Literaturgefluester

2018-09-22

Zwei Tage gratis Schreibworkshops

Ich kenne, da ich mich ja für jede Art des Schreibens interessiere, das „Writersstudio“ schon lange, im Zusammenhang mit einer Buchpräsitation von Judiths Wolfsberger „Freigeschrieben“ in der SFU bin ich in  Kontakt gekommen, habe einige Informationsabende in der Kaiserstraße besucht und war dann beim ersten Schnuppertag, als das „Writersstudio“ eröffnet wurde. Damals gab es drei Trainer und wahrscheinlich zwanzig Interessenten und das Angebot wuchs von Jahr zu Jahr. Irgendwann war es dann zweigeteilt in professionelles und literarisches Schreiben. Ich bin eine Zeitlang nur zum literarischen Teil, der mich ja besonders interssiert gegangen.

Im Vorjahr gab es dann auch den fünfzehnten Schreibemarathon, den ich zum „Nanowrimoschreiben“ an der „Unsichtbaren Frau“ nutze, die Zahl der Trainer ist rassant angestiegen.

Jetzt gibts schon eine ganze Menge davon und sogar eine eigene Trainerausbildung und schon drei Lehrgänge, nämlich zusätzlich zum „Passional Writing“ auch noch die „Journal Writing Therapy“, wo, glaube ich Psychologen auch eine eigene Trainerausbildung machen können und dann das befrufliche Schreiben mit dem Journalistenkurs und dem Sachbuchschreiben.

Und weil das „Journal Therapy-Schreiben“ auch sehr interessant ist, habe ich mich für beide Tage entschloßen. Zwar kurz überlegt, ob ich am Nachmittag weggehen sollte, aber ab sechs gabs Käse und Wein und dann noch eine Round table Gespräch zwar mit Absolventen der beruflichen Richtung und dann die Verlosung, wo ich zwar nie was gewinne, aber ich habe schon ein Writers Reterat gemacht, einmal Joga und die Writers Trick kenne ich  eigentlich auch.

Begonnen hat es am Freitag wieder mit den Morgenseiten, die Judith Wolfsberger diesmal etwas aufpappte. Das ist ein Freischreiben, das man jeden Morgen machen soll, sich einfach drei Seiten lang die Probleme von der Seele hinunterzuschreiben und zu ordnen, den Bleistift nicht abzusetzen. Das ist der Trick dieser nach amerikanischen Muster orientierten Schreibtechniken. Dann ging es schon zu den Collagen und den Träumen mit Johanna Vedral, die ich schon von den früheren Workshops kenne. Sie hat auch ein Buch dazu geschrieben.

Unabgesandte Briefe gab es dann auch, mit denen soll man sich den Frust von der Seele schreiben und ich habe da einige Ärgernisse bewältigt. Dann kam Ida Rätner aus Riga und brachte Farbe in das Unbewußte,  beziehungsweise zeigte sie eine Drucktechnik mit der man seine Journals aufpeppen kann. Am Schluß des Journal Writing kam wieder Anna Ladurner mit ihrem Zuckerlpäkchen und der Schreibaufgabre und man schrieb eine paar Details aus seinem Leben, einen Haiku und eine Kurzbiografie in sechs Worten.

Damit endete das Tagebuch- und es kam das berufliche Schreiben, etwas was mich zwar mit meinen Befunden, Mails und veröffentlichten Sachbüchern schon betrifft, aber nicht so interessiert. Aber das erste Workshop kam aus den Writers Tricks und da clusterten wir ein bißchen und das habe ich vorige Woche bezüglich der Magdalena Kirchberg auch gemacht, da habe ich also weitergeclustert, bin aber zu keinem neuen Ergbnissen gekommen. Dafür habe ich beim journalistischen Schreiben, versucht der Geschichte, der Magdalena Kirchberg auf die Spur zu kommen und die Szene geschrieben, wo der Jens in das Szenelokal stürmt, wo die Ulla mit dem Heiner Kubik sitzen, der fährt sie dann nach Hause, die Stimmung ist schlecht und es könnte sein, daß sie an der Ecke Hofühlgasse linke wienzeile fahren und auch eine alte Frau an der Kreuzung stehen sehen, daß das die Magdalena Kirchberg ist, die mit ihrem Roman nicht so zügig weiterkommt.

Michaela Muschitz versuchte wieder Neugier auf Online Angebote zu erwecken und da bin ich auch nicht wirklich darauf gekommen, wie ich es machen kann, daß sich meine Leser auf meine Gewinnspiele und Leserunden melden und Judith Wolfsberger schloß den Reigen in dem sie wieder Ideen zu Sachbuch- oder Nonfictiontexte gab, da habe ich mich mit einer Teilnehmerin über meinen Blog unterhalten.

Dann gabs den Wein und die Käsewürfeln und es wurde umgeräumt, fünf Damen erzählte, wie ihnen die Seminare beim beruflichen Schreiben weitergeholfen haben und was soll ich sagen, ich aber wieder nichts gewonnen, aber am Samstag war auch noch ein Schnuppertag und da ging es wieder an das „Passional Schreiben“, das fein zerlegt in neun Portionsteilchen aufgegliedert war und begonnen hat es mit etwas Neuem, nämlich dem  „Satire schreiben“, das Eva Hammani-Freisleben,  sehr liebevoll mit „Fackel-flakes- kleines Frühstück für das Sprachhirn“ aufbebreitet hat und das ich, obwohl ich ja keine sehr Humorvolle bin, für meinen Diskurs mit dem Uli höchstwahrscheinlich brauchen kann, denn in der Satire geht es ja um das Übertreiben und das Thema hieß „Wie schimpft sich Morgenmüdigkeit“.

Zettelchen mit Zitaten zum Thema wurde verteilt, ich erwischte das, das man sich „Zeit lassen“ soll und das war sehr lustig. Es gab wieder ein Gewinnspiel, wo man am Abend ein solchen Seminar gewinnen hätte können.

Habe ich nicht, kann ich gleich spoilern und dann ging es weiter mit Bekannten. Judith Wolfersberger brach wieder ihre Lanze für den „Personal-Essay“, ich habe es da auch mit dem „Rechtsruck“ versucht. Aber das ist ein Text, der sehr lange werden könnte. Also war er nichts fürs Vorlesen. Ein paar andere haben es getan und haben da offenbar spontan sehr sehr tolle Texte fabrziziert.

Dann ging es wieder an das „Short Story Schreiben“ mit Ana Znidar und noch einmal zum „Memoir“.

Dann kamen die „Young-Freewriters“ und da stellte Gundi Haigner gekonnt die Frage „Sind wir „Superheldinnen?“

Das ist ein Programm, das die Lehrerin für ihre Schülerinnen einmal entwickelt hat. Sie brachte auch ein paar junge Freewriter mit und als erste sollte man sich selber malen,  dann zu den Gesichtern ein paar Bemerkungen schreiben und anschließend konnte man sich eine Geschichte wünschen, die viel Selbstbewußtsein geben kann.

Spannend spannend und vielleicht sogar sehr hilfreich. Weiter ging es wieder mit den „Oden“, beziehungsweise der „Poetry. Die „Ode an die Zwiebel“, beziehungsweise das „Buch“, den „Bleistift“, das „Kaffeehäferl“ habe ich auch schon geschrieben und auch bezüglich „Travelwriting“ habe ich schon einige Geschichten geschrieben und sie in meinen Blog gestellt.

Ana Znidar riet da sich seine persönlichen Blickwinkel auf die Urlaubsorte zu suchen und zu beschreiben und das habe ich ja heuer schon in Bern und in Zürich getan, für die Schreibübung habe ich einen Text über Wiens Bücherkästen begonnen und mit Marcus Fischer ging es an das Titelbasteln. Da mischen zwar, glaube ich, zumindestens im Belletristikbereich, die Verlage kräftig mit und es gibt ja auch einen Titelschutz.

Es kann aber trotzdem nicht schaden, sich selber einen starken Titel auszudenken  und Michaela Muschitz wies wieder mit kräftiger alle Müdigkeit verscheuchende Stimme in das spannende Schreiben ein.

Das war also nicht sehr neu für mich. Aber eine gute Wiederholung und ich unterhielt mich auch sehr intensiv mit einigen Teilnehmern.

Anschließend gab es wieder Wein und Käse und diesmal eine Lesung von fünf „Passion-Absolventinnen“. Denn das „Writersstudio“ hatte einen Schreibwettbewerb zum Thema „Langfristig“ ausgeschrieben und die Texte ausgewählt, die sich mit den Erfahrungen mit den Kursseminaren beschöftigten.

