im Knast eine Knastkapelle aufbaute, vorzeitig entlassen wird, beginnt für sie die große Katastrophe.

Sie muß aus der Wohnung, Siegfried bekommt einen Job, wird später Fremdenführer, die Familie bleibt zusammen, obwohl Ruth ihren Siegfried für seine Tat, die eigentlich nicht so genau erklärt wird, was und wie das passierte,  nie verzeiht und ihm immer wieder dafür bestraft und beschimpft.

Die Großmutter fährt mit den Enkelkindern auf Urlaub, kauft ihnen Eis und Kuchen und schinmpft nicht, wenn das Bett einmal naß wird und stirbt irgendwann im Mai, während die Enkeltochter der Großmutter durch ihre Erzählungen immer näher kommt und nicht nur ihr, denn als ihr ihr Frieder am Ende des Buches verkündet, daß er für zwei Jahre nach Brasilien gehen wird und sie ihn fragt, „ob das das Ende ist?“, antwortet Frieder „Nein, komm bitte nicht!“ und der Leser bleibt vielleicht ein wenig ratlos zurück oder wenn er etwas älter sein sollte auch nicht, denn dann hat er wahrscheinlich auch eine Nachkriegskindheit mit einer Nachkriegsoma, die eine mehr oder weniger emanzipierte Frau war, erlebt und kann ihre Geschichte erzählen.

2018-03-19

Leseprobenbeute

Von unserer Deutschlandreise nach Leipzig über Würzburg und Essen zurückgekommen, habe ich die letzten Stunden damit zugebracht, die drei bis vier Taschen mit Büchern, Prospekten, Zeitschriften und Messiegoodies auszupacken und einzuordnen und kann denen, die jetzt aufstöhnen und sagen, warum soviel, entgegnen, daß ich jetzt schon sehr viel sparsamer einpacke und immer vorher, wenn ich nach etwas greife, überlege, ob ich das wirklich brauchen kann und lesen werde?

Aber trotzdem waren es drei bis vier Taschen und darunter eine Menge Leseproben, die ich meistens interessiert einsammle und katalogisiere und dann doch nicht lese, denn wenn schon, denn schon, das ganze Buch.

Aber interessant sind sie trotzdem und diesmal das kann ich gleich anmerken, bin ich schon nach Leipzig mit einem Stapel Leseproben gekommen, sind wir ja am vorigen Samstag in Würzburg in den „Hugendubel“ eingefallen und die hatten einen ganzen Leseprobenständer und da dachte ich noch, nehme ich sie mit, weil ich habe für die  neun Tage Deutschland ja nur drei Bücher eingepackt und das erste schon fast ausgelesen, was ist wenn ich dann nichts mehr zu lesen habe?

Das war dann natürlich doch nicht so, denn auf der Fahrt nach Leipzig habe ich dann zwar das „Engele“ ausgelesen, den Gunnar Kaiser aber eigentlich erst heute so richtig begonnen und bei „Hugendubel“ hatten sie dann auch noch einen Stapel Abverkaufsbüchej und da habe mich mir zwei  wenn auch nur ein deutsches, und in Deutschland lese ich ja gerne deutsche Bücher, kaufen lassen und war dann noch am Sonntag und am Montag bei zwei offenben Bücherschränken, wo ich auch ein bißchen was gefunden habe.

In Essen gab es dann die „Mayersche-Buchhandlung“, das ist auch so eine Kette und da waren wir in zwei Filialen, mein Leseprobenvorrat hat sich ausgeweitet und in Leipzig hatten die größeren Verlage meistens auch so kleine Heftchen zur allgemeinen Entnahme liegen.

Da habe ich dann noch drei Bücher bekommen und die vier Tage natürlich überhaupt nichts gelesen, weil ich ja  die Messeimpressionen bloggen wollte und jetzt nach Hause gekommen, erwarteten mich wieder zwei Bücher und die Frage, welchen Artikel soll ich heute schreiben, weil ich ja, wie mein Kritiker Uli anmerken wird, eine Contentschreiberin bin und eigentlich täglich über mein literarisches Leben plaudern oder flüstern möchte.

Also bietet sich ein Streiftuzg durch die Leseprobensammlung an und die ist interessant, denn bei dem Stapel Heftchen die da vor mir liegen, ist sehr viel Unbekanntes dabei und nur  ein paar, wo ich den Autor schon kannte, bezeihungsweise bei den Verlagsständen oder Vorschauen auf das Buch aufmerksam wurde.

Was ist also das Interessante, was ich mir da aus Deutschlang mitgebracht habe und vielleicht, wenn ich dazukomme, lesen werde, es wartet ja schon ein ganzer Stapel Bücher in meinem Badezimmer, wie meine Leser wahrscheinlich  wissen werden?

Ein paar Highlights sind schon darunter und da fange ich vielleicht einmal mit Margriet de Moor „Von Vögeln und Menschen“ bei „Hanser“ erschienen an, was, glaube ich, ein Neuerscheinungshighlight der Saison ist.

Dann folgt in einem ganz anderen Genre Rachel Joyce „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harnonie“ und das ist die Autorin der „Unwahrscheinlichen Pilgerreise des Harold Frey“, das vor einigen Jahren großes Aufsehen machte und von der ich einmal „Das Jahr das zwei Sekinden hatte“ gefunden und noch nicht gelesen habe.  Die Leseprobe des „Harold Frey“ ersehe ich gerade in meinen Katalog, habe ich auch einmal gefunden  und könnte jetzt danach suchen.

Sehr ansprechend auch das Cover von Anja  Baumeiers „Kranichland“. Da sieht man zwei Frauen im Profil die Neunzehnfünfzigerjahrekleider tragen und das Buch ist mir dann auf der Messe auch aufgefallen.

Und weil ich ja ein Wien Fan bin, da wird natürlich auch sehr viel für den allgemeinen Publikumsgeschmack geschrieben und da ist bei „Aufbau“ Caroline Bernhards „Die Muse von Wien“- „Klimt war Almas erste Liebe, Gustav Mahler ihr Leben und ihr Schicksal“.

