Literaturgefluester

2018-10-21

Alte Feinde

Wieder ein Buch aus der dritten oder vierten Kategorie meiner Herbstleseliste, diesmal ein Krimi und spannend, weil ich mich ja vor kurzem mit der Schweizer Literatur beschäftigt habe, einer von der 1967 in Zürich geborenen Petra Ivanov, die mehrere Jahre in den USA gelebt hat und mit „Alte Feinde“, den zehnten Fall der Flint – Cavalli Reihe vorlegt.

Regina Flint ist eine Schweizer Staatsanwältin, ganz habe ich nicht verstanden, was die bei einem Mordfall recherchieren, dachte ich doch eher, die träten erst bei den Gerichtverhandlungen auf. Aber vielleicht ist das in der Schweiz anders und Bruno Cavalli,  ist ein Erimttler mit indianischen Wurzeln und in diesem Fall gibt es auch noch Spuren zum amerikanischen Bürgerkrieg, 1861 oder so.

Ganz schön verwirrend, da in diese Reihe einzusteigen, könnte man so sagen und war auch so, denn während der ersten Kapitel schwirrte mir der Kopf und ich habe mich bei der Namensvielfalt nicht ausgekannt.

Aus diesem Grund hat mir wohl der Verlag freundlicherweise Band 1, „Fremde Hände“, der 2005 erschienen ist, dazugeschickt. Da meine Leseliste aber solang ist und ich beim dBp erst bei Buch zehn, habe ich das Lesen aufgeschoben und umgekehrt angefangen, was wohl auch den meisten Lesern passieren wird, wenn sie das buch kaufen oder geschenkt bekommen und bin nach und nach mit der Handlung vertraut geworden.

Für besonders spannend würde ich sie wegen der oben erwähnten Gründe nicht halten und dann versucht  „Petra Ivanov gehört zur Elite unter den zeitgenössischen Krimiautoren“, steht am Klappentext, die gelobte Autorin noch, was ich immer höre, daß man das nicht soll, die Genres miteinander zu verbinden.

So gibt es drei Handlungsstränge und wahrscheinlich brauchen auch die Leser, die die ersten neun Bände kennen, vielleicht etwas, um in die Spannung zu kommen, denn zuerst sind wir in North Carolina und dort  wird Bruno Cavalli, der halbe oder ganze Indianer, dazu braucht man wohl das Vorwissen, der in Zürich mit Regina Flint lebt, ermittelt und ein Kind von ihr hat, hingeschickt, um beim Fall des Blasrohrmörders zu ermitteln.

Da hat nämlich einer im Reservoir einige Leute umgebracht und man braucht einen Vermittler, der sich mit den Indianern auskennt und dann waren die Opfer auch noch alle mit Bruno Cavalli bekannt. Das nächste Opfer soll die Krankenschwester Emma werden, die seine Mutter pflegt, so geht er am Beginn mit ihr essen, wird angeschossen und taucht für die nächsten hundert Seiten oder so unter.

Genauer ausgedrückt, das ist im April passiert, während in Zürich im August, Regina hat da von Cavalli schon monatelang nichts mehr gehört, ein Albert Gradwohl mit einer Flinte erschoßen wurde, die im amerikanischen Bürgerkrieg verwendet wurde. Der stellt sich heraus, ist ein Enkel oder Urenkel eines Heinrich Wirz und das war eine real gelebt habende Person. Ein Schweizer, der nach Amerika auswanderte und im Bürgerkrieg Kommandant eines Lagers war und erschossen wurde.

Die Waffe aus der geschossen wurde, wurde im Bürgerkrieg verwendet, es wurde aber vor einger Zeit auch eine andere Nachfahrin des Heinrich Wirz von einem Nachfahren der Gegenseite erschossen und der dritte Strang geht in den Bürgerkrieg hinein und wir erfahren seitenlang von Personen, die damals dort tätig waren. Das denke ich, wird die meisten Krimileser, die ja Spannung wollen, nicht so interessieren und ich brauchte, wie schon geschrieben, lang in die Handlung hineinzukommen.

Man erfährt aber, glaube ich, auch erst auf Seite zweihundert oder so, daß die beiden Fälle zusammenhängen und, daß Regina dadurch nach Amerika und auf die Spuren von Bruno Cavalli, dessen alter Feind, ihn wie schon der Titel, sagt, ihn verfolgt und nun alles, um ihn herum Ratzebutz auslöschen will, gelockt wird.

Was nicht so einfach ist, denn Bruno Cavalli ist sehr gewitzt, allerdings ist das FBI auch nicht so ohne und, wie die Schweizer Polizei mit dem FBI zusammenarbeit, habe ich auch nicht ganz begriffen, hat also Verräter und Unterläufer und so passiert sehr viel auf  dreihundersiebzig Seiten, bis alles klar ist, und Regina und Bruno mit ihren Kindern wieder in die Schweiz zurückreisen und weiter ermitteln können.

Auffällig in dem Buch sind, wie die Überwachungsmethoden geschildert werden, mit denen gearbeitet wird.

Da könnte einer das Gruseln kommen und auch die zarten Hinweise, wie Petra Ivanov, den Polizistenalltag beschreibt.

Bruno Cavalli ist monatelang in Amerika und hat den Kontakt zu seiner Familie verloren und kann ihr nur versteckte Hinweise geben, in dem er ein Handy klaut, in Zürich einen Asia-Imbiß anruft und dort Erbsen und Reis für Lily bestellt, weil die das gern verzehrt und, die wird von einer spanischen Tagesmutter betreut, so daß sie spanisch zu sprechen anfängt und Regina sich immer öfter nur telefonisch erkundigen kann, wie es ihr geht, weil sie ja mit der Aufklärung ihrer Fälle beschäftigt ist.

Das hat mich, muß ich gestehen, mehr beeindruckt, als die Ereignisse im amerikanischen Bürgerkrieg, obwohl Petra Ivanov in einem Video-Clip, glaube ich, sagte, daß sie auf einer ihrer Armerikareisen, ein Monument dieses Schweizers gesehen hat, das sie auf die Idee brachte, dieses Buch zu schreiben und ihm ein Denkmal zu setzen.

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2018-10-20

Vom kulturpolitischen Arbeitskreis zur GAV-GV

An diesem Wochenende wieder GAV-GV, die, wie seit schon einigen Jahren am Freitag immer mit einem kulturpolitischen Arbeitskreis beginnt, wo  im meist kleinen Kreis gesellschaftskritische Themen besprochen werden.

Diesmal ging es, um die politische Positionierung in und, um die GAV und für mich ist die Mitgliedschaft in einem Autorenverein sehr wichtig, weil sie, wie auch Fritz Widhalm in der Diskussion erwähnte, für mich die Bestätigung, als Autorin ist, ich also keine bloße Hobbyautorin bin.