Fünf euporische Schreibberichte mit sehr schönen Texten davor und dazwischen die Verlosung und dann ging es selber zu einer Lesung.

Denn der liebe Rudi hatte mich ja um acht  ins „Bebop“ eingeladen. So hetzte ich mit vollen „Schreiberkopf“ dahin und habe aber wieder viel gelernt.

2018-09-21

All die Nacht über uns

Jetzt kommt das sechste beziehungsweise erste Buch der öst Buchpreisliste, nämlich Gerhard Jägers „All die Nacht über uns“, aus dem „Picus-Verlag“, wo mir bisher, sowohl Buch, als Autor völlig unbekannt war.

Ja man erlebt mit den Buchpreislisten immer wieder seine Überraschungen, so war ja auch vor zwei Jahren Peter Waterhouse „Die Auswandernden“ für mich eine Überraschung und das zweite Buch des 1966 in Dornbirn geborenen, hat auch ein ähnlich aktuelles Thema, wenn es vielleicht auch manchmal etwas kitscheriger, als die Poesie des Peter Waterhouse ist.

Geht es dabei doch, wie im Klappentext steht, um die „Chronik einer Nacht“, in der ein Soldat von neunzehn Uhr bis sechs Uhr früh allein auf einem Turm an der Grenze steht, sein Vaterland allein, obwohl das gegen die Vorschrift ist, gegen die bösen Eindringliche aus dem Osten oder von wo auch immer bewacht, dabei raucht, sich betrinkt, mit dem Gewehr, der „einzigen Braut“, die ihm geblieben ist, mehr oder weniger sinnlos herumballert und dabei über sein Leben resumiert.

Stimmt nicht ganz, poetisch ist diese Chronik auch, geht es doch dabei um Vögel, um den Mond und, um das Brunftgeschrei der Hirsche, das der junge Wehrdienstpflichtige, der ihm einmal begleitete, für eine Bedrohung hält und durch die Gegend robbt.

Manchmal scheint sich auch die Phantsisie mit der Wirklichkeit zu vermischen, wenn die Nacht lang ist und der namenlos gebliebene Soldat stundenweise durch sein Leben geht. Denn er hat sehr viel erlebt, der noch im Haus seiner immer betenden Mutter und seines Vaters, der jetzt auch neue Schlößer an der Haustür angebracht hat, um sich vor den fremden Eindringlichen zu schützen, lebt. Es gibt auch eine Großmutter, die als junges Mädchen nach dem Krieg selber aus Hinterpommern hergeflüchtet ist, die hat, obwohl fikitiv, wie Gerhard Jäger in seinem Nachwort schreibt, ein reales Vorbild einer geflüchteten Frau, der das Buch gewidmet ist und die Großmutter hat den Soldaten auch ihr Tagebuch, in dem die Fluchterlebnisse und die Briefe, die sie an ihre Toten schrieb, aufgezeichnet sind, überlassen, das er auf seinem Wachposten durchliest und dabei gehen ihm die eigenen Erlebnisse durch den Kopf.

Die erste Einführung in die Liebe durch eine Prostiutierte, die von ihm dafür einen Sonderpreis verlangte, die erste Bebegnung mit seiner Frau von der er einen Sohn hatte, dessen Bild er auch in seinem Rucksack mit sich führt und es  an der Grenze kurzfristig verliert.

Er hat auch den Sohn und die Frau verloren und in seinen Phantasien tauchen auch immer die Szenen von den Polizisten auf, die zu ihm kamen und ihm vom Tod der Frau erzählen.

Das Kind ist im Swimmingpool ertrunken, die Frau hat darauf im Streit das Haus verlassen, sich ins Auto gesetzt und ein Flüchtlingheim gibt es auch in dem Dorf und die Vergewaltigung einer Kellnerin, worauf dann alle mit Fackeln auf das ehemalige Hotel zustürzen um ihre „Heimat zu verteidigen“ und der Soldat steht unter ihnen, schreit hypnotisiert mit,  wirft auch seine Fackel und schämt sich dann, als er naß nach Hause kommt und ihm die entsetzt schauende Großmutter dabei erwischt.

Sehr eindringlich und wie erwähnt manchmal auch ein wenig kitschig, hat Gerhard Jäger diese „Chronik der Nacht“ geschrieben. Ein Mann jenseits des Zaunes, den der Soldat „Bäcker“ nennt, taucht auch noch auf und der Soldat denkt an seinen Schießbefehl und die Meldung, die er machen müßte und dann doch nicht macht und denkt auch an eine Begegnung mit einem flüchtlingskind das er einmal hatte, das mit einem Auto spielte und ihn genauso, wie sein Sohn „Babab“ und „ta“ nannte.

Viel zu viel für eine einzige Nacht wahrscheinlich wieder, aber sehr eindrucksvoll erzählt  und daher ein Buch, das in Zeiten wie diesen, wo in Chemnitz und anderswo auch gerade die Heimat verteidigt wird, erinnern kann, daß sich die Flüchtlingsschicksale wiederholen, daß kein Mensch illegal ist und  Schießbefehle zur Grenzverteidigung hier und dort nicht gerechtfertigt sind, so daß ich sehr froh darüber bin, daß das Buch, das sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen ist, auf  die österreichische Buchpreisliste kam und bin nun sehr gespannt ob es auf die Shortlist kommt.

2018-09-20

Vom letzte Mal Wien 1938 Ausstellungsgespräch zum zwölften Radio Rosa

Wir haben, obwohl es in Zeiten von Chemnitz und des allgemeinen Rechtsrucks schon ein bißchen altbacken klingt, heuer ein Gedenkjahr und damit eine Ausstellung in der Wien-Bibliothek, die in allen Facetten und Formen zeigte, wie sich Wien durch den sogeannten Anschluß verändert hat.

Seltsamerweise endet die Ausstellung morgen und wird, glaube ich, durch eine über die Wiener Märkte ersetzt, obwohl die Reichskristallnacht, zu der man jetzt ja, wie ich hörte, Novemberprogrom sagen muß, auch sehr wichig wäre.

Bei einigen Ausstellungsgesprächen, die jeweils  um siebzehn Uhr im Seminarraum der  Wien Bibliothek stattfanden, bin ich gewesen, zuetzt bei dem Forschungsgespräch wo Heimo Gruber etwas zu den Veränderungen in den Arbeiterbücherein sagte und heute gab es etwas zu den Arisierungen und da wurde sehr genau darüber berichtet, daß die Stadt Wien schon sehr bald ihre jüdischen Mitarbeiter entlassen hat, dann bekamen die, die in den Gemeindewohnungen wohnten, eine Kündigung, mußten ihr Vermögen angeben, Rechsfluchtsteuer zahlen, wenn sie nicht deportiert wurden, die „wilden“ und auch die ordnungsgemäßen Arisierungen haben vorher stattgefunden und die beiden Forscher Michael Wladika und Dieter Hecht die unter der Moderation von Christian Merterns referierten, erzählten sehr genau von Dokumenten, Briefen Tagebücher, etcetera, die man später gefunden hat, in denen die jüdischen Bewohner darüber berichteten wie es ihnen mit dem Anschluß ergangen ist.

Ich fand das sehr spannend, obwohl ich über dieses Thema schon  viel gelesen und geschrieben habe und auch fünfzehn Jahre nach der Reichskristallnacht geboren wurde und für nachher hatte ich wieder ein Entscheidungsproblem, denn nicht nur der „H. C. Artmann- und der Leo  Perutz-Preis“ diese beiden Gegensätze des literarischen Schaffens scheinen in Wien immer gleichzeitig stattzufinden.

Es gibt auch sonst die Programme der verschiedenen Literaturinstitutionen und da wollte ich eigentlich in die „AS“ gegen, denn da wurde Andreas Unterwegers neues Buch vorgestellt und dann „Orchis“ von Verena Stauffer.

