Literaturgefluester

2019-02-20

Blauwal der Erinnerung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Das neue Buch der 1983 in der Ukraine geborenen Tanja Maljartschuk, von der ich „Biografie eines zufälligen Wunders“ gelesen habe, auf einigen Lesungen war und die auch im vorigen jahr den „Bachmann-Preis“ gewonnen hat.

Bei der Lesung im Literaturhaus hat sie schon erzählt, daß sie über den ukrainischen Freiheitshelden Wjatcheslaw Lypynskyj, der einige Zeit in Wien lebte und 1931 in Pernitz gestorben ist, schreiben würde.

Jetzt ist der biografische Roman fertig und Tanja Maljartschuk hat den Lebenslauf des Ukrainers, der einige Zeit Gesandter seines Landes war und in dieser Eigenschaft in Wien residierte mit dem einer Schriftstellerin die an Panikattacken leidet und auch sonst einige seltsame Eigenschaft hat, so hat sie sich als junges Mädchen in der Bibliothek immer englische Bücher ausgeborgt, um auf sich aufmerksam zu machen und sie dann ungelesen zurückzubringen, verknüpft.

Diese Verknüpfung habe ich nicht ganz verstanden, sie tut dem Buch, glaube ich, auch nicht sehr gut, das sonst auch sehr viele Metaphern verwendet. Der namensgebende „Blauwal“ ist eine davon.

Wjlatscheslaw Lypyskyj wurde 1882 in  Saturzi im russischen Kaiserreich  in eine polnische Adelsfamilie geboren und ist zum Studium nach Krakau gegangen.

So hätte er eigentlich Wazlaw heißen sollen, wollte aber so nicht genannt werden und wollte auch den ukrainischen Freiheits- oder Unabhängikeitsgedanken nach Polen bringen.

Hielt so einmal einen glühenden Vortrag, wo ihm aber von der Studentin Kazimira vehement widersprochen wurde. Er hat sie trotzdem geheiratet und mit ihr die Tochter Ewa bekommen. Die Ehe ist aber nicht gut gegangen, Wjatscheslaw Lypinskyj lit auch an der Tuberkolose und mußte längere Zeit in Sanatorien verbringen.

Das alles schidert Tanja Maljartschuk in den abwechselnden zwei Strängen und beginnt, was vielleicht auch ein wenig ungewöhnlich ist, mit dem Ende, nämlich den letzten Jahren Lypyskyjs und wiederholt die Kapitel die er mit seinem Sekretär und seiner Haushälterin in den verschiedenen Sanatorien und Wohnsitzen verbringt, obwohl er eigentlich nicht wohlhabend war, sonder von den monatlichen zweihundert Dollar, die ihm sein Bruder schickte, noch einmal am Ende.

Trotzdem interessant von dem ukrainischen Freiheitskämpfer zu lesen und auch zu erfahren, daß es in Wien in den Zwanziger- und Dreißigjähren eine regelrechte ukarainische Gemeide gab, die Tanja Maljartschuk sehr genau bis auf die Adressen recherchiert und angeführt hat.

Interessant vielleicht auch, daß das Buch nicht auf den deutschsprachigen Buchpreislisten stehen wird, da es Tanja Maljartschuk auf Ukrainische geschrieben hat und es von Maria Weissenböck übersetzt wurde

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2019-02-19

Ö1 Buch des Monats

Ö1 hat seit kurzem eine Koooperation mit dem Hauptverband des Buchhandels und da gibt es neben der ORF-Bestenliste, die sich von der des „Spiegels“ abheben soll, jetzt jedes Monat eine Buchempfehlung, künstlich ist ja der Programmdirektor der Buch-Wien gleichzeitig auch Ö1-Journalist und dieses Mal ist es die Anton Kuh Biografie von Walter Schübler geworden.

Anton Kuh ein Kaffeehausliterat neben Egon Fridell, Peter Altenberg, wie ich es in der Schule lernte, aber das habe ich heute gelernt, darf man nicht sagen, ich bin zwar, glaube ich, ganz gut in der Literatur, aber keine Germanistin und halte es, wie man wahrscheinlich sehen kann, mit meiner Rechtschreibung auch so wie ich es will und Anton Kuh, google ich kurz nach, wurde 1890 in Wien geboren und ist 1941 in New York gestorben.

Ach ja, interessant, so viel weiß ich noch und die Biografie um 35.90 Euro werde ich mir vermutlich nicht kaufen. Sie wurde aber heute in der Musiksammlung der Wien-Bibliothek vorgestellt und daher bin ich nachdem ich den ganzen Nachmittag über meine Steuererklärung gesessen bin und ich mich ein wenig über den Verein mit dem ich einen Vertrag habe geärgbert habe, dorthin gepilgert.

Die Musiksammlung der Wien Bibliothek in der Bartensteingasse ist ein langer dünner Schlauch, da war ich schon ein paar Mal beim H. C. Artmann-Symposium beispielsweise und wenn man nicht früh genug dran ist, sitzt man irgendwo weit hinten.

Ich war um dreiviertel Sieben da und habe einen Platz im Eck mit eingeschränkter Sicht ergattert, aber neben mir ist eine eher verbissen aussehende Dame gesessen und hat vor sich hin komponiert.

Suzie Wong, die Öffentlichkeitsreferentin, hat eingeleitet und den Herausgeber Walter Schübler vorgestellt, auch etwas über die Kuh-Sammlung der Wien-Bibliothek gesagt und dann Stephan Paryla und Bela Koreny vorgestellt, die offenbar Teile aus ihrem Kuh-Programm vorsteltlen.

Alfred Kuh, da habe ich wirklich wenig Ahnung, er hat sich aber mit Karl Kraus zerstritten und davon gibt es am  vierzehnten März, glaube ich, einen Vortrag in der Wien-Bibliothek im Rathaus und er war, glaube ich , auch Schauspieler, auf jeden Fall hat wer offenbar Kabarettprogramme geschrieben, die von Stephan Paryla dargestellt wurden und da ist es sehr oft, um den besoffenen grantelnden Wiener gegangen, der, der seinen Arsch nicht herzeigen wollte, oder „Leck mich am Arsch!“ vor sich hingröhlte oder um den „Anschluß?“, der schon 1926 also lange vor dem echten, in Wien Grinzing stattgefunden hat.

