Literaturgefluester

2019-03-21

Der Stotterer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Der 1946 in Zürich geborene Charles Lewinsky, der 2014 mit seinem „Kastelau“ auf der dbp-Liste stand, hat ein neues Buch geschrieben, das mich schon vom Titel her sehr berührte, habe ich doch in meiner Zeit als Assistentin an der Sprachambulanz der zweiten Hno-Klinik des AKHs und später in meiner Praxis sehr viel mit Stotterern gearbeitet und auch ein Fach- beziehungsweise Elternratgeberbücher darüber geschrieben, obwohl ums Stottern geht es eigentlich gar nicht, das ist nur der Aufhänger für das, würde ich mal schreiben, brillante Alterswerk des Autors, der ein grandioser Schelmenroman ist.

Beginnt man das Buch, das mit einem Brief an den „Padre“ beginnt, fühlt man sich zunächst einmal nach Spanien und in alte Zeiten zurückversetzt, denkt, „Alles schon gelesen!“, denn da schreibt einer aus dem Gefängnis Briefe an den Gefängnisseelseelsorger, dem er sein Leben erzählt, das ist der „Stotterer“ Johannes Hosea Stärckle, der, wie schon der Name verrät, ziemlich bigotte Zeiten durchlebte, wurde er in seiner Kindheit von seinem frommen Vater für das Stottern und wahrscheinlich noch für einiges andere geschlagen und der Vorstand der christlichen Gemeinde Bachofen, zu dem ihm der Vater brachte, wollte ihm auch das Stottern austreiben, ebenso wie einem Homosexuellen seinen Homosexuelalität.

Wenn ihm der Vater schlug, hat er immer gesagt „Das tut mir mehr weh als dir!“, wofür sich der Sohn als der Vater mit Krebs im Sterbebettt vor sich hinstöhnte rächte, in dem er diesen Satz immer wieder stotternd wiederholte und den Kirchenvorsteher hat er später in den Selbstmord getrieben, in dem er ihm biblische Sprüche zuschicken ließ in denen Pornographie  an Kindern, verborgen war, wofür er ihn zur Anzeige brachte.

Man sieht Charles Lewinsky, der ja auch Filmemacher war, hat es mit seinem „Stotterer“ faustdick hinter den Ohren, denn der schlägt alglatt und elegant zurück und weil er nicht so gut sprechen konnte, verlegte er sich auch bald aufs Schreiben.

Schrieb den, der ihn in der Schule mobbte, zuerst seine Schulaufsätze und dann fingierte Liebesbriefe, bestellte ihn nackt mit einer Rose in die Schulgarderobe, wo ihn allerdings nicht die Angebetene, sondern die ganze Schulklasse erwartete.

So ist es dann weitergegangen. Zuerst hat er in einem Callcenter oder Datingagentur gearbeitet, wo er den Schönen fürs schöne Geld  schöne Briefe schrieb und, als er dort entlassen wurde, hat er den „Omatrick“ für sich veredelt, weil er damit aber zu blumig war und die gleiche Phrase von einem „Quietschenden Fahhrad eines Postbotens“ gleich zweimal verwendete, wurde er ertappt und landete im Gefängnis, wo ihm der „Padre“ entdeckte und zum Schreiben ermunterte.

Jack Unterweger ist das in Krems Stein vor vierzig Jahren auch passiert und es ist ihm, wie man wohl zfsammenfassen kann, nicht so gut gelungen.

Johannes Hosea gelingt es aber, denn der „Padre“ verspricht ihm einen Posten in der Gefängnisbibliothek, die ihm unterstellt ist, wenn er ihm dafür Berichte aus seinem Leben schickt.

Als er das dann gleich wieder zurücknimmt und ihn in die Küche einteilen will, ist Johannes Hosea sehr empört und wehrt sich mit gekonnten Worten, das ist wohl das Neue in dem Buch. Er empört sich auch darüber, daß das Stottern als Sprachfehler bezeichnet wird, denn wenn ich nicht sehen kann, fehlt mir die Sehkraft,  ich habe aber keinen Fehler, worüber man nun  diskutierten kann, ob etwas, was einem fehlt ein Fehler ist? Sprachlich stimmt es, politisch korrekt ist es nicht, aber Letzteres wird von den Rechten ja gerade auch sehr angefochten.

Der „Padre“ ermuntert ihn auch zu Schreibübungen, so sind dem Buch immer wieder Geschichten beigefügt, die er an ihn Padre schickt, als der in der ersten aber „Autobiografische Elemente“, zu entdecken glaubt, ist er wieder empört, schreibt die nächste Geschichte nur für sich selber und fängt das Tagebuchschreiben an.

Der „Padre“ ermuntert ihn auch, an einem Schreibwettbewerb zum Thema „Gerechtigkeit“ teilzunehmen, der er gewinnt, so daß sich bald ein Verleger an ihn wendet und Johannes Hoseas literarischer Aufstieg beginnt, denn Geschichten aus dem Leben eines Gestrauchelten wollen die Leute ja gerne lesen und so geht es wahrscheinlich nach der Entlassung in eine schriftstellerische Karriere oder, siehe oben, auch nicht, das wird dann nicht mehr beschrieben. Vorher kommt es aber noch zum Kontakt mit der Gefängnismafia, die in die Bücher, die an die Bibliothek geliefert werden, auch andere Sachen einschmuggelt und Johannes Hosea da zum Mitmachen zwingen.

Ein sehr fein geschriebenes Buch, ein listiges, abgehobenes Alterswerk, das manche Klischees widerholt, manche aber erstaunlich geschickt durchbricht und der vergleich zum „Felix Krull“, der einem da natürlich kommt, wird vom Autor selbst erwähnt, denn Johannes Hosea, der später nicht mehr an den „Padre“, sondern an seinen Verleger schreibt, füllt auch den berühmten Fragebogen von „Proust“ aus und so ist das Buch gefüllt mit Fingerübungen, Briefen Tagebuchnotizzen etcetera, die vielleicht etwas zusammengestoppelt wirken können und die Idee ist wohl auch nicht so wirklich neu, trotzdem ist sie gerade dadurch was Lewinsky daraus macht sehr gelungen und das Buch wahrscheinlich sehr zu empfehlen.

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2019-03-20

Alle, die vor uns da waren

Das nächste Buch schließt sich gleich an das vorige an, denn da geht es auch um die Erdverschmutzung und den Zustand dieser Welt und ist, wie ich „Amazon“ entnehme, eigentlich der dritte Teil von Birgit Vanderbekes Familiensaga oder Memoireihe mit Szenen aus ihrem Leben.

Bei „Piper“ erschienen und da bin ich mir gar nicht sicher, ob ich es angefragt oder so geschickt bekommen habe. Auf meiner Bestellliste steht es jedenfalls nicht und Teil zwei, das ist auch sehr interessant „Wer dann noch lachen kann“ habe ich bei dem Literaturquiz der „Buch Wien“ von Günter Kaindlsdorfer bekommen, muß es noch lesen, während ich den ersten Teil „Ich freue mich, daß ich geboren bin“ auch noch finden muß und die 1956 in Dahme geborene Birgit Vanderbeke habe ich, glaube ich, durch ihr „Bachmannlesen“ kennengelernt.

Da hat sie 1990 aus dem „Muschelessen“ gelesen, ein Buch das ich auch noch lesen muß, während ich „Sweet sixteen“, „Alberta empfängt einen Liebhaber“ und „Geld oder Leben“ gelesen habe und außer Band zwei der Saga auch noch das 2013 erschienene „Sommer der Wildschweine“ ungelesen in meinen Regalen habe.

