Literaturgefluester

2018-12-14

Enquette zur Zentralmatura

Die Zentralmatura gibt es seit einigen Jahren und seither oder auch schon früher sind die IG-Autoren damit unzufrieden, weil sie den Stellenwert der Literatur im Deutschunterricht verdrängte und es seither möglich ist zur Matura zu kommen ohne ein einziges Buch gelesen zu haben.

Bei der GV der IG Autoren wird regelmäßig darüber berichtet, Ludwig Laher, den ich ja in die „Ohrenschmaus-Jury“ brachte, ist ein diesbezüglicher Experte und er war bei der letzten „Preisverleihung“ auch nicht dabei, weil er im Literaturmuseum war, wo es, wenn ich es richtig zitiere, eine Veranstaltung zu einem österreichischen Kanon, also eine Leseliste für die Schule, die es offenbar nicht mehr gibt, gab und dieser Kanon wurde bei der heutigen Enquete, die im alten AKH, das jetzt eine Universitätscampus ist, die gemeinsam von den IG Autoren und der österreichischen Gesellschaft für Germanistik unter dem Titel „Lies keine <oden, lies lieber Fahrpläne“, berichtet, denn bei der Zentralmatura, das heißt, die, die für alle Schulen, also sowohl für die AHS, als auch die BHS gleich ist, gibt es verschiedene Textsorten zu bearbeiten und man muß hier einen Leserbrief schreiben oder eine Empfehlung geben, aber keine Literatur bearbeiten.

Das heißt ein literarisches Thema gibt es, glaube ich, schon, das man wählen kann und da wurde einmal ein paar Zeilen aus Arnos Geiger „Der alte König in seinem Exil“ vorgegeben und die Schüler sollten aus diesen Zeilen eine Empfehlung für einen Zivildiener schreiben, der in der Altenbetreuung arbeitet.

Ein Gedicht eines politisch belasteten Autors wurde auch einmal vorgegeben und sowohl die IG Autoren als auch die Germanisten sind damit unzufrieden und so veranstalteten sie die gemeinsame Enquete zu der sowohl Autoren, als auch Germanisten eingeladen wurden.

Ich habe ja 1973 meine Matura in einer BHS, sprich „Knödelakademie“ oder „Höhere Llehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe“, wie es damals hieß, abgelegt, hatte in der Frau Prof Friedl eine sehr engagierte Deutschleherin, die mir, glaube ich, die Liebe zurLiteratur beigebracht hat.

Mein schrftliches Maturathema weiß ich nicht mehr, mündlich bin ich in Musik angetreten und, daß wir im vierten Jahrgang uns ein Jahr mit dem „Faust“ beschäftigt haben, ist etwas, was ich immer noch sehr gern zitiere und denke, daß mir das zwar nicht geschadet hat, ich aber nichts dagegen gehabt hätte mich, in in diesem Jahr mit etwas anderen zu beschäftigen.

Das passiert aber jetzt nicht mehr, weil die Deutschstunden gekürzt wurden und die Lehrer, weil sie die Schüler auf die Textsorten vorbereiten müßen, keine Zeit haben, sich mit der Literatur zu beschäftigen, so daß die Germanistikstudenten keine Ahnung haben, wer Samuel Baecket ist, wie Daniel Wisser, der am Nachmittag einen Impulsvortrag hielt, erstaunt feststellte und ich füge hinzu, daß ich im Deutsch- oder Englischunterricht und auch in Französisch warhscheinlich diesen Namen auch nicht hörte, aber Abonnentin des „Theaters der Jugend war“ und da kann ich mich vage an eine Aufführung im Theater im Zentrum von „Warten auf Godot“ erinnern, wo ich etwas verwirrt mit meinem, ich glaube, in der zweiten oder dritten  Klasse selbstgenähten hellgrünen Kleid mit den Puffärmeln saß.

Gerhard Ruiss und Werner Michler von den Germanisten eröffneten, im Publkum war sowohl, die Frau Schmidt-Dengler, die Witwe des berühmten Germanisten, als auch die Doris Kloimstein, Stepan Teichgräber und die Autoren, dieImpulsreferate hielten.

Ludwig Laher vo der IG und  Christa Gürtler von den Germanisten haben mitorganisert und Ludwig Laher und Werner Michler erklärten auch gleich, was falsch liege mit dem Deutschunterricht, beziehungsweise der Zentralmatura.

Ludwig Laher zählte die verfehlten Themen auf und es wurde darüber geklagt, daß die Schüler nicht nur Samuel Becket nicht kennen, sondern auch nicht wissen was „Pathos“ bedeutet.