Gut, das habe ich schon gelesen und ich schreibe ja immer, daß ich aus ökonomischen Gründen, nicht gern zu Veranstaltungen gehe, wo ich schon das Buch gelesen habe, dann habe ich gesehen, im Literaturhaus gibt es das zwölfte „Radio Rosa“, organisiert von Patricia Brooks, die wahrscheinlich aus Vernetzungsgründen ihre Reihe länger als ich meine „Mittleren“ ausgehalten hat, ein oder zwei Veranstaltungen habe ich auch besucht „Warum sind wir da wo wir sind, wenn wir da sind wo wir sind“, hieß das etwas kryptische Thema zu dem Verena Dürr, Ilse Kilic, Caroline Profanter und Sophie Reyer eingeladen wurden und ich dachte spontan, nicht schon wieder Ilse Kilic, die habe ich doch schon vorgestern gehört, dann ließ ich es, vielleicht auch weil ich einen Kommentar von ihr bekommen habe, offen, habe beide Programme eingepackt und spannend, spannend, wohin es mich verschlagen wird und merkte schon in der Wien Bibliothek intuitiv, daß es mich eher in Richtung Literaturhaus ziehen wird, vielleicht weil ich ja beim „H. C. Artmann-Preis“ immer wieder die experimetellen Autoren versäume, hier kann ich mich schadlos halten, habe ich gedacht und mich dann im Literaturhaus lange  mit Robert Huez unterhalten, der sehr oft mit mir spricht und ich habe auch sehr viel Literarisches zu erhzöhlen, da ich ja schon sieben Bücher des dBp gelesen habe und jetzt mein siebentes öst lese und da eigentlich Hanno Millesi, den ich sehr schätze, für einen besseren Erhzähler gehalten hatte.

Es war auch das übliche experimentelle Publikum im Saal, sowie Silvia Bartl, die mich ja damals als sie noch im Literaturhaus Programm machte, hinausgeschmissen hat, Melamar, Fritz Widhalm Erika Kronabitter, Annalena Stabauer, die ich eigentlich in der „AS“ vermutet hätte und und und und ich kann sagen, obwohl ich ja keine so Experimentelle bin, der Abend hat mir gefallen, denn Sophe Reyer, die ich ja schon bei den „Wilden Worten“ und dann auch in der „Alten Schmiede“ hörte und Verena Dürr, mit der ich bei der Amerlinghaus-Benefiz-Lesung gelesen habe und die 2017 auch in Klagenfurt war und Ilse Kilic haben zu der Musik von  Caroline Profanter sehr interessante Texte gelesen oder gesungen.

„Kann ein Gedicht lebendig sein?“, lautete beispielsweise eine Frage und eine andere, ob sich „Schreibmaschinen selbständig machen können?“, die Fragen wurden, glaube ich, von Ilse Kilic gestellt und Verena Dür beantwortete die letztere fuminant in einem Pladoyer auf die prekären Arbeitsbedingungen von freien autoren.

„Was die Spatzen so von den Dächern pfeifen?“ wurde auch gesungen und ich denke, es war eine sehr spannende Performance und wem es interessiert, ein paar spannende Bücher habe in den Bücherschränken, beziehungsweise im „Wortschatz“ auch gefunden, obwohl ich mit dem Lesen kaum mehr nachkomme.

2018-09-19

Nervenkitzel hoch fünf

Wieder einmal „Leo Perutz-Preis„, der Kimipreis des österreichischen Hauptverbandes, den es seit einigen Jahren gibt, weil Krimis sich offenbar am besten verkaufen lassen und nicht seit Anfang an, aber schon sehr lang, bin ich dabei gewesen, obwohl ich ja keine so typische Krimileserin bin, aber Leo Perutz war auch kein so typischer Krimiautor und so typische Krimis werden dort auch nicht prämiert, sondern das eher „literarische Anspruchsvolle“, aber Eva Roßmann war regelmäßig dabei  Beate Maxian und und und…

Seit ich dabei bin haben die Veranstaltungen in der Grünangergasse stattgefunden, Günther <kaindlsdorfer der Jetztige“ Buch-Wien-Messedirektor“ moderierte, es gab ein Buffet und, ich glaube, keinen Büchertisch, weil ja die Veranstaltung an die Insider, an die buchhändler, die Verlage, etcetera gerichtet war.

Einmal fand die Veranstaltung  im Bestattungsmuseum statt. Da gab es kein Buffet, man konnte aber eine Führung durch das Museum machen und seit vorigenJahr gibt es offenbar eine Connection mit der „Wien-Bibliothek“, die das letzte Jahr, glaube ich, Brötchen, aber heuer nur das übliche Brot und Wein Angebot stiftete.

Das Prozedere blieb gleich. Statt Günter Kaindlsdorfer moderiert jetzt RomanKollmer, der auch in Leipzig  das Österreich-Cafe moderiert und bei der „Buch Wien“ auf der Kochbühne etcetera tätig ist, eine Jury, die aus Buchhändlern, der Stadt Wien, dem Hauptverband und seit vorigen Jahr auch dem Bestattungsinstitut, was ich eigentlich, ganz ehrlich, ein wenig makaber, die anderen aber für lustig finden, suchte aus den gängigen Krimis eine Shortlist aus fünf Büchern aus und die waren heuer Albert Frank „Tod vor dem Steffl“, David Krems „Falsches Licht“, Fritz Lehner „Nitro“, Beate Maxian „Tod in der „Kaisergruft“ und Günther Neuwirths „Die Frau im roten Mantel“, davon waren mir Beate Maxia, die schon dreimal nominiert war und von der ich auch einige Bücher in meinen Regalen, aber noch nicht gelesen habe und Fritz Lehner bekannt, der das 2016 mit „Seestadt“ war, was ich mir im Winter bei einem „Morawa-Abverkauf“ kaufte, die anderen Bücher nicht und es ist jetzt auch nicht mehr so leicht zu der Veranstaltung zu kommen, da www. buecher.at, zwar den Ort und das Datum, aber nicht die Uhrzeit bekannt gab.

Beim Wien-Bibliothek-Programm habe ich das dann herausbekommen und war, weil sich das gut ausgegangen war, schon um halb sieben da, weil die ja keine Plätze für das Publkikum präsentieren. Aber soviel Andrang war dann gar nicht, weil die Wien-Bibliothek ja nicht extra ausschickte und außerdem fand, wie vor zwei Jahren auch zeitgleich,  die“ H. C. Artmann-Preisverleihung“ an Gundi Feyrer statt.

Ja, kann die Stadt Wien da nicht schauen, denn so groß ist das literaische Publkum Wiens ja nicht, obwohl genau betrachtet, sich die Krimileser wahrscheinlich nicht für die experimentelle Literatur interessieren werden und umgehkehrt.

Aber die Stadt Wien unterstützt den Preis. So war eine Dame vom Kulturamt in der Jury, nämlich Sylvia Fassl-Vogler, die ich, als ich mich mit dem Josef vor die geschlossene Tür stellte und auf das Eingelassen werden wartetete, gerade mit Benedikt Föger über diese Doppelveranstaltung renden hörte.

Also wäre sie auch ganz gerne hingegangen, mußte aber den <preisträger verkünden und ich habe ihr gesagt, daß ich das nächste Mal ganz gern zum „H. C Artmann-Preis“ gehen würde und werde das auch tun, ganz egal was da noch parallel stattfindet.

Aber diesmal Krimipreis, obwohl ich ja eigentlich keine so passionierte Krimileserin bin, aber eine Experimenetalfan auch nicht und so hörte ich der Moderatdion von Roman Kollmer zu, der die fünf ausgewählten vorstellte und mit ihnen jeweil ein kurzes <interview führte.

Albert Frank ist ein Schauspieler, so setzte er sich auch ein Kappl auf, als er aus seinem Roman „Tod vor dem Steffl“ in dem es, um genetisch veränderte Riesentauben geht, ein Stücken vorlas und er las natürlich sehr gut und es ist wahrscheinlich kein typischer Krimi und hat mir wahrscheinlich deshalb sehr gut gefallen.

David Krems ist wahrscheinlich auch kein typischer >Krimischreiber, denn er hat eine Dissertation über Fotografie geschrieben und die „Abfallprodukte“ dann zu „Falsches Licht“ verarbeitet.

Dann kam Fritz Lehner, den ich  urspüglich, glaube ich, bei einer der „Rund um die Burg-Veranstaltungen“ kennenlernte mit seinem Krimi „Nytro“, wo es um einen Sprayer beziehungsweise einen Bankbeamten und Serienmörder geht und der Autor las minitiös, die Szene, wo der Mörder, die Schnurr, um den Hals seines Opfers legt und ich dachte, daß mir das nicht gefällt.

Dann kam Beate Maxian, die schon dreimal nominierte, die vom Moderator gefragt wurde, was sie macht, wenn sie jetzt wieder nicht gewinnt?