Eine fleißige Frau, die 1956 geborene, die eher leise unter den bekannten Autoren, ist sie doch mit ihrem „Muschelessen“ schlagartig berühmt geworden.

Schullektüre, steht bei „Wikipedia“ oder im Klappentext und interessantes Detail aus der Biografe ist noch, daß sie mit fünf nach Westdeutschland übersiedelte und 1993 nach Südfrankreich, wo sie jetzt noch lebt. Davon handelt auch die Romantrilogie oder die Memoirensplitter, wie ich es besser bezeichnet fände. Der erste Teil von der Kindheit und der Flucht in den Westen,  der zweite von einem Autounfall und der dritte von Heinrich Böll.

Da könnte man jetzt stutzen und sich fragen: „Wie hängt das  mit dem Umweltschutz und den Katzen der Andrea Stift-Laube zusammen?“ und eigentlich war die erste Information, die ich über das Buch hatte, daß es über das Älterwerden geht.

Es geht um alles und Birigt Vanderbeke schreibt davon auch in einem ironischen Stil, der offenbar sehr typisch für sie ist.

Sie beginnt mit ihrer Kindheit der Großmutter Maria, die aus Ostende stammte und erwähnt dann die Namen Böll und Zwerenz.

„Kennen Sie nicht?“, fragt sie dann und fügt:  „Wundern Sie sich nicht. Wir vergessen heute schnell“und leben  in einer Zeit wo keine Bücher mehr gelesen werden und es keine Schriftsteller mehr gibt.

Es gibt offenbar schon ein paar und Birigt Vanderbeke ist eine davon. Mit einem Gianni verheiratet, der Sohn heißt Noah, die Schwiergertochter Claude, ein Enkelkind kündigt sich an oder ist schon geboren. Ein Haus wird für den Sohn erbaut und dann kommt eine Einladung nach „Archill Island, wo Heinrich Böll, ein Haus hatte und die „Heinrich Böll-Stiftung“ offebar Stipendien an Schriftsteller vergibt.

Da denke ich natürlich an meinen Versuch eine Einladung in die Schriftstellerwohnung der Anita Pichler in Venedig zu bekommen, was nicht klappte, bei Birigt Vanderbeke oder der namenlosen Erzählerin klappte es und so flog sie mit ihren Gianni nach Dublin, versuchte dort Fish und Chips zu essen, weil man das in Irland ja machen soll und fuhr dann auf die Insel weiter, wo der freundliche Verwalter sie schon erwartete, den Schlüßel überreichte, durch das Haus führte und erklärte, er würde jetzt nach Lourdes wallfahrten gehen.

Er zeigte auch die Fahrräder, aber die waren kaputt und ließen sich nicht reparieren und in dem Haus der „Böll-Stiftung“ gab es kein Telefon und kein Internet für die nächsten drei Wochen. Dafür gab es eine Bibliothek mit Böll-Büchern und als das Paar eines Tages bei einem Bier in der Küche oder Wohnzimmer saß, rauchte es aus Bölls ehemaligen Arbeitszimmer hinaus.

Die Erzählerin ging hinein, der Meister saß am Schreibtisch, qualmte vor sich hin und empfing sie mit den Worten „Alle, die vor uns da waren, die haste nun in dir!“, oder so ähnlich und damit beginnt das Paar durch die Insel zu wandern, denn es muß ja eingekauft werden und alle, die sie nach einem Lebensmittelladen fragen, weisen in die Ferne und erklären in dem oder dem Ort gibt ein Geschäft.

Es gibt auch  Pubs am Strand, aber die sind, wie die meisten Läden geschloßen. Denn Birigt Vanderbeke reiste zu Ostern an und in einem Pub gab es zwar Bier, aber kein Internet.

Also konnten die Kinder erst später angerufen werden und der Fisch, den sie dann schließlich doch zu essen bekamen war ein Pangasius und wurde aus Vietnam importiert und darüber kann man schon einmal herrlich über den Zustand der Welt, das neue Sklaventum, wo die T-Shirts und die Souveniers in Bangladesh in „Sklavenfabriken“ erzeugt und dann durch die Welt geflogen werden, diskutieren.

Über die Welt, die den Schwangeren und den Kindern empfiehlt, keine Fische wegen des Schwermetalls und des vielen Plastiks zu essen und so wandern, die Beiden, die fünf Kilometer zum nächsten Dorf mit dem nächsten Supermarkt, um dann die Kilopackung Tiefkühlfisch doch liegen zu lassen und zu Hause Kartoffeln essen.

Sie wandern an den Ruinendörfern vorbei und die Erzählerin läßt sich später von einer schulklasse erklären, warum das so ist, daß in Irland neben den alten Häusern, neue erbaut wurden, weil in den alten, die Seelen der Vorbesitzer wohnen, die man nicht stören will oder soll und die neuen wurden auch nicht fertig, weil ja die Hungersnot vorher kam und die Bewohner nach Amerika flüchteten.

So werden die drei Wochen herumgebracht, bevor es wieder nach Frankreich geht. Auf dem Rückflug wird der Erzählerin noch einmal ordentlich schlecht, bevor sie ihre Vergangenheit und die Toten, die in ihr wohnen, vielleicht loslassen kann, um weiterzuleben, sich an ihrem Enkelkind zu erfreuen. Das Haus vielleicht fertig oder nicht fertig zu bauen und etwas, was ich bei dem Buch nicht verstanden habe, ist, wieso es keine Schriftsteller mehr gibt?

Es gibt sie doch. Ich erlebe sie täglich und lese ihre Bücher, wenn es auch stimmt, daß die Leute wahrscheinlich weniger lesen. Dafür schreiben sie mehr und Birigt Vanderbeke wird es wahrscheinlich eine Weile auch noch tun und so freue ich mich auf ihre nächsten Bücher und hoffe bald an das „Muschelessen“ zu kommen.

2019-03-19

Mascha und Margarita

Filed under: Bücher — jancak @ 00:23
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Nun kommt der letzte Einschub, beziehungsweise das Buch, das mir der Robert am letzten Montag ins Spital brachte und das ist, kann man nur sagen, das es ein sehr Seltsames ist.

„Ein Kinderbuch!“, hat der Alfred gesagt, als ich es ihm zeigte.

Nein, ist es nicht, obwohl am Cover ein paar Strichmännchen zu sehen sind und ein Mann, der einem dieser Kinder etwas zu zeigen scheint.

Schllägt man es aber auf, kommt man auf das Bildnis der kleinen Margaritea oder „Las Meninas“ von Diego Velasquez, das im Prado in Madrid ausgestellt ist, obwohl es so ein Prinzessinnenbild wohl auch im kunsthistorischen Museum gibt und ich mich in „Kerstins Achterl“ darauf bezogen habe.

„Eine Reise ins Innere der Kunst“ lautet der Untertitel und gezeichnet und aufgeschrieben wurde, der 2014 erschienene Bildband von Martina Pippal, die eine 1957 in Wien geborene Kunsthistorikerin und Künstlerin ist und, wie im Nachwort steht, es als „ihr besonderes Anliegen betrachtet, schwierige Inhalte in einer anschaulichen und in diesem Fall sogar spielerischen Weise darzustellen.

Da bin ich mir nicht ganz sicher, ob das wirklich gelungen ist, denn meiner Meinung nach, wurde in das Buch zu viel hineingepackt und auch zuviel von einem Thema zum anderen gesprungen und das dann noch auf eine so künstlerische Weise dargestellt und durcheinandergemischt, daß sich der Laie, der gerade mal ins Museum geht, um sich das Velasquez-Bild anzuschauen, erst recht nicht auskennt.

