Literaturgefluester

2019-01-28

Abschied von Hilde Langthaler

Hilde Langthaler

Hilde Langthaler (Volksstimmefest 2013)

Am Donnerstagabend vom „Tag der offenen Tür“ von „NHP-Austria-Nuestros Pequenos Humanos oder unsere kleinen Brüder und Schwestern“, die Paten für ihre Kinder in den Kinderdörfern in Honduras suchen nach Hause gekommen bin, hatte ich einen Anruf von Erika Parovsky, die ich vom Lesetheater und der „Frauen lesen Frauen-Reihe“ kenne, am Band, die mir mitteilte, daß Hilde Langthaler am Mittwochabend gestorben ist und die am elften März 1939 als Brunhilde geborene, habe ich 1978 oder 1979 wahrscheinlich, als Bruni im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ kennengelernt und mich sehr lange mit ihr, Elfriede Haslehner, Valerie Szabo und anderen Frauen getroffen, um über unsere Texte zu diskutieren, einander vorzulesen, etcetera.

Die Bruni, die literarisch Hlde genannt werden wollte war eine sehr vielseitige Frau, sie hat in Graz und Wien Medizin studiert, war, glaube ich bei Entwicklungshilfeeinsätzen in Afrika und  anderswo und hat. irgendwann zu schreiben begonnen.

Wann weiß ich nicht so genau. Als ich sie in den Siebzigerjahren kennenlernen, hat sie schon durch ihr „Theaterstück „Nur keine Tochter“, das ich, glaube ich, irgendwann in den Schränken gefunden, aber nicht mitgenommen habe, Aufsehen erregt.

Sie hat mit Elfriede Haslehner den ersten „Wiener Frauenverlag“ gegründet, der später in „Milena“ umgenannt wurde und jetzt keiner mehr ist und war eine Mitbegründerin der „Auf“, ist in Ruths „Zündende Funken“, das sie vorigen März am Frauentag in der Wien-Bibliothek vorstellte, verewiegt und sollte, glaube ich, auch in der nächsten Zeit diesbezüglich lesen oder eine Veranstaltung organieren.

Gesehen habe ich sie das letzte Mal am achten Dezember beim Abschiedsfest der Ruth, da ist sie mir, die ja demnächst ihren achtzigsten Geburtstag feiern würde, sehr aktiv vorgekommen, sie hat aber schon länger an einem Karzinom gelitten.

Mein Verhältnis zu ihr war ein etwas schwieriges, sind wir doch literarisch einige Male aneinandergestoßen und ich habe sie auch in eineigen meiner Bücher, wie in den „Schreibweisen“ und dem „Wilden Rosenwuchs“ als Vorbild für meine Figuren genommen.

Habe sie in der GAV bei den Generalsversammlungen, bei denen der IG Autoren und auch bei verschiednenen Veranstaltungen immer wieder getroffen, sie hat bei meinen Frauenlesungen mehrmals gelesen, zum Beispiel bei meiner ersten Frauenlesung, die ich in den Achtzigerjahren in St. Pölten organisierte, dann bei der 1998 in der „Alten Schmiede“ und ich habe auch zweimal eine Frauenlesung im Rahmen des Lesetheaters, eine im Seniorenraum des WUKs, wo ja Erika Parovsky sehr aktiv war und den Raum zur Verfügung stellte, die andere, ich glaube, 2006 im Literaturhaus organisierte. Bei den „Mittleren“ hat sie, glaube ich, nicht oder vielleicht das erste Mal gelesen, aber mehrmals bei den Veranstaltungen zum „Tag der Freiheit des Wortes“, die ich ja 2001 im NIG Hörsaal 1 und dann 2003 bis 2009 im Literaturhaus organisierte. Gelesen hat sie, glaube ich, auch bei der „Poet Night“ und auch beim Volksstimmefest, obwohl ihr das, glaube ich, zu politisch war und dann gab es auch noch die Frauenlesungen, die eine Zeitlang in der Galerie Heinrich stattfanden.