Dann soll sie, wie die GAV auch noch links und sozialkritisch sein und so bin ich in den Achtzigerjahren beigetreten, beziehungsweise aufgenommen worden, gehe regelmäßig zu den Generalversammlungen, habe früher auch Veranstaltungen organisiert und wichtig für mich ist auch, daß die GAV nach außen sichtbar ist, was sich seit den Achtzigerjahren etwas verändert hat.

Als ich aufgenommen wurde, war Ernst Jandl der Präsident und Josef Haslinger der Generalsekretär, inzwischen haben sich, wie Ilse Kilic in ihrer Einleitung erwähnte, die Hierarchien verflacht.

Der Verein ist größer geworden und hat derzeit, wenn ich es richtig aufgeschrieben habe, zweihundertsiebzig weibliche und vierhundervierundvierzig männliche Mitglieder.

Man kann einmal im Jahr eine Veranstaltung organisieren und die Frage, die Ilse Kilic an die Runde stellte, war auch, was der Verein von seinen Mitgliedern hat?

Nikolaus Scheibner hielt ein diesbezügliches Grundsatzreferat, dann konnte jeder seine Vorschläge machen, wie sich der Verein besser positionieren und auch besser in der Öffentlichekeit verankert werden kann.

Da ist vielleicht der Name verwirrend, weil sich das „Grazer Autorenversammlung“ auf die Gründung beziehungsweise Abspaltung vom damals sehr konservativen PEN, 1973 in Graz bezieht, ich aber noch immer darauf angesprochen werde, ob ich aus Graz komme, wenn ich die GAV erwähne.

In den letzten Jahren hat es am Abend immer eine Lesung der neuaufgenommenen Mitglieder gegeben, um sie kennenzulernen und sich mit ihren Werken bekannt zu machen.

Seit im Vorjahr sechzig Leute hätten lesen müssen, gibt es das nicht mehr und heuer wurden auch keine neue Mitglieder aufgenommen, so daß ich zum jährlichen Herbstfest der „H und K-Holzwerkstatt“, von der sich der Alfred eimal zwei Küchen und ein Bett machen hat lassen, gegangen bin.

Da gab es Musik, ein Buffet und einen Film von Ludwig Wüst über das „Haus seines Vaters“ und am Samstag ging es mit der Generalversammlung in der „Alten Schmiede“ weiter, wo wichtige Themen besprochen werden.

Denn viele Mitglieder, viele Veranstaltungen und ein gleichbleibendes Budget, das noch dazu von den Einsparungsplänen der türkis-blauen Regierung bedroht wird. Da wurde viel diskutiert, wie man das in Zukunft machen soll, wer bei wievielen Lesungen mitmachen darf und wen man dabei einladen soll?

Neue und alte Bekannte habe ich auch dabei gesehen, einige der neuen Mitglieder kenne ich ja gar nicht mehr und mußte nach ihren Namen fragen.

Aber die Ruth war da, Irene Wondratsch, Erika Kronabitter, die so nett war, in der Mittagspause mit mir und dem Rudi ein kleines Video aufzunehmen, da Jörg Piringer solche sammelt, wo GAV- Mitglieder erzählen, warum sie in der GAV sind und was die für sie bedeutet.

„Ohne GAV bin ich baff!“, hat der Rudi performiert, ich habe eher konventionell, das betont, was ich schon im Arbeitskreis sagte, daß die GAV für mich und mein literarisches Ich sehr wichtig ist und ich durch sie in Kontakt mit anderen Autoren komme.

Margot Koller ist nach der Mittagspause gekommen, die ich lesend auf einer Parkbank mit einem Mc Donald Sackerl verbracht habe und noch viele andere, mit denen ich mehr oder weniger befreundet bin und nach der hitzigen Veranstaltungsdiskussion, sechzig wurden für das nächste Jahr eingereicht und mußten durchbesprochen werden, unser zweiter Spaziergang im öffentlichen Raum, der diesmal in den U-Bahnbereich gehen soll, war auch dabei und wurde angenommen, ist es diesmal zum gemeinsamen Abendessen  ins Cafe Prückl, wo immer die „Podium- Sommerlesereihe“ stattfindet, gegangen.

ich bin mit dem Rudi, der Ruth und Margot Koller, die mir ihr neues Buch „Stichwort Philosophie – ein Kalleidoskop aus zwölf Essays gegeben hat, an einem Tisch gesessen, Ditha Brickwell, die mich ja einmal zu ihrer Veranstaltungsreihe einladen wollte und Lisa Fritsch waren abwechselnd auch dabei, habe einen Gespritzen getrunken, Faschierte Leibchen mit Salat und Kartoffelschmarrn und dann noch einen Topfenstrudel gegessen und Stefan Reiser, den ich ja einmal bei den „Wilden Worten“ hörte, hat mich zu einer seiner Lesungen am nächsten donnerstag in eine Buchhandlung eingeladen, aber da werden wir wieder nach Harland fahren.

2018-10-19

Der Blumensammler

Jetzt kommt wieder ein Buch aus der vierten Kategorie meines heurigen Herbstmonsterlesevorhabens, nämlich der zweite Roman des 1981 geborenen, englischen Schriftstellers David Whitehouse, der im „Blumensammler“ drei Leben in einem Roman verbindet und das  sehr spannend und gekonnt kombiniert. Ein wenig Mystik und Surrealismus, wie man sich das vielleicht so wünscht, ist auch dabei und so steht am Buchrücken „Eine fantastische Expedition in die Welt der Blumen: Spektakulär, verblüffend, herzergreifend“ und wenn man, wie ich zuerst den Klappentext liest, ist man am Anfang verwirrt. Denn das Buch beginnt gar nicht mit dem dort erwähnten Blumensammler und seinem Alter Ego, sondern mit einem Professor Cole, der irgendwo in einem U-Boot sitzt und dann aus einem Wal einen Flugschreiber herausholt.

Nun ja, ich gebe zu, daß ich irgendwann nach vor geblättert habe, um nachzuschauen, ob ich wirklich das richtige Buch in der Hand habe oder eines mit einem falschen Umschlag?

Ich hatte, denn es im nächsten Kapitel geht es mit einem Dove weiter und da ist dann schon von Moorveilchen die Rede. Also richtig. Dove war, glaube ich, Journalist, arbeitet jetzt aber bei einer Rettungsorganisation im Telefondienst und hat plötzlich starke Kopfschmerzen und nicht nur das. Erinnerungen tauchen in ihm auf, an einen Peter  Manyweather aus New York, obwohl er noch nie in New York war und dorthin geht es gleich im nächsten Kapitel und auch dreißig Jahre zurück, nämlich ins Jahr 1984 und da lebt dieser Peter etwas vereinsamt vor sich hin. Er hat eine Schwester und ein Reinigungssunternehmen. Das heißt, er putzt Wohnungen, wo die Leute lang hinausgestorben sind und viel Dreck hinterlassen und dort findet er eine schöne Blume.

