Literaturgefluester

2018-05-31

Im Frühling sterben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt wieder ein Buch von meiner „Backlist“ und eines, das nicht auf der Longlist des dBp 2015 gestanden ist, hat sich das doch Ralph Rothmann verbeten, was im Sommer 2015 für einiges Aufsehen erregte, jetzt aber fast vergessen ist, obwohl im „Frühling sterben“ ein Roman über die letzten Tage des Krieges und das Schicksal zweier siebzehnjähriger Jungen, von denen einer nicht an die Front wollte, ein sehr eindrucksvolles Buch ist, das auf meiner Leseliste landete, weil ich es mir als 2015 auf der „Buch-Wien“ wieder beim ö1 Quizz angetreten bin, aussuchen durfte und da ich ja so viele Bücher auf meiner Liste habe und in letzter Zeit sehr viel Rezensionsexemplare bekomme habe, jetzt erst zum Lesen komme.

Den 1953 geborene Ralph Rothmann, habe ich einmal bei einer „Literatur im März-Veranstaltungen“ kennengelernt und einige Bücher von ihm gelesen, weil er offenbar schon sehr viel geschrieben hat und die kleinen aber feinen „Suhrkamp-TB-Bändchen dann meist um einen Euro zu mir gekommen.

„Im Frühling sterben“ habe ich im Hardcover gelesen und es behandelt, wie auch im Klappentext steht, die Geschichte zweier siebzehnjähriger Melkerlehringe, die im Frühjahr 1945, als keiner mehr an den Endsieg glaubte, sehr zuversichtlich waren, nicht an die Frot zu müssen, denn Melken ist ja eine kriegswichtige Tätigkeit.

Dann wollt Walter, der Vater des Ich-Erzählers, wie man dem Prolog und dem Epilog entnehmen kann, mit seiner Liesl auf ein Tanhzfest und dort blieb, den jungen Burschen nichts anderes übrig, als sich freiwillig zur Waffen-SS zu melden, denn Befehl ist Befehl.

So wurden sie schnell ausgebildet und konnten es immer noch nicht glauben, daß sie sie ausrücken mußten, kamen dann aber nach Ungarn, wo Walter das Glück hatte, nur als Fahrer, sie haben bei ihrer Ausbildung auch den Führerschein gemacht, eingesetzt zu werden, während Fiete oder Friedrich, der das Gymnasium abgebrochen hat, an die Front mußte und weil er das nicht wollte oder auch, weil seine Freundin Ortrud schwanger war, desertierte und die Kameraden hatten dann den Auftrag oder die Ehre ihn zu erschießen, denn Befehl ist Befehl und wer sich weigerte, konnte sich gleich selbst dazustellen, etwas was Liesl ihren walter, als sie ihn ein paar Monate später wieder sah, denn der Krieg war ja bald vorbei und der Iwan oder die Amis schon am Anrücken, so gar nicht glauben wollte.

Aber was sollte man machen, man konnte nicht verweigern, wie Walter ihr Auskunft gab und später, wie im Prolog zu lesen stand, am Alkohol zugrunde ging und auch schlecht hörte und seine Kriegserlebnisse offenbar nie verarbeitet hat.

„In eindrucksvollen Bildern wird das“, wie im Klappentext steht, von Ralph Rothmann beschrieben und jetzt kann man, wenn man will, das Buch mit der Longlist von 2015 vergleichen und raten oder spekulieren, ob es auf diese gekommen wäre und den Preis vielleicht gewonnen hätte.

Ein eindrucksvoller Roman über den Krieg, die Wehrmachtssoldaten und die jungen Burschen, die ohne es zu wollen, an die Front geschickt wurden, ist es allemal und auf der Kritlit, auf der ich ich  vor einer Woche war, hat Robert Streibel auch das wiederaufgelegte Buch eines ehemaligen Wehrmachtssoldaten vorgestellt, dessen Freund zwar nicht desertierte, sondern Widerstand leistete und ebenfalls erschossen wurde.

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