Ein Buch, das sehr interessant klingt und ich wahrscheinlich nicht lesen werde, herausgekommen und dann noch als Pendant bei „Pendo“ Michael Wallners „In Zeiten der Liebe und des Krieges“, in dem es, wie am Heftchen steht, um Wien im Sommer 1912 geht.

Dazu passend und dennoch ganz was andeeres, wäre Mary Shellys „Streifzüge durch Deutschland“, die deutsche Erstausgabe und von Wolfram Eilenbergers „Zeit der Zauberer – das große Jahrzehnt der Philosophie“, das ich, glaube ich, in Würzburg gefunden habe und dann in Leipzig noch einen ganzen Reader dazubekommen habe.

Sehr interewsant, aber ich bin ja eigentlich keine Sachbuchleserin.

Bei „Diogenes“ der mir inzwischen  Antony Mc Cartens Buch über Jack Kerouac schickte, habe ich am Stand, die Leseproben von Chris Kraus „Das kalte Blut“ und Emanuel Bermanns „Der Trick“ gefunden und bin daraufgekommen, daß ich das Buch wahrscheinlich auf meinen Harlander Lesestapel liegen habe, weil es das einmal bei „Thalia“ im Abverkauf gegeben hat und auch noch nicht gelesen habe. Aber ich bin ja eine Sammlerin und werde das wahrscheinlich bleiben.

Bei der „Frankfurter Verlagsanstalt“ gab es ein Leseheft von Marcia Zuckermabns „Mischpocke“, das auch schon 2016 erschienen ist und ich wäre jetzt schon fast durch mit meinen Highlights, obwohl ich noch einen ganzen Stapel Thriller und ein paar Liebesromane vor mir liegen habe, die höchstwahrscheinlich nicht zu mir kommen werden, aber sicher ebenfalls sehr interessant sind.

Also lesen, lesen, lesen und vorher, die große Büchertasche, in die ich meine Leseausbeute umgebpackt ist, nach Harland transportieren, wo ich mehr Patz habe und demnächst mit Gunnar Kaisers „Unter die Haut“ in die Badewanne gehen, denn das Badewannenlesen ist in den letzten Tagen auch zu kurz gekommen.

Und ein unkorrigiertes Leseexemplar eines „Kleinen Nick-Heftchens“, das man nicht vor dem 28. 3. besprechen soll, ist, sehe ich gerade, in Leipzig auch zu mir gekommen und kann es in meinen Lesekatalog aufnehmen.

2018-03-18

Bloggersessions und Kirchenlesung

Seit 2015 gibt es bei der Leipziger Buchmesse die Blogger-Lounge, damals hat Wolfgang Tischer vom Literaturcafe auf die Möglichkeit sich als Blogger akkreditieren zu lassen, aufmerksam gemacht, es gab die Bloggerpaten, wo man sich darum bewerben konnte, eines der nominierten Bücher zu rezensieren und in der Bloggerlounge, kann ich mich erinnern, gab es ein ausgewähltes Programm mit Vorträgen, Diskussionen und einer Ansprache des Messedirektors.

In den Jahren danach gab es die Bloggersessions im Congreßzentrum, für die man exta Eintritt zahlen mußte und ausgewählte Blogger, wie beispielsweise „Buzzaldrin“ Vorträge übers Bloggen hielten.

Heuer wurden die Bloggersessions vom Congreßcenter in die Fachforen der Halle 5 gleich neben der Bloggerlounge verlegt, so daß sozusagen jeder daran teilnehmen konnte und ich den heutigen Tag auch der Fachkonferenz übers Bloggen widmete, die zum großen Teil von Wolfgang Tischer moderiert wurde.

Es gab nach der Begrüßung des Messedirektors, Oliver Zille, ein Parallelprogramm auf den zwei Bühnen, das jeweils für Anfänger und Fortgeschrittene angekündet war, sich aber teilweise überschnitt.

So begann das Anfängerprogramm mit einem Interview, das Wolfgang Tischer mit Linus Giese unter dem Titel „Mehr Mut beim Bloggen“ über sein Outing und darauf folgendenden Konsequenzen führten,  das Fortgeschrittenenprogramm beschäftigte sich inzwischen mit dem Storytelling, während es für die Anfänger mit den Rechtsfragen weiterging.

Ich bin munter von Bühne eins zu Bühne zwei gewechselt,  habe mir zwischendurch Kaffee geholt, beziehungsweise zu Mittag eine Leberkässemmel, die hier als Brötchen gehandelt wird, gekauft.

Es ging um das „Alleinstellungsmerkmale für Blogger“ und die Forderung von Elif Kavadar und Mareike Hansen, daß die Blogger politischer werden müßten.

Das bin ich, glaube ich, ohnehin schon, ich bin aber keine reine Buchbloggerin, blogge auch nicht, wie die meisten anderen, wie ich später von Wolfgang Tischer hörte, über Fantasy oder New Adult, sondern vermische meine Buchbesprechungen mit meinem literarischen Schreiben und meinem Veranstaltungskalender.

Ich blogge inzwischen täglich und nicht, wie die meisten anderen, einmal in der Woche, führe ein literarisches Tagebuch,  bin dabei, wie auch eine Forderung an die Blogger lautet, sehr offen und persönlich, habe also eigentlich drei Blogs in einem und reich werden will ich mit meinen Blog eigentlich auch nicht, sondern mich literarisch präsentieren.

Es ging  auf beiden Bühnen mit der Zusammenarbeit mit Verlagen weiter, die „Netgalley“, wo man elektronische Leseexemplare anforern kann, wurde vorgestellt und die hat im vorigen Sommer auch den ersten Blogger Award ausgerichtet.

Darüber gab es auf der Anfängerseite wieder einen Vortrag, der von Wolfgang Tischer moderiert wurde „Buchblogger im Vergleich: Listen, Rankings und Awards“ und da zitierte er auch eine Studie, daß die meisten Blogger am Sonntag ihre Artikel schreiben würden, zweiundneunzig Prozent der Blogger weiblich sind, während und das ist sehr interessant und wurde von den beiden Frauen, die mehr Politik forderten, erwähnt, der Buchblog-Award von zwei Männern gewonnen wurde.