Da geht er dann in die Bibliothek holt sich ein Lexikon und findet dort einen Brief, wo einer seiner Liebsten, von den schönsten Blumen der Welt erzählt und die phantastische Reise beginnt. Denn Peter, der inzwischen einen anderen Blumenforscher kennengelernt hat, macht sich auf auf die Expedition, um die Welt, nach China, Afrika, Sumatra und so weiter, findet dort seine große Liebe und der Dove, ein Adoptivkind, der seine Eltern nie gesehen hat, geht inzwischen weiter in die Vergangenheit dieses Peters und dann ruft noch eine Frau in der Rettungszentrale an, die sich, um einen ihrer Patienten in einem Altersheim Sorgen zu machen, der den ga nzen Tag am Fenster steht, die Blumen im Garten ansieht und auch Kopfschmerzen hat.

Abwechselnd werden die drei Erzählstränge miteinander verbunden. Der Professor geht auf Pressekonferenzen und  versucht die Absturzurrsache des Fluges PS570 vor dreißig Jahren herauszufinden, aus dem sich offenbar ein Mann aus dem Meer gerettet hat und der Mann in dem Altersheim, der angeblich Zachariah Temple heißt, wurde eines Tages verwirrt von der Polizei auf der Straße aufgegriffen und ins Heim gebracht.

Dove erkennt den Vater in ihn und ganz am Schluß stellt sich noch heraus, daß Professor Cole es einstmals war, der seiner Liebsten, um sie zu beeindrucken, den Brief geschrieben hat, obwohl er nichts von Blumen versteht

Sehr spannend und ein bißchen ungewöhnlich die Verbindungen der drei Personen, die an sich nichts miteinander zu tun haben, der „spektakuäre roman über Liebe und Verlust sowie über die ungezähmte Macht der Erinnerung“, wie im Klappentext steht. Mich hat er ein bißchen, sowohl an „Orchis“ als auch an den „Vogelgott“ erinnert.

Und besonders haben mir darin die kleinen Seitenhiebe an das soziale Geschehen dieser Welt gefallen und auch, daß die Protagonisten ganz normale Berufe, wie Reinigungsfachkraft oder Mitarbeiter einer Rettungszentrale haben.

2018-10-18

Dritte österreichische Debutpreislesung

Heute fand in der Arbeiterkammerbibiothek in der Prinz Eugen Straße zum dritten Mal die Vorstellung der drei Debutpreisfinalisten statt, die ich zum zweiten Mal besuchte, denn 2016 fand es ja zeitgleich mit der „Veza Canetti Preisverleihung“ an Ilse Kilic statt und da habe ich mich dafür entschieden weil ich ja auch schon alle drei Bücher gelesen habe, im Vorjahr war ich da und heuer auch und von den drei Finalisten

1.Ljuba Arnautovic „Im Verborgenen“

2. David Fuchs „Bevor wir verschwinden“ und

3. Marie Gamillscheg „Alles was glänzt“, die ich ja alle drei schon bei den O-Tönen gehört habe, habe ich inzwischen das Buch der Ljuba Arnautovic gelesen, das des David Fuchs wartet noch auf mich und das der Marie Gamillscheg wird, so wie es ausschaut nicht zu mir kommen und wenn ich von den O-Tönen und der Shortpreislesung eine Prognose abgeben kann, würde ich mir da des David Fuchs als Preisträger wünschen und bis dahin werde ich es wohl auch mit dem Lesen schaffen, obwohl ich es dem 1981 in Linz geborenen Onkologen nicht glaube, daß er das Buch nicht zu seiner Psychohygiene geschrieben hat, vielleicht weiß er es noch nicht, daß es ihm dazu nützt, ich würde es aber für ausgeschlossen halten, wenn es ander wäre, aber auf mich kommt es nicht an.

Gar nicht soviele Leute in der Arbeiterkammerbibliothek, ich glaube ja, daß sich der österreichische Buchpreis ziemlich im Verborgenen und im Geheimen abspielt und kein Mensch etwas davon weiß und  Ute Weiner, die Bibliotheksleiterin sagte in ihrer Einleitung auch, daß sie den Büchern recht viele Leser wünsche und glaube, daß sich einige der Nominierung wegen die Bücher gekauft hätten.

Das glaube ich zwar nicht, es gab aber einen Büchertisch und einige Besucher hatten auch die Bücher vor sich liegen und ließen sie sich signieren.

Es kam aber der Arbeiterkammerdirektor Christoph Klein und hielt eine flammende Rede auf die Wichtigkeit der Arbeiterkammer, die ja der derzeitigen Regierung ein Dorn im Auge ist und dann kamen die Lesungen der drei, beziehungsweise das Gespräch und das Interview das Ute Weiner mit ihren führte.

Ljuba Arnautovic habe ich ja schon öfter daraus lesen gehört und kannte auch die zwei ausgewählten Stellen. David fuchs hat, glaube ich, auch das gelesen, was er bei den O-Tönen präsentieren, bei Marie Gamilgscheg weiß ich es nicht mehr, aber ihr Buch ist sicherlich das literarischte der drei, obwohl ich noch immer nicht so genau weiß, worum es darum geht.

Velleicht kommt es noch einmal zu mir, man soll ja die Hoffnung nie aufgeben und es gibt auch immer wieder Überraschungen, aber hier im Anschluß Brötchen und Wein, beziehungsweise kleine Schinken- oder Käsesemmerln.

Angelika und  Josef waren da, die Frau K. und noch einige andere literarisch Interessierte. Ich habe mich mit Ljuba Arnautovic ein wenig unterhalten. Ich habe ihr alle Gute gewünscht und ich glaube auch, daß sie Chancen für den Preis hat. Aber meine Prognosen sind ja, wie man am heurigen deutschen Buchpreis sieht, nie richtig, also bin ich gespannt und die Einladung zur Preisverleihung am fünften November ist auch schon bei mir, so daß ich es ja erfahren kann.

2018-10-17

Verwechslungen bei der Veza Canetti-Preisverleihung

Nachdem der Veza-Canetti-Preis vor zwei Jahren an Ilse Kilic der damaligen GAV- Generalsekretärin gegangen ist, geht er heuer an Petra Ganglbauer, der GAV-Präsidentin und die hat ja entgegen der meisten bisher anderen Preisträgerinnen einen Bezug zu Veza Magd oder Veronika Knecht, hat sie doch zu deren fünfzigsten Todestag, mit Gertrude Moser-Wagner die mich höre und staune für Waltraud Seidlhofer gehalten hat, ein Projekt veranstaltet und die Anthologie „Veza lebt“ herausgegeben, die heurige Autorinnen feiern Autorinnen Vorlesung hat sie auch gehalten und ich habe sie in der letzten Zeit auf mehreren Veranstaltungen aus mehreren Büchern lesen gehört.