Da sitzen zwei Wiener beim Heurigen und der große deutsche Bruder kommt dazu und will den laschen Ossis die Wadl voririchten. Der Mann läßt sich das recht lang gefallen, bis er den deutschen Recken dann doch „Wissens was, leckens mich am Arsch!“ zuflüstert.

Ich habs ja nicht so sehr mit dem Humor, wie mir mein rechter Kritiker Uli immer vorwirft und es stimmt wahrscheinlich auch ein bißchen, daß es mir nicht so sehr, wie dem vollgefüllten Saal gefallen hat.

Nachher gab es wieder Wein und Brote und Gespräche und ich habe einige Bekannte getroffen, mit denen ich mich mehr oder weniger intensiv unterhalten habe.

2019-02-18

Zweimal Schauspielhaus

Armin Thurnher im Gespräch mit Franz Schuh

Armin Thurnher im Gespräch mit Franz Schuh

Der „Falter-Herausgeber“ Armin Thurnher feiert am einundzwanzigsten Februar seinen siebzigsten Geburtstag und das wurde am Sonntag mit einer Matinee im Schauspielhaus gefeiert.

Alfred, der das, glaube ich, durch Facebook erfahren hat, hat Karten bestellt und so sind wir heute in die Porzellangasse gefahren und waren so früh da, daß wir beobachten konnte, wie das Catering-Team, die Gläser in das Theater hineingetragen haben.

Es gab auch einen Büchertisch, denn statt einem Geburtstagsfrest hat Armin Thurnher, glaube ich, zu diesem Anlaß zwei Bücher geschrieben.

Das eine heißt „Seinesgleichen“ und ist eine Zusammenfassung seiner „Falter-Kolumnen“ von, glaube ich, 2000 bis heute, die er ja immer mit dem Satz „Und im übrigen bin ich der Meinung…“, schließt.

Armin Thurnher am Klavier und Annette Bik an der Geige

Armin Thurnher am Klavier und Annette Bik an der Geige

Das wurde in der Matinee vorgestellt, das andere bei „Zsolnay“ erschienen, „Fähre nach Manhatten“, schildert seine Amerikaaufenthalte und langsam trudelten auch die Festgäste ein. Die „Falter-Redakteure“ Doris Knecht, Klaus Nüchtern, Florian Klenk, der, glaube ich, sein Nachfolger wird, habe ich gesehen, aber auch Josef Haslinger, Doron Rabinovici und. ich glaube, auch Helmut Peschina.

Wir haben unsere Plätze am Balkon gehabt, so daß wir gut auf die Bühne und auch das Publikum hinuntersehen konnte.

Siegmar Schlager vom „Falter-Verlag“ hat eröffnet und dann hat Armin Thurnher, bei dem ich schon bei einer seiner Preisverleihungen war, mit Franz Schuh vierzig Minuten lang über seine Kolumnen und auch das politische Geschehen diskutiert.

Und Detail am Rande, Siegmar Schlager hat zu Beginn den Bundenkanzler  mit Pause „Alfred Gusenbauer“, der das nach dem ersten Schwarz Blau eine Zeitlang war und in der ersten Reihe gesessen ist, begrüßt und davon handeln wohl auch die Kolumnen, von denen Armin Thurnher eine gelesen hat.

Armin Thurnher und Sigmar Schlager beim Anschneiden der Geburtstagstorte

Armin Thurnher und Sigmar Schlager beim Anschneiden der Geburtstagstorte

Falsch, die hat von „Mozart“ und die Frage, ob er ein Deutscher war und ob die Deutschen ihn uns wegnehmen können, gehandelt und das leitet schon zu den Musikbeiträgen über, denn die hat es auch gegeben.

Die Geigerin Anette Bik hat zuerst Bach und Bernhard Gander gespielt und dann mit Armin Thurnher am Klavier  ein Stück aus einer Mozart-Sonate. Dann gab es noch einen Tango von Astor Piazolla gespielt von Anette Bik und Christian Heitler und dann wurde die Torte mit dem Cover des nächsten „Falters“, das seinen Chefredakteur mit seinem Bildnis feiert, auf die  Bühne getragen und Armin Thurnherr hat sich noch vorher bei den Menschen entschuldigt, die er in den letzten vierzig Jahren beleidigt, etcetera, hat.

Das betrifft mich nicht, aber ich habe früher öfter meine Texte an das Blatt geschickt, die nie genommen wurden. Das habe ich auch in der „Dora Faust“ so thematisiert und ganz früher, bevor ich noch meine Kassenverträge hatte, im „Falter“ öfter inseriert.

Es gab dann die  Brötchen, den Wein und den Sekt. Man konnte sich das Buch signieren lassen. Armin Thurnher, der in Vorarlberg geboren wurde, gratulieren und richtig „Happy Birthday, lieber Armin!“, wurde auch gesungen.

Anschließend haben wir wieder unseren Sonntagsspaziergang auf die Mostalm auf der Sophienalpe gemacht und da war interessant, daß ich, als ich im Auto das Radio und das „Ö1-Quiz“ aufdrehte, Armin Thurnhers Stimme hörte und er und sein siebzigster Geburtstag Rategegenstand war.

Am Montag sind wir wieder in die Porzellandgasse gepilgert, da  die „Alte Schmiede“ dort ihre „Schmieden-Debatten“, macht, einen gesellschaftlicher Diskurs, den Walter Famler schon bei der letzten „Literatur im Herbst“ ankündigte und bei der ersten diesbezüglichen Veranstaltung, die  1950 in London geborene Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak mit dem 1960 geborenen Rechtsanwalt und Abgeordneten der ehemaligen Loste Pilz, Alfred J. Noll zum Thema „Sprache und Recht“ miteinander diskutieren ließ.