Was sollte sie darauf sagen? „Solche nominierungen sind ein Scheiß!“ oder „Dabei sein ist alles!“

Sie hat sich für das letztere  entschieden und hat, das kann ich gleich verraten, wieder nicht gewonnen und der letzte Nomiinerte ist offensichtlich ein Perutz-Experte, nämlich Günter Neuwirth mit der „Frau im roten Mantel“, wo es um eine Villa in Wien und eine alte Frau, die dort lebt und offenbar, um ihre Pfegehelferin geht, die von ihr beschuldigt wurde, daß sie ihren Sohn beseitigt hat.

Spannend, spannend, spannend. Dann kamen Alex Beer, die Vorjahrssiegerin und Sylvia Fassl -Vogler und verkündigte, wen wunderts, Fritz Lehner, als den Gewinner, denn das Reißerische wollen offenbar die Leute lesen, denkt sich vielleicht der Hauptverband oder auch nicht und ich kann natürlich alles kaufen oder anfragen und lesen, was ich will und tue es es, ob meiner elendslangen Leseliste nicht.

Also zum Brot und Wein und da gab es heuer keine Brötchen mehr. Aber die Angela war da und der Josef und  auch die Obdachlose, die mich gestern, als ich von der „Alten Schmiede“ nach Hause gegangen bin, um ein paar Euro angegangen ist und sehr freudnlich zu mir war. Heute war sie das etwas weniger. Sie hat mich aber erinnert, daß ich sie auch schon früher bei Stadt Wien-Veranstaltungen gesehen habe, was mein literarisches Gemüt natürlich sehr neugierig machte, denn die sozialen Verbindungen einer Stadt interessieren mich natürlich sehr und darüber läßt sich wahrschein lich sowohl ein Krimi oder auch etwas ganz anderes schreiben.

2018-09-18

Wieder in die alte Schmiede

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:11
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Die vierundvierzigste literarische Saison der „Alten Schmiede“ wurde gestern mit Peter Hensich eröffnet. Aber den habe ich ja schon bei den O-Tönen gehört und außerdem um sechs eine Stunde, also lieber in das Literaturhaus hetzen und zu spät kommen, habe ich gedacht und dann zweimal Diagnostik gehabt und außerdem bin ich verkühlt, so daß ich die Veranstaltung ausgelassen habe und erst heute trotz Verkühlung in die „AS“ gegangen bin, wo auch zwei Bekannte lasen.

Erwin Einzinger und Ilse Kilic. Mit Erwin Einzinger habe ich mich einmal in Krems während einer „Literatur und Wein-Veranstaltung“ sehr intensiv unterhalten, dann den „Kirgisischen Wester“ bei einem Literaturhaus-Flohmarkt gekauft, aber noch nicht gelesen und er war auch bei dem H. C. Artmann Festival der Breitenseer Lichtspiele, wo er seine Stücke gelesen hat, die etwas später in den „Manuskripten“ erschienen sind, die ich ja trotzdem noch bekommen habe, obwohl mir die freundliche Bürodame dort ja schon eine Abkündigung meines „Stadt Wien Abos“, das es seit 2012 nicht mehr gibt, schickte.

So geht es mit der Literatur, sie läßt einen nicht los, mich jedenfalls und der 1953 in Kirchdorf an der Krems geborene, ehemalige Lehrer hat gerade auch bei „Jung und Jung“ ein neues Buch herausgebracht, ist also vielleicht der neue Quotenmann, das sich „Arabesken“ nennt, also wieder geschwungene und verwickelte Kurzformen enthält, von denen die längste gerade zwei Seiten lang ist und Erwin Einzinger betonte auch im Gespräch mit Annalena Stabauer, das Salzburg, also der Meister damit keine Freunde gehabt hätte, weil man nicht Roman darauf schreiben könne. Da hätte er nur geseufzt, hat der Lektor dem Autor gesagt und ich denke, die Verlage sollten die Leser nicht so verarschen. Denn allmählich kriegen die ja auch heraus, was ein Roman ist und was nicht und nicht jeder zwischen zwei Buchdeckel gepresste Text ist ein solcher, auch wenn die Leute angeblich oder tatsächlich für die Nichte oder die Oma zu Weihnachten lieber einen Roman als einen Gedicht- oder Erzählband kaufen würden.

Sie würden es, denke ich, die ich gerade mein siebentes LL-Longlistbuch und das dritte der Shortlist und das obligatorische von „Jung und Jung“ gelesen habe, dann auch nicht lesen und der Autor schien es im Gespräch Annalena Stabauer mit seinen verschlungenen Antworten auch nicht gerade leicht zu machen, es war aber interessant daraus zu hören und vielleicht kommt das Buch einmal zu mir, obwohl ich  derzeit noch etwa dreißig Neuererscheinungen auf meiner Leseliste habe, die ich vorher lesen will und alles steht ja nicht auf den Buchpreislisten, obwohl es ja nachweislich sehr sehr viele schöne neue Bücher gibt.

Die zweite Autorin ist eine noch ältere Bekannte, obwohl an Jahren jünger, wurde Ise Kilic erst 1958 in Wien geboren und ich kenne sie, seit ich in der GAV bin, da weiß ich immer noch nicht so genau, ob das jetzt 1986 oder 1987 war. Ich glaube aber 1987, denn 1986 habe ich zwar auch schon eingereicht, wurde aber zurückgestellt. Damals war sie Sekreärin dort und hat mich zu der Anti-Waldheim-Lesung ins NIG Hörsaal I eingeladen und dann bin ich immer wieder zu ihren Veranstaltungen oder zu den GAV-Sitzungen gegangen. Sie war ja auch in der Schreibegrupppe, hat „Das Wort als schöne Kunst betrachtet“ auch einmal in der „AS“ vorgestellt, denn sie publiziert trotz dem fröhlichen Wohnzimmers bei „Ritter“ und hat da jetzt „Das buch in dem sie Kontakt aufnehmen“ vorgestellt und das ist sehr interessant, denn da kommunziert die Autorin mit ihren Figuren. Einer ihrer Leser sagte ihr einmal, daß er mehr von einer Figur, die mit den sechs Finger hören wollte. So ließ sie die Monika M-ondschein Tretboot fahren und ein Fünf- oder Sechsfingerkraut gibt es auch  und interessant finde ich dabei, daß ich, obwohl ich ja nachweilich nicht experimentell schreibe, das höchsten die fünfundachtzigjährige demente Maria Mattuschek plötzlich tun lassen, so etwas ähnlich mit der Magdalena Kirchberg auch versuchte. Denn die schreibt ja einen Roman, beziehungsweise will sie das und schreibt in das Internet ihre Schreibschritte hinein.

Die „Alte Schmiede“ war recht voll mit Bekannten und Unbekannen, die neue literarische Saison hat begonnen, es gibt wieder Veranstaltungen, Bücherberge im Badezimmer und den eigenen neuen Roman mit dem ich über das Netz auch mit meinen Lesern kommunizieren will, was mir aber bis jetzt nicht sehr gelingt.

2018-09-17

Dreitägige Romanwerkstatt

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 00:57
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Am Mittwoch ist der Alfred mit dem Karli schon wieder weggefahren. Eigentlich wollten sie nach Rumänien zur Romamusik, das ist dann nicht zustandegekommen, so daß sie auf Kroatien und Friaul umdisponiert haben und mit sozusagen zum Abschluß meiner Schreibvorbereitungsrituale, ein drei Tage Schreib Retrait Freitag bis Samstag beschert haben, auf das ich jetzt ja schon seit Juni, beziehungsweise dem Tag, als ich dem Alfred zum zweiten Mal das PDF zur „Unsichtbaren Frau“ schickte, vorbereitete, beziehungsweise praktizierte.

Denn ich habe seither, abgehackt und unterbrochen durch meine Stunden, den Schweiz-Aufenhalt und das Neusiedlerseeradeln schon circa dreiundsechzig Rohseiten, das sind siebzehn Szenen, beziehungsweise 31.508 Worte, ein zwei Drittel „Nanowrimo“, wenn man es so rechnen will, das Ganze mehrmals korrigiert und das Romankonzept, die Geschichte von der Pensionistin, die einen Roman schreiben will, das ins Netz stellt, dabei ihrer tochter Magda näherkommt und gleichzeitig die Geschichten ihres afghanischen Nachbarn, seiner Klientin Maria Mattaschek und der Supermarktkassiererin Nastasja St. ist eigentlich nicht so neu in meinem Schaffenswerk, sondern folgt eigentlich meinem Muster, ist aber trotzdem vage. Irgendwie weiß ich noch immer nicht so recht, welche Geschichte die Magdalena da erzählt und was es mit der Begegnung mit dem weißen Auto auf sich hat, in dem sie drei Personen sieht, die sie an ihren Geburtshelfer vor fünfunddreißíg Jahren, die Hebamme Sofia und den Psychiater Matthes Enck, der inzwischen schon gestorben ist, erinnern.