Und die Frage, ob das jetzt ein Kinderbuch ist oder nich,t wird auch nicht wirklich geklärt, denn am Ende gibt es noch einmal so eine bunte Kinderzeichnung und dazwischen wird erzählt, wie die Könige damals ihre Gattinnen besuchten, um sie zum Kinderkriegen zu veranlassen, was die Kinder, die mit ihrer Kindergartentante oder Volksschullehrerin ins Museum kommen, wahrscheinlich nicht verstehen werden.

Es geht also, um ein oder mehrere Bilder mit der kleinen Margarita, die später einen österreichischen Kaiser heiratete. Einmal steht sie vor einer Muschel und da wird von den Geheimnissen geschrieben, die das Bild umgibt und erklärt, daß Margarita Muschel bedeutet.

Einmal steht sie im Kreise ihrer <hofdamen, die sich vor sie hinknien und ihr ein Glas reichen, weil man das vor den spanischen Prinzessinnen so machen mußte und dann gibt es eine Lena, das ist ein russischer Schnüffelhund der wohl Aufklärung in das Ganz bringen soll und der zieht mit einer Mascha oder Masti durchs Museum, wohl, um das zu bewältigen, erklärt, daß die Prinzessinnen damals nicht herumtoben durften, sondern mit ihren steifen Kleidern im Kreis der Hofdamen feine Damen spielen mußten und schon sehr früh an die Kaiser und Könige verheiraten wurden und dann nur mehr Kinder kriegen und nichts zu sagen hatten, außer, daß sie sich wünschen durften, daß die Juden aus der Stadt vertrieben wurden. Etwas wenn man es so recht betrachtet, dem was sich die Patrioten wünschen, gar nicht so unähnlich ist.

Ob die Kinder das wohl auch verstehen? Es wird aber von der damaligen Zeit, der Kriegspolitik und den Herrschaftsverhältnissen erzählt und natürlich auch vom Maler Velasques, der all das auf seine Leinwand bannte.

Am Buchbrücken wird auch ein Blog angegeben, auf dem man mehr über das Ganze erfahren könnte, was ich, weil ein wenig ratlos, auch versuchte, aber leider nicht fündig wurde.

Trotzdem ist es ein schönes, wenn auch künstlerisch etwas verfremdetes Buch, mit dem man sich durch den Prado gleiten lassen und ein bißchen über die damalige Zeit nachdenken kann, gerade richtig für ein Krankenbett, wo es nicht möglich ist, in ein Museum zu gehen, denke ich und habe wieder viel gelernt.

2019-03-18

Hilde Langthalers Podium-Portrait

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Publikum

Publikum

Ich habe Hilde Langthaler, die im Jänner verstorben ist und von der am letzten Montag unter anderen ihr Podium-Portraitheftchen vorgestellt wurde, in den späten Siebzigerjahren im „Arbeitskreis der schreibenden Frauen“ kennengelernt, der sich so um 1984 auflöste, ich habe mich aber weiter mit ihr, Valerie Szabo und Elfriede Haslehner regelmäßig getroffen um uns unsere Texte vorzulesen und zu besprechen. Später habe ich sie bei den GAV- Versammlungen und auch anderswo immer wieder getroffen, das letzte Mal vorigen Dezember bei Ruths Abschiedsparty gesehen und war bei ihrem Begräbnis.

Zu der Veranstaltung, die es am 19. 2.  im Literaturhaus gegeben hat, wollte ich eigentlich hingehen, habe sie aber versäumt, weil ich mich für die zeitgleich stattfindende Präsentation des „Kuh-Buches“ angemeldet und daher nicht weiter in meinem Kalender nachgeschaut und jetzt auch die Abschiedsveranstaltung im „Tiempo Nuevo“, weil ich ja mit einem Gipsbein im LKH St. Pölten gelegen bin, der Alfred hat mir aber das Portraitheftchen gebracht, das dann bei der Heimfahrt fast verlorengegangen ist, sich aber wiedergefunden hat, so daß ich es  besprechen kann und mich damit  noch einmal von einer lieben Freundin, obwohl mein Verhältnis durchaus nicht konfliktfrei war, Abschied nehmen kann.

Susanne Ayoub, die, glaube ich, eine Vertraute Brunis war, hat das Vorwort  „Vom Objekt zum Subjekt“ gestaltet, in dem es Ausschnitte mit einem Gespräch mit ihr das im August 2018 geführt wurde, gibt und das sich intensiv auf Hilde Langthalers Lebenslauf, die ursprünglich Medizinerin war und auch oft auf Auslandseinsätzen war, bezieht.

Später hat sie sich dann der Literatur gewidmet oder ist damit an die Öffentlichkeit gegangen, hat mit Elfriede Haslehner den Frauenverlag mitbegründet, war bei der AUF dabei und ist literarisch durch ihr Theaterstück „Nur keine Tochter“ und sonst mit kurzen prägnatten lyrischen Skizzen aufgefallen, wie sie ja immer auch sehr bescheiden und zurückhaltend, aber sonst wahrscheinlich auch sehr beharrlich war.

In dem Heftchen gibt es Beispiele von ihren kurzen und auch längeren Prosastücken, die aus mehreren ihrer Bücher entnommen sind und an ein Gedicht „jemand“, das von einem oder einer mit Namen Mayer handelt, kann ich mich besonders erinnern, hat sie das doch bei einer unserer Sitzungen vor langer Zeit vorgelesen und da ist mir im Gedächtnis geblieben, daß ich mich damals, wo ich mit dem Kritisieren noch größere Schwierigkeiten als heute hatte, nicht zu fragen traute, daß ich den plötzlichen Perspektiv- oder Geschlechterwechsel nicht verstanden habe. Sie hat es dann später noch einmal gelesen, da habe ich gefragt und jetzt ist das Gedicht

„jemand steht am fenster

der raum ist überheizt und doch friert er

 

sie hat brünettes,feingewelltes haar, gepflegte

hände, ein adrettes kleid

ein jeder weiß, dass sie am bildschirm sitzt,

dass sie ihr leben verdient, indem sie zahlen

tippt den ganzen tag

denn leben

will verdient sein

 

jemand geht zur tür hinaus

und macht sich an die arbeit.

jemand, der zahlen tippt den ganzen tag.

jemand mit namen mayer.

 

Die Ausweglosgkeit und die Monotonie des Lebens sind auch in den anderen lyrischen Notizen, von denen mir  einige ebenfalls schon bekannt waren, stark zu merken und gehören wahrscheinlich  zu Hilde Langthalers eigener Sprache.

„von fäden gezogen

in normen geschüttelt

marionetten, hastend

vom heute ins morgen.“

beispielsweise oder

 

„zerbrochen, zerbröcketlt, zerbröselt.

wieder zusammengefügt, da und dort

irgendwie. ohne ein ziel. wie das leben

absichtslos zufällig und nur ein spiel

lache bajazzo“

Sehr intensiv die Kritik, der doch so engagierten, frauen- und gesellschaftsbewegten Frau.

„gestrichen. gestrichelt.

gedreht.gebeugt. gewunden.

nirgendwohin.

traum oder trauma?“

Und zuletzt auch ein sehr beeindruckendes Lyrikstück, das mir, wie die ganze Bruni und meine doch schon an die vierzigjährige Bekanntschaft mit ihr, in Erinnerung bleiben wird:

„wir kommen aus der ewigkeit

wir gehen in die ewigkeit

und in dem kurzen augenblick dazwischen

schauen wir ständig auf die Uhr.“

Wie wahr, kann man da nur schreiben.