Wir waren wiedermal, um zu unseren Zählkarten zu kommen, früh daran, so daß wir vorher bei einem Glas Wein und einem Bier in der Kantine saßen, wo früher, noch unter der alten Direktion Gustav Ernst seine Kolik-Lounges machte, die es jetzt nicht mehr gibt.

Aber die „Alte Schmiede“ hat öfter ihre Programme im Schauspielhaus und dort wird nicht nur der „Subutex“, sondern auch Robert Menasses „Hauptstadt“ aufgeführt und so sind wir zum zweiten Mal, diesmal im Parterre in der dritten Reihe, die ersten zwei waren für die Vips, wie beispielsweise Peter Rosei, die dann gar nicht erschienen sind, reserviert und so ein politischer Diskurs ist ja in Zeiten, wo die Rechten, die die Welt verdrehen wollen, über die Linksfaschisten schimpfen und Multikulti für gescheiterthalten, sehr interessant und wichtig und ich erhoffe mir dann immer Antworten auf meine Fragen, wie gehe ich mit der politischen Situation um? Sitze dann da, höre gebannt zwei Stunden den höchst fundierten Reden zu und frage mich am Ende, was weiß ich jetzt mehr?

Alfred J. Noll, Ruth Wodak, Walter Famler

Alfred J. Noll, Ruth Wodak, Walter Famler

Daß die Rechten das Internet erobert haben, wußte ich schon, daß man wahrscheinlich mehr und besseren Linkspopulismus braucht auch. Aber Peter Pilz wurde ja deshalb von den Grünen hinausgeschmissen und es war auch sehr interessant zu hören, daß Alfred Noll, die Grünen für nicht links hält. Das sehen der Blogger Uli und die Identitären, glaube ich, anders und, daß man sich selbst ermächtigen und seinen Weg in Zeiten, wie diesen weitergehen soll, ist wohl auch etwas dem ich mich anschließe und was ich gerne unterschreibe.

Es wurde auch wieder ein Kleinverlag präsentiert, in denen die Bücher der zwei Diskutanten präsentiert wurden und das der Sprachwissenschaftlerin „Politik mit der Angst. Zur Wirkung rechtspopulistischer Diskurse“ erschien mir besonders interessant. Das des Rechtantwaltes „John Locke  und das Eigentum“ vielleicht wenigher und beim Hinausgehen habe ich Thomas Northoff gesehen, von den anderen Debattenbesuchern habe ich nur wenige gekannt.

2019-02-17

Ich kann dich hören

Filed under: Bücher — jancak @ 00:35
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Es ist ein merkwürdiges Buch, das Debut der 1991 in Achen geborenen Katharina Mevissen, die eine gebärdensprachige Literaturinitative mitbegründet hat.

Ob sie selbst oder jemand in ihrer Familie von Gehörlosigkeit betroffen ist, habe ich nicht ganz herausgefunden, daß es in dem Buch aber um die leisen Töne geht, kann man schon am Titel lesen und auch sonst ist das Buch ziemlich ungewöhnlich, obwohl es eigentlich und genau genommen, nur die Probleme erzählt, die man haben kann, wenn man in Deutschland in den Neunzigerjahren aufgewachsen ist und, das schreibe oder spoilere ich gleich hinzu, es ist eines, wo man das Talent, der Autorin, wie am Klappentext steht, nicht erkennen kann, wenn man es nach den ersten Seiten mit der Frage, um was es hier eigentlich geht, entnervt zuklappt und wegschmeißt, denn das erfährt man erst am Schluß und man muß auch sehr sehr genau lesen, um alles mitzubekommen und nichts zu verpassen, denn Katharina Mevissen nimmt es da sehr genau, hat ungewöhnliche Themen und auch eine ungewöhnliche Art sie zusammen zu mixen.

Es geht um den kurzsichtigen Osman, der hat und das ist vielleicht auch ungewöhnlich, weil das Debut kein „Migratenbuch“ ist, einen türkischen Vater, der ist Musiker, hat aber jetzt einen Unfall an der Hand und einen Tinnitus hat er auch, so daß er seinen Beruf nicht mehr ausüben und aufs Arbeitsamt gehen muß.

Die Mutter Doris, hat Osman und seinen Bruder Willi schon lang verlassen und Osman ist vom Vater und der Tante Elide, die die Kinder nach dem Weggang der Mutter großgezogen hat, nach Hamburg in eine WG weggeflüchtet, um dort Cello zu studieren.

Da ist also schon mal viel passiert, aber, daß man zum Studium von zu Hause auszieht, passiert den anderen auch und ist also normal.

Es geht viel um das Hören, das wissen wir schon. So vergleicht der Musiklehrer Osmans Spiel oftmal mit dem Nebel oder einem Gewitter. Osman scheint aber Ängste und Phobien zu haben, kommt es doch vor, daß er sich manchmal vor oder nach einem Konzert, das habe ich nicht ganz mitbekommen, denn es wird vieles ja zwischen den Zeilen erzählt und man kann es nur erraten, sinnlos betrinkt und dann von den Freunden in ein Taxi geschleppt und ins Bett gelegt werden muß.

In der WG gibt es Luise, die ist ein Tischlerlehrling und muß für eine Prüfung lernen, es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen den beiden, aber dann geht Luise mit einer Freundin, die Leo heißt Zelten. Da kommt Osman gerade aus Essen zurück, denn es hat sich seit dem Unfall des Vaters, viel ereignet. Der verläßt die Wohnung, warum und wohin habe ich auch nicht verstanden, die Tante kommt darauf, daß sie auch wieder ihr Leben haben und daher zuerst in die Türkei und dann nach Paris will und Osman soll ihr helfen, die Wohnung aufzulösen.

Da findet er alte Fotos von der verschwundenen Doris mit einem Bauch, den sie eigentlich nicht haben dürfte und Osman erfährt durch den Vater, es gab eine Fehlgeburt und eine kleine Schwester, die Esra hieß, deren Grab er nun besucht.

Aber es ist gar nicht mehr ihres, weil die Rechte nach zehn Jahren an eine andere Familie zurückgegangen und Esra wurde vor zweiundzwanzig Jahren fehl oder wahrscheinlich tot geboren und dann, damit es noch komplizierter wird, gibt es noch ein Diktiergerät, das Osman schon am Anfang am Bahnhof findet.

