Literaturgefluester

2019-01-20

Und essen werden wir die Katze

Ein Buch mit „Geschichten über Sicherheit und Unsicherheit, Kindheiten und Biografien, Fluchten und Neuanfänge mit Illustrationen und Collagen“, der 1980 in Bludenz geborenen Nadine Kegele, die ich glaube ich, am Volksstimmefest kennenlernte, bei Angelika Reitzers lyrischen „Textvorstellungen“ gelesen, in Klagenburt den „Publikumspreis“ gewonnen hat und die nach einem Roman und einem Erzählband, Maxis Wanders „Guten morgen du Schöne“ neugeschrieben hat und sich jetzt sehr lyrisch und auch sehr gestalterisch mit dem Thema Flucht auseinandersetzt, was in Zeiten, wo Patrioten und Identitären sich darin überbieten, einem Gewaltakt nach dem anderen aufzuzählen, um  in Deutschland etwas zu verändern, was  in Österreich schon so sein könnte. Auch davon erzählt das bunte Buch in dem sich  Collagen mit Interviews und  Erzählungen abwechseln und das auch auf der letzten „Buch-Wien“ vorgestellt wurde.

Nadine Kegele dankt im Anhang „Allen Kindern aus dem Sommer 2016“, da hat sie vielleicht Deutsch unterrichtet, woraus vielleicht eine der Geschichten entstanden ist und „Allen Interviewten – denen ich wünsche, dass sie in Österreich eine neue Heimat finden können und diese Heimat sie gut behandelt“, was ja etwas ist, was sich die Patrioten vielleicht nicht so wünschen und deshalb würde ich ihnen und allen, die vielleicht Angst den Veränderungen haben, das Lesen des Buches sehr empfehlen, das in „Schweinebraten, Freiheit“ schon mit einem Collagenteil beginnt.

In „Kopfweh aus Kuwait“ geht es um ein Interview, da erzählt ein „Bidun“, wie es ihm in Österreich geht und wie er hierhergekommen ist, während es, wenn ich es richtig verstanden haben, in „Syrien ist heimlich in Polen verliebt“ um einen Deutschkurs geht, wo sich die Schülter Ländernamen ausdenken und damit mit ihrer Lehrerin kommunizieren.

In „Schmetterling und Holz“ werden die Erfahrungen einer afghanischen Frau und eines afghanischen Mannes untereinander gestellt, so daß man ihre Schicksale, Ansichten und Lebensläufe schön miteinander vergleichen und viellecht auch besser verstehen kann.

Dann folgen wieder Collagen und musikalisch wird es in „Flügeln die mir wuchsen, weil ich fiel (keine kammermusik mehr). Es werden gleich Anweisungen gegeben, wie man „den folgenden Text“ lesen soll und am Schluß werden die Texte zitiert, die dabei verwendet wurden.

In „Wolfen“, eine Geschichte, die ich sehr berührend fand, geht es um eine alte Frau, die sich einen <hund zugelegt hat.

Sie wohnt bei einem „Lidl“ und neben einem Asylheim, steht den ganzen Tag am Gitter vor ihrem Fenster und schaut hinaus. Sie hat noch eine Freunin, die Anni, die offenbar etwas lieberaler denkt, aber die kann nur mehr telefonieren und sie wegen ihrer Hüften nicht mehr besuchen, so daß ihr nur die Fernsehnachrichten und die Angst vor den Fremden bleibt.

Weiter gehts mit Collagen, von denen die erste das Titelbild darstellt und von denen ich einige zitieren möchte:

„Liebe ist emotionale Mindestsicherung ist finanzielle Katasthrope und sagt Mutter kein Almosen“ oder „Aber ich für meinen Teil kann an Solidarität nichts  Schlechtes finden“ oder „Liebe Mutter hat ein Badeanzug eigentlich auch etwas mit einem Kopftuch zu tun?“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Es kommt aber noch eine Geschichte von einem Bauarbeiter, der sich auch, wie die alte Frau in der vorigen Geschichte, an des neuen Kanzlers Aussehen orientiert und sich für Margritte und andere Maler interessiert.

Ein sehr interessantes Buch, weil es zeigt, daß man sich mit dem Thema Flucht und Migration auch ganz anders, nämlich künstlerisch entspannter, annähern kann und das vielleicht nach dem Lesen eine andere neue Sichtweise auf das momentan sehr aufgeheitzten Thema geben kann.

 

 

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