Literaturgefluester

2018-10-06

Im Verborgenen

Nun habe ich, weil es auf die Debutshortlist des öst Bp gekommen ist, Ljuba Arnautovics Familiengeschichte, ein „Roman nach wahren Begebenheit mit Orignaldokumentenm, die aber keine strenge Widergabe realer Personen ist“, steht im Anhang, doch gelesen und die Familiengeschichte, der 1954 in der SU geborenen Übersetzerin, Autorin und Journalistin, die ich vom „Exil-Preis“ kenne, ist sicherlich interessant und Ljuba Arnautovic, arbeitet inzwischen, glaube ich, auch schon am zweiten Teil, zumindestens hat sie beim „Volksstimmefest“ ein Stückchen daraus gelesen.

Die Familiengeschichte rührt an mehreren Teilen der Geschichte Österreichs, Russlands, etcetera, des vorigen Jahrhunderts, ist sehr realistisch geschrieben und leicht zu lesen, aber nicht fortwährend chronologisch erzählt und ist zum größten Teil die Geschichte von Ljuba Arnautovics Großmutter Genoveva, 1901, glaube ich, geboren, die viel erlebt hat, mit sechzig Jahren auch noch Jus studierte und sich sozusagen den Traum ihres Lebens erfüllte.

Beginnen tut das Buch mit dem Teil, den ich Ljuba Arnautovic schon mehrmals lesen hörte. Es ist 1944 und die Polizei findet einen Abschiedsbrief eines Walter Israel Baumgartens, der ins Wasser geht, weil er der Vorladung der Gestapo nicht folgen will.

Da kennt man sich noch nicht recht aus, kommt aber bald zu Genoveva, die streng und unnahbar geschildert wird und, die im Büro der evangelischen Gemeinde, als Sekretärin arbeitet. Sie versteckt jenen Walter, während die Polizei zu seiner Ziehmutter Aloisa kommt, um ihr seinen Selbstmord mitzuteilen, im Hinterzimmer ihrer Wohnung.

Dann geht es zurück in das vorige Jahrhundert, beziehungsweise in die Kindheit von Walter und Genoveva. Walter ist das jüngste Kind einer jüdischen Familie, wurde aber evangelisch aufgezogen und Aloisa ist das ehemalige Dienstmädchen, das nach dem Tod der Mutter, den Vater heiratete, eigentlich ins Kloster gehen wollte, aber die sieben Kinder ihres Arbeitsgebers, der auch bald gestorben ist, aufzog.

Während Genoveva,  Tochter mährischer Eltern, immer studieren wollte, es aber nur in die Handelsschule schaffte, dann einen Bosnier heiratet, von ihm ihr erstes Kind bekam, sich aber scheiden ließ, weil er sie nicht arbeiten lassen wollte, damals brauchte eine Frau dazu ja noch die Einwilligung ihres Mannes. Danach lebte sie mit einem Kommunisten namens Karl zusammen, bekam ein zweites Kind und als der Februar 1934 kam und die Eltern verhaftet wurden, schickten sie Slavko und Karl als sogenannte „Schutzbündlerkinder“ nach Moskau, wo es ihnen zuerst sehr gut ging, der älteste Sohn Slavko, aber verhaftet wurde und 1942 im Gefängnis starb.

Karl ist mit seiner russsischen Frau und seinen zwei Töchtern, 1960 nach Österreich gekommen, aber ein großer Teil des Buches spielt in den letzten Kriegstagen, wo Genoveva im Hinterzimmer ihrer Dienstwohnung Walter und noch einige andere Juden versteckt und sie da vor dem Nazi-Hausmeister  und Blockwart vorbeischmuggeln mußte.

Sie kommt Walter näher, heiratet ihn nach dem Krieg auch. Er erhängt sich aber kurz danach, so daß ihr wahrscheinlich nichts mehr anderes, als das Jusstudium blieb und hier schildert Ljuba Arnautovic auch sehr eindringlich, die Angst der kleinen Mädchen vor der strengen Großmutter, die ihnen immer wieder das Foto ihres Sohnes Slavko zeigt und sie nicht verstehen können, wieso dieses „Kind ein Onkel sein kann?“

Ljuba Arnautovic hat, glaube ich, auch schon an einem Feature über  diesen Onkel gemacht und schreibt jetzt wahrscheinlich im zweiten Teil darüber und es ist sicherlich eine sehr spannende Familiengeschichte, die zu diesen Roman verarbeitet wurde, die in einer Zeit spielt, die mich sehr interessiert, so daß ich sehr froh bin, daß das Buch nun doch zu mir gekommen ist und mir  Maria Antonia Graff, die jetzt die Pressearbeit für „Picus“ macht, wie mir Luba Arnautovic beim „Volksstimmefest“ sagte, das PDF schickte.

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