Also ganz toll und das Interessante an der 1958 in Wien geborenen, die schon länger in Wien lebt, ist wohl die Verbinduing zwischen der experimentellen Literatur und dem Gesellschaftsbezug, so wurde sie, glaube ich, von der Stadträtin, die die Veranstaltung im MUSA einleitete oder auch vom Laudator Klaus Zeyringer vorgestellt und ich kenne sie schon lange, wahrscheinlich seit ich in den Achtzigerjahren in die GAV gekommen bin, habe etwas von ihr gelesen, sie hat einige Bücher von mir rezensiert, das Institut für Schreipädagogik geleitet oder gegründet, deren Präsidentin sie auch ist, also auch eine Doppelpräsentschaft, „Wasser im Gespräch“ habe ich rezensiert und jetzt hat die slowenische Musikerin Maya Osojnik, die Veranstaltung mit einer Performance eröffnet und auch beendet.

Dazwischen hat Julia Danielcyk begrüßt, Klaus Zeyringer vom besonderen Wert der experimentellen Literatur gesprochen, denn die braucht den Leser ja nicht abzuholen, wo er steht, sondern soll ihn fordern, obwohl der Buchhadel, weil er in der letzten Zeit ja viele Leser verloren hat, um deren Gunst buhlt und alles noch leichter verdaulich machen will.

Petra Ganglbauer widersetzt sich dem Trend und hat aus ihrem im nächsten Jahr erscheinend sollenden Gedichtband „Gefeuerte Sätze“ gelesen.

Auf den Sitzen in dem sehr vollen MUSA in dem ich gerade noch einen Platz in der dritten Reihe gefunden habe, lagen kleine Schiffchen auf , die aus Seiten aus dem Ganglbauer Buch „Wie eine Landschaft aus dem Jahre Schnee“ gefaltet wurde, man sollte es im Anschluß entfalten und laut zu der Musik von Maja Osonjik daraus vorlesen und dann gab es wieder Brot und Wein und diesmal war das gesamte „Fröhliche Wohnzimmer“, beziehungsweise die GAV-Familie gekommen und ich wurde, oh Wunder nicht nur für Waltraud Seidlhoferm als auch für Ilse Kilic gehalten, obwohl ich beiden ja nicht ähnlich sehe und Daniel Wisser hat mich angesprochen, ob ich sein Buch jun schon bekommen habe, habe ich noch nicht und lese mich gerade auch durch den Thome, aber wenn ich es bekommen sollte, würde es sich mit dem Lesen bis zur Preisverleihung gerade noch ausgehen und ist es nun gut oder schlecht, ob ich im MUSA so viel verwechselt wurde?

Anita C. Schaub hat mich jedenfalls nicht verwechselt, sondern sich nach meinen „Mittleren“ erkundigt, aber die gibt es schon lang nicht mehr.

2018-10-16

Gedichte über Tod und Sterben

Allerheiligen und Allerseelen naht, wo man sich mit dem Tod und den Sterben beschäftigt, obwohl es sicher ein Zufall war, daß die „Gesellschaft für Literatur“ heute zwei diesbezügliche Gedichtbände vorstellte, denn dann wäre sie ja zwei Wochen zu früh daran und die „Gesellschaft für Literatur“ ist ja eine, die ihre Veranstaltungen immer mit dem akademischen Viertel beginnt, so daß ich nach meiner sechs Uhr Stunde hinhetzte und höchstens eine Rüge von meiner Leserin Elisabeth zu erwarten hätte, wenn ich zu spät gekommen wäre, aber mitnichten kurz nach viertel, war es noch ziemlich leer im Vortragsaal und so hatte ich mir den siebenhundert Seiten Thome nicht umsonst mitgenommen.

Nach ungefähr zehn Minuten tauchte Manfred Müller auf, um mittzuteilen, daß die Veranstaltung in zehn Minuten beginnen würde, weil eine oder mehrere Teilnehmer sich noch wo anders befänden, dann kam das Publikum darunter Robert Schindel und nach halb war es dann so weit, Manfred Müller stellte, die beiden so unterschiedlichen und doch  themengleichen Gedichtbände von  Günther Kaip und Sabine Gruber vor.

Der 1960 geborene Günther Kaip war mir den Namen nach bekannt und ich habe ihn auch schon auf einigen Lesungen gehört. Jetzt ist im Vorjahr sein Vater gestorben und er hat sich in „Eine Membran sind wir“, damit beschäftigt und Manfred Müller erklärte in seiner Einleitung, daß er das auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise getan hat und so, daß der Tod nichts Trauriges mehr hat.

Das hätte ich ohne den Hinweis, daß sich die Gedichte mit dem Tod des Vaters beschäftigen nicht verstanden. So war es mir aber klar und Günther Kaip erkärte im Anschluß noch, daß er nach dem Tod des Vaters eine Zeitlang das Gefühl gehabt hat, er wäre in seiner Wohnung anwesend. Dann hat er zu zeichnen angefangen oder es ist selbst aus ihm herausgeflossen, die Zeichnungen illustrieren den Gedichtband und irgendwann hat er geträumt, daß der Vater ihm sagte, er solle mit dem Zeichnen aufhören und dann hat er nichts mehr zusammengebracht.

Psychologisch sehr interessant und der Gedichtband der 1963 in Meran geborenen Sabine Gruber von der ich nicht gewußt habe, daß sie auch Gedichte schreibt und Gedichtbände veröffentlicht hat, kenne ich die Veza Canetti Preisträgerin ja vorweigend als Romanautorin „Am Abrund im Himmel zuhause“, wurde auch nach einem realen Anlaß geschrieben, wie Manfred Müller erwähnte. Wer gestorben ist, wurde nicht bekannt gegeben, es geht in den Texten aber, um ein „Halbes Zimmer und ein halbes Lleben“.

Die Gedichte wären formal strenger, als die von Günter Kaip erklärte Manfred Müller noch dazu. Ja, sie reimten sich auch ein wenig und es waren mit einem Prolog nur fünfzehn zum Teil sehr kurze Gedichte, die in der bibliophilen Sonderausgabe von „Haymon“ versammelt sind, die von Sabine Gruber, die aus einer Buchdruckerfamilie kommt, noch besonders gelobt wurden.

Im Anschluß las sie dann noch ein paar Journalgedichte, die jeweils einen Ort und einen Monatsnamen im Titel trugen und zum Teil auch an Dichter, wie beispielsweise Walter von der Vogelweide oder Dante erinnerten.

2018-10-15

Die Geburt der Ersten Republik im historischen Krimi

Dieser Tage findet in Österreich das größte Literaturfestival, nämlich „Österreich liest-Treffpunkt Bibliothek“ statt, das bisher immer mehr oder weniger an mir vorbei gegangen ist, was daran liegen mag, das ich nicht so eine Bibliothekleserin bin, sondern mit den städtischen Büchereifilialen und ihren strengen Bibkliothekarinen eher schlechte Erfahrungen gemacht habe und eher eine Büchersammlerin als Büchereileserin bin.