2019-03-17

Stella

Filed under: Bücher — nagl @ 00:02
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Für die, die in allem Unglück ein Gutes sehen, denen sei gesagt, mein Knöchelbruch hat mir Takis Würger „Stella“ beschert, eines der Kultubücher, der heurigen Saison, würde ich mal sagen, das überall besprochen wird und die Geister spaltet, als das zweite würde ich Michelle Houllebecq „Serotonin“ bezeichnen, „Gotteskind“ und „Der traurige Gast“ habe ich schon gelesen und weil ich ja nicht so eine prominente Bloggerin bin und mit „Hanser“ ohnedies so kleine Schwierigkeiten hatte, habe ich mit dem Buch die letzten Woche geliebäugelt, es mir in den Buchhandlungen immer angeschaut und gehofft, daß ich es einmal finde, denn es hat  ein Thema, das mich interessiert und dann kam Doris Kloimstein zu mir ins Krankenzimmer und hat es mir übergeben, Robert Eglhofers Gabe, der noch zu mir gekommen ist, muß ich noch lesen, aber für Stella hat der Mittwoch im Krankenhaus mit den Physiotherapieversuchen und dem Kreislaufkollaps gerade noch gereicht, so daß ich es ausgelesen habe und Doris Kloimstein hat am Ende auch noch freundlich mit blauer Tinte angemerkt, das Takis ein männlicher Vorname und die Abkürzung von Panagiotakis ist und die Koseform Panagiotis lautet.

Sehr interessant, man lernt nie aus und Takis Würger steht auf der anderen Seite, ist ein 1985 geborener Journalist, der schon mit seinem Debut „Der Club“ einige Preise erntete und warum ist jetzt sein Buch so spaltend?

Weil es diese Stella Goldschlag, 1922-1994, wirklich gegeben hat, eine Jüdin, die dadurch überlebte, daß sie eine Reihe von Juden an die Gestapi ausgeliefert hat. Sie wurde nach dem Krieg zweimal verurteilt und hat sich 1994 in Freiburg das Leben genommen und Takis Würger macht nun einen sehr künstlerischen Roman daraus, in dem er die tatsächlichen Fakten, das heißt Ausschnitte aus den Gerichtsakten und die Aufzählung, der durch sie Verratenen mit einer fast surrealen Liebesgeschichte verbindet.

Der Held und Erzähler heißt Friedrich, wohnt in der Schweiz, wurde von einer sehr nazibegeisterten malenden Mutter aufgezogen, die fast den Verstand verlor, als ihr Sohn durch einen Unfall zumFarbenblinden wurde.

1942 will sich der 1922 geborene Berlin ansehen und dort auch was ja eigentlich verboten ist, Jazzmusik anhören und dadurch lernt er eine Kristin kennen, die auch sehr ungewöhnlich ist und irgendwann in seinem Hotelzimmer auftaucht und ihm verät, daß sie eigentlich Stell Goldschlag wäre.

Die einzelnen Kapitel sind immer wieder geschichtliche Daten wie „Im Jahre 1922 verurteilte ein Richter Adolf Hitler zu drei Monaten Gefängnis wegen Landfriedensbruchs, ein englischer Forscher entdeckte das Grab Tutanchamus, James Joyce veröffentlichte denRoman Ulysses, die kommunsistische  Partei Russland wählte Josef Stalin zum Generalsekretär und ich wurde geboren“, beigefügt.

Eine Mischung aus Fiction und Fakten also und interessant finde ich auch, daß ich ja kürzich auch ein Buch gelesen habe, wo ein ziemlich naziaffiner Jude ein Rolle spielte, das war aber, glaube ich, nur Fiktion, beziehungsweise wurde auch ein Tagebuch einer Mutter zum Vorbild genommen und „Stella“ das Kultbuch von 2019 hat eingeschlagen, wie ein Bombe bei den Leuten die noch lesen, weil bis dato schon 157 Rezensionen obwohl es erst im Jänner erschienen ist.

Daniel Kehlmann und Isabell Bogdan haben auf den Buchrücken lobende Worte geschrieben und ich kann jetzt wieder, wenn ich  auf eine Party gehen kann, über die literarische Sensation des Jahres mitreden, wenn mich einer fragen sollte, was aber erfahrungsgemäß eher nicht geschieht, wenn ich in der „AS“ oder im Literaturhaus beim Wein herumstehe.

Friedrich Torberg hat übrigens mit „Hier bin ich mein Vater“, schon vor langem ein ähnliches Thema bearbeitet.

2019-03-16

Veranstaltungspause

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 08:59
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Ich gehe ja schon seit über vierzig Jahren mehrmals in der Woche zu literarischen Veranstaltungen, in die „Alte Schmiede“, ins Literaturhaus, in die „Gesellschaft für Literatur“ etcetera und plane mir das auf meinen Blog wegen der Beiträge auch genau ein, lasse Tage dafür frei und deponiere Buchbesprechungen dementsprechend später.

Das habe ich auch vorige Woche so gemacht, weil diese Woche ja so einiges Interessantes los war und wir am nächsten Mittwoch nach Leipzig fahren wollten.

Da war schon alles vorbereitet, die Akkreditierungsunterlagen waren da, der Alfred hatte seine Karte, zwei Termine bei Verlagen und ein Bloggertreffen war ausgemacht, die Höhepunkte am Donnerstag, die Verleihung des „Preises der Leipziger Buchmesse“ und das anschließende Treffen der Österreicher im Österreich-Cafe in der Halle vier eingetragen.

Dann kam der Sturz, wo ich drei Tage bis Mittwoch im LKH St. Pölten war, dann mit einem Gips und Krücken nach Hause ging. Der Alfred hatte mir meine Klienten abgesagt. Ab Donnerstag habe ich wieder Stunden gemacht und gehe auch krückenfrei in Wohnung und Praxis herum, aber auf der Straße will ich nicht herumhumpeln, so wird es in der nächsten Zeit wahrscheinlich nichts mit den Veranstaltungen, die ich mir eingetragen hatte, werden, dafür mehr lesen. Meine Leseliste ist ja sehr lang, weil ich, da ich am liebsten alles lesen möchte, nur schlecht nein sagen kann oder will und in den Artikel mehr über Bücher, als über Veranstaltungen schreiben, was auch nichts macht, weil ich mir ja irgendwie immer denke, warum ich eigentlich so beharrlich zu den Veranstaltungen laufe, dort übersehen werde und beispielsweise im Literaturhaus oder in der „Gesellschaft“ keinen Lesetermin bekomme, weil „Eigenverlag, leider, Eigenverlag wollen wir nicht!“

Das gilt natürlich auch für das Lesen, da habe ich mir das auch schon länger gedacht, wieso lese ich so begierlich das, was die anderen schreiben, wenn die sich für das meine auch nicht interessieren?

Eine berechtigte Frage.

Es interessiert mich aber!“, lautet die Antwort und ich habe auch schon geschrieben, daß ich gern herausfinden möchte, was die anderen besser, als ich können und  glaube das inzwischen zu wissen, daß meine beharrliche Weigererung sich den Rechtschreibregeln anzupassen, ein größerer Schuß ins Bein ist, als ich mir damals, als ich zu schreiben begann, vorstellte und dann schreibe ich nicht so abgehoben, sondern vielleicht mehr realistisch journalistisch. Ich würde das psychologisch sozialkritisch hinzufügen und das gilt vielleicht  nicht  als so große Literatur.

Also gut, in der nächsten Zeit keine Veranstaltungen, denn ob ich auch, wenn ich dann einen leichteren Gips oder Plastikschale habe, wirklich damit nach Krems und Göttweig will, wo der Alfred schon Karten bestellt hat, ist mir auch nicht so klar.

Stattdessen neben meinen Stunden, die „Magdalena“ korrigieren, denn da werde ich vielleicht noch damit fertig, bevor der Alfred Ende April nach Kuba fährt und er kann mir die Blogartikel über mein Schreiben kopieren, so daß ich mich da ans Korrigieren machen kann, denn mein nächstes Buch wird ja eines über mein Schreiben sein.