„Hören wir auf zu kuscheln, laßt uns laut und stachelig werden“, forderten dann die zwei ehemaligen Buchpreisblogger Tobias Nazemi und Jochen Kienbaum, sowie die Bloggerin Katharina Hermann und meinten, daß die Blogger qualitätsvoller schreiben und ihre Artikel gegenseitig lektorieren sollten, was vielleicht mit einem verminderten Kuschelkurs gar nicht so viel zu tun hat, aber sicher sehr interessant war, die verschiedenen Aspekte des Bloggens kennenzulernen.

Inzwischen gibt es in Deutschland, glaube ich, zweitausenfünfhundert literarische Blogs, die oft sehr schnell wieder verschwinden.

Mara, beziehungsweise Linus Giese hat vor sieben Jahre zu bloggen angefangen und ist sehr schnell sehr erfolgreich damit geworden. Jetzt bloggt er weniger, weil er als Buchhändler nicht mehr die Zeit dazu findet  und ich feiere im Sommer  mein zehntes Jubiläums,  bin also eine der sehr viel und, wie manche meinen nicht sehr qualitätsvoll bloggen, aber ich verstehe das Bloggen ja mehr, als mein persönliches Archiv und meine Erinnerungshilfe, als, als Geldquelle und möchte auch mit den Verlagen nicht so sehr zusammenarbeiten, obwohl ich Rezensionsexemplare beziehe und mich am Freitag, sowohl mit einem Verlagsmenschen getroffen, als ein Bloggertreffen besucht habe.

Es ging dann wieder von Wolfgang Tischer moderiert, um Blogtouren in Buchblogs, die kritisch beleuchtet und das Pro und Conta diskutiert wurden und da habe ich einmal an einer als Leserin teilgenommen, als das Buch von Martina Gercke und Katja Schneid „Alles nur kein Mann“ vorgestellt wurde. Da tun sich ein paar Blogger zusammen und stellen alternierend eine Woche lang ein Buch vor und man kann es dann meistens, wenn man einige Fragen bewantwortet, gewinnen.

Bis halb vier gingen die alternierenden Seessins durch, dann gab es noch ein Coming together mit Getränken und Butterbrezeln und ich habe die Messe verlassen und bin mit der Straßenbahn bins zur Huttenstraße gefahren, wo es in der Aposteltkriche in Großzschocher wahrscheinlich auch im Rahmen von Leipgzi liest oder im Rahmen der offenen Kirchentage eine Lesung gegeben hat und zwar hat da die Journalistin Adrienne Friedlaender ihren Bestseller „Willkommen bei den Friedlaenders“ vorgestellt, wo sie das das Chaos beschriebt,  das in ihr Leben gekommen ist, als sie in ihren Haushalt mit drei Söhnen, einer Großmutter, einen Hund und und einer Katze, einen jungen syrischen Flüchtling aufgenommen hat.

2018-03-17

Leipziger Messeimpressionen III

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 20:18
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Bei Schnee und Kälte ist es heute wieder auf die Messe gegangen, wo die erste Session am blauen Sofa, etwas verspätet, beziehungsweise mit einer anderen Moderatorin angefangen hat, da die angekündigte im Zug irgendwie steckengeblieben ist.

Die erste Session war der Essayband mit Antonia Baum die ich beim Bachmannlesen kennengelernt habe und die in „Stillleben“, glaube ich, ihre Erfahrungen mit der Mutterschaft beschrieben hat.

Dann bin ich zwischen Halle drei, fünf und vier herummarschiert, habe kurz mit Frau Sailer vom „Aufbau-Verlag“ gesprochen und mir bei „Hommunculus“ ein Buch über die Entstehung des „Frankensteins“ geben lassen und bin dann im Österreich-Cafe gerade zur Lersung von Luis Stabauer „Die Weißen“ zurechtgekommen, wo es um ein Schicksal vom Spiegelgrund geht.

Danach in die Glashalle, wo ich mir ein Hotdog kaufte und mich damit, um das sehr volle balue Sofa drängte, wo gerade Navid Kermani über die Flüchtlingssituation referierte.

Dann kam die norwegische Bestsellerautorin Maja Lunde, die mit ihrem Buch „Die Geschichte der Bienen“ bekanntgeworden ist. Das ist auf vier Teile angelegt, der zweite Teil „Die Geschichte des Wassers“ ist gerade erschienen und hätte eigentlich von der norwegischen Kronprinzessin Mette Marit moderiert werden sollte, die aber krankheitshalber absagte.

Danach habe ich mir noch Hans Joachim Schädlich angehört, der eine literarische Dokumentation über den Maler Felix Nussbaum „Felix und Felka“, der in Auschwitz umgekommen ist, geschrieben hat.

Danach wieder hinauf in Halle fünf, denn ich wollte einen Kaffee trinken und den gab es sowohl in der Blogger Lounge, als auch beim Halle-Stand, da waren zwar eine Menge Leute, hinter denen man sich anstellen mußte,, es gab aber wieder die berühmten Hallorerkugeln, wo ich mir ein paar einsteckte und dann noch bei „Droschl“Henrike Blum fragte, ob sie mir das neue Buch von Daniela Strigl schicken kann?

Dann wieder in das Österreich-Kaffeehaus, da stellte um halb vier Kirstin Breitenfellner, die ich schon auf der „Buch-Wien“ hörte, ihren fiktiven Bericht über die Achtzigerjahre „Bevor die Welt unterging“ vor und um halb fünf kam Gerhard Jaschke, der sein erstes „Ritter-Buch“ „Gemischte Freuden. Sätze“ vorstellte und mir vorher erzählte, daß seine Frau, die Malerin Ingrid Wald, letzte Woche gestorben ist und heute vor zehn Jahren ist Werner Herbst gestorben, mit dem Gerhard Jaschke gemeinsam aufgetreten ist und auch ein paar Bücher gemeinsam herausgab.