Da sind Stimmen von einer Ella und einer Jo darauf, die in Irland Urlaub machen, aber Jo, die gehörlos ist, soll ein Cochlea-Implantat bekommen, damt sie es bei Jusstudium leichter hat. Osman hört sich das Band ab, während er all das schon Beschriebne erlebt, dann gibt er das Band Ella zurück, spricht ihr aber auch etwas darauf und es gibt auch ein Musikstück, das an „Esra“ heißt.

Sehr leise und ungewöhnlich und sehr spannend, wenn man nur die Geduld aufbringt, sich in Katharina Mevissens Stil einzulassen, was in Zeiten, der hastigen Überforderung und von einem Lärm zum nächsten hetzen, nicht so einfach ist.

Trotzdem bin ich gespannt, wie es dem Buch mit dem Debutpreisen gehen wird, ob es auf die Bloggerdebutpreisliste oder vielleicht sogar den „Aspekte- Literaturpreis“ bekommt. Mal sehen, ich bin gespannt und würde empfehlen, sich auf das Buch einzulassen, auf die leisen Töne  achten und den „Lärm der Zeit“ dabei ein wenig wegzudrängen.

2019-02-16

Der traurige Gast

Filed under: Bücher — jancak @ 00:44
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Jetzt kommt die nächste Neuerscheinung und wieder eine, die einen aktuellen Ausgangspunkt nimmt, nämlich den Winter beschreibt, wo es auf den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt bei der Berliner Gedächtniskirche gab, den ich im „Bibliotheksgespenst“  auch beschrieben habe. Man sieht die Autoren, die sich mit dem Narrativ beschäftigen und nicht bloß experimentell vor sich her fabulieren, beschäftigen sich mit dem Zahn der Zeit, obwohl es bei Matthias Nawrats „Traurigen Gast“, dann wieider nicht so tagepolitisch aktuell ist, wie es der Buchrücken beschreibt.

Der 1979 im polnischen  Opole geborene Matthias Nawrat, hat 201 beim „Bachmannpreis“ gelesen und gewonnen, daraus ist dann das Buch hervorgegangen, das ich mir bei einem der Literaturhausflohmärkte gekauft habe und es auch auf meiner ursprünglichen 2019 Leseliste hatte, dann habe ich die Bücher dort aber heruntergestrichen und als ich die Liste wieder anlegte, ist das Buch offenbar zu weit hinten in meinen Regalen gestanden, das nächste Buch „Die vielen Tode unseres Opa Jureks“ habe ich aber gelesen, weil bei „Buzzaldrins-Gewinnspiel“ gewonnen und jetzt die „Selbst und Weltbefragung von beeindruckender Qualität“, wie am Klappentext steht.

Roman, was „Rowohlt“ dazugeschrieben hat, ist wieder einmal übertrieben, denn eine narrative spannungsaufgebaute Handlung, in der man sich der Heldenreise bedienen kann, hat das Buch eigentlich nicht, sondern drei Teile, wo der Ich-Erzähler, ein namensloser Schriftsteller durch Berlin herumspaziert und dort seine Beobachtungen macht oder doch, eine Handlung gibt es vielleicht schon.

So ist der erste Teil zum Beispiel mit „Die Architektin“ beschrieben und da spaziert der Erzähler durch Berlin, geht in ein Restauratn neben der polnischen Kirche in ein polnisches Restaurant essen, ist er doch ein Pole mit dem Geburtsort Opole, also hat er wahrscheinlich doch einen Namen und eine Frau namens Veronika und mit der, will er seine Wohnung renovieren und hat irgendwo, die Visitenkarte einer ebenfalls polnischen Architektin namens Dorota gefunden, die er anruft und die ihn dann zu sich bestellt, weil sie ihr Viertel nicht mehr verläßt, sondern von zu Hause arbeitet.

Die besucht er dann ein paar Mal, ißt ihren eher geschmacklosen gesunden Kuchen, weil er nur aus Eiweiß besteht, zu der Wohnungsumplanung kommt es aber nicht, weil sie ihm stattdessen viel von ihrem Leben, ihrer Kindheit und den Kriegserfahrungen, ihrer Familie erzählt, die von dort herkommt, wo heute die Ukraine ist und, als er sie mit seinem Geburtstagskuchen besucht, trifft er nur den Vermieter in ihrer Wohnung, der ihm erzählt, daß sich Dorota vor zwei Wochen erhängte.

Im zweiten „Die Stadt“ genannten Teil, geht es um den Anschlag am Beriner Breitscheidplatz und um die Gefühle die der Erzähler die nächsten Tage hat, wenn er, der Anschlag ist in seiner Nähe geschehen, das Haus verläßt, um Weihnachtsgeschenke für seine Eltern zu besorgen. Die Begegnung mit einem kleinen Jungen, der ihn fragt, ob er einbrachen will und, ob er ihn retten würde, wenn er ins Wasser springt und die Geschichte von einem eingesperrten rumänischen Mann, kommen in dem Teil auch noch vor.

Der dritte Teil „Der Arzt“, hat die dichteste Erzählstruktur, geht es hier doch nur um den ehemaligen Arzt Dariusz, der inzwischen an einer Tankstelle arbeitet und am Ende auch noch von dort entlassen wird, während es im  ersten Teil neben der Begegnung mit Dorota immer noch, um andere Begegnungen geht und es im Mittelteil, wo  der Anschlag am Weihnachtsmarkt stattfindet, überhaupt keine Handlung gibt.

Hier arbeitet der Erzähler, der ja schon drei Erzählbände hat, an einer Tankstelle und Dariusz, ebenfalls ein Pole, erzählt ihm sein Leben, das von einer gescheiterten Beziehung zu seiner Frau Marzena, seinem verschollenen Sohn, den er bis nach Südamerika nachgereist ist, Panikattacken, Alkohol und Medikamentenmißbrauch bis zu einem Gefängnisaufenthalts, wegen eines angeblichen Raubüberfalls führt.