Die Leipziger Buchmasse kann man sich, wie die in Frankfurt, was ich ja regelmäßig tue, auch im Internet anschauen und das habe ich auch schon zweimal getan, als der Alfred in dieser Zeit auf Reisen war oder sonst nicht wegkam. Die Preisverleihung am Donnerstag gibts, glaube ich, über Livestream, etcetera, so daß ich da nicht zu viel versäumen werde und ein paar Frühjahrsneuerscheinungen warten ja auch auf mich, ansonsten weiß ich nicht so genau, was ich versäumen werde.

Versäumt habe ich jedenfalls die Abschiedslesung der Bruni im vorigen Montag in der Buchhandlung „Tempo Nuovo“ wo zwei ihrer Bücher vorgestellt wurden.

Da war der Alfred, hat ein Foto gemacht und mir ihr „Podium-Portrait“ mitgebracht und am Mittwoch, wo ich aus dem Spital entlassen wurde, war in der „Gesellschaft“ die Kerstin Hensel, die ich ja durch Vermittlung der Christine Haidegger vor zig Jahren brieflich kennenlernte, 1989 hat sie beim „Bachmann-Preis“ gelesen, da habe ich sie in Wien beim Uwe Bolius getroffen und als ich  in Berlin bei einem Psychotherapeutenkongreß war, habe ich bei ihr gewohnt, sie  noch einmal dort getroffen und einmal in Wien, als sie in der „Alten Schmiede“ gelesen habe, auch einmal ein Buch von ihr gewonnen, sie in Leipzig einige Male gesehen, aber sonst ist der Kontakt ziemlich abgebrochen, als Bloggerin wechselt man ja vielleicht die Seite und rutscht von der Literatenschiene  hinunter und ich wäre ohnehin, weil eine neunzehn Uhr Stunde nicht hingegangen.

So bin ich um diese Zeit von St. Pölten nach Wien gefahren, habe am Donnerstag die Demo, beziehungsweise das ÖAAG-Reflexionstreffen zu dem ich gegangen wäre, versäumt.

Am Freitag hat  Reinhard Kaiser-Mühlecker sein neues Buch im Literaturhaus vorgestellt. Da wäre ich hingegangen und das habe ich versäumt und am kommenden Montag hätte ich in Cafe Westend gehen wollen, wo Luis Stauber und Erika Kronabitter ja eine monatliche Lesereihe haben und, wo ich  auch einmal lesen werde.

Sonst weiß ich gar nicht so genau, was ich versäumen werde, denn am Donnerstag fängt ja Leipzig an, wo ich mich aufs „Blaue Sofa“ setzen werde und ansonsten eine längere oder kürzere Veranstaltungspause machen, was ich ja auch schon einmal ausprobierte, um mehr selber schreiben zu können.

Mal sehen, wie es mir damit geht und, ob mich jemand vermißt? Was ich eigentlich, wenn ich auf meine Suchanfragen gehe, mir schon vorstellen kann, ich bin gespannt.

2019-03-15

Nennen wir ihn Rumpelstilzchen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
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Jetzt kommt ein Buch, das ich eigentlich noch nicht lesen sollte, denn Doris Kloimstein hat mir ihre „Geschichten vom Literaturstammtisch“, die sie gemeinsam mit Ingrid Schramm und Edwin Baumgartner im „Goldegg-Verlag“ herausgegeben hat, erst am vorigen Samstag am Markt von St. Pölten übergeben und da hatte ich schon eine Anzahl von Büchern auf meiner Leseliste, die ich vorher lesen sollte, aber dann sind wir ja am Sonntag auf die Rudolfshöhe gegangen. Ich bin gestürzt, mit dem Hubschrauber ins LKH St. Pölten geflogen und habe mir vom Alfred, die Bücher dorthin bringen lassen, die ich von der Leseliste in St. Pölten hatte hatte. Eines war ein E-Book, aber das Internet hat auf dem Laptop nicht funktioniert und was tut man in einem Spital? Man döst vor sich hin oder liest. Ein Fernsehtyp bin ich ja nicht, das Internet funktionierte nicht und meinen Laptop kann man nicht mehr schließen, so daß mir der Alfred zwar einen brachte, auf dem ich aber nur das Internet hätte  benützen können.

Also habe ich den „Stotterer“ ausgelesen, den man aber erst am zwanzigsten März besprec hen darf. Das ist der Tag, an dem wir eigentlich nach Leipzig fahren wollten.  Vorher hatte ich ein Veranstaltungsprogramm geplant, jetzt gehe ich zwar in meiner Praxis-Wohnung herum, aber eher nicht aus dem Haus, also habe ich noch eine Woche mit Rezensionen zu füllen und nach dem „Stotterer“ war Livia Klingls „Biedermayern“ und Martin Amanshausers „Es ist unangenehm im Sonnensystem“ zu lesen, was eher schnell ging, also ließ ich mir von der Anna den „Literaturstammtisch“ mitbringen und das war wahrscheinlich auch eine passende Idee, denn Doris Kloimstein ist ja jetzt St. Pöltnerin und eine Frau im Zimmer wohnt im gleichen Ort, wie der <meister Eder, der in dem Buch auch vorkommt, aber es ist keines das sich nur auf die St. Pöltner Literatur bezieht, so groß ist die gar nicht könnte man munken, sondern jeder der drei Autoren hat seinen eigenen Beitrag zur Sache beigesteuert.

Da ist einmal Ingrid Schramm, von der, glaube ich, auch die Idee zu dem Buch kam, die im österreichischen Literaturbetrieb tätig ist und von der ich schon ein Buch gelesen habe und die hat ihre Anekdoten, dem Literaturbetrieb nach 1945 gewidmet, also vom TorbergWeigl Boykott gegen Berthold Brecht und den Streit der beiden damaligen Literaturförderer Weigel und Hakel geschrieben. Sie schreibt von der „berühmtesten Ohrfeige“ Wiens, die die Schauspielerin Käthe Dorsch Hans Weigel einmal gegeben hat, weil er sie zu scharf kritisierte und das namensgebende „Rumpelstilzchen“, behzieht sich auf Thomas Bernhard, so würde ich diesen gar nicht betrachten, aber man kann über ihn und seine Preise und seine Schimpfereien natürlich viel erzählen.

Sie erzählt von Adrienne Thomas Jugendbüchern und ihrem „Kathrin wird Soldat“. Die, die sich auf den zweiten Weltkrieg beziehen, hat sie dabei ausgelassen, aber man kann  in einem zweihundert Seiten Buch, das man sich noch mit zwei Mitautoren teilt, nicht über alles schreiben. Dann gibt es Einblicke in die „Bachmann-Verhinderung“, die sehr interessante Tatsache, die ich nicht wußte, nicht in den PEN aufgenommen wurde. Und dann gibt es vielleicht gar nicht so zum Thema passend eine Geschichte über James Baldwin und sein berühmtes „Ich bin nicht ihr Neger“.

Einen „Jüdischen Antisemiten“ gibt es auch, das ist der Kabaretist Gerhard Bronner und dann vielleicht auch nicht zum Thema passend, aber sehr interessant, ein Kapitel über den Opernführer Marcel Prawy.

„Doch!“, werden die Autoren jetzt wahrscheinlich sagen, denn alle drei sind sehr Musik- und Opernaffin und Doris Kloimstein hat auch einen Text über Prawy geschrieben und wenn man jetzt zu Feuilletonredakteur Edwin  Baumgartner übergeht, der Musikwissenschaften studiert hat, so kann man verallgemeinern, daß seine Anekdoten von nicht so bekannten Dichtern handeln und bei einigen bin ich mir auch nicht sicher, ob es die Dichter, die beispielsweise nie ein Wort geschrieben haben, aber ihre Romane hervorragend erzählen konnten, wirklich gegeben hat.