Das ist noch sehr vage und wenn ich an den Titel denke „Magdalena Krchberg schreibt einen Roman“, der ja einerseits sehr prägnant und eindrucksvoll ist, kommen mir gleich wieder die Zweifel, wen wird das interessieren, das ist viel zu wenig abgehoben und so weiter und so fort….

So habe ich beim freitägigen und samstägigen Korrigieren der fünfundsechzig Seiten, die ich bis dahin hatte, mehrmal gedacht „Das geht so nicht! Da bist du schon wieder in der Ecke!“

Dann kam mir die Idee, daß ich das Ganze viel viel spannender gestalten sollte und mehrere Wendungen in den Handlungsverläufen bräuchte. Ein paar davon habe ich auch schon, beziehungsweise haben sie sich, als ich Ende August meinen Recherchetag machte, so herauskristallisiert.

Denn eine Rolle spielt auch Magdas unbekannter Vater, der könnte am Schluß auftauchen ,Krebs haben und Kontakt zu seiner Tochter wollen und die drei im Auto waren Sofis und Rudolf Rösslers Tochter Ulla, die einen linken Freund hat, Parlmalmentssekretärin bei einem FPÖ-Politiker ist und mit diesen zu einer entscheidenen Auseinandersetzung fährt, als Magdalena sie sieht und daraufhin, um ihre eigene Geburt herumkreist…..

Ich habe jetzt dreiundsechzig Seiten und denke mehr denn je „Das passt so nicht! Das muß ich ändern! Da muß ich die vier Handlungsstränge nochmals schreiben und eine eigene Geschichte draus machen!“ und dachte auch, als sich das mit Alfreds Kroatienfahrt herausstellte und ich am Freitag keine Stunden hatte, da mache ich ein dreitägigen Schreibretrait.

Ich hatte schon etwa bis Szene zweiundzwanzig vorausgeplant, die mich jetzt aber auch nicht vom Sessel reißen und am Dienstag zwischen meinen Stunden die siebzehnten Szene geschrieben, von der ich auch nicht sehr befriedigt war.

Daß das regelmäßige Schreiben wichtig ist, habe ich zu Schreibbeginn, als ich da auf ein Zeitmanagementseminar von Jurenka Jurk aufmerksam wurde, herausgefunden, wußte aber schon, das ist bei mir nicht möglich.

Aber, daß man immer schauen soll, wenigstens ein bißchen am Ball zu bleiben und so beispielsweise immer das Notizheft bei sich zu tragen, in dem man Einfälle und Szene aufnotieren kann, halte ich sicher für eine wichtige Idee und versuche das auch zu praktizieren, weil ich damit mit meiner Hemmung meinem Hauptfeind und der inneren Stimme „Du kannst und kannst es nicht!“, am besten umgehen kann.

So kam also der Freitag, ich habe eingekauft, weil ich mir dachte, daß eine Art Buffet, ein Bruch in der Küche aufbereitet, wo ich mich bedienen kann, mich in die richtige Schreibstimmung bringen kann.

Wußte aber auch, ich muß wieder korrigeren, zwei bis dreimal habe ich das bisher getan, um in den Schreibfluß hineinzukommen, das habe ich am Freitag und am Samstag auch getan. Die fünfundsechzig Seiten auf dreiundsechzig gekürzt, das ist etwas woran sie einem bei „Nanowrimo“ abraten, es für mich aber nicht anders geht, war gestern, um sechs damit fertig und mit der Szene siebzehn noch immer nicht zufrieden und jetzt am Sonntag weitermachen.

Aber wie? Ich könnte mich hinter mein Heft klemmen und die fünf Szenen, die ich geplant habe, schreiben. Da wäre ja einmal die, wo der Steff der Nasti ein Stück Seife schenkt und sie beleidigt davon läuft. Dann die, wo die Ruth die Maria zur Vertragsunterzeichnung bewegen will, diese Geschichte muß ich auch noch ausarbeiten und brauche überhaupt, das stimmt schon, falls mir das jetzt jemand schreiben sollte, ein noch genaueres  Konzept, worüber ich eigentlich schreiben will?

Also das Heft hernehmen und zu Clustern anfangen. Die Charakterbögen habe ich schon, sie sind aber eher schlampig und flüchtig aufgefüllt. Also die Namen meiner Hauptpersonen aufschreiben und darunter die Szenenfolgen notieren. Wie ist das mit der Nasti und dem Steff, dem Momo mit derMagdalena und der Maria und wie ist das mit dem Vater, der Maria die die Ruth ihr aufzwingen will, die hat sich herausgestellt ist eine Freundin der Sofi Böhm, die von ihrem Rudolf schon geschieden ist. Die Magdalena kommt mit ihrer Tochter zusammen, wo sich am Schluß der Vater meldet und die Magda schwanger wird.

Eigentlich gar nicht so wenig und wenn ich mehr straffe und dichter schreibe, wird vielleicht etwas daraus. Und das wäre schön, wenn da auch von außen was kommt!

Das schreibe ich ja öfter und dann kommt der Uli und sagt „Machen Sie nicht so viele Flüchtigkeitsfehler und ziehen Sie die Muttern an!“ und ich denke „Ja, ein Lektorat würde die Fehler korrigieren!“

Sonst macht es der Alfred, es geht hier ja um den Rohtext und der sollte wahrscheinlich dichter sein und mehr von den depressiven Frauen weg, weil ich über die ja  wahrscheinlich schon oft genug geschrieben habe.

Aber man schreibt ja immer das und so gut, wie man es kann, immer denselben Roman hat Heimito von Doderer einmal gesagt und das machen ja auch die Longlistkanditaten und „Büchner-Preisträger“, die immer und immer von ihren Erlebnissen mit den Frauen, dem Älterwerden und ihren Krankheiten schreiben. Die lesenden Frauen kaufen es, die Kritiker schimpfen und die Literatur dreht sich vielleicht im Kreis, weil ja wirklich schon alles geschrieben wurde und ich denke immer öfter, wozu tue ich mir das an, wenn ich es ohnehin nicht kann? Aber ich kann es ja und habe schon über vierzig Bücher geschrieben, die man wahrscheinlich, ich gebe es schon zu, etwas straffen könne und ich versuche jetzt wieder den Kick in die Magdalena hineinzubringen und am Text zu arbeiten.

Meine Skepsis und Resignation, die ich dabei spüre, könnte mich dabei behindern. Aber ich glaube nicht, daß ich aufgebe, was ich ja sehr gut könnte, wenn ich in mein Badezimmer gehe, wo etwa dreißig Neuerscheinungen liegen, die ich in diesem Jahr noch lesen soll. Die hindern mich vielleicht ein wenig und so denke ich, nun gut, ich lese sie hinunter und bestelle mir dann nie wieder etwas und mache einen Bogen um die Schränke.

Denke, wenn ich das denke „Das wäre fein!“ und weiß schon, daß ich das nicht tun werde. Genauso wenig, wie das Schreiben aufgebe, auch wenn es mich zunehmend nervt, jetzt endlich wirklich zu begreifen, daß nie etwas daraus werden wird, obwohl es ja schon ist und die Geschichte der Magdalena Kirchberg eigentlich ganz spannend sein könnte, wenn ich sie vielleicht ein wenig straffe. Mal sehen, ob mir das und das Clustern, das ich mir für den Nachmittag vorgenommen habe, gelingt, habe ich mich gefragt und dann sehr schnell vier Szenen geschrieben, so daß ich jetzt bei dreiundsiebzig Seiten, 36.666 und einundzwanzig Szenen bin.

Geclustert habe ich nicht so sehr, das liegt mir glaube ich nicht wirklich, habe aber wieder ein paar Ideen, am Ende geht die Ulla mit dem Heiner Link essen, Jens kommt dazu, es kommt zum Crash, Heiner fährt die beiden aber mit seinem Auto hin.

Die Magdalena freundet sich mit der Maria an, das Buch kommt heraus, Magdalena geht zur Präsentation, Maria schimpft und Magdalenas Roman bzw. Blog endet damit, daß Hannes Wolf sich meldet, von seiner Krebserkrankung erzählt und wieder Kontakt zu Magdalena und seiner Tochter haben will. Magda weigert sich, kommt aber zu Magdalena auf Besuch mit Max und erzählt ihrer Mutter, daß sie schwanger ist und die Nastasja kommt mit ihren Steff zusammen. So weit ist  der vorläufige Handlungsstrang jetzt gespoilert. Wie weit ich mit meinen  dreiundsiebzig Seiten schon bin, weiß ich nicht so genau. Ich schätze über der Hälfte und wie es mit der Handlung weiter geht und zu welchen Änderungen in den Verläufen, es kommt, wenn ich jetzt wieder unterbrechen werde, ist sicherlich sehr spannend.