Dariusz, ein von Leben gescheiteter, aber dennoch hochgebildet und einfühlsam, erzählt dem „Gast“ sein Leben, begleitet ihm auf den Friedhof dabei und über den Roman, der keiner ist, liegt eine seltsame Melancholie und Schwermütigkeit, angefangen von der Selbstmörderin Dorota, dem Terroranschlag bis zu dem am Leben gescheiterten Polen, etwas das in der Zeit der narrativen spannenden Romanhandlungen seltsam umstrukturiert wirkt.

Mir, weil ich ja auch so schreibe, sehr sympathisch ist, weil  ich ja das „Verlieren, Verdrängen, Neuankommen und das Überleben in aller Schönheit, trotz aller Schrecken“, die leisen Töne in der Literatur  für sehr wichtig halte und es schön finde, daß es auch diese  Bücher gibt.

2019-02-15

Literatur & Ethik

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:43
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HANS AUGUSTIN, ELMAR MAYER-BALDASSERONI, MARGOT KOLLER, WOLFGANG KAUER, WALTER BACO

HANS AUGUSTIN, ELMAR MAYER-BALDASSERONI, MARGOT KOLLER, WOLFGANG KAUER, WALTER BACO

Unter diesen Motto veranstaltete heute Walter Baco im „Roten Salon“ in der Wipplinger Straße, in dem ich schon einmal war, eine GAV-Veranstaltung zu der mich Margot Koller eingeladen hat.

Ein interessantes Thema, wie Walter Baco auch in der Einleitung erwähnte, die schriftstellerische Verantwortung.

Wie weit dieser politisch sein soll oder muß? Wie weit er Partei nehmen darf oder sich feige heraushalten kann und von Blumen und von Bienen schreiben, während draußen der dritte Weltkrieg oder die Ausländerhetze pur passiert, zu thematisieren.

Nur leider haben sich die eingeladenen Autoren nicht sehr an diese Vorgabe gehalten, ihre ethische Haltung zu erklären, sondern einfach ihre Texte ohne viel Diskussion, hinuntergelesen und so ist es ein bißchen wie Kraut und Rüben durch den literarischen Garten gegangen.

Am ehesten hat sich noch der 1957 in Linz geborene und in Salzburg lebende Wolfgang Kauer mit dem ich dort schon zweimal gelesen habe, an diese Vorgabe gehalten.

Zwar hat er auch die Gedichte aus seinem „Portrait-Heftchen“ verlesen, dazu aber immer  den Zusatz „Schriftstellerische Ethik ist für mich…“, gehabt.

Dann kam die sehr rührige, vielseitige und umtriebige Margot Koller mit der ich einmal vor vielen Jahren die „Selbstmordanthologie der GAV“ herausgegeben habe, die sich in letzter Zeit mit Philosophie beschäftigt und die mit ihren Text „70 Jahre Menschenrechte – ein nicht sehr beachtetes Jubiläums“, einen schnellen Streifzug durch die Philosophie vollzogen hat.

Dazwischen hat der 1952 in Wien geborene Walter Baco, der auch sehr vielseitig, Komponist, Autor, Verleger und noch vieles anderes ist, mit dem ich 1995 einmal bei der von der Ruth organisierten Textvorstellungen in der „AS“ gelesen habe, immer wieder auf den bereitstehenden Bösendorfer improvisiert und dann selber, wie er schon sagte, ältere Texte gelesen, wo man die Verantwortlichkeit des Schriftsteller und seine Stellungnahme zur politischen Situation indrirekt finden konnte, während ich das bei dem 1949 geborenen Hans Augustin, den ich, glaube ich, schon einmal in der „Alten Schmiede“ hörte, vollkommen vermißte, brachte er doch einen Textauszug über zwei Architekten die in Patagonien eine Siedlung aufbauen wollen und sich dabei mit einem Fischer unterhalten.

Der Text des mir bisher unbekannten Elmer Mayer-Baldasseroni, der 1977 in Mürzzuschlag geborenen wurde, brachte mich etwas in Schwierigkeiten, war er doch vom Thema her sehr politisch und beschäftigte sich mit der blau-türkisen Regierung, war aber in einem eher komplizierten Stil geschrieben und einige mich eher störende erotische Anspielungen gab es auch.

Trotzdem  ein interessanter GAV-Abend.  Walter Baco, der ja, glaube ich, parallel zur Buch-Wien auch einmal eine Buchmesse in Linz veranstalte, die aber vom Hauptverband eher ignoriert wurde, einen Kleinverlag und noch vieles andere hatte, macht in diesem Rahmen, glaube ich, regelmäßige Veranstaltungen.

Nachher sind wir noch mit Margot Koller und einer befreundeten Philosophin, bei der sie, glaube ich, schon einmal eine Veranstaltung machte, etwas trinken gegangen.

Gotteskind

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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Nun kommt meine erste oder zweite 2019 Neuerscheinung, die erste ist das Camilleri-Bekenntnisbuch gewesen, aber das ist schon Mitte Dezember zu mir gekommen, während ich John Wrays „Gotteskind“ erst im Jänner bekommen habe in den letzten Tagen aber schon einiges über das Buch, das in Ö1 vorgestellt wurde und auch auf die Feburar ORF- Bestenliste gekommen ist.

Bestellt habe ich es mir, dem Autorennamen nicht dem Inhalt nach, habe ich den Namen des 1971 in Washington geborenen US- Amerikaners, der eine Känrtner Mutter hat und deshalb auch beim „Bachmannpreis“ gelesen und gewonnen hat, das erste Mal auf einer meiner Frankfurt Surfings  und auch in Göttweig gehört, als dort sein Zeitreiseroman vorgestellt wurde und im Dezember oder so habe ich auch einen Wray auf Englisch im Schrank,“Lowboy“, das auf Deutsch unter „Der Retter der Welt“ erschienen ist, gefunden und durch Ö1 habe ich erfahren, daß John Wray ein Meister des Stilwechsel ist und jetzt in die Welt der Dschihadisten eingetaucht ist.