Er berichtet aber auch von der „Axt des Michael Guttenbrunners“ und den hat es gegeben und ich war zumindestens bei seiner Gedenkveranstaltung in der „Gesellschaft für Literatur“.

Er erzählt von einer Lesung, wo einer eher herumstottert, dann kommt ein Besucher, der wie Peter Handke ausschaut und alle sind gebannt und Doris Kloimstein, die ich bei einer GV-Nö Regionalversammlung, als ich in St. Pölten wohnte und nach Wien pendelte, kennenlernte, gibt natürlich ihr Wissen über den St. Pöltner Literaturbetrieb und ihre Verletzungen und Kränkungen, die sie dort erlebte, wieder. So hat sie ja die Zeitschrift „Etcetera“ gegründet, bekam dann aber einen Brief, daß das angeblich ein anderer getan hat und mit einer von ihr nicht namenlich genannten Leiterin einer literarischen Gesellschaft hat sie sich auch zerstritten.

Doris Kloimstein ist Mitglied des PENs und da im Frauenvorstand sehr aktiv, oder zumindest war sie das, denn der Literaturbetrieb ist ja ein Intrigantenstadl, so daß ich wahrscheinlich froh sein kann, daß ich von ganz außen lustig vor mich hinblogge. Da werde ich zwar literarisch nicht ernst genommen, bekomme keinen <platz in einer Literaturwohnung, aber ich werde nicht hinausintegriert, weil wo nichts ist, kann man ja nicht holen, trotzdem werde ich, Leser hört her in dem Buch namentlich, allerdings nicht ganz richtg erwähnt, denn ich habe die „Schreibgruppe“, zu der Doris Kloimstein dazugestoßen, nicht gegründet.

Das waren schon Ruth Aspöck, Robert Eglhofer und Ingeborg Reisner, weil der Robert, als er nicht mehr in der Litges war, die eine Schreibgruppe hatte, eine solche brauchte.

Ich bin erst später zu ihr gestoßen, bin aber, wie die Ruth bei der GAV und diese Zweiteilung der österreichischen Autorenversammlungen, ist ja auch sehr interessant und füllt  auch schon ganz Bücher, obwohl es um die GAV inzwischen eher ruhig ist.

Ein interessantes Buch also mit dem man ein bißchen in den heimischen Literaturbetrieb hineinschnuppern kann, wenn man mehr darüber wissen will, sollte man allerding die Originale oder Biografien lesen und das habe ich ja auch getan, bin ich ja, in der Literatur sehr bewandert und habe auch meine Anekdötchen zu erzählen, obwohl mir das niemand so recht glauben will.

2019-03-14

Schiff oder Schornstein

Filed under: Bücher — jancak @ 00:31
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Jetzt kommt schon die Frühjahrsproduktion der „Kremayr & Scheriau-Literaturschiene“, diesmal war ich etwas schneller, nämlich Andrea Stift, die sich jetzt Stift-Laube nennt, neuer Roman, „Schiff oder Schornstein“, das ich, glaube ich, für eines ihrer besten Bücher halte, obwohl es keinen wirklichen Plot, aber sehr eindrucksvolle Szenenschilderungen hat.

Ich bin ja vielleicht sowas, wie eine Andreas Stift Expertin, jedenfalls habe ich sehr viel von ihr gelesen und ich habe sie auch über meinen Blog kennengelernt und da hat sie mich einige Zeit sehr intensiv begleitet. Denn als ich zu Bloggen angefangen, war der Otto eine Zeitlang mein Follower, der hat Literaturzeitschriften gelesen, wo Andrea Stift ihre Texte hatte, er hat darüber gebloggt.

Ich habe dann auch einmal ihren Namen erwähnt, um zu schauen, ob das funktioniert, daß man so die Leute auf seinen Blog bekommt?

Damals hat es, heute glaube ich nicht mehr, Andrea Stift ist dann auch in die GAV gekommen, ich habe sie persönlich kennengelernt, sie hat bei den „Mittleren“ gelesen, ich einmal mit ihr in der „AS“ und „Ohrenschmaus-Jurorin“ war sie eine Zeitlang auch, dann Sekreätrin bei den „Mansuskripten“, jetzt ist sie das bei den „Lichtungen“ und ihr neues Buch geht über den Umweltschutz, beziehungsweise den Umgang mit Tieren.

Ein sehr aktuelles Thema, wie man an den Aufregungen um Greta Thunberg und den Freitagsdemonstrationen der Schüler sehen kann und Andrea Stift tut das auch auf sehr gekonnte ironische Art, die sehr deutlich, den ambivalenten Umgang zeigt, den wir mit Tieren haben.

„Franzi ist verschwunden“, lautet der erste Satz im Klappentext und auch das ist sehr originell, denn diese Franzi taucht im Laufe des Buches nicht mehr auf. Es wird über sie nur von ihrer Schwester Ila und ihrem Freund Konstantin erzählt.

Franzi und Ila sind Arzttöchter und Tiere spielen bei ihnen eine große Rolle. Ila hat eine Katze, die als sie trächtig ist, der Vater nicht mehr haben will. So zieht sie zu der umweltbewußten Großmutter, die zwar Schnecken tötent, beziehungsweise sie als Delikatessen zubereitet, aber sonst sehr umweltbewußt ist und die beiden Schwestern sind das auch.

Franzi wird Umweltschutzaktivistin und reist daher, um Tiere zu retten, um die Welt, von daher kommt auch der Titel, obwohl ich den nicht ganz verstanden habe.

„Schiff“ ja, mit dem „Schiff“ kommt man in die Anarktis und zum Südpol. Aber wieso man beim Umweltschützen einen Schornstein braucht, weiß ich nicht so genau oder doch, denn der Vater wird, als er gestorben ist, verbrannt und das verbraucht offenbar so viel C02, daß sich die Töchter dafür schämen und die umweltschonenste Art ist, wie Andrea Stift ironisch schreibt, keine Kinder in die Welt zu setzen.

Franzi wird also Umweltschützerin. Ila arbeitet am Tag im Bioladen, in der Nacht in einem Tierasy, dort päppelt sie zum Beispiel Igel auf und wenn sie sie dann freiläßt, werden sie wahrscheinlich auf der Straße überfahren und Lucky, die Katze, deretwegen Ila zur Großmutter zog, bringt ihr immer alle möglichen toten Tiere ins Haus und als Kind mußte sie auch einmal zusehen, wie ein Frosch explodierte.

Es geht auch, um das Fleisch das man essen soll oder nicht und um vieles andere mehr. Und das wird sehr plastisch von Andrea Stift beschrieben und dann verschwindet Franzi, und wie schon geschrieben, das wie und warum und wohin erfährt man nie so genau.

Ila gibt irgendwann ihre Todesanhzeige auf und gründet mit Konstantin, das ist der Freund Franzis mit dem sie einmal in einer Hofgemeinschaft lebte, eine Kunstaktkion, bei der sie um die Leute vom Fleischverzehr abzubringen, Katzenfleisch vermarkten wollen.

Das ist auch so eine Idee Andrea Stifts und vielleicht auch nicht sehr genau beschrieben, der Clou ist aber und das ist originell, die Chinesen springen darauf an, wollen das Patent aufkaufen und das Fleisch vermarkten und die Beiden könnten lebenslang sehr reich werden und fortan nur mehr teures Bioessen kaufen. Ila widersteht, Konstantin nicht und Franzi wird nie gefunden.