So hat er am Schluß ein paar seine Gedichte gelesen und auch viel über die Wiener Avantgardszene seine Veröffentlichungen bei „Freibord“ etcetera, erzählt, so daß der dritte Messetag sehr österreichisch endete.

2018-03-16

Leipziger Messeimpressionen II

Gretchen Dutschke im Gespräch mit Susanne Führer

Gretchen Dutschke im Gespräch mit Susanne Führer

Superman bei Energiezufuhr

Superman bei Energiezufuhr

Mit der Messe und mit dem Winterwetter geht es weiter, Regen am Morgen, der sich dann in leichten und später in dichten Schnee umeandelte, der auch auf der Straße liegenblieb. Ziemlich kalt für Mitte März und auf der Messe hatte ich ein dichtes Programm.  Hatte ich mich doch um elf mit einem Herr vom „Rohwolt-Verlag“ verabredet, dann hat noch Bozena Anna Badura ein Treffen der Debutpreisblogger, die auf der Messe waren, um elf in der Bloggerlounge angesetzt, also habe ich versucht das Treffen nach vorzuverlegen, was auch gelungen ist, ich habe zwar ein bißchen auf ihn gewartet, dabei aber einen Herrn beobachtet, der eifrig in Daniel Kehlmanns „Tyll“ geblättert hat und Georg Klein, der auch für den Leipziger Buchpreis nominiert war, habe ich auch am Stand gesehen.

Allerdings ist es mir dann nicht so schnell gelungen von der Halle vier in die Halle fünf zu kommen, wo schon fünf oder sechs der Debutpreisblogger und Bozena Anna Badura wartete und es auch die „leckeren Kekse“ zum Knabbern gab und um zwölf gab es schon wieder ein Bloggertreffen, so daß ich diesmal das gemeinsame Mittagessen mit dem Alfred ausfallen ließ.

Ich hatte aber noch vom Vortag Brezeln und Croissants und Susanne Bühler von „Diogenes“ hat den Bloggern, die den gesamten Vortragssaal füllten, ich habe auch einige bekannte Gesichter entdeckt, das Herbstprogramm vorgestellt. Da wird es einen neuen Erich Hackl geben, „Liebwies“ errscheint als Taschenbuch und und…

Leider waren die Namen der Neuproduktionen nicht immer leicht zu verstehen und die Cover ohne Projektionshilfsmittel,  das Programmheft wurde nur in die Höhe gehalten, nicht immer so leicht zu erkennen. Der Herbst ist aber noch weiter entfernt und es gab  auch eine Kurzlesung von und mit Anneke Reineckes „Leinsee“, was manche Blogger schon erwartet hatten und ich bin wieder in die Halle vier hinübergegangen.

Schlecky Silberstein

Schlecky Silberstein

Preis der Literaturhäuser

Preis der Literaturhäuser

Denn da gab es es einen Festakt. Wurde doch das europäische Übersetzternetzwerk „Traduki „vor zehn Jahren ins Leben gerufen“, so daß ein deutscher Politiker und eine albanische Politikerin eine Rede hielten und Chrstoph Ransmayr, der österreichische Schriftsteller  in einem Essay erklärte, wie wichtig  das Übersetzen  für die Verständigung wichtig ist.

Es gab ein Glas Wein, bevor das Programm im Cafe Europa mit einem ungarischen Roman weiterging und ich bin zum blauen Sofa hinuntergegangen, wo der Preis der Literaturhäuser an den Teschechen Ladislav Rudis vergeben wurde, den ich, glaube ich, einmal in Krems bei der „Literatur und Wein“ kennenlernte. Leider war im Programm  als Ort das Cafe Traduki angegeben, so war ich vorher dort bei einer Lesung und habe da meinen schönen Block mit den Schneeglöcken und meinen Kugelschreiber vergessen. Ich habe zwar inzwischen ein anderes Schreibeheftchen, aber all meine Notizen sind verloren und so zitiere ich aus dem Gedächtnis.

Es gab dann  noch eine „Blaue Stunde“ zum Thema 1968, mit Gretchen Dutschke und Wolfgang Kraushaar.  Die Messe war zu Ende, das Programm von „Leippzig liest“ ging aber weiter und wir mit der Ute in ein Hospitz, beziehungsweise in  ein „Haus des Lebens“, da ja die Ute ehrenamtliche Sterbebegleiterin ist, wo es auch, um die Verständigung, wenn auch auf eine andere Art und Weise ging und zwar hat der Arzt und Schriftsteller Jalid Sehouli, der auch schon literarische Texte geschrieben hat, sein Buch „Von der Kunst schlechte Nachrichten gut zu überbringen“ vorgestellt, was wahrscheinlich auch eine Kunst des Übersetzen ist, die Nachricht des Krebes mit Achtung und Wertschätzung dem Patienten und seinen Angehörigen zu überbringen und  genauso an Grenzen stoßen wird, wie die Kunst des Übersetzens, wohl nicht immer zum Miteinander führt, da es  auch in Leipzig, wie im Herbst in Frankfurt rechte Verlage gibt, die das Messegeschehen dominieren und vielleicht mehr Aufrmerksamkeit erzeugen, als das Bemühen um Verständnis und Toleranz. Hat es doch schon bei der Eröffnung diesbezüglich Prosteste gegeben und Armin Baumgartner hat mich, als ich ihm in der Halle 4 zufällig getroffen habe, auch gleich darauf angesprochen.

2018-03-15

Leipziger Messeimpressionen I

Am Mittwoch sind wir also nach Leipzig zu den Hundertmarks gefahren und am Donnerstag hat die Buchmesse begonnen. Ich bin wahrscheinlich circa das zwanzigste Mal in Leipzig und kann mich erinnern, daß wir das erste Mal in den Neunzigerjahren gefahren sind.

Da war noch Traude Korosa bei den IG Autoren und hat mir einen Kaffee gegeben, Walter Baco hat eine Österreichschiene veranstaltet und Milo Dor hat mich nach dem Weg gefragt und wir sind seither nicht jedes Jahr, aber ziemlich regelmäßig nach Leipzig gefahren.