Als ich das Buch bekommen habe, war ich erst einmal durch Cover und Titel verwirrt, „Gotteskind“ ist einer, der mich unvorbenommen nicht vom Sessel reißen kann und der Hahn mit dem roten Turban konnte es auch nicht, eine Geschichte über eine junge Dschihadistin konnte das dann schon viel mehr, habe ich mich als ich die „Unterwerfung“ gelesen und „Die Pensionsschockdepression“ geschrieben habe, ja auch mit diesem Thema beschöftigt.

In den Ö1 Berichten wurde noch erwähnt, daß John Wray 2015 in Afghanistan war und daß es 2001 einen amerikanischen Taliban namens John Walker Lindh gegeben hat, der das Vorbild für das Buch war, dessen Heldin eine achtzehnjährige Amerikanerin namens Aden ist, die einen Vater als Islamwissenschaftler und eine Trinkerin als Mutter hat, alles hinter sich läßt und mit ihrem Freund Decker, einem gebürtigen Pakistani nach Pakistan reist, um dort den Koran zu studieren.

Das klingt einmal gut und ist sehr spannend und so war ich bis zum Ende des ersten Teils in das Buch auch sehr hineingezogen. Es beginnt mit Briefen an den „Lehrer“, das ist Adens Vater, den sie so anspricht und man erfährt, sie ist in der Pubertät von ihren Eltern enttäuscht worden und nun reißt sie aus, um die Welt zu erobern.

Das das vielleicht nicht die übliche Pubertätsreaktion ist, einfach alles hinzuhauen, sich die Haare abzuschneiden, den Busen zu bandagieren und dann monatelang den Koran zu studieren, diese Idee ist mir erst später gekommen, so  sehr hat es mich in das Buch hineingezogen.

Es gibt auch spannende Szenen, so gehen sie noch am Flughafen in Kalfornien zuerst in den Gebetsraum und wissen da gar nicht so genau wo der Osten ist, ihr Gepäck lassen sie draußen stehen und müßen es dann bei der Sicherheitskontrolle abholen. Sie kommen aber problemlos nach Pakistan, im Flugzeug wird Aden noch von einem pakistinischen Geschöftmann instruiert sich ja nicht den Dschihad anhzuschließen und der Lehrer der Koranschule erkundigt sich auch gleich besorgt, warum sie sich seine kleine Schule dicht an der afghanischen Grezne ausgesucht hat?

In den Ö1 Besprechungen habe ich gelesen, daß Aden sich erst dort zum Kampf entschieden hat, mir war aber immer klar, daß sie dorthin will, erst später habe ich mich gefragt, warum eigentlich, nur weil die Mutter trinkt und der Vater sie betrogen hat?

Aber gut,  es sind sehr viele frustrierte Jugendliche in den Dschidhad gezogen, da ist diese Aden Sawyer nur ein Beispiel von John Wray, der im interview erzählte, daß er viel recherchierte, danach alles vergaß und die Geschichte frei erfunden hat und es ist wirklich plastisch geschildert, obwohl ich meinen Geschmack nach zu aprupt in die Geschichte hineingeworfen wurde und den reiligösen Fanatismus der jungen Frau, die sich als Mann verkleidet und fortan Suleyman, wie auch jeder John Walker Lindh genannt wurde, nicht so ganz nachvollziehen konnte.

Es kommt auch zu Zerwürfnissen mit ihrem Freund Decker, der nicht so fromm, wie sie scheint und nicht versteht, daß sie keinen Sex und auch nicht mehr fluchen will. Er ist es, aber der zuerst über die Grenze geht. Der alte Lehrer hat einen Sohn namens Ziar, der schon ein Kämpfer ist und immer in die Schule seines Vaters kommt, um von dort Rekruten abzuziehen.

Aden will auch dorthin und im zweiten Teil wird dann die Ausbildung in dem Lager in Afhghanistan beschrieben, Decker kommt durch eine Explosion ums Leben, Aden schließt sich Ziar an und muß einen alten Mann erschießen, was sie widerspruchslos tat.

Ab da kippte bei mir die Lesefreude, denn der Alltag in der Koranschule, wo man den ganzen Tag Suren hinunterbetet, war durchaus spannend geschildert, aber warum Aden umbedingt kämpfen will,  war mir dann nicht so klar?

Irgendwann erfährt man dann vom Anschlag an die Twintowers und da habe ich erst kapiert, wir sind im Jahr 2001 und nicht 2018 und, daß sich dann der Suleyjman, jener fromme Superkämpfer plötzlich in Ziar verliebt und der erkennt, daß sie ein Mädchen ist, war mir auch nicht ganz klar.

Ab dann ist es für mich völlig verwirrend geworden und vielleicht die Phantasie mit John Wray durchgegangen, denn jener Ziar verhält sich durchaus widersprüchig. Aden ebenfalls und sie wird dann auch fast mit einem alten Mann verheiratet, dem sie nur dadurch entkommt, daß sie ihm umbringt und dann flüchtet sie offenbar nach Hause und ist geläutert oder nicht und das Buch hat mich ein bißchen ratlos zurückgelassen und ich habe nach John Walker Lindh gegoogelt und mir das Interwiev mit John Wray in Ö1 nochmals angehört.

Ein spannendes interessantes Buch wo man etwas mehr über den Dschihad und Afghanistan erfahren kann, war es trotzdem, wenn mir auch einiges unlogisch erschien, ich wahrscheinlich mehr Erklärung gebraucht hätte, mir das Ende eher unwahrscheinlich erschien und ich auch Adens Beweggründe für den Fanatismus genauer erkärt haben hätte.

Daniel Kehlmann ist es nicht so, wie mir gegangen, schreibt er doch am buchrücken „Ich stehe mit hilfloser Bewunderung davor, was John Wray hier fertiggebracht hat“, aber vielleicht  hat er sich besser informiert.

2019-02-14

Valentinstag mit und ohne Gewalt

Demomotto: Smash Patriarchy!

Demomotto: Smash Patriarchy!

Am vierzehnten Februar ist Valentinstag, da schenken sie Männer ihren Frauen Blumen oder Bonbons in Form von rote Herzchen. Ein Fest der Liebe mit kapitalistischer Prägung und dabei wurden in diesem Jahr in Österreich schon sieben Frauen von Männer ermordet.