Man hat aber, wenn man das Buch gelesen hat, sehr viel über den Umweltschutz erfahren, kann sich seine Gedanken darüber machen und Katzenspuren gibt es in dem Buch immer wieder auch.

2019-03-13

Es ist unangenehm im Sonnensystem

Filed under: Bücher — jancak @ 18:44
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Jetzt kommt passend zum Monat der „Lyrik im März“ ein Gedichtband aus dem „Kremayr & Scheriau-Verlag“, des 1968 geborenen Martin Amanshauser, von dem ich schon drei Bücher gelesen habe, „Alles klappt nie“, „Nil und die „Amerikafalle“ und der in Salzburg geborene Sohn des alten „Residenz-Autors“ Gerhard, ist sicher ein interessanter Mensch, Autor, Übersetzer und Reisejournalist.

Begonnen hat er, glaube ich, mit Romanen im „Deuticke-Verlag“, da habe ich  einen im „Standard“ gewonnen und würde ihn, ähnlich wie Radek Knapp, als eher skurillen Autor, etwas, was ich ja nicht so besonders mag, einschätzen, dann hatte oder hat er, glaube ich, im „Kurier“ eine Reisekolumne und richtig, um die lyrische Seite nicht zu vergessen, ein Buch mit dem provokanten Titel „100.000 tausend Exeemplare“ gibt es auch.

„Es ist unangenehm im Sonnensystem“, Gedichte der letzten zwanzig Jahre, ist der Nachfolger davon, steht im Buchrücken, ich war einmal in der „AS“, als es um das Reisen ging und habe im letzten Jahr „Die Amerikafalle“ gelesen, die in meiner Familie sehr begehrt war.

Jetzt also Martin Amanshausers Lyrik und das, die eine ganz Besondere ist, geht wahrscheinlich aus dem vorher Geschriebenen hervor.

Oder  doch nicht so ganz, denn wenn man jetzt meinen könnte, Jandl und Mayröcker wären dem Dichter fremd, der irrt gewaltig, ist in dem Buch doch auch der Text enthalten, der er für die Anthologie geschrieben hat, die Erika Kronabitter zum neunzigsten Geburtstag der „Fritzi“ herausgegeben hat und da beschreibt er, daß er eine Zeitlang immer in das Gasthaus essen ging, in dem sie ihr Mittagessen einnahm, sich an ihren Tisch setzte und zu dichten begann.

Sagt auch etwas aus, über den Sohn des Gerhard Amanshauser, der sich leicht und locker scheinend in mehreren Sparten des Literaturbetrieb herumtreibt.

Es gibt neun Abteilungen, die Erste lautet „Kein Roman vom armen M. A. und ist auch schon so eine witzig skarastische Anspielung an den Literaturbetrieb.

„Dabei bezahlen sie mir den Roman besser als das Gedicht.

Nur schreibt er sich mühsam. Ich schreib wieder grad keinen.

Reime so rum, fürcht mich, werd langsam ein bisschen alt.

Und alle fragen mich nach einem.“, lautet  die letzte Stropühe, geschrieben in Friedrichshafen am 9. 8. 18.

Da ist dann auch „Rudis Beisl“, das Gedicht zu Ehren der F.M. enthalten, ein „Friedgedicht“ gibt es auch.

Die Zweite heißt „Ich hätte meinen Schmerz am liebsten idiotisch und unter jedem Abteilungsanfang gibt es eine Zeichnung, wo ein Mensch auf einem Sofa liegt, sitzt oder kauert. Was das bedeuten soll, hab ich nicht ganz verstanden, aber beim liegenden und lesenden Mann geht es, um den Schmerz:

„psychischer Schmerz, oh psychischer schmerz.

Ich hab dich satt, ich hätte so gerne

den anderenden körperlichen schmerz“, lautet hier der Anfang von „Wenn der Schmerz kommt“.

Dann gibt es eines, das „mit dem schmerz abendessen“ heißt. Ganz schön passend, wenn man das Buch, wie ich mit einem Gips im Krankenbett gelesen hat, aber das konnte Martin Amanshauser, den ich gelegentlich bei Veranstaltungen treffe, nicht wissen und so gehe ich  weiter zu

„(3)Heimische Investoren und Immo-Entwickler“, zugegeben ein ungewöhnlicher Name für eine Gedichtkapitel, aber M.A. ist ja auch ungewöhnlicher Dichter, das habe ich schon festgestellt und hier steht der Mann am Sofa auch am Kopf und wieder erstaunlich „die gedichte müssen kommen,“ lautet da das erste Gedicht, ist Julya Rabinowich gewidmet und beginnt

„die gedichte müssen kommen

war der steinharte gedanke

des österreichischen lyrikers

in seinem dichterzelt

im alpenvorland“.

Also wieder Kiteraturbetrieb, trotz des eher technisch wirtschaftlichen Titels, aber auch Dichter

„wollten ihr honorar sehen

verrechnen 13% umsatzsteuer

sie tranken ihre weinflaschen leer“

geht es gleich weiter.

Es gibt ein Gedicht das „Ein Cornflake lang“ heißt und eines mit dem Titel

„ich spreche Deutschland

Eine Roma-Frau sagt mir:

Ich spreche Deutshland.

Aber nur klein.“ So schade“.

Martin Amanshauser ist also ein vielseitiger Lyriker und haut in seinen Abteilungen viel hinein, bleibt aber wieder bei der Literatur und bei der Frage „wieso ich lieber lyrik als romane schreibe“.

Man sieht, dem kommen wir nicht aus.

„Ich möchte niemals sterben.Gott behüte“, heißt die nächste Abteilung, da sitzt der Mann im rechten oder linken Eck und beginnt mit einem „jambus“ und geht zu „Die Milch wird kalt im Kühlschrank“ über.

Dann gibt es das Titelgedicht oder das, was daraus wurde, nämlich „Kafkas Callshop“.

„Kafkas Callshop ist das Buch nach 100.000 Exemplaren

Kafkas Callshoü heißt der Supermarkt, in dem ich vegetier.

„100.000“ hieß ein Buch vor Jahren,** Kafka-Callshop-Exemplare

drucken sie nach dieser Schaffenspause nur noch vier,

oder zwölfudachtzig?“

Mit dem „Das Mondkalb singt diesen traurigen Song“ geht es weiter, das gibt es das „Mensch-Müsli“

„Mensch Müsli, komm im Mai zu mir und mach mich

zu einem Amans-Schopenhauser jeden Tag.“, heißt es da, wieder skurril komisch anspielend.

„ringelnatz und morgenstern“ werden auch erwähnt

„morgenstern und ringelnatz

dichten voll erbittert

demolieren den arbeitsplatz

morgenstern:er twittert.“

Ob das die großen Vorbilder sind?

Vielleichtm denn das nächste Poem heißt

„palmenström traf malmström

verkehr war gut

pulver, kondome

und lippenblut“

Der an hochgeistige Lyrik, wird sich hier wohl etwas schwer tun, kann aber zu Abteilung 6 weitergehen. Wo es heißt:

„Unterwegs zu sein reduziert das Risiko keinen Lebensauf zu haben“

Da sind wir  schon beim Reisen. Es gibt ein Gedicht, das in „Altaussee“ geschrieben wurde, eines das „Sudoku in Warschau“ heißt und ein „cable car gibraltar“ genanntes.

Sieben heißt „Die tiefsten Enttäuschungen sind mir zu heavy, zu arg“, da widmet sich eines den „facebook gedichten, den googhle  tänzen und den  whatsapp oden“, also ganz schön modern und in Lisabonn, im August 2018 wurde das Gedicht „Dichter sein“ geschrieben.

