Literaturgefluester

2018-05-28

Undergroundrailroad

Jetzt kommt wieder ein sogenanntes „Backlist-Buch“, also kein Rezensionsexemplar aus der Frühjahrs- oder Herbstproduktion, sondern eines das 2017 den „Pullitzer-Preis“ bekommen hat, im Vorjahr bei „Hanser““ erschien, dann überall bei den Blogs auftauchte und auch bei der „Thalia-Buchhandlung“, die es im Vorjahr bei der „Buch-Wien“ gab, auf dem Bücherstaüel lag, als ich nach meinem Geburtstagsfest, mit dem Büchergutschein von der Anna dort auftauchte und ihn einlösen wollte.

„Ein interessantes Buch, ein wichtiges Thema!“, habe ich wohl gedacht und den 1969 in New York geborenen Colson Wihitehead auch bei der letzten „Literatur im Herbst“ persönlich aus dem Buch lesen gehört und als Kind, ich weiß nicht, genau, ob ich das schon mal erwähnt habe, habe ich wahrscheinlich so mit zehn oder zwölf „Onkel Toms Hütte“ gelesen und war davon tief beeindruckt.

Das könte man vielleicht sentimental oder kitschig nennen und diesbezügliche Einwände haben. Colson Whitehead, von dem ich kürzlich entdeckte, daß ich schon einmal ein Buch von ihm gefunden und auf meinen Bücherstapel liegen habe, tut es, no na, weit moderner, in dem er die Phantasik mit der Realität vermischt und auch ständig zwischen Gegenwart und Zukunft hin und her springt, Ereignisse vorwegnimmt oder wiederholt, was das Lesen nicht unbedingt einfach macht, am Schluß aber ein sehr dichtes Bild überbleibt, was das Buch auf jeden Fall lesenswert macht.

Die „Undergroundrailroad“ hat es auch gegeben, zwar nicht wirklich als Eisenbahn, die unter der Erde herumfuhr und entlaufenen Sklaven in Freiheit brachte, sondern sie war ein Netzwerk von Sklavenhelfer, das sich des Eisenbahnjargons bediente, also von „Tickets“, „Stations“, etcetera sprach, um ihr tun geheimzuhalten oder zu codieren.

Colson Whitehead nimmt es wörtlich und erzählt von den Zuständen des damaligen Amerikas, der Sklaverei, mit einer unheimlichen Brutalität, während es Harriet  Beecher Stowe im neunzehnten Jahrhundert natürlich viel christlicher und sanfter machte.

Es geht in dem Buch im wesentlichen, um die Sklavin Cora , die ihrem Herrn entflieht: „Als Caesar das erste Mal von einer Flucht in den Norden redete, sagte Cora nein!“, lautete so auch der erste Satz.

Denn erinnern wir uns, der Norden Amerikas war liberaler, im Süden herrschte Skaverei und laut Colson Whitehead, der wahrscheinlich auch aus einer solchen Familie entstammt, unglaubliche Brutalität.

Cora, deren Mutter Mabel es als einziger Sklavin jemals gelang ihrem Herrn zu entfliehen und dabei die zehnjährige Tochter zurückließ, weshalb Cora sie entsetzlich haßt, am Schluß des Buches erfahren wir, sie hätte zurückgehen wollen, aber, Perversität des Schicksals oder der Whiteheadschen Phantasie, sie wurde durch einen Schlangenbiß daran gehindert und von den Sümpfen verschlungen, entschließt sich dann doch zur Flucht und benützt dazu die Undergroundrailroad für jeweils eine Station.

So ist ihr erster Aufenthalt in Slouth Carolina und hier werden meiner Meinung nach die Zeiten etwas vermischt, denn das Leben was die freie Bessie, die aber eigentlich der USA gehört, führt, klingt sehr modern und auch interessant, aber das könnte auch an der Übersetzung liegen, denn ich habe ja nicht das Original gelesen, werden hier auch Ausdrücke verwendet, die damals höchst wahrscheinlich nicht üblich waren. So gibt es „Wohnheime für Farbige“, in dem Bessie, wie Cora dort genannt wird, lebt, während in anderen Kapiteln durchaus auch von „Negern“ oder „Niggern“ geschrieben wird.

Bessie wohnt also in einem solchen Wohnheim, das von der freundlichen Miss Lucy geleitet wird, sie arbeitet zuerst bei einer weißen Familie als Dienstmädchen, dann auch ein skurriles Detail aus der Wihiteheadschen Phantasie in einem Museum, wo sie die Entwicklung der Sklaverei darstellen muß, was ihr von Miss Lucy, als Aufstieg, weil man mit ihr so zufrieden war, eingeredet wird. Man sieht schon, Colson Whitehead ist sehr modern und man hat auch in anderen Kapitel den Eindruck, er meint vielleicht nicht nur die Sklavenbewegung, sondern auch den Holocaust oder die Flüchtlingskrise der heutigen Zeit, etcertera, aber davon später.

Erst muß Bessie, auch sehr modern, zur ärztlichen Untersuchung, wo ihr die Vorzüge der Sterilisation eingeredet wird, sie darf sich das zwar überlegen, es wird ihr aber sehr empfohlen, etcetera.

Es kommt dann, als noch von medizinischen Experimenten die Rede ist, die an den farbigen Bewohnern verübt werden, zur Fluchgt mit der Railroad nach North Carolina.

Dort herrscht das blanke Entsetzen. Cora muß sich, wie Anne Frank, wie ich in einer Rezension gelesen habe, auf dem Dachboden verstecken und sieht vom Fenster in einen Park, wo Schwarze zur Belustigung der Bevölkerung aufgehängt werden, während es unten, bei ihren Flüchtlingshelfern zu ständigen Hausdurchsuchungen kommt, denn, wenn man Schwarze versteckt, wird man selbst exekutiert.

Der Gedanke an die Nazis ist da auch mir gekommen. Es geht aber weiter nach Indiana und hier landet Cora auf einer Farm, die einem Schwarzen gehört, der von den Weißen, als ein solcher gehalten wird. Hier gibt es wieder Unterricht und Schulen und es wird auf Diskussionen im Versammlungshaus auch davon geredet medizinische Schulen und andere Fortbildungen für Schwarzeeinzurichten.

Die Weißen halten das natürlich nicht aus und verbrennen, sowohl das Haus, als auch die Bibliothek, in der sich Cora gerne einfindet, um Bücher zu lesen und hier steht auch wieder ein sehr beeindruckender Satz, der einem beuteln und nachdenken läßt:

„Mein Herr hat gesagt, das Einzige, was gefährlicher wäre, als ein Nigger mit einem Gewehr“, sagte er zu ihnen, „wär ein Nigger mit einem Buch“.

Es kommt also wieder zur Flucht mit der Railroad in den Norden. Ob es dort wirklich besser ist, bleibt eigentlich offen oder besser, wir wissen es, wenn wir uns das heutige Amerika anschauen, wo die Schwarzen immer noch sehr diskriminiert werden, es aber auch schon zum Präsidentenstatus oder zu Pulitzerpreisträger brachten.

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