Die Patrioten, Rechte und Identitären schreien da auf und tun so, als ob alle Gewalt  von Männern an Frauen von Asylanten und die Gewalt an Frauen importiert wäre, als hätte es vor 2015 keine Gewalt gegeben und das Patriachat  ist wohl auch keiner Hautfarbe und Religion zuzuordnen, obwohl die islamischen Länder ein tradtionelles Frauenbild haben und mit Eifersucht bei Traumatisierung vielleicht nicht so umgehen können.

Also werden diese Fälle angeprangert, „Leinen des Grauens“ gebildet, wo jede einzelne Gewalttat genau aufgezählt wird, während die Rechten und die Patrioten meinen ihre „Frauen und Mädels“ schützen zu müssen, in dem sie ihnen den Umgang mit Asylwerbern verbieten und die Lehrerinnen vielleicht überhaupt aus den Schulen haben wollen, weil die ja von manchen Muslimen nicht anerkannt werden.

Am Weg zum Getreidemarkt

Am Weg zum Getreidemarkt

Die Gewalt an Frauen ist aber ein übergreifenden Thema und unser erstes Arbeitskreisbuch, das wir  in den Neunzehnsiebzigerjahren herausgegeben wollten und das leider nie erschienen ist, hätte „Gewalt gegen Frauen, Frauen gegen Gewalt“ heißten sollen, das die Grenzen von link und rechts eigentlich sprengen könnte, denn während da auf der einen Seite „Leinen des Grauen“ aufgezogen werden, demonstrieren die Linken, die Omas, etcetera, die, die eben zu den Donnerstagsdemos gehen, auch gegen die Gewalt an Frauen und gegen das Patriachat, ganz egal von welcher Seite sie kommt und so war die heutige Demo diesem Thema gewidmet und sie war ungeachtet des ernsten Themas sehr bunt und lustig und ist am Platz der Menschenrechte, beim Museumsquartier, wo es es das Omafuma-Denkmal gibt, losgegangen.

Um sechs beginnen die Demos immer, um fünf gab es aber schon eine Performance „One Billion rising Vienna 2019 für ein Ende der Gewalt an Frauen und Mädchen“ in Cooperation mit DanceAbility.at statt. Das heißt es war ein großer Kreis umgrenzt mit roten Stöckelschuhen aufgestellt und darin tanzten rotgekleidetete Frauen und als dann, die richtige Demo begann, erzählte die Initiatorin der Veranstaltung, daß ihnen die Regierung, die Förderung gestrichen hätte und sie nun auf Spenden angewiesen wären.

Genau!

Genau!

Nun ja, das Strafrecht wurde verschärft, obwohl ich höre, daß das gar nicht so nötig wäre, dafür den Frauenberatungsstellen die Subentionen gestrichen.

„Buh!“, riefen da die Demonstranten und Demonstratinnen und „Smash Patriachy!“, war das Motto des heutigen Abend und die Rute war sehr freundlich in unseren Sinn gewählt, ging es doch den Getreidemarkt über dien Karlsplatz und Operngasse, Margaretenstraße in unsere Richtung. Die Schlußkundgebung fand am Margaretenplatz statt, so daß ich mir aus dem „Wortschatz“ noch ein feminstischen Buch von der „Frauenoffensive“ nehmen konnte.

Rosen, obwohl eher eine kapitalistische Geste, wurden auch verteilt und dann gleich wieder von Roma-Frauen eingesammelt, wenn man sie ihnen schenken wollte. Lustige rot und clownmäßi gekleidete Trommlerinnen begleiteten den Zug, die „Omas gegen rechts“ mit ihren meist rosa Mützen waren da.

Ich habe Susanne Scholl gesehen und sonst eigentlich wenige Leute, die ich kannte, dafür aber viele junge und die Lisa, die jeinmal auf die Anna aufgepasst hat, während ich meine Stunden machte und sie vom Kinderhaus abgeholt hat und jetzt eine Krimibuchhandlung führt, war auch da.

Ja!

Ja!

Eine lustige, trotz des ernsten Themas unbeschwerte Stimmung und Graffits in Menschenform waren von einer Aktivistengruppe auch entlang des Weges auf leeren Geschäftslokalen angebracht, die der Alfred fotografierte und wieder eine schöne Demo, wenn vielleicht nicht ganz so sichtbar, wie die, die es 2000 gegeben hat.

Laut,  bunt und fröhlich war sie trotzdem und am Heimweg wurde ich von einer Frau gefragt, was das denn für eine Demo wäre?

„Die Donnerstagsdemo gegen die schwarz blaue Regierung, gegen Sozialabbau und Sexismus!“, habe ich geantwortet und die Frau hat „Aha!“, geantwortet.

Vielleicht wird sie nächste Woche daran teilnehmen, wenn der Treffpunkt in der Josefstädterstraße ist.

Ich werde sie aber wahrscheinlich auslassen, da da zeitgleich der GAV-Jourfix im Cafe Ritter ist, den ich mir auch einmal ansehen will.

2019-02-13

Das Leben der Elemente

Unter diesem Motto fand heute offensichtlich eine Veranstaltung des „Fröhlichen Wohnzimmers“ beziehungsweise Ilse Kilic in der „Gesellschaft für Literatur“ statt.

Eine Crossover Veranstaltung, denn Benjamin, der sohn der Rizys, ein Student der Verfahrenstechnik und Musiker, der auch schon Fotoausstellungen im Amerlinghaus veranstaltet hatm hielt einen Vortrag über das „Periodensystem der Elemente“, da habe ich nicht sehr viel verstanden, habe ich ja nicht Chemie studiert und interessiere mich auch nicht besonders dafür, auch von anschließenden Konzert „Aus dem Perdiodensystem“ der Helmhart-Brüder, die dazu Buchstaben auf der Leinwand auf und abtanzen ließen nicht so viel, dafür wurde es schon konkreter bei dem Text den Ilse Kilic und Melamar für eine Anthologie gemeinsam geschrieben haben, denn der hieß „Elemente“ und es ging, um einen Bücherwurm, dem sie seine Bibliothek gestohlen haben, so daß er sich nicht mehr durch die Bücher fressen und dafür die Bekanntschaft mit den Autorinnen Melamar und Ise Kilic machen konnte.