2018-09-16

Waldheims Pferd

1986 gab es eine Bundespräsidentenwahl, wo für die ÖVP der  frühere UN-Generalsekreätär Kurt Waldheim kanditierte. Im Laufe dieser Wahl wurde die mutmaßliche Beteilung an NS-Verbrechen des Wehrmachtsoffiziers, der diese Tätigkeit in seiner Biografie verschwiegen und den berühmten Satz „Ich habe nur meine Pflicht getan!“, aussprach, heftig diskutiert wurde und hat wahrscheinlich eine erstmalige Diskussion über die NS-Zeit und die diesbezüglichen Kriegsverbrechen ausgelöst.

Waldheim wurde mit dem Slogan „Jetzt erst recht!“, gewählt, war dann während seiner Amtszeit durch eine Einreiseverbot in die USA, politisch isoliert, verzichtete auf eine Wiederkanditatur und ist 2007 gestorben.

Ich war 1986 noch Assistentin an der II HNO-Klinik, die Anna war zwei Jahre alt und ich wurde in diesem Jahr oder war es erst ein Jahr später, in die GAV aufgenommen worden.

Ich wurde jedenfalls ziemlich gleich zu einer Großveranstaltung gegen die Kanditatur oder gegen den Präsidenten ins NIG in den berühmten Hörsaal I eingeladen, wo die gesamte literarische Elite gelesen hat. Julian Schutting, der damals vielleicht noch Jutta hieß, führte den alten Hans Weigel hinein und ich habe aus meiner Erzählung „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ gelesen, wo es um die Begenung mit einem rechten Politiker und einer jungen arbeitslosen Lehrerin in der U-Bahn und auch um den Satz „Ich habe meine Pflicht getan“ geht.

Die Texte wurden später unter dem Titel „Die Leiche im Keller- Dokumente des  Widerstands gegen Dr. Kurt Waldheim“ von Milo Dor herausgegeben und ich habe den Widerstand gegen die Waldheim Wahl vorallem in der GAV aber auch bei mehreren Demonstrationen hautnah erlebt. Wurde da doch der Repulikanische Club gegründet, in dem sich vor allem Doron Rabinovici stark engagierte und es kam nach einem Satz des damaligen Bundeskanzlers Fred Sinowatz „Ich stelle fest, daß Kurt Waldheim nie bei der SS war, sondern nur sein Pferd“, zu der Idee, die, glaube ich, Peter Turrini hatte, nach den Entwürfen von Alfred Hrdlicka ein Holzpferd zu bauen, das auf vielen Demonstrationen, ich erinnere mich an die, am Stephansplatz aufgestellt wurde und das eine Größe von vier Meter hatte.

Waldheim hat dann, wie erwähnt, auf eine neue Kanditatur verzichtet, es ist in dieser Zeit aber auch Jörg Haider großgeworden und später, 2000 ist es zu der ersten blau schwarzen Regierung Österreichs gekommen. Das Pferd ist, glaube ich, wie Doron Rabinovici  sagte, auch für einige Zeit verschwunden, beziehungsweise in einem Keller der jüdischen Hochschülerschaft gelandet, bis diese den Keller ausräumen wollten, den republikanischen Club anriefen, der ihm dann von 1998 bis 2018 eine Heimstadt gab, beziehungsweise, die Holzteile in einer Nische an der Wand ausstellten.

Das wurde damals mit einem großen Fest mit Buffet gefeiert, bei dem ich auch anwesend war und wie ich mich erinnern kann, mit den Rizys sehr gut unterhalten habe. Inzwischen wurde das Pferd auch mehrmals an Ausstellungen verliehen und soll nun im November für eineinhalb Jahre in die Ausstellung „Österreich 1918- bis 2018“ ins „Haus der Geschichte“ gehen, was am Samstag mit einer großen Farewll Party und wieder einem guten Buffets des Cafe Hebenstreits gefeiert wurde.

Doron Rabinovici hielt eine Anspruche, sagte, daß sie, wenn nötig, das Pferd jederzeit wieder zurück holen und damit auf die Straße gehen könnten, was in Zeiten wie diesen, wo sich die Zeiten ja geädert haben und die Rechten vielleicht nicht mehr vor einem Holzpferd davon laufen, sondern gegen die sogenannte Antifa schimpfen und die Ausländerhetzte als normal und salonfähig darzustellen versuchen, vielleicht wieder nötig wird.

Ruth Beckermann hat auch einen Film gedreht „Waldheims Walzer“ und ich die Vorschau im Sommer schon mehrmals am Karlsplatz gesehen habe und der Republikanische Club, in dem ich ja auch schon gelesen habe und auch öfter zu Veranstaltungen gehe, war wieder sehr voll.

Die Rizys habe ich zwar nicht gesehen, mich aber lange mit Erika Parovsky, Andrea Pauli und Konstantin Kaiser unterhalten, während ich nach dem Schnitzel und dem Gulasch auf die angekündigten Süßspeisen wartete, die ich dann auch noch versäumt habe.

Und Wiederstandsdemos gegen den Rechtsruck und die blauschwarze Regierung, bei denen ich mich bei blauschwarz I auch sehr intensiv beteiligt habe und mehrmals bei den Widerstandslesungen, die es ja sehr lange jden Donnerstag am Ballbausplatz war, gelesen, soll es ab vierten Oktober auch wieder geben.

2018-09-15

Die Gewitterschwimmerin

Buch sechs der LL des dBps handelt sowohl vom dritten Reich als vom DDR, etwas, das die Blogger ja nicht so lieben und erzählt wiederum sehr genau und von hinten nach vorn sowie umgekehrt, eine Familiengeschichte.

Die Geschichte der Tamara Hirsch und ihrer Eltern, sowie Großeltern. Die mir bis jetzt völlig unbekannte 1965 in Pakow geborene Franziska Hauser, die mit ihrem Debut schon auf der „Aspekte-Liste“ stand, hat ihn geschrieben und auf dem ersten Blick hat mir das Buch sehr gut gefallen, liebe ich ja sowohl Holocaust- als auch DDR-Geschichten, auf dem zweiten könnte man sich wieder fragen, was das Neue an dieser Jahrhundertsaga ist, in der wieder alles hineingepackt ist,  sexuelle Mißbrauch, Selbstmord und Psychose,  Widerstandskampf, das Anpassen an die DDR und und und es tauchen sogar Sophie Freud und Margot Honecker darin auf, denn die Hirschs sind eine sehr bekannte Familie.

In zwei Strängen wird das erzählt, die 1951 geborene Tamara erzählt in der Ich Perspektive von 2011 bis zu ihrer Geburt zurück, während die übrige Familiengeschichte 1889 beginnt, das macht das Lesen und das Verstehen wie bei „Arichpel“, wo Inger Maria Mahlke etwas Ähnliches versuchte, etwas schwierig, weil man das, was man das liest oft erst viel später verstehen und einordnen kann.

Friedrich Hirsch, der 1893 geborene Großvater war jedenfalls Mathematiker und ein guter Lehrer, mußte in der NS-Zeit nach England fliehen, war verheiratet mit Ilse und der Sohn Alfred, Tamaras Vater, ist eigentlich wie Tamara selbst eine eher unsympathische Person, rennt er doch nicht nur allen Frauen nach, er mißbraucht auch seine Töchter und trennt sich nach dem Krieg von Esther, weil er von seinen diesbezüglichen Erfahrungen nichts mehr wissen will, heiratet Adele, eine ehemalige Krankenschwester und heimliche immer noch Katholikin, während Alfred der Schriftsteller, ein glühender Kommunist geworden ist.

1951 und 1954 werden seine Töchter Tamara und Dascha geboren und weil die Eltern viel verreisen, weil sie ja dem kapitalistischen Ausland, den Kommunismus beibringen müßen, werden die Mädchen von der Haushälterin Irmgard aufgezogen.