Mal kürzer und mal länger und seit 2015 lasse ich mich als Bloggerin akkreditieren und inzwischen ist auch alles regelrecht geplant. Ich habe schon ein paar Verlagstermin und Bloggertreffs ausgemacht und einige Fixpunkte, die ich gern besuchen wil. Sonst lasse ich mich eher treiben  und so begann es auch heute.

Ziemlich genau um zehn sind wir eingetroffen und ich bin den Vormittag in der Halle 5 herumgeschlendert. Habe Malte Bremer vom Literaturcafe angesprochen und ihm die zwei Bücher gezeigt, die ich in meiner Tasche hatte. Er will sie besprechen und mir sein Urteil darüber sagen. Mal sehen, ob er länger als dreißig Sekunden braucht, um sie in den Mist zu befördern. Daß er sie aber genommen hat, ist schon fein, denn die meisten Blogger winken  schon hier ab und sagen „Selfpublischer nein, damit können wir uns nicht beschäftigen, denn das stiehlt uns unsere Lebenszeit!“

Ich habe aber einen Teul des Vormittags in der Selfpzulkischerzone der Halle fünf verbracht, habe mir  einige Lesungen und eine Diskussion angehört, bis ich den Alfred getroffen habe, um mit ihm Mittag zu essen.

De Restaurants auf der Messe sind mir schon von den letzten Jahren bekannt, man muß sich wie in den DDR-Zeiten einen Platz zuweisen lassen, dann bekommt man eine Speisekarte und die Kellner wuseln herum, sehen einen aber dabei nicht an, so daß es ziemlich anstrengend ist, bis man die Bestellung abgeben kann.

Dann geht es schnell und das Essen ist auch recht gut, es hat aber ziemlich lange gedauert, sodaß ich die Verleihung des „Alfred Kerr-Preises“ bei den unabhängigen Verlagen versäumte.

Das heißt, ich bin nur zum Sekt und den Croissants zurechtgekommen, habe die Ursula Seeber dabei gesehen und dann war es schon bald Zeit mich in die Glashalle aufzumachen, um zur Verleihung des  „Leipziger-Buchpreises“ zurechtzukommen. Da habe ich auch einige Zeit gebraucht daraufzukommen, daß ich mit meiner Akkredidierungt in die heiligen abgegrenzten Hallen hineingehen kann, vorher bin ich immer draußen gesessen und ganz früher naiv ein Buch lesend so lange drinnen, bis sie mich vertrieben haben.

Diesmal klappte es aber und ich habe sogar einen schönen Platz bekommen und von den fünfzehn nominierten Büchern,  je fünf in den Kategorieen Sachbuch, Belletristik, Übersetzung habe ich nur eines bekannt, nämlich Josuah Cohens „Buch der Zahlen“, das dann aber nicht gewonnen hat, denn der Preis für die beste Übersetzung ging an Sabine Stöhr und Juri Durkot für Serhij Zadahrs  „Internat“, den Sachbuchpreis hat Karl Schlögl gewonnen und der Preis für Bellestritik ging an Ester Kinskys „Hain“.

Danach gab es Sekt und Brezeln, ich habe mir ein Glas genommen, mich damit kurz an den Tisch gestellt, wo schon Daniela Strigl stand, den Sekt ausgetrunken und dann hinauf zum Österrreich- Cafe, wo es wieder den traditionellen Empfang mit Wein und seit einigebn Jahren Schnitzelstücken gegeben hat.

Nette Gespräche und ich habe bei den IG Autoren und bei Walter Famler auch nach den neuen „Hammer“ gesucht, wo meine und Ruths Texte zur „Kunst im öffentlichen Raum“ enthalten sind, den es schon seit zwei Tagen gibt, in Lleipzig aber offensichtlich nicht, beziehunsweise sind die dreißig Exemplare, die Walter Famer mit hatte schon alle weg.

Nun gut, macht ja nichts, Kurt Neumann hat mir ja das PDF geschickt, das der Alfred schon den Hundertmarks, Bozena Anna Badura und seiner Cousine Hannelore samit Familie, die wir am Dienstag Nachmittag besuchten. zeigte und jetzt ist der erste Messetag beendet und ich bin entsprehcend müde und erschöpft. Morgen wird es wieder weitergehen, weil ich diesmal ja meinen Laptop mithabe und daher täglich bloggen kann.

2018-03-14

Wenn Martha tanzt

Der 1967 geborene Tom Saller, der Medizin studierte und jetzt als Psychotherapeut tätig ist, führt in seinem bei „Ullstein“ erschinenen Debut sehr deutlich vor, wie ein Roman entstehen kann.

Seine Großmutter, die nach dem Krieg aus Pommern flüchten mußt,e ist gestorben und hat ihm einen Brief hinterlassen.

Dann gibt es noch die Bauhaus-Geschichte, die „Ullstein“ in einem Extraheftchen als Überblick und zum besseren Einstieg in die Geschichte zusammen mit einem Interview mit dem Autor, beilegte, die ihm irgendwann zu Ohren kam und ihn interessierte, so daß er die Wahrheit mit der Fiktion verknüpfte und eigentlich einen „phantastischen Roman“ daraus machte, in dem er einige Ereignisse miteinander verknüpfte und auch auf die entsprechenden Höhepunkte und Spannungsbögen dabei achtete.

Da ist einmal der Ich-Erzähler und das ist der Enkel der verstorbenen Großmutter, die ihm ein Tagebuch vererbte, weshalb er, um es zu versteigern, von Deutschland nach New York reist und wieder interessant, so ein Buch hatte ich schon vor kurzem in Hannes Köhler „Ein mögliches Leben“, da ist der Enkel mit dem Großvater nach New York geflogen, damit der seine Kriegserfahrungen nochmals aufleben kann.

Hier verkauft der Enkel, das Buch um fünfundvierzig Millionen und eine der Jurorinnen des Leipziger Buchpreises merkte in einem Interview an, daß es interessant ist, wieviele junge Menschen plötzlich über Erfahrungen schreiben, die sie gar nicht erlebt haben.