Aber dieses Festival gibt es schon seit Jahren und ich kann mich da an an Karten, beziehungsweise „Standard-Inserate“ erinnern, die darauf hinweisen.

Die Karten habe ich gesammelt, das Programm aber nie richtig erhalten, jedenfalls bin ich, glaube ich, zu solchen Veranstaltungen nicht besonders hingegangen und vor einigen Wochen wies mich der Alfred auf eine Veranstaltung hin, die im Rahmen dieser Aktion im Palais Epstein, beziehungsweise in der Parlamentsbibliothek stattfand.

„Endlich brachst du die Ketten entzwei – die Geburt der Ersten Republik im historischen Kriminalroman“, wo Andreas Pittler und Gerhard Loibersberger ihre Kriminalromane, die davon handelten, vorstellten.

Nun habe ich, was das Parlament und seine Veranstaltungen betrifft, ein eher gespaltenes Verhältnis, man muß seinen Ausweis herzeigen, vielleicht sogar seine Tasche auf ein Sicherheitsband legen oder in sie hineinschauen lassen, alles, was ich eigentlich nicht will und außerdem habe ich „Chuzpe“ schon 2010 gelesen.

Der Alfred ließ aber nicht locker und so habe ich mich doch angemeldet und das Palais Epstein ist auch sehr interessant, befand sich doch 1980 der Wiener Stadtschulrat darin und da bin ich einmal hingegangen und habe mich bei einem Hofrat Kraft vorgjestellt, weil ich das mein“ Akademikertraining“ im schulspsychologischen Dienst machen wollte.

Dann hörte ich, es sollte das „Haus der Geschichte“ werden, als sich der Stadtschulrat nicht mehr dort befand und jetzt befindet sich offenbar die Parlamentsbibliothek daran und es war mit den Sicherheitsmaßnahmen gar nicht so schlimm, wie befürchtet.

dieLesung fand im überdachten Innenhof des schönen historischen Gebäudes statt, die Parlamentsdirektorin Susanne Janistyn-Novak hat begrüßt, moderiert und eingeleitet hat dann die Leiterin der Parlamentsbibliothek Elisabeth Dietrich-Schulz und hat auf den November 1918 und die Republikgründung  und  auf das Buffet, das es anschließnd geben würde, hingewiesen und davor noch gesagt, daß die Soldaten, die 1918 vom Weltkrieg nach Hause kamen, im Durchschnitt fünfzig Kilo gewogen hätten.

„Uje, uje!“, habe ich gedacht und daran, daß ich 2014 auf einer Marktveranstaltung war, wo Sackerln ausgegeben wurden, wo die damaligen Tages- oder Wocherationen an Mehl und Zucker etcetera enthalten waren und befürchtet, daß sich das Buffet daran halten würden.

Es wurde dann etwas von Mohn- und Nußkipferl und Grammelpogatscherln erwähnt und in den beiden vorgestellten Büchern dreht es sich auch ums Essen, in dem von Andreas Pittler, der, was ich nicht wußte, Professor ist und 2004, das Ehrenkreuz der Republik bekommen hat, geht der Major Bornstein, am elften November ja ins Parlamentsrestaurant, wo sich die Speisekarte von Lachs- und Putegerichten biegt, er aber kein Geld hat, sich eines der Gerichte zu bestellen und Gerhard Loibelsberger im Frühjahr erschienener Roman „Schönbrunner Filiale“ schließt direkt daran an.

Es geht dabei um zwei Deserteure, einen Tschechen und einen Wiener, die am elften November oder so, wo der Kaiser abdanken oder verzichten mußte, in Schönbrunn einbrachen und die Küche stürmten, sie wurden dabei verhaftet und der Inspektor, der später Ministerialrat wird, geht in ein Restaurant in der Porzellangasse essen, wo es Gemüsegulasch und gefüllte Paprika ohne Fleisch gibt.

Das Buffet in der belle Etage im Palais Epstein war aber wohl gefüllt, es gab zu den schon erwähnten Grammelpgatscherln, Brötchen und zu den Nuß- und Mohnkipferln, auch noch Sacherwürfel und Schaumrollen.

Musik gab es auch und ich habe am Büchertisch, die Babysitterin entdeckt, die ich in den Neunzigerjahren eine Zeitlang für die Anna engagiert hatte, da ich neben der Betreuung meines Vaters und meiner Praxis in der Gumpendorferstraße Unterstützung brauchte.

Die hat jetzt eine Krimibuchhandlung in der Magdalenenstraße und die Loibelsberger und die Pittler- Bücher auf dem Büchertisch liegen und es war eine tolle Veranstaltung, obwohl ich Anfangs sehr skeptisch war und nur  widerwillig hingegangen bin.

2018-10-14

Frankfurter Buchmesse

Ich war, das habe ich schon geschrieben 2000 und 2002 mit dem Alfred in Frankfurt bei der Buchmesse, seither nicht mehr, weil uns das zu teuer war und als ich 2008 zu bloggen anfing, habe ich geschrieben, daß ich die Buchmesse deshalb auslessen werde und bin dann darauf gekommen, daß man sich die Lesungen auf dem blauen Sofa, bei 3 Sat und von ARD per livestream anschauen kann und habe dann die die freien Stunden der fünf Messetage vor dem Laptop verbracht und habe Frankfurt gesurft.

Damals gab es noch die kleinen Videos, der Messeblogger, die die Messeeindrücke schilderten, Türkei war das Gastland und da habe ich in einem der Videos Barbara Frischmuth gesehen, die eine türkische Autorin begleitet und gedolmetscht hat, und von der Messebloggerin nicht erkannt wurde, was mich sehr beeindruckt hat.

Ich habe hier auch Raffael Chirbes kennengelernt, der damals sein „Krematorium“ vorstellte.

Seither verbringe ich die Buchmessetage, so weit wie möglich vor dem Laptop und habe von meinen Kommetiererinnen auch einmal die Aufforderung bekommen, die Messe zu kommentieren, was man natürlich auch dann nicht kann, wenn man live vor Ort wäre und beim Surfen bekommt man ja nur Teile mit, ist aber sicher für eine literarisch Interessierte hochinteressant, obwohl mich JuSophie als sie mir noch kommentierte, einmal aufgefordert hat, mich mit den wichtigeren Dingen, als mit den Buchmessensurfen zu beschäftigen.

Da denke ich, eine Buchmesse ist für eine literarisch Interessierte wichtig, obwohl ich mich ja eigentlich das ganze Jahr mit büchern beschäftigte und heuer auch schon, glaube ich, sechzig oder siebzig Neuerscheinungen gelesen habe. Jetzt beim doppelten Buchpreisbloggen bin und noch an die dreißig Neuerscheinungen in meinem Badezimmer auf mich warten.

Obwohl in Frankfurt, das weiß ich auch, warten hunderttausend Neuerscheinungen, die Promis laufen herum,Preise werden verteilt und das Gastland ist diesmal Georgieen und da bin ich beim Buchpreislesen gerade bei meinem vierten Shortlistbuch, nämlich das von der Georgerin Nino Hartischwilli „Die Katze und der General“ und wenn ich damit fertig bin, werde ich ein von ihr übersetztes, nämlich der „Südseeelefant“ lesen.

Seit ich Buchpreisblogge werde ich von Verlagen auch manchmal zu Bloggertreffen eingeladen und heuer ist eine Karte von „Rowohlt“ zu mir gekommen, die mich am Donnerstag um fünf zu einer itialienischen Stunde, nämlich zu der Buchpräsentation von Paolos Giardano „Die Himmel stürmen“, da muß ich also auf das italienische Buffet verzichten. Da Buch ist aber am Dienstag zu mir gekommen. Das werde ich also später lesen und am Montag habe ich mich auch schon mit der einem Teil des Livestreams von der Buchpreisverleihung eingestimmt.

Am Dienstag war dann die Eröffnung, davon habe ich via lifestream nichts mitbekommen und am Mittwoch bin ich auch nicht sehr zum Bloggen gekommen, denn um zehn und um elf, je eine Stunde und dann bin ich zu einer Fortbildungsveranstaltung in die WGKK gegangen und anschließend in die „Alte Schmiede“ zu einer Lesung von Barbara Frischmuth und habe also zwischen meinen Stunden nur kurz auf dem „Blauen Sofa“, die Lesung oder das Gespräch mit der Buchpreisträgerin Inger Maria Mahlke gehört, während bei „ARD“Nino Haratischwilli saß und ein bißchen was über ihre Romanentstehung erzählte und mich erst am Abend ein bißchen durch die Videos durchgesurft, so daß ich da Wolf Haas, Eckhart Nickel und auch Lukas Rietzschel, dessen „Mit der Faust in die Welt schlagen“, ich ja kürzlich gelesen habe und bin auch aufs „Literaturcafe“ gegangen und habe dort einiges von der „Selfpublisher-Bühne“ gehört, wo wieder diese Statistik rezitiert wurde, daß die Leute weniger lesen und weniger kaufen und man sie dazu begeistern muß, sich die Hardcover, um zwanzig bis fünfundzwanzig Euro pro Stück zu leisten.

Nun ja, ich kaufe mir die Bücher nur aus den Abverkaufskisten, lese aber viel und hatte am Donnerstag wieder Stunden, dann eine längere Mittagpause, wo ich mir Dennis Scheck anhörte, um festzustellen, daß der einen komplett anderen Literturgeschmack besitzt, als ich.

Soll so sein und ist kein Wertzurteil, die mittwöcihge blaue Sofa-Diskussion über Grenzen und die Polarisierung zwischen links unds rechts, die ja derzeit herrscht, über die ich mich auch regelmäßig mit dem Uli streite und die mich auch sehr sehr beunruhigt und dann ging es weiter zwischen den beiden Bühnen, Inger Maria Mahlke war wieder dort und Nino Hiratischwili, deren Buch ich inzwischen beendet und besprochen habe.

Bodo Kirchhof, der Bp-Preisgträger von 2016 stellte seine neue Autobiografie vor.

Die 1970 geborene Anna Katharina Hahn, von der ich einige Bücher, aber noch nichts gelesen habe, ist oder war Stadtschreiberin von Mainz und hat in diesem Zusammenhang eine Dokumentation über Tauben mit dem ZDF gedreht, die auf dem blauen Sofa vorgestellt worde.

Vorher war Jonas Jonasson, der den „Hunderjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ geschrieben hat, auf dem Sofa und stellte den Nachfolger „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ vor und hatte Verständnisschwierigkeiten, beziehungsweise keinen Dolmetscher, so daß der Moderator, der, glaube ich, Michael Sahr war, auf Englisch moderieren und übersetzen mußte.

Auf der ARD-Bühne wurde dagegen Alexa Henning von Langes, von der ich „Woher ich komme“ gelesen habe, neues Buch  „Kampfsterne“ vorgestellt.

„Tage mit Ora“ beziehungsweise Michael Kumpfmüller bin ich wieder am blauen Sofa begegnet und auf der Selfpublischerbühne gab es wieder Tips zum Schreiben, beziehungsweise die Vermeidung der häufigen Schreibefehler.

Bei 3 Sat gabs dann ein Video über dicke Bücher, wo sowohl das von Nino Haratischwili als auch der fünf Bücher Schieber von Philipp Weiss vorgestellt wurde, der sich auch auf der Buchmesse befindet und seine Bücher auffängt.

Das ist es ein wenig hektisch gewesen, denn ich habe mir zwei bis drei Videos gleichzeitig angeschaut, was wahrscheinlich gut zu dem Massenauftritt vor Ort passt. Dann sind wir wieder nach Harland gefahren, wo das Wetter so schön war, daß ich mich am Samstag mit dem Laptop und einer Jacke auf die Terrasse setzen konnte.

Juli Zeh um 9.30 auf dem blauen Sofa habe ich zwar versäumt, weil ich vorher  ein bißchen radfahren war. Dann wurde es philosophisch-politisch, denn es kam der Slowene Slavoj Zizek mit seinem „Lenin heute-Buch“ und forderte, daß wir die Welt überdenken und ein neues Lenin-Bild bekommen sollten.

Dann kam Dörte  Hansen, die in „Mittagsstunde“ ein Dorf in Nordfriesland beschreibt und das bisher an mir vorbeigegangen ist.

Karin Duve, die auch schon auf der dBp-Liste gestanden ist, hat in „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ ein Buch über die Dichterin Annette von Drost- Hülshoff geschrieben.

Adolf Muschg, dessen Longlistbuch ich noch lesen muß, war am blauen Sofa und um zwölf wurde irgendwo auf der Messe der zweite Blogger-Award, diesmal in neun Kategoerien, verliehen. Uwe Kalkowsi, der Vorjahrssieger und diesmaliges dBp-Jurymitglied, hat moderiert. Ich habe mich diesmal nicht selber nominiert, bin also weit weg vom Fenster und bin anschließend wieder auf das blaue Sofa gegangen, wo Sigmund Freuds berühmte Patientin Dora, von ihrer Urenkelin Katharina Adler in dem Buch „Ida“ beschrieben wurde.

Adriana Altaras  stellte ihr neues Buch „Die jüdische Souffleuse“ vor, das ich auch noch lesen muß. Danach folgten die heurigen  Friedenspreisträgers des deutschen Buchhandels das Ehepaar Aleida und Jan Assmann mit ihren Büchern.

Maria Cecilia Barbetta eine von den deutschen Shortlistnominierten diskutierte und las aus „Nachtleuchten“ sowohl auf dem Sofa als auch beim ARD-Forum, so daß man gut hin und herschwitschen konnte und daß Norwegen im nächsten Jahr das Gastland ist, war auch überall hören und wurde mir auch schon mittels Pressemails mitgeteilt.

Am ende des intensiven Frankfurt-Surfing-Tages gab es die zur blauen Stunde wieder ein  Krimi  Speed Dating mit Bernhard Aichners „Bösland“, Natasha Korsakova „Tödliche Sonate“, Miroslav <nemec „Kroatisches Roulette“ und für mich erstaunlich, weil es ja kein wirklicher Krimi ist, Max Anas „Finsterwalde“, das Einzige, das ich von den vier schon gelesen habe.

Am Abend  hätten wir dann nach Krems in die „Kultur-Mitte-Galerie“ zu einer Vernissage von Beate Zelnicek zu einem Glas Wein und Brötchen fahren können. Ich habe es aber vorgezogen im Sinne meines Lesestaus beziehungsweise meiner überlangen Leseliste, die mich noch erwartet, vorgezogen mit dem „Blumensammler“ und einem Glas Schilcher-Sturm in die Badewanne zu steigen und am Samstag bin ich erst wieder erst sehr spät auf das Sofa gekommen, da vorher im Garten sehr viel wegzuräumen war, dann ging es mit dem Rad zum Markt, wo der Erntedank gefeiert wurde und wir uns mit der Doris Kloimstein getroffen habe.

Am Rathausplatz gab es im Rahmen des Literaturfestival „Blätterwirbel“, das derzeit in St. Pölten stattfindet, einen Thalia-Flohmarkt, wo ich mir vom Alfred zehn Bücher um je zwei euro kaufen ließ, die ich auch noch lesen muß, aber zuerst wieder ein bißchen nach Frankfurt, und da gab es um 14. 30, den slowakischen Autor Michal Hvorecky mit dem ich schon einmal von Bratislava nach Wien gefahren ist und den wir auch vor zwei Jahren im Cetrope-Workshop besprachen, der sein neues Buch „Troll“ vorstellte, in dem es um die Gefahren der schönen neuen oder alten Internetwelt geht und Frido Mann, von dem ich einmal in Leipzig das Buch „Mein Nidden“ kennenlernte, trat dann auf dem ARD-Forum auf, der ein Thomas Mann Enkel ist und jetzt ein Buch über das Thomas Mann Haus in Amerika, das jetzt zu einem Museum oder einer Stifutung umgewandelt wurde, geschrieben hat.

Dann hörte ich noch das Gespräch von Katja Gassner mit Max Czollek über sein politisches Sachbuch „Desintegriert euch“, ein Thema, das mich ja, nach dem ich jetzt soviel mit dem Uli diskutiere, sehr interessiert und dann ging es wieder in den Garten.

Danach bin ich ins Archiv gegangen, habe mir das „Lierarische Quartett“ angeschaut, daß am Freitag auf der Messe mit Dennis Scheck als Gast stattgefunden hat und habe mich ein bißchen durch das gesurft, was ich am Samstag und an den anderen Tagen versäumte, bin mit dem Video einer Book-Tuberin durch die Hallen gewandert und am Sonntag, als in der Paulskirche der „Friedenspreis des Buchhandelns“ vergeben wurde, bin ich mit dem Alfred nach Hundheim an der Donau zum Fototreffen von Alfreds Wandergruppe gefahren und habe damit auch den Buchmessensonntag versäumt.

Jetzt ist es vorbei, die Geschäfte abgeschlossen, die Bücher angesehen und ich habe mich, als ich nach Hause gekommen bin, noch ein bißchen auf das blaue Sofa und dort zur blauen Stunde begeben, weil dort die Finalisten des Schweizer Buchpreises, Peter Stamm, Gianna Molinari,  Vincenco  Todisco,  Heinz Helle, der jetzt in der Schweiz wohnt und mit Julia Weber verheiratet ist und Julia von Lucadou vorgestellt wurden, was ich sehr interessant fand.

Schade, daß der österreichische Buchpreis dort keine Stimme hat, aber den Gemeinschaftsstand des Hauptverbandes gab es  in Frankfurt auch und die IG-Autoren mit ihrem Lit-Radio. Davon habe ich  nicht viel mitbekommen und jetzt ist das Buchmessen-Surfen vorbei, mein Buchpreis- und Herbstlesen geht weiter und die „Buch-Wien“ naht in einem Monat auch.

2018-10-13

Die Katze und der General

Buch zehn des dBp und das vierte Shortlistbuch, ich weiß, ich bin spät daran, aber Nino Hartatischwilis Roman hat über siebenhundert Seite und es ist das erste Buch der 1983 in Tiflis geborenen, das ich gelesen habe.

„Ihr achtes Leben“ ist ja durch alle Blogs gegangen und ich habe auch in Göttweig daraus gehört, bei diesem Buch waren die Blogger und Book Tuber etwas zurückhaltender, wahrscheinlich war es ihnen zu lang und auch bei „Amazon“ gab es „Ein-Stern-Rezensionen“, Manfred Rebhandl im „Standard“ hat es nicht gefallen. Er hat es für mißĺungen gehalten und ich habe mich die letzte Woche durch das Buch gelesen und bin zu dem Schluß gekommen, daß es den eBp gewinnen müßte, denn Maxims Billers wahrscheinlich schnell dahin geschriebenes Geschichtchen, das noch dazu bereits schon von seiner Schwester geschrieben wurde, kommt nicht dagegen an.

Gut man könnte sagen, daß man es wahrscheinlich kürzen hätte können und nicht alles so genau auserzählen hätte müßen. Man kann den Plot wahrscheinlich auch ktischig nennen. Er ist aber einer von denen, der mir gefällt und über Tschetschenien und den ersten und zweiten Krieg, den es dort gegeben hat und ich habe vor zehn Jahren sehr viel Traumadiagnostik mit Asylwerbern von dort gemacht, habe ich sehr sehr viel erfahren.

Es ist auch, glaube ich, hervorragend komponiert und ich gebe zu, daß ich mit fünfunddreißig Jahren und wahrscheinlich auch jetzt nicht so gut schreiben konnte und kann, würde es aber sehr gern.

Also voila, wieder ein bißchen vor mich hingespoilert, obwohl das meiste schon im Klappentext steht, denn, daß Nura, die junge aufrechte Teschetschenein, deren Ehrgeiz es ist, den Rubik-Kubik- Würfel zusammengebracht zu haben, vergewaltigt und ermordet wurde, ist von Anfang an bekannt und haben die Booktuber erzählt, die sich durch das Leseprobenheftchen gewühlt haben.

Der Prolog erzählt von der Achtzehnjährigen, die in ihrem mittelalterlichen Dorf Mehl holen geht, wo alle Frauen Kopftuch tragen müßen und von ihren Brüdern und Cousinns bewacht werden, sie will von hier weg und spart schon das Geld dazu, als sie nach Jause kommt und die Nachricht hört, die Russen sind hier.

Dann geht es in das Jahr 2016 und nach Moskau oder Berlin, denn der General, Alexander Orlow, der keiner ist, sondern ein Oligarch, hat sich dorthin zurückgezogen. Er ist der Sohn eines hohen Militärs, wurde von der ehrgezigen Mutter auch in eine solche Laufbahn gedrängt, will aber lieber Literatur studieren. So geht er zu den Aufnahmsprüfungen der Militärakademie nicht hin oder läßt sich durchfallen. Kommt aber im Jahr 1996 doch irgendwie nach Tschetschenien, in das Dorf und soll dort die Küche betreuen. Da hat er einen Kjumpel Aljoscha, der eigentlich in Frankreich das Kochgewerbe erlernen will und von Coq au vin träumt. So kaufen sie Nura Hühnchen und Eier ab und die besoffenen Obersten und Führer, die sie haben, wollen auch im Dorf Krieg spielen, halten Nura für eine Terroristin und vergewaltigen sie.

Orlow und Aljoscha werden gezwungen mitzutun, Nura stirbt, Alexander zeigt sich selber an. Es kommt sehr ungewöhnlich zu einem Prozeß, den er erzwingt, aber der aufrechte Anwalt, den er besorgen konnte, wird ermordet und Oberst Petruschow, der stärkste der drei Mittäter, bietet ihm eine hohe Stelle in einem Konzern an, wenn er schweigt. Er tut es schließlich, wird Oligarch, verliert seine Jugendliebe Sonja und auch seine Tochter Ada, die die Schuld ihres Vaters in den Selbstmord trieb und im Berlin des Jahres 2016, sieht Orlow  auf einem Plakat, eine Schauspielerin, die der ermordetetn Nura verdammt ähnlich sieht.

Er engagiert sie, Katze genannt, die aus Georgien kommt, für ein Video, das er den drei Mittätern übermitteln läßt. Es gibt dann noch Schapiro, den Orlow im Gefängnis kennenlernte und der sein Leibwächter ist oder für ihn die Kohlen wegräumt und einen deutschen Journalisten Onno Bender, die Krähe genannt, man sieht das Buch ist sehr gut komponiert, der sich auf Orlows Spuren setzte, in Ada verliebte und ihr auch von der Schuld des Vaters erzählte.

Das Ganze wird hin und hererzählt und schließlich landet man zu Silvester 2016 in einem wunderschönen verschneiten tschetschenischen Bergdörfchen, wouerst Coq au Vin, ohne Wein, weil Alkohol ja in Tschetschenien verboten ist, gegessen und schließlich bei Wodka, russisches Roulette gespielt wird.

Hier endet meine Nacherzählung mit der Wiederholung, daß mir das Buch sehr sehr gut gefallen hat, den Thome und  „Nachtleuchten“, die auch noch auf der Shortlist standen, muß ich noch lesen.

Was das so Besondere an „Archipel“ ist, habe ich noch immer nicht begriffen, obwohl man beide Autorinnen in Frankfurt auf sämtlichen Sofas finden kann und ich mich demnächst in ein Georgien-Buch vertiefen werde, das, wie ein Wunder oder welche Energie, auch von Nino Haratischwili, die ja in Hamburg lebt, übersetzt wurde.

2018-10-12

Walter muss weg

Filed under: Bücher — jancak @ 00:23
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Die nächste Neuerscheinung abseits der Buchpreislisten ist ein Krimi und zwar „Walter muß weg“, der erste Fall der „Frau Huber ermittelt-Reihe“ des 1970 geborenen Thomas Raabs, der mit seiner „Metzger-Reihe“ bekannt geworden ist und jetzt offenbar etwas Neues beginnt und es ist, wie soll ich schreiben, ein sehr bizarrer Krimi, im Stil eines Wolf Haas oder Thomas Raab natürlich, in dem sehr viel passiert und weil es sehr abgehoben geschrieben ist, ist das Mitkommen gar nicht so einfach.

Die Heldin ist die alte Hannelore Huber die in einem Dorf namens Glaubenthal lebt, die typische Dorfidylle halt, mit Pfaffer, Gemeindearzt, der gleichzeitig der Bürgermeister ist, einem Dorf oder Kleinstadtbordell und die ist Witwe geworden von ihrem Mann Walter und freut sich darüber.

Endlich kann sie aufblühen, ihr Leben genießen. Mitnichten denn beim Begräbnis passieren schon die skurrillsten Sachen. Da taucht zum Beispiel eine andere Witwe auf und weint vor sich hin und ein Staatssekreätr schmeißt Rosen in das Grab. Dann kommt  noch der Sohn des Bürgermeisters, der kleine Kurti, der Sarg geht auf und oh Schreck, es liegt nicht der Walter, sondern der Totengräber selber drin.

Auf diese Idee muß man erst kommen. Es geht aber munter weiter. Denn der Walter ist in besagten Bordell in den Armen einer Svetlana, die auch verschwunden ist, gestorben. Aber auch das ist nicht so, wie man glaubt, denn die Puffmutter erkärt der ermittlenden Hannelore, ihr Mann hätte Krebs im letzten Stadium gehabt und die Witwe keine Ahnung davon, nun ja nun ja.

Es gibt einen pensionierten Dorfschuldirektor, der in einem Cafe in der nahegelegenden Kleinstadt in der Nähe des Bordells, den Damen dort kostenlosen Deutschunterricht gibt.

Nun ja, die politische Lage wird  nicht nur in der Person des Staatssekretärs vorsichtig thematisiert. Es gibt  noch einen Wolf, der eigentlich einHund ist und ein kleines Mädchen namens Amelie, deren Mutter im Rollstuhl stitzt und das einersetzt sehr altklug ist, andererseits einen Sprachfehler hat, so sagt es immer „Witzkí“. Svetlanas Leiche wird im Moor gefunden, ein roter Socken und eine Beinprothese und es ist gar nicht so leicht, das Ganze zu spoilern, weil man die Handlung immer erst nach und nach erfährt, so daß die Berurteilung derselben gar nicht so einfach ist.

Die Handlung ist also an den Haaren herbeigezogen und blanker Nonsens, könnte ma sagen. Wahrscheinlich nicht und Thomas Raab hat beim Schreiben wahrscheinlich großen Spaß gehabt. Vieles wird angerißen und thematisiert, worüber man nachdenken kann.

Ob es den üblichen Krimileser gefällt, bin ich mir nicht so sicher. Aber spannend ist das Lesen allemal, so kann man auf die Fortsetzung der Reihe gerspannt sein. Den Adrian Metzger habe ich übrigens nie gelesen, sondern Thomas Raab nur bei einigen Lesungen daraus gehört und da hat er immer gefragt, ob es jemanden gibt, der kein Handy hat?

„Ich!“, könnte ich noch immer antworten. Aber das wird in diesem buch wahrscheinlich nicht thematisiert.

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