Das erinnert ein bißchen an Vladimir Sorokins „Manaraga“, war aber äußerst spannend und auch Michaela Hinterleitner auch eine bemüht fröhlichlich „Wohnzimmerfrau“, brachte mit auszügen aus ihrem „Im Element des Wassers“ interessantes in die Zuhörerrunde, die aus so ziemlich der “ Fröhlichen Wohnzimmerrunde“ bestand.

Fritz Widhalm, Jopa Joatkin, aber auch die Ruth, die Rizys und Waltraud Haas, etcetera und nachher gab es das Element des Wassers, wie Ursula Ebel die moderierte, fröhlich sagte, zu verkosten aber auch Wein und knabberein.

Ich führte interessante Gespräche mit einem Besucher und einer Besucherin und habe wieder einmal einen netten literarischen Abend erlebt.

2019-02-12

Als die Nacht begann

Nach dem November 1918 kam der zwölfte Februar 1934 und nach dem Februar 2018 habe ich im Schrank ein kleines in schwarz weiß gehaltenes Büchlein gefunden, ein Comic-Heftchen von Thomas Fatzinek von „Bahoe Books“, die Walter Famler bei der „Literatur im Herbst“ 2017 besonders hingewiesen hat und dank des Fundes, kann ich am heutigen zwölften Februar, wo ja nicht nur Thomas Bernhard gerstorben ist, aktuell sein und auf ein weiteres Stück Geschichte eingehen.

Es beginnt mit der Geburt des kleines Oskars im Oktober 1911, da war meine Jancak-Oma gerade mit meinem Vater schwanger, der kleine Oskar auch ein Arbeiterkind,wurde in der Brigittenau geboren, der Vater war Arbeiter, die „Mutter hatte es auch nicht leicht mit ihren drei Kindern“ und von der Republiksgründung im November 1918 hat der kleine Oskar, wie wohl auch meine damals drei und sechsjährigen Eltern nicht viel mitbekommen, dafür mehr vom 15. Juli 1927, wo ein „Heimwehrfaschist zwei Arbeiter ermordete und freigesprochen wurde“.

Da kam es zu einem Protest, bei dem „fünfundachtzig Menschen“ getötet wurden.

Am „19. Mai 1930 gelobten die Heimwehren mit dem Kornburger Eid öffentlich ein faschistischen Regime zu errichten“, während Oskar eine Stelle bei den Wiener Verkehrsbetrieben bekam, also wahrscheinlich Schaffner wurde, mit den Eltern in den berühmten „Karl Marx Hof“ ein Paradebeispiel des sozialistischen Wohnbaus des roten Wiens, zog und dort auch eine Freundin, die Emma, fand.

Er war bei der sozialistischen Arbeiterjugend und dem republikanischen Schutzbund, sie bei der KPÖ und 1933 kam Hitler in Deutschland an die Macht. Bundeskanzler Dollfuß führte in Österreich die Zensur ein und verbot „Schutzbund und KPÖ“. Der Maiaufmarsch wurde untersagt, Emil Fey Vizekanzler und ließ im Jänner 1934 die „Räume der Arbeiterbewegungen“ untersuchen.

„Anfang Februar besetzte die Heimwehr Innsbruck und übernahm die Landesregierung und als sie das auch in Linz tun wollte, begann man sich dort zu wehren, während Oskar am zwölften Februar, wie gewohnt mit seiner Emma zur Arbeit ging, wo schon der Generalstreik angesagt war. Der stellvertretende Schutzbundführer, aber keine Waffen hatte und Oskar mit dem Fahrrad zurück zum Karl Marx Hof fuhr, dort ging es dann los. Es kam zu einer „langen Nacht“ und „einem bösen Erwachen“.

Der Widerstand wurde gebrochen, Oskar mußte flüchten, ging bei der Tschechoslowakei über die Grezne, kam in die Sowetunion und später hat er in „Spanien gegen die Faschischten gekäpmft“.

„Aber das ist eine andere Geschichte“, so endet das Comicheftchen des 1965 in Linz geborenen Comicautors und Illustrators, der bei „Bahoe“ 2018 auch ein Buch über die „Annexion Österreichs an das dritte Reich“ und noch einiges andere herausgegeben hat.

Das müßte ich erst noch finden, bin aber Abend mit der KPÖ und der Bezirksvorsteherin ins „Filmcasino Margareten“ gegangen um mir den 1984 entstandenen Film, die „Kameraden des Koloman Wallisch“ anzusehen, zu dem Michael Scharang sowohl das Drehbuch schrieb, als auch Regier führte, der ja den Aufstand in der Steiermark anführte und am 19. Februar in Leoben hingerichtet wurde.

Seine Frau Paula hat das Buch  „Ein Held stirbt“ darüber geschrieben, das meine Eltern in ihrem Bücherschrank hatten. Leider habe ich es, glaube ich, schon 2007 gelesen, so daß ich nicht darauf verlinken kann.

,Der Film im übervollen Filmcasino, war in Zeiten, wo wir, wenn wir nicht sehr aufpassen, vielleicht wieder in Bürgerkriegsähnliche Zustände hineinschlittern könnten, wie ich ja mit meiner Diskussion mit dem Uli merken kann, war sehr interessant. Ich habe ihn noch nie gesehen, obwohl die Tonqualität sehr schlecht war. Es gibt nur Michael Scharangs Privatkopie und der ORF, der den Film digitalisiert hat, scheint ihn weder herzugeben, noch ihn im Fernsehen zu zeigen, was in Zeiten, wie diesen ja ganz besonders wichtig wäre.

Thomas Fatzineks Comic ist wahrscheinlich besonderes jüngeren Menschen, die in diesen Teil der Geschichte eintauchen wollen, sehr zu empfehlen, weil man da sehr schön in die Vergangenheit vor fünfundachtzig Jahren hineintauchen kann.

 

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