Ja, die Großmütter sterben und der Ich-Erzähler, ein Germanistikstudent, hat nicht viel über ihre Vergangenheit gewußt, hat sie ihm doch auf Fragen immer nur gesagt „Red nicht so viel, sonst wird dir das Hemd zu kurz“.

Jetzt entdeckt er, als er ihren Nachlaß ordnet, eine alte Kladde und in dieser Zeichnungen von Paul Klee, Wassily Kandinsky und einigen anderen.

Hey, was ist da los? So nimmt er Urlaub von seinem Studium, um Marthas Tagebucheintragungen zu literarisieren und da die Eintragungen erst zwanzig Jahre später beginnen, muß er den Anfang, Marthas Kindheit in Pommern, als Tochter eines Musiklehrers recherchieren. Die, der Mutter von der Großmutter, wie man Anfangs glaubt, wurde 1900 geboren und geht, als junges Mädchen noch im ersten Weltkrieg nach Weima,r um in dem berühmten „Bauhaus“, das von Walter Gropius gegründet wurde und das, die erste Kunstschule war, die schon damals gleichviel Frauen, als Männer aufgenommen hat, zu studieren.

Denn Martha hat eine besondere Gabe. Sie sieht und hört alles in Formen. So gibt es in dem Buch nach den einzelnen Abschnitten immer einen kleinen Kreis, ein kleines Dreieck und ein solches Quadrat und sie beginnt diese Fähigkeit dann mit ihren Körper auch als Ausdruckstänzerin zu verwirklichen.

Das dauert allerdings nicht sehr lang, denn es kommen ja bald die Nazis, die die Schule schließen wollen und so geht Martha 1924 mit einem Kind im Arm, die kleine Hedi, die eigentlich Hedwig heißt, obwohl sie Lydia heißen sollte, zu den Eltern zurück.

Da habe ich noch etwas ausgelassen, nämlich den väterlichen Freund der Familie, der eigentlich Marthas Vater ist und auch ein Bruder von Walter Gropius, was auch der Grund war, warum Martha auf der Schule aufgenommen wurde und dann gibt es noch eine Fotografin namens Ella, mit der Martha eine zarte lesbische Liebe beginnt und die später einen Nationalsozialisten heiratet.

Man sieht, Tom Saller läßt nichts aus, was sich literarisch verwenden läßt und es kommt noch phantastischer.

Denn das Buch ist in zwei Teilen geschrieben, den des Ich-Erzählers, der im September 2001 nach New York reist und dann die Tagebucheintragungen.

In New York wird das Buch von einer alten Dame um fünfunfvierzig Millionen ersteigert und am Abend im Hotel ruft die junge Assistentin an und lädt den Enkel zum Abendessen in ein Hotel, das den Twintowern gegenüberliegt, ein. Ahnen wir schon den weiteren Verlauf der Handlung?

Noch nicht so ganz, denn die alte Dame, die dort wohnt, lädt den Erzähler erst zum Sherry ein, nennt ihn dann einen Betrüger, denn sie ist Martha, also hundertundein Jahr alt und ihre Tochter Hedi ist 1945, als sie fliehen mußten in der berühmten „Gustloff“, über die auch schon Günter Grass geschrieben hat, untergegangen.

Sie erzählt ihm, den weiteren Teil der Geschichte, die er schon von den Tagenbücher und von Wolfgangs Briefen, das ist der väterliche Freund, wußte.

Martha ist mit dem Kind in das Haus der Eltern zurückgegangen, zog ihr Kind auf, gründete eine Tanzschule und mußte  nach 1945 fliegen. Sie mußte das überfüllte Schiff aber verlassen, die Tochter blieb und ertrank auch nicht wirklich, sondern flüchtete auf ein anderes, das hat die Großmutter dem Enkel schon erzählt.

So waren Marthas Schuldgefühle unnötig, die nach Amerika emigirierte, sie schickt mit einem Brief, den Enkel aber trotzdem weg, was ein Glück für ihn ist, denn noch im Flugzeug stellt sich heraus, die Twintowers werden von den Flugzeugen angegriffen, fallen auf das Hotel und die Hundertjährige kommt bei dem Anfschlag um.

Der Erzähler kann den Brief erst später lesen, erfährt noch die letzten Details, die ich jetzt nicht spoilern will und wir haben eine phantastische Geschichte gelesen, die entstehen kann, wenn jemand einen Brief im Nachlaß seiner Großmutter findet.

Alles andere ist Fiktion und geschickte Verknüpfung, man kann aber über die Bauhausgeschichte in dem kleinen beigelegten Büchlein nachlesen und hat wieder etwas gelernt.

2018-03-13

Bloggerdebutpreis an Klaus Cäsar Zehrer

Christian Bangel

Christian Bangel

Klaus Cäsar Zehrer

Klaus Cäsar Zehrer

Am Montag sind wir dann nach einem gemütlichen Hotelfrühstück in Würzburg  nach Essen zur Verleihung des zweiten Bloggerdebutpreises an Klaus Cäsar Zehrer abgefahren, zu der mich ja die Frauen vom „Deburt“ eingeladen haben, und weil ich  gern zu Preisverleihungen gehe und es sich auch gut mit Leipzig verbinden läßt, sind wir schon ein paar Tage früher von Wien weg und haben uns wegen der Umweltzone sogar ein Auto dafür gemietet.

Sind in der Stadt, in der Elke Heidenreich, wie ich in einem Interview las, geboren wurde, ich aber noch nie war,  kurz nach eins eingetroffen,  haben das Auto in der Nähe des Cafe Livres, wo die Veranstaltung stattfand, abgestellt. En sehr gutes und preisgünstiges Mittagsmenü in einem Asia-Snackrestaurant eingenommen und sind durch die Stadt marschiert, um uns die Sehenswürdigkeiten anzusehen.