Tamara ist die wilde aufmüpfige, Dascha entwickelt bald eine Psychose, wird öfter schwanger und zur Abtreibung gezwuingen. Die brutalen DDR- Medizinmethoden werden recht eindringlich geschildert, wie es, und das ist jetzt wahrscheinlich wieder ein Spoiler für mich auch sehr beeindruckend war, wie die Nazi- und Pfarrertochter Adele nach der Geburt Tamaras ihren Vater bestellt und dann den Taufschein vor Alfred versteckt. Bei Daschas Geburt ist der Pfarrer dann nicht mehr da und Alfred schreibt Theaterstücker von schönen Traktoristinnen,  in denen sich die Arbeiter dann nicht erkennen, es ist also auch sehr viel Systemkritik in dem sicher sehr gut recherchierten Buch.

Tamara wird Puppenspielerin, bekommt zwei Töchter Henriette und Maja, die keine russischen Namen, wie sie und ihre Schwester bekommen sollen und durchläuft ihr Leben und ihre Männer, erlebt ihre Depressionen und besiegt die Schwieirigkeiten, denn sie ist eine starke wilde Frau, die gerne, wie schon der Buchtitel verrät, durch die Gewitter schwimmt.

2018-09-14

Tage mit Ora

Während ich mit dem Alfred und der Ruth um den Neusiedlersee geradelt bin, habe ich noch ein Sommerbuch gelesen und eines, in dem es auch um eine Reise geht.

Nämlich Michael Kumpfmüllers „Tage mit Ora“, das da vor kurzem erschienen, eigentlich auch auf der LL des dBp stehen hätte können, ist der 1961 in München geborene Michael Kumpfmüller doch 2016 mit der „Erziehung des Mannes“ darauf gestanden.

Ein bißchen hätte ich es erwartet und bin dann wieder froh darüber, daß es nicht mein sechstes Longlistenlesebuch geworden ist, geht es dabei doch wieder um die „Midlifekrise des Intellektuellen Mannes“ und das habe ich nicht so gern auf der Buchpreisliste. Eigentlich überhaupt nicht so sehr, beziehungsweise amüsiere ich mich ganz gern darüber oder frage mich, was das Neue daran ist, ein solches Buch zu lesen?

Als Reiselektüre war es etwas anders, obwohl der Neusiedlersee von LA und St. Diego weit entfernt ist, aber diese Städte habe ich einmal mit dem Alfred und der Anna, nämlich 1989, auch besucht und über Amerika habe ich ja auch vor kurzem bei Martin Amanshauser gelesen.

Warum geht es also? Der Klappentext spricht von einem Stadtneurotiker in Woody Allen-Manier, beziehungsweise einem gebeutelten Paar, das einem Song nach, vier amerikanische Orte besucht, obwohl sie sich noch kaum kennen und daraus wurde laut Klappentext ein „Roadtrip über dessen Ausgang am Ende nur der Leser entscheiden kann.“

Erzählt wird die Geschichte von einem über fünfzigjährigen Intellektuellen, der, glaube ich, über irgend etwas Sachbücher schreibt, Psychophamaka nimmt, eine Trennung hinter sich hat, eine Psychoanalyse macht und Ora, das ist eine vierzigjährige Schneiderin, auf einer Hochzeit kennengelernt hat.

Sie schreiben sich eine Weile, bis Ora zustimmt, mit ihm in die USA zu fliegen und dann besuchen sie in zwei Wochen vier Städte, nämlich Olympia, Winnteka, San Diego und Mesa und was sie dabei erleben ist, ganz amüsant.

Sie kommen sich dabei auch sexuell näher. Zuerst bewohnen sie getrennte Zimmer, dann schlafen sie im Doppelbett und der Mann, der Stadtneurotiker, wie ihn der Klappentext schildert, erzählt von seiner mißglückten Beziehung zu Lynn. Er glaube, sie hätten eine Gute. Dann kommt er von einem Besuch bei seiner Mutter zurück und sie hat die Wohnung ausgeräumt, auch seine Sachen mitgenommen und ist verschwunden. Davon erzählt er seiner Therapeutin und als er ihr von der geplanten Reise mit Ora erzählt, glaubt er ihr Entsetzen und ihre Eifersucht zu bemerken.

Nun das kann seine Phantasie und auch die literarische Auschmückung, die Woddy Allen-Manier des Stastneurotikers sein, da das in Wahrheit nicht vorkommen sollte.

Aber auch Ora nimmt Tabletten und ist vom Leben gebeutelt. Die Zwei finden sich aber, glaube ich, auf der Reise und so ungewöhnlich finde ich es auch nicht, daß zwei Menschen miteinander verreisen und sich dabei näher kommen.

Ein leichtes Sommerbuch also, das ich Anfang September auch auf einer Reise, beziehungsweise Radtour gelesen habe, das mich an meine Amerikaaufenthalte erinnerte. Ein Buch, wo wieder ein Intellektueller, die Wunden seines Lebens hinunterschreibt und das wahrscheinlich leicht und locker zu lesen ist und die Leser auf den Geschmack nach Amerika zu besuchen bringen kann, wenn sie sich nicht, wie ich an eine solche Reise erinnern.

Vermutlich hat Michael Kumpfmüller auch eine solche Reise gemacht und ein leichtes lockeres Sommerbuch angesichts der Trump-Wahl, die in dem Buch, glaube ich, gerade stattfindet, darüber geschrieben.

Wie gesagt, obwohl ich ja nicht immer von gestörten Männerpsychen lesen will, hat mir die Amerikareise gefallen, nur, daß Michael Kumpfmüller und damit, wie am Buchrücken steht „Eines der wunderbarsten schrägen Paare der deutschen Literatur geschenkt hat“, kann ich nicht so ganz nachempfinden, weil mir die Beiden nicht so außergewöhnlich und auch nicht so schräg vorgekommen sind.

2018-09-13

Über das Spoilern

Ich bin ja, wie ich immer schreibe eine „gnadenlose Spoilerin“, also eine, die gerne die Bücher und auch alles andere von vorn nach hinten erzählt, wahrscheinlich um einen Halt zu haben, eine Struktur zu finden und sich später an alles erinnern zu können. Betrachte das Besprechen von Büchern, wie überhaupt das ganze „Literaturgeflüster“ als Erinnerungshilfe, sprich „Literarisches oder geistiges Archiv“ und, daß es etwas gibt was „Spoilern“ heißt und das man unter gar keinen Umständen darf, weil es ein „absolutes „No go!“, ist!,  habe ich erst durch andere Blogs erfahren.

Das heißt, wenn ich bei Lesungen war, habe ich mich öfter darüber gewundert, daß die Moderatoren sagten „Wie das Buch ausgeht, wollen wir natürlich nicht veraten, da Sie das Buch ja kaufen sollen!“ und das eher für einen Witz oder eine mehr oder weniger plumpe Aufforderung gehalten, der mir ganz ehrlich auch ein wenig lästig war, aber gut, ich habe darüber gelächelt, das Buch meistens nicht gekauft und bin  darüber hinweggegangen.

Daß man bei einem Krimi vielleicht nicht verraten sollte, wer der Mörder war, ist mir noch irgendwie einleuchtend, obwohl ich anfangs bei meinen Besprechungen auch keine Hemmungen hatte, das zu schreiben. Bei Rezensionsexemplaren habe ich dann irgendwann aufgepasst,  eher “ – ..!“. geschrieben und mich immer mehr darüber gewundert, was die Blogger und die Booktuber alles als Spoiler betrachten, was ich eigentlich, ganz ehrlich auch ein wenig lästig oder für unnötig finde, ständig zu schreiben oder zu sagen „Natürlich spoilerfrei!“, weil das ja angeblich den Spaß am Lesen verderben würde, wenn ich weiß, um was es geht.

Im schlimmsten Fall führt das dann dazu, daß man nur mehr schreibt oder sagt „Ein tolles Buch, ein toller Schreibstil, kostet so und so viel Euro, unbedingte Leseempfehlung!“ und das ist dann auch das, was man den Booktubern früher oder vielleicht auch noch immer, anlastete, daß das, was sie präsentieten keine Qualität hätte und ich denke, wenn ich bei einem Buch von Thomas Bernhard oder einem anderen modernen oder älteren Klassiker nachgoogle, dann finde ich im Netz die genaue Inhaltbeschreibung, bis hin zum bitteren oder weniger bitteren Ende und das wird dann wahrscheinlich auch für den Schulunterricht verwendet und mir sind beim Lesen oder auch beim Besprechen Rezensionen eine wichtige Hilfe, weil ich gerne nachlesen will, ob ich das Buch ohnehin richtig verstanden haben und wissen möchte, wie es die anderen empfinden.