Die Lesekompetenz läßt nach und es wird statt allgemeiner Bildung nur eine Kompetenz gefördert, die der Wirtschaft dient, also das Fahrpläne lesen und das Leserbriefschreiben.

Jetzt weiß ich gar nicht so genau, ob die Leute noch so viele Leserbriefe schreiben, ich habe das früher öfter mal gemacht, aber in keiner Schule gelernt, wie man das geht, da bin ich schon von selber darauf gekommen und Werner  Michler forderte auch Schreibwerkstätten in den Schulen, was ich für eine gute Idee halte. Aber auch das hat es 1973 nicht gegeben und so habe ich mir auch das Schreiben damals alleine beigebracht, beziehungsweise bin ich ja Ende der Siebzigerjahren im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ gewesen, was für mich so etwas wie die „Gruppe 47“ war.

Daniela Strigl, die Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin hat dann auch ein Referat gehalten und sie hat, was ich auch für wichtig finde, dem mangelnden Literaturwissen der Schüler entgegengestellt, daß Jahr für Jahr tausende Bücher erscheinen. Sie hat auch die Befindlichkeitsblogger erwähnt, das sind die, die sich mit einem Buch an den Strand stellen, worüber sich die Germanisten ja immer etwas lustig machen, aber ich denke, daß diese jungen Frauen, die über den „Harry Potter“ oder Stephen King plotten oder vloggen, wahrscheinlich die sind, die sich für das Lesen interessieren, sich mit der Literatur beschäftigen und wahrscheinlich auch in Deutsch maturieren und vielleicht Germanistik studieren.

Die mangelnde Bildung wurde beklagt, aber ich denke, daß die heutige Jugend wahrscheinlich nicht weniger gebildet, als in den Siebziger- oder Achtzigerjahren sind, aber einen anderen Zugang haben. Sie wissen vielleicht nicht was „Pathos“ ist, aber verwenden englische Worte, wo ich Schwirigkeiten habe, sie zu versthehen, sie facobooken, twittern, verwenden Instragram und schreiben da wahrscheinlich sehr viel, auch wenn sie keine Bücher lesen und die Blogger tun das auch und da wird  oft geklagt, daß es so viele Blogger gibt .

Es ist also nicht ganz so leicht mit der Literatur und den Germanisten. Vor Daniela Strigl kam aber eine Salzburger Lehrerin, die den Schulalltag schilderte und die Maturathemen vorlas, die es vor der Zentralmatura gegeben hat.

Dann gabs eine Stunde Pause mit einem Buffet, wo ich mich intensiv mit Doris Koimstein und auch anderen unterhalten habe und dann ging es mit den Impuslreferaten weiter.

Das erste hätte Olga Flor halten sollen, sie war aber krank, so hat Daniela Strigl ihren Text verlesen, dann kam Evelyn Schlag und las ein Gedicht vor, daß in einem Schulbuch, mit einem anderen Namen und in einer Prosaform veröffentlicht wurde. Daniel Wisser erzählte, wie erwähnt, seine Erfahrungen mit den Studenten und allgemein wurde beklagt, daß in der Schule und in der Wissenschaft so viel evaluiert würde, daß keine Zeit mehr für die Literatur bliebe.

Am Schluß gabs dann das Politikerpodium, das heißt, Martin  Netzer vom Bundesministerium saß mit der Germanistin Ulike Tanzer, die glaube ich mit Daniela Strigl und Evelye Polt Heinzl die von Ebner- Eschenbach Gesamtausgabe herausgebracht hat und noch einem Lehrer am langen Tisch und versuchte zu relativieren und die Vorzüge der Zentjralmatura zu erläutern, beziehungsweise zu betonen, daß ohnehin kein Lehrer gehindert würde, Literatur zu interrichten.

Interessant war auch, daß das die jungen Lehrer offenbar nicht so kritisch sehen, wie die IG Autoren und die Germanisten und ich denke, es war sehr interessant und ich habe viel gelernt, obwohl ich mit der Zentralmatura nicht so viel am Hut habe und die Anna 2002 noch die alte machte.

Da war interessant, daß Alexandra Millner, damals Praktikantin dort war und die hat mich einmal zu einer Lesung eingeladen, den Schülern aber auch statt einer Leseliste eine Seite Werner Kofler, eine Seite Jandl und eine Seite Thomas Bernhard etcetra gegeben,  Ferdinand Schmatz hat sie aber, glaube ich, auch eingeladen und die Deutschlehrerin hat sich gefreut, daß die Anna in Deutsch maturieren wollte und Ilse Kilic kannte, so daß diese der Anna ein Buch schenkte und sie sie dann zum Thema hatte.

Also hat zumindestens die Anna ein Buch gelesen und in die Deutschmatura eine neue Variante hineingebracht.

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