Zum Bahnhof, zum Dom, durch die Rathausgalerie, bis zu  der Marktplatzkirche vor der der Herr Krupp steht, dem Essen offenbar viel zu verdanken hat und danach in die Rüttenscheiderstraße, wo es einen der offenen Bücherschränke, die hier von großen Firmen gegründet wurden, gibt und habe dort ganz passend, ein Buch über Alfried Krupp und Beitz  Berthold  gefunden, so daß ich, wenn es sich bei all den Bücherbergen ausgeht, auch über dieses Stück Essener Geschichte nachlesen kann.

Danach haben wir uns in das Cafe Extrablatt gesetzt und einen Caffe Latte getrunken, bevor es zu der Preisverleihung in das Kaffeehaus ging, in dem Bozena Anna Badura, Sarah Jäger und Janine Hasse seit einiger Zeit Debutlesungen veranstalten und zum zweiten Mal der Bloggerdebutpreis vergeben wird, in dem es schon sehr voll war.

Das Cafe hat seinen Namen von den Bücherregalen, die überall aufgestellt sind und hinter und am Lesetischchen waren schon die Debutbücher aufgereiht, die man später kaufen und von den zwei Meistplazierten signieren lassen konnte.

Außer mir waren von der Bloggerjury noch Silvia Walter von den „Leckeren  Keksen“ und sonst noch Tobias Nazemi vom „Buchrevier“ anwesend, der, wie ich hörte, in Essen eine Werbeagentur hat

Bozena Anna Badura moderierte, stellte den Preis, die fünf Shortlistnominierten, die aus den vierundsechzig eingereihten Büchern ausgewählt wurden, sowie den Preisträger Klaus Cäsar Zehrer, der von den dreizehn mitstimmenden Bloggern 46 Punkte bekommen hat, also in der Abstimmung weit vorne lag,  vor.

Der mit 23 Punkten Zweitplazierte Christian Bangel war auch eingeladen und las ebenfalls aus seinem Debut vor. Dann gab es ein Interview zu der Entstehungsgeschichte und die Frage, wie die Autoren zu ihren Büchern gekommen sind und interessant waren die Gemeinsamkeiten, die Christian Bangel bei den eigentlich sehr unterschiedlichen Büchern,  das eine eine Biografie über ein tatsächlich gelebt habendes amerikanisches Wunderkind, das andere ein Stück DDR-Geschichte mit wahrscheinlich autobiograschen Bezug, denn auch Christian Bangel stammt aus dem Osten Deutschlands, fand.

Christian Bangel, Klaus Cäsar Zehrer, Bozena Anna Badura

Christian Bangel, Klaus Cäsar Zehrer, Bozena Anna Badura

Beide Bücher sind aus vorher geschriebenen Artikeln hervorgegangen. Klaus Cäsar Zehrer hat seit 2009 recherchiert und fünf Jahre an dem Buch geschrieben, Christian Bangel zwei oder zweieinhalb Jahre und wurde von seinem Agenten zu dem Buch motiviert, das dann gleich sehr erfolgreich war

Dann gab es noch überraschend und sehr spannend, je einen anderen Text der Autoren, um die unterschiedliche Bandbreite  aufzuzeigen und da meinte Christian Bangel, der den journalistischen Text aus seinem Handy vorlas, das sein Buch sein erster literarischer Einstieg wäre, während Klaus Cäsar Zehrer schon kürzere literarische Texte geschrieben hat.

Einen, mit dem er schon einmal einen von der Zentralen Intelligenz Agentur von Kathrin Passig und Sascha Lobo einen etwas skurillen Preis gewonnen hat, weil das Puplikum offenbar mit Stromstößen die Leselänge bestimmen konnte, las er vor und erzählte, daß er mit dem Buch für den byrischen Literaturpreis nominiert war, den dann Franzobel gewonnen hat und, wie Franzobel der sich ja bei der Preisverleihung sich darüber „freute“ diesen Preis und nicht den dBp gewonnen hat, bedankte er sich mit sehr ähnlichen Worte für den  Preis, der  mit einem Abendessen  in einem Innenstadtlokal zu Ende ging, bei dem wir sozusagen mitkommen mußten, weil wir bei Bozena Anna Badura zweimal übernachten, bevor es nach Leipzig weitergeht und ich habe einer sehr interessanten Veranstaltung beigewohnt und das Gästebuch gesehen, in dem sich schon die anderen Debutanten eingetragen haben, die im „Livres“ gelesen haben und man konnte wieder sehr schön sehen, daß Blogger und das Bloggeschehen für den Literaturbetrieb nicht ganz unwichtig sind.

2018-03-12

Literarischer und kultureller Würzburger Zwischenstop

Filed under: Reisebericht,Veranstaltungen — jancak @ 00:18
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Brückenschoppen auf der Alten Mainbrücke

Brückenschoppen auf der Alten Mainbrücke

Alte Mainbrücke

Alte Mainbrücke

Wir sind also, weil der Alfred nicht in einem Tag von Wien nach Essen durchfahren wollte, am Samstag von Wien ab- und nach Würzburg gefahren, wo wir schon vor drei Jahren waren und dort im „Bockshorn“ im „Kulturspeicher“ ein Kabarett besuchten.

Da hätten wir natürlich auch am Sonntag fahren können, allerdings ist sowohl in Essen, als auch in Leipzig, Umweltzone und wir haben ja ein alten Auto, wo wir das diesbezügliche Pickerl nicht mehr bekommen. Bisher hat das in Leipzig nichts gemacht. Diesmal wollte sich der Alfred aber ein Auto mieten, konnte das aber nur am Samstag machen, also sind wir nach Würzburg gefahren und haben das Wochenende dort verbracht.

Das heißt, wir sind am Samstag, um fünf angekommen und hatten diesmal ein Hotel gleich beim „Kulturspeicher“ und  im „Bockshorn“gab es wieder ein Kabarett, beziehungsweise ein Konzert von „Gankino-Circus“ und wir haben sogar Restkarten dafür bekommen.