Das „Über den Inhalt kann ich nicht soviel sagen!“, hilft mir nicht weiter und ich finde diese Geheimniskrämerei auch eher für lästig, als für kompetent, halte mich  nicht daran und habe eigentlich damit noch nie deshalb Nachteile erlebt.

Ein paar Autoren, die meine Rezensionen gelesen haben, haben dann „Achtung Spoilerarlam!“, auf ihren Blog geschrieben, wenn sies verlinkten. Sollen sie, wenn ihnen das wichtig ist und eine hat mich mal gebeten, ob ich nicht einen Satz weglassen könnte?

Die Verlage haben nie etwas beanstandet, nur einer hat mich nur einmal ganz ganz höflich auf meine Flüchtigkeitsfehler aufmerksam gemacht, das war die Zeit, wo ich einen neuen Computer hatte, mit dessen Mausfunktion ich noch nicht so zurecht gekommen hat und im Vorjahr habe ich einer Autorin, die wollte, daß ich ihre Bücher bespreche, geraten, sich meine Rezensionen vorher anzuschauen, denn ich spoilere viel, damit es nachher keine Mißverständnnisse gebe und sie hat geantwortet: „Macht nicht, das ist so in Ordnung!“ und ich denke „Warum kann ich nicht den Inhalt erzählen?“

Nun gut, den Mörder kann man vielleicht weglassen, obwohl es mich nicht stören würde, wenn ich wüßte wer es getan hat und das mit dem Ende, denke ich, kommt darauf an, welche Bücher man liest. Bei denen die ich bevorzuge, denke ich, ist das eigentlich egal und habe schon öfter den letzten Satz zitiert, wenn er mir wichtig oder aufschlußreich erschien und bei manchen Lesungen die Moderatoren sagen gehört „Das kann ich verraten, denn das ist kein Spoiler!“

Da ich eigentlich nicht wirklich weiß, was ein Spoiler ist und warum man eigentlich so geheimnisvoll tut, nur damit sich die Leser das Buch kaufen, habe ich immer weniger verstanden und kann mich erinnern, daß der „Kaffehaussitzer“, als ich ihm einen Kommentar zu Richters „89/90“ mit einer besonders schönen Stelle, die ich zitert haben wollte, schickte,  das  wegen des Spoileralarm wegließ und mich darüber gewundert, denn das, was einer mit seinem Westgeld macht, sollte  eigentlich kein solches Geheimnis sein, sondern eher auf das Buch aufmerksam machen und wenn man über ein Buch nicht mehr diskutieren darf, weil man sonst spoilern würde, was ein angebliches „No go!“, ist, würde ich das eher schwierig finden und habe auch das nicht so ernst genommen, denn schließlich höre ich ja Sendungen wie „Druckfrisch“ und „Literarisches Quartett“ und da wird auch über den Inhalt diskutiert und das muß auch so sein, weil sonst solche Sendungen keinen Sinn mehr hätten und man gleich das Buch in die Höhe halten und „Absolute Kaufempfehlung und mehr werde ich nicht verraten!“, sagen könnte und es wird bei diesen Sendungen, was ich, wie ich betone, sehr angenehm finde, sehr viel diskutiert.

Nun gut, Maxim Biller hat das ein wenig übertrieben, wenn er von schlechter Literatur sprach und das Fingerwackeln des Herrn MRR hat mir auch nicht so gut gefallen, aber der hat, glaube ich, nicht gespoilert und wenn, hätte wahrscheinlich keiner gewagt, sich darüber aufzuregen und als vor kurzem im „Literarischen Quartett Maxims Billers „Sechs Koffer“, der dort nicht mehr diskutiert, besprochen wurde, hat Sasha Mariana Salzmann sogar die Seitenzahl verraten, wo man findet, wer den Großvater an den KGB verraten hat, was ich, ich habs nachgelesen, gar nicht so schlüssig fand, weil ich eigentlich, nach wie vor der Meinung bin, daß es Maxim Biller gar nicht darum gegangen ist, das aufzuklären und der Clou des Buches eigentlich ist, alles ins Leere laufen zu lassen.

Nun gut, es war aber eine interessante Diskussion, die auf das Buch aufmerksam machte. Sie hat mir beim Lesen sehr geholfen und ich mache mir natürlich mein eigenes Bild beim Lesen und komme dann oft genug zu einer anderen Meinung oder finde, was mir in letzter Zeit öfter passierte heraus, daß der Klappentext gar nicht hielt, was er versprach, weil ich es anders verstanden habe. Aber da haben sich auch schon Blogger oder You Tuber darüber aufgeregt, daß die zuviel gespoilert wären.

An ein Booktubervideo über Gianna Molinars “ Hier ist noch ist alles möglich“ kann ich mich aber erinnern, das ich als besonders aufschlußreich empfand, weil es die Frage stellte, ob der Wolf in dem Buch jetzt auf die Flüchtlingskrise, auf die innere Befindlichkeit der Erzählerin, auf die äußere Realität oder auch auf eine ganz anderes hinweist und das finde ich gut, denn dann kann man darüber diskutieren. Kann seinen Eindruck mitteilen und hat, denke ich, dabei gar nicht gespoilert, denn das Spoilern kann sich ja nur auf den Inhalt „Wer war der Täter?“ oder „Wie geht es aus?“, aber nicht auf die Interpretation beziehen, weil man sonst schon in der Sackgasse wäre und nicht mehr diskutieren kann, wie ich denke und das auch für mich betreibe, denn das ist ja der Sinn des Bloggens und der Lesekreise, sich selbst sein eigenes Bild über das Buch zu machen, denke ich, denn für eine reine Kaufempfehung, würde mir der „Böse Amazon“, oder ein Reklamezettel genügen, so habe ich mich über „Booksters“ Rezension, den ich übrigens für sehr kompetent gehalten habe, über „Bis ans Ende Marie“ sehr gefreut, denn das Lesen des Buchs hat mich, wie ich mich erinnern kann, gegen Ende sehr verwirrt und mir da der Gedanke kam, ob die Erzählerin und die Marie nicht am Ende  dieselbe Person wären?

Es war eine Idee, ich war mir nicht sicher, ob ich es mir so richtig interpretiere und habe in meinem Kommentar eine meiner Meinung nach völlig harmlose Frage gestellt und habe mir als Antwort, seine Meinung: „Ich habe es auch so oder ganz anders empfunden!“, erwartet und man könnte darüber diskutieren.

Seine Antwort war aber mehr als harsch, denn er hat es als böswilligen Spoiler empfunden, der jetzt alles zerstört hat, den Kommentar, was mich etwas wunderte, aber stehen gelassen, denn wenn die für mich harmlose und gut gemeinte Frage, schon so ein böswilliger Spoileralam ist und ich auf meiner Seite ein solch absolut unfaßbares „No go!“, nicht haben will, dann veröffentliche ich ihn nicht, sondern schicke ein Mail zurück mit „Das beantwortete ich Ihnen lieber persönlich, denn wir wollen ja nicht zuviel verraten!“

Dann hätte ich mich wahrscheinlich, wie beim Uwe Kalkowski etwas gewundert und „Na ja, das sind die Spoiler-Phobiker!“, gedacht, aber so ist mein Unbehagen geblieben und habe es auch auf meine Radtour um den Neusiedlersee mitgenommen, denn für unfaßbar halte ich eigentlich etwas ganz anderes, als eine harmlose Frage nach einer Buchinterpretation!

Die Interpreationen der Rechten, was die Unruhen in Chemnitz betrifft, beispielsweise oder überhaupt den allgemeinen Rechtsruck und noch vieles anderes,  so daß ich mich allmählich frage, was ein absolutes „No go!“, ist und, wo überhaupt steht, daß man bei einem Buch nicht den Inhalt erzählen darf, ohne gleich, was ich eigentlich für blöd finde, groß „Achtung Spoileralarm!“ darüber zu schreiben?

Ich werde das sicher nicht tun, mache mich bei meinen Rezensionen aber manchmal darüber lustig, wenn ich selber „Jetzt werde ich wieder spoilern!“, schreibe, was ich aber eigentlich eher für einen Witz, als für eine Warnung empfinde, aber gut, die, die mich lesen, wissen, daß ich gegen jede Geheimniskrämerei bin und gern sehr viel verraten, wenn man das nicht will, braucht man das nicht lesen und wenn einem ein Kommentar nicht gefällt, ist es, glaube ich, besser, als loszuschimpfen, ein Mail zu schicken und „Das besprechen wir vielleicht lieber so!“, zu schreiben!

Ich würde das jedenfalls so tun, aber ich habe keine Angst vorm Spoilern und mag auch keinen Spoileralarm!

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