„Ein Dichter sein, das bedeutet größer zu sein,

die Menschen zu überragen. Zuzubeißen

wie jemand, der küsst.“

Also ganz schon überheblich, der M.A, könnte man ihm unterstellen.

Also gehen wir zur „Letzten Lockerung“ über.

Da gibt es einen „jandlversuch“

„findest du dich ich?

sagen se zu dich ich?“ zu

(9) Wieso ein Tierarzt selbstverstänlich ein Tier sein muss“ über und wir haben einen interessanten Rundgan durch Martin Amanshauser Lyrik der letzten zwanzig Jahre gemacht, ein bißchen über Literatur und vielleicht auch über seine Vorlieben, seine Gedanken und Charakterzüge erfahren.“

Wie gesagt, die Hardcorelyrikfans werden vielleicht die Nase rümpfen. Die Psychologin findet das Ouvre des Sohnes eines bekannten Dichters, sehr interessant und ist gespannt, was sie von A. M. noch  alles lesen wird.

2019-03-12

Biedermeiern

Da ich die nächste Zeit infolge meines Knöchelbruchs vom Sonntag derzeit nicht auf die Donnerstagdemos gehen kann, passt das folgende Buch, nämlich Livia Klingls „Biedermeiern“, das ich im Krankenhaus von St. Pölten gelesen habe, ganz besonders, geht es da doch um die Facebookeintragungen, der 1956 in Wien geborenen Journalistin und Publizistin, die, glaube ich, seit ihrer Pensionierung auch Romane schreibt, die sie schön mit Zeichnungen garniert, Strache, Kurz und co sind da zu sehen, seit sechzehnten Oktober 2017, einen Tag nach der Wahl, die uns die zweite schwarz blaue Regierung bescherte, begonnen hat.

„Biedermeiern – politisch unkorrekte Betrachtungen“, heißt das kleine im Stil einer altmodischen Tapete, mit dem kleinen Guckloch in der Mitte aus dem Kurz und Strache mit einer Zigarette herausschauen, gestaltete Büchlein, das Livia Klingls Facebookeintragungen bis zum vierzehnten November 2018 wiedergeben.

„übrigens: an diesem Wahlergebnis sind die INländer schuld! na gut, dann werde ich eben biedermeiern lernen, diesen Rückzug ins private, weil das politische nicht dem entspricht, was es sein sollte: zukunftsmutig statt zukunftsverdrossen. viel glück, euch wählern und innen, mit der neuen truppe!“, heißt es etwa am ersten Tag.

So sollte es natürlich nicht sein und ist es auch nicht, denn es gibt ja Livia Klingls Facebookeintragungen, die Donnerstagsdemo und am Samstag eine Großdemonstration, die ich leider versäumen werde, die „Omas gegen rechts“, die den Unmut der deutschen Patrioten erregen und noch vieles andere und so schauen wir uns kurz oder eher lang durchs Buch, um nicht mißverständliche Assoziationen zu wecken, um den Wiederstand  zu stärken.

Sebastian Kurz, der ja nach wie vor eher wie ein Schüler, als ein Bundeskanzler ausschaut, wird kurz oder lang „Bubenkanzler“ genannt und am vierten Tag heißt es wieder bündig „ich höre dauernd „ich will nicht ins rechte eck gestellt werden“ ganz einfach: dann stell dich nicht dorthin!“, während die Botschaft von Tag 24 lautet „früher hatte ich keinen respekt vor politikern, weil ich jung und ahnungslos war. heute hbe ich keinen, weil die jung und ahnuingslos sind.“

Das wurde am neunten November 2017, also an meinem Geburtstag geschrieben, wo ich wieder auf der „Buch-Wien“ war.

Am 17. November17 wird geschrieben „am effektivsten in österreich ist das burka-gesetz. hab`schon ewig keine gesehen. genau genommen seit 2002, seit ich aus afghanistan zurück bin.“

Ja so ist es mit dem „getrübten“ oder sehr verschiedenen Blick, je nach dem von welcher Seite man das Ganze betrachtet und ich kann hinzufügen, in der „Unsichtbaren Frau“ geht es auch, um das Verschleierungsverbot, das ja im Oktober 2017 kurz vor der Wahl eingeführt wurde, um die Wähler wahlfreudiger zu stimmen.

Am achtzehnten Dezember, am Tag der Regierungsangelobung, gibt es die Gesichter „der Regierungsmitglieder, also die, die mir irgendwie aufgefallen sind“ und am 24. Dezember die Karrikatur der „Ersten Weihnachtsansprache des neuen im Kanzleramt“

„biedermeinr, tag 78“, dem ersten Jänner 18, lautet „meine wünsche sind bescheiden. ich hätte gern ein weiches ei und weltfrieden“.

Das erste ließ sich sicher erfüllen, das zweite höchstwahrscheinlich leider nicht und dann setzt sich „die neue Regierung gleich ins schloss seggau und setzt den sparstift an“

Am 9. Jänner heißt es lapidar „liebe junge, erwerbt eigentum! was sonst können wir euch wegnehmen, wenn ihr  mit 50 ausschuß am arbeitsmarkt seid? euer Sebi“ und am 23. April ätzt Livia Klingl „der praterstwern ist lebensgefährlich. aber kabul ist ein sicherer herkunftsort, auch für die, die gar nicht aus kabul kommen“

Das Eine bezog sich auf die Reform der Minderssicherung, das Zweite auf den Praterstern, als Hochsicherheitszone und am 24. Mai wird es etwas friedlicher, denn da heißt es „baba mei Buagamasta-Michael Häupl geht nach einem vierteljahrhundert.“

Am Tag 323 , dem zweiten September, wird es wieder sarkastischer „ehrlich gesagt waren mir die zeiten lieber, als viele wenigstens so taten, als wären sie zivilisiert“.

Mir auch, obwohl, wenn es am Tisch liegt, weiß man was gespielt wird und kann darauf reagieren.

Am 22. September gibt es ein eher „angefressenes Konterfei des neuen Bürgermeisters, mit der Unterschrift „herr Ludwig kann seine  begeisterung über die neue spö-chefin kaufm verhehlen“, denn da es gab es bei der SPÖ einen Führungswechsel, Ex-Kanzler Kern hat sich verabschiedet, Pamela Rendi-Wagner ist ihm nachgefolgt und muß sich in der >Männerriege durchsetzen lernen.

Und am Tag 357 heißt es „ein pferd ersetzt zehn beamte“, sagt herr Strache und ich frage mich: wobei“, das bezieht sich auf die berittene Polizei, die sich Minister Kickl wünschte und am Tag 361 heißt es „liebe österreicherinnen und österreicher, ich bitte euch, ruhig zu bleiben und nicht in panik zu geraten, nur weil frauen jetzt auch frauen heiraten dürfen und männer männer. niemand wird dazu verpflichtet! es gibt keinen zwang! ich selber machs ja zum beispiel auch nicht. euer fiktiver <kanzler“

Am 31 Oktober heißt es „habe gelesen, der 1. november wird aus rücksicht auf die muslimische minderheit in Allaheiligen umgetauft (wer aller  schnappt jetzt gleich über?)“ und wir sind durch ein Jahr schwarz türkis blau gegangen.

Ein interessantes Buch, denke ich, die Facebook-Nachrichten werden wahrscheinlich weitergehen, wir haben ja inzwischen schon März 2019 und da ist inzwischen viel geschehen und wem es interessiert, in der „Viertagebuchfrau“, habe ich die ersten hundert Tage von schwarz-blau eins beschrieben und wer es aktueller haben will, dem ist Michael Ziegelwagners „Sebastian, Ferien im Kanzleramt zu empfehlen.

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