Sind ein bißchen in der Stadt herumspaziert, das heißt zuerst wieder bei der Mainbrücke, wo die Leute mit den Gläsern auf der Straße stehen, einen „Hugo“ beziehungsweise ein Glas Wein getrunken und sind dann beim  „Hugendubel“ einer dieser deutschen Buchhandlungsgroßketten gelandet, wo ich mich mit einer Reihe von Leseproben eindeckte und mir auch zwei Bücher für je zwei Bücher besorgte, weil ich bei Abverkaufsbücher, obwohl ich ja einen deutschen Lesevorrat mithatte und mich bald auf eine Buchmesse begeben werde, nie wirklich nein sagen kann.

Das war also der Samstag, blieb also die Frage wie wir den Sonntag in Würzburg verbringen sollten? Wo wir  schon vor drei Jahren einen Stadtspaziergang machten. Der Alfred schlug einen Spaziergang auf die Festung Marienberg vor und zu Mittag, das Restaurant, das wir vor drei Jahren nicht gefunden, beziehungsweise verwechselt hatten, aber sonst wären wir ziemlich ratlos geblieben, hätte mir der Alfred nicht beim Frühstück ein kleines Heftchen gezeigt.

„Würzburg liest ein Buch“ war es betitelt und zeigte am Cover den Roman von Jehuda Amichai „Nicht von jetzt, nicht von hier“ und dann noch ein paar Leute, die damit lesend in der Würzburg-Kulisse herumstanden oder saßen und darunter war geschrieben „Die ganze Stadt macht mit: Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, diskussionen, Theater und vieles mehr“ und das Programm das in dem Heftchen abgedruckt war, begann, obwohl als Datum der April angegeben war, schon im Februar und hatte auch am Sonntag eine diesbezügliche Veranstaltung.

Falkenhaus

Falkenhaus

Auf der Alten Mainbrücke

Auf der Alten Mainbrücke

Jechuda Amichai, nie etwas von ihm gehört. Das Heftchen gab aber auch diesbezügliche Auskunft, daß das ein unter dem Namen Namen Ludwig Pfeuffer geborener Würzburger Lyriker war, der  1936 mit seiner Familie nach Israel emigrierte, 1955 den ersten Gedichtband veröffentlichte, der Roman „Nicht von jetzt, nicht von hier“ ist 1992 erstmals in deutscher Sprache erschienen und 2000 ist der Autor, dessen Buch in Würzburg jetzt gelesen werden wird,  in Jerusalem gestorben und am Sonntag,  um elf hat es beim Rathaus eine Stadtführung oder eine „Spurensuche nach der Stadt Jehuda Amichais“ gegeben, die wir besuchen konnten.

Ich habe dann im Hotel noch ein anderes Programmheft gefunden, in dem zu erfahren war, daß am Sonntag in Würzburg und wahrscheinlich auch anderswo „Weltgasttag“ war und es daher von elf bis sechzehn oder siebzehn Uhr kostenlose Stadtführungen zu verschiedenen Themen gab und eine davon war schon, die oben erwähnte von einem Dr. Hans Steidle, offenbar ein ehemaliger Lehrer, der sich schon sehr viel mit Ludwig Pfeuffer oder Jehuda  Amichai beschäftigte und die Orte zeigte, wo er aufwuchs, zur Schule ging, das Geschäft seines Vaters und sich die ehemalige synagoge befand, etcetera und das Buch, das jetzt in der Stadt im April gelesen werden soll, ist, wie Hans Steidle betonte, einerseits sehr kompliziert, andererseits wieder sehr einfach.

Ein junger Archiologe, der in den Neunzehndreißigerjahren emigrieren mußte, kommt nach dem Krieg nach Würzburg oder Weinheim, wie es, glaube ich, in dem Buch heißt, zurück und begibt sich auf die Spuren seiner Vergangenheit.

Auf der alten Mainbrücke

Auf der alten Mainbrücke

Hans Steidle hat also, an die Orte geführt und immer wieder Stellen aus dem Buch gelesen, beziehungsweise Bilder von der Familie gezeigt und es war sehr interessant, die Stadt kennenzuleren von ihrer Vergangenheit und einen mir bisher unbekannten Autor zu erfahren und weil es schon angebobten war, haben wir nach dem Essen, in dem Lokal, das wir diesmal gefunden haben, noch zwei Führungen gemacht und uns da auf die Spuren der Würzburbger Frauen, Malerinnen, Bildhauerinnen, Sozialreformerinnen, aber auch die die Wäsche wuschen oder am Markt Gemüse verkauften, begeben, beziehungsweise sind wir den „Stolpersteinen“ nachgegegangen, die es ja auch in Wien gibt und die von den Menschen erzählen, die in den Häusern, vor denen sie angebracht wurden, gearbeitet und gelebt haben, bevor sie von den Nazis vertrieben wurden.

Dann sind wir noch auf die Festung hinaufgegangen und haben also einen sehr interessanten Würzburger Sonntag erlebt, wo es sehr viel und sehr intensiv in die Vergangenheit und das Leben und die Geschichte der jüdischen Bewohner vor 1933 gegangen ist und ich habe gelernt, daß der sechzehnte März für Würzburg eine tragische Bedeutung hatte, während es in Österreich ja gerade der zwölfte ist, dem gedacht wird und den ich diesmal nicht dort erlebe und der eine das Ende, das sehr zerstörte Würzburg und das andere den österreichischen Beginn des Endes beschreibt.

„Würzburg liest ein Buch“ wird heuer übrigens zum dritten Mal durchgeführt, 2014 wurde da Leonhard Franks „Der Jünger Jesu“ ausgesucht, dem auch eine Stadtführung gewidmet war und mit dem sichHans Steidle ebenfalls schon beschäftigt hat, 2016 war es der mir bekanntere Jakob Wassermann mit dem „Aufruhr um den Junker Ernst“, der, was ich nicht wußte, auch einen Würzburger Bezug hatte, allerdings in  Altaussee getorben ist und ich habe ganz zufällig und nebenbei ein Stück der Würzburger Literaturgeschichte kennengelernt, die mir ohne dem Zwischenstop sicherlich entgangen wäre.

Und ehe ich es vergesse den Bücherschrank  in der Eichhornstraße haben wir auch aufgesucht und ein paar „Diogenes-Krimis“ dort gefunden.

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