Literaturgefluester

2019-04-13

Herrschaft der Niedertracht

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Jetzt kommt wieder was Politisches, bin ich ja auch, wenn das der liebe Uli nicht so gerne haben will, sehr gesellschaftlich engagiert, war das schon immer oder als Tochter eines sozialistischen Parteifunktiönärs, die in einem der typischen alten Gemeindebauten aufgewachsen ist, eigentlich schon sehr lang, obwohl das erste Mal, als ich wählen durfte, habe ich das aus Prostest gegen meinen Vater mit der ÖVP getan, ja mit neunzehn oder über zwanzig, ist man noch jung und dumm und dann war ich auch kurz SPÖ-Mitglied, weil ich da genauso kurz bei den „Kinderfreunden“ gearbeitet habe und da mußte man das, wenn man angemeldet werden wollte, sein.

Danach bin ich wieder ausgetreten,  habe begonnen beim „Volkssstimmefest“ beim „Linken Wort“ zu lesen und berichte auch hier, obwohl das ja vorwiegend ein literarischer Blog ist, gelegentlich über gesellschaftspolitisch Relevantes und gebe hier auch meine politischen Glossen ab.

Literarisch schreibe ich auch sehr politisch, so habe ich in der „Vier Tagebuch-Frau“ die ersten hundert Tage von schwarz blau,  im Jahr 2000 beschrieben, im „Bibliotheksgespenst“, liest meine Heldin dann das Buch in der Hauptbibliothek, während draußen schon für schwarz- blau gerüstet wird und das habe ich dann auch in der „Unsichtbaren Frau“ beschrieben.

So lese ich neben dem Literarischen auch immer gerne was Politisches, mein Lesegeschmack ist ja ohnehin sehr breit und immer über den Tellerrand hinausgehend und da ist ja auch in der letzten Zeit sehr viel erschienen, von wo mir wahrscheinlich nur ein Bruchteil zu lesen gelingen wird.

Aber kaum war ich aus dem Spital wieder draußen und habe „Morgenjournal“ oder „Leporello“ gehört, wurde dort RobertMisiks neues Buch besprochen und die Videos des 1966 geborenen Journalisten sind mir auch schon lang bekannt.

Gelesen habe ich, glaube ich, noch nicht sehr viel von ihm, wohl aber damals im Ulm als dort „Thalia“ abverkaufte, dem Alfred eines seiner Bücher um einen Euro gekauft und im Herbst war ich auch im „Kreisky-Forum“ bei einer Veranstaltung, die sich „Die rohe  Bürgerