Literaturgefluester

2018-11-27

Kolik liest

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:11
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Als ich am Sonntag im Literaturhaus Gustav Ernst um die „Kolik 77“ mit dem Sonderteil zu Erich Frieds dreißigsten Todestag gebeten habe, habe ich noch nicht gewußt, daß ich am Dienstag einen Teil daraus in der „Gesellschaft für Literatur“ hören wurde, denn da wurde das Heft, beziehungsweise zwei der darin enthaltenden Autoren nämlich Barbi Markovic und Elias Hirschl im Rahmen von „Kolik liest“ vorgestellt und das ist eine Reihe, wie Ursula Ebel in ihrer Einleitung erklärte, die es seit 2005 gibt, damals hieß sie noch „Kolik Slam“ bis sich einige und, ich glaube, auch Christiane Zintzen empörte, daß das kein Slam sei, was da geboten wird, während das heute vielleicht sogar ein bißchen anders war, denn der 1994 in Wien geborene, also noch sehr junge Elias Hirschl ist mehrfacher Slammeister und hat auch schon drei Romane, darunter den letzten „Hundert schwarze Nähmaschinen“ bei „Jung und Jung“ herausgebracht.

Gustav Ernst erklärte das alles in seiner Einleitung, aber zuerst kam die 1980 in Belgrad geborene Barbi Markovic dran, deren Profil sogar das Heft ziert „Das erste Mal, das ich Covergirl!“, bin, sagte sie, glaube ich, bevor sie ihren im Heft abgedruckten Text „Die verschissene Zeit – aus dem Regelbuch zu einem in Arbeit befindenden Roman“ las, vorher erklärte die „Alpha Preisträgerin“ von 2016 die 2017 beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat und deren „Superheldinnen“ ich gelesen habe, daß das Buch nach einem phantastischen Rollenspiel entstehen wird und da schlüpfen Personen in verschiedene Charaktere und spielen das Belgrad der Neunzehnneunzigerjahre nach.

Sehr spannend und sehr originell oder phantastisch realistisch wahrscheinlich in einem anderen Sinn, als es die phantastischen Realisten meinen, das schwierge Leben der Jugendlichen dort, die den Krieg erlebten, schlechte Drogen nahmen und sich wahrscheinlich nach dem goldenen Ausland sehnten, kommt dort vor und ich war ja zweimal mit dem Alfred und der Anna in Belgrad bei der inzwischen verstorbenen Tante Dora, das erste Mal, glaube ich, 1986 als wir in der Türkei waren, das zweite Mal 1997 oder 1998 und haben daher von der Stimmung, die in Barbi Markovics Kindheit herschte, höchstwahrscheinlich etwas mitbekommen.

Dann kam JochenJungs „Quotenmann oder literarischen Wunderkind“, wie ich es einmal bezeichnet habe, als ich bei der Lesung aus den „Nähmaschinen“ im Literaturhaus war.

Jetzt hat der sehr vielseitige und sehr junge Autor aus zwei realistischen Geschichten, beispielsweise einer wo Leute auf einer Verkehrsinsel leben, weil sie eine Straße überqueren wollten und das aber nicht schafften und eine andere, wo ein Professor Affen auf einer Schreibmaschine verschollene Shakespeare Texte schreiben läßt, was aber nicht gelingt, die erfunden sind, obwohl sie mit Fußnoten belegt werden und dann noch den Beginn eines neuen Romanes, der von der jungen ÖVP handelt, also meiner „Unsichtbaren Frau“, vielleicht sehr ähnlich ist, obwohl <minister Basti hier einen anderen <namen trägt.

Danach gabs ein Gespräch beziehungsweise eine Diskussion, in der ich mich wunderte oder lobend erwähnte, wie realistisch die „Kolik“ inzwischen geworden ist, aber wahrscheinlich sind die Texte realistisch übertrieben, der Übertreibungskünstler Thomas Bernhard wurde dabei erwähnt und in dem Heft, das ich inzwischen durchgeblättert habe, gibt es auch experimentellen, wie Texte von Friederike Mayröcker und eine Buchbesprechung von „Sülzrather“ von Herbert J. Wimmer und eigentlich brauche ich mich über den phantastischen Realismus in den „Koliken“ nicht wundern, denn das „Wespennest“, in dessen Redaktion Gustav Ernst vorher tätig war und in dem ich auch einmal einen Text hatte, hieß ja im Unteritel „Zeitschrift für brauchbare Texte“ und Gustav Ernst, den ich ja sehr mag und gerne lese, ist auch ein realistischer Autor.

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