Ich habe einige Bücher von ihr in meinen Regalen und auch einiges gelesen, zum Beispiel „Gras dein Gesicht“, in dem auch Illustrationen von Regina Alfery, der komponierenden und zeichnenden Psychologin, die ich durch sie kennenlernte, enthalten sind.

In der Anthologie des Schriftstellerverbandes, in dem sie auch Mitglied oder sogar im Vorstand war, sind Texte von ihr enthalten, später hat sie, glaube ich, auch in der „Edition Roesner“ Bücher herausgebracht und in dem dort erschienenen Frauenbuch, das Antia C. Schaub die ich ja bei der von Rolf Schwendter organisierten „Tag der Freiheit des Wortes“ 2002 im Literaturhaus darauf angesprochen hat, sie ein Portrait von ihr und anderen Frauen, beispielsweise Elfriede Haslehner, aber auch Friederike Mayröcker, Barbara Frischmuth etcetera, in ihr 2004 erschienenes Frauenbuch  aufgenommen.

Die Bruni stammt aus einer Ärztefamilie, so war ihre Mutter auch praktische Ärztin, ihre Großmutter, die in 1852 in München geoborene und 1929 in Würzburg verstorbene Agnes Sapper war eine bekannte Kinderbuchautorin, deren „Familie Pfäffling“ ich vor einigen Jahren im Schrank gefunden habe.

Erika Parovsky, Hilde Langthaler, Elisabeth Krön

Erika Parovsky, Hilde Langthaler, Elisabeth Krön (Lesung Monika Giller Mai 2011)

Ihr Onkel Theodor Sapper 1905 bis 1982 war Lyriker und Dozent, der, glaube ich, in der „Urania“ Vorträge zur Literatur gehalten hat. Von ihm habe ich einige Gedichtbände und sein Hauptwerk „Kettenreaktion Kontra“ wurde von der Bruni 2006 herausgegeben, da war ich bei der Präsentation im Literaturhaus und habe mir das Buch dann von dem Büchergutschein gekauft, den ich bei dem gewonnenen Literaturwettbewerb in der „Szene Margareten“,  bekam.

Ein sehr interessante Biografie also und eine schon sehr lange Beziehung mit der Bruni, die mich die letzten vierzig Jahre mehr oder weniger intensiv begleitet hat.

Beim Begräbnis der Valerie 1996 bin ich mit ihr und der Elfriede gewesen. Da haben mich die Reden und die Texte, die dort von Valeries Verwandten gelesen wurden, sehr beeindruckt und habe mir gedacht, ich könnte mir zu meinem Begräbnis auch eine solche Lesung organierien.

Davon bin ich inzwischen abgekommen. Mein Begräbnis wird so verlaufen, wie es meine Nachkommen gestalten, im „Letzten Versuch“ habe ich aber darüber geschrieben und da habe ich wohl auch an meine schreibenden Freundinnen vom „Arbeitskreis schreibender Frauen“, mit denen ich mich noch lange vorwiegend in Valeries schöner Wohnung gleich neben dem Grinzinger Friedhof, wo ja auch der große Thomas Bernhard begraben ist, dessen Grab ich an jendem heißen Sommertag als Andreas  Okopenko begraben wurde, nicht gefunden habe, gedacht und so war ich auch sehr betroffen, als ich Erika Parovsky, die wohl bis zum Schluß im Krankenhaus war, bekommen habe, habe die Ruth angerufen und dann auch die Elfriede, die ja sehr mit ihr befreundet war und später Hilde Schmölzer, die ja das erste Buch über schreibende Frauen geschrieben hat, das wir im „Arbeitskreis“ vor vierzig Jahren besprochen habe.

Das Begräbnis wird, glaube ich, am elften Februar am Heiligenstädter Friedhof sein und vielleicht gibt es eine Lesetheaterveranstaltung oder wird im November bei der „In Memorian-Veranstaltung“ der GAV an die Bruni gedacht, die mir, wenn ich so nachdenke, trotz aller Schwierigkeiten eine sehr liebe und lange literarische Freundin war und jetzt tut es mir sehr leid, daß ich mir das Theaterstück damals nicht aus dem Schrank genommen habe, weil ich wohl dachte, daß es schon hätte und Theaterstücke  auch gar nicht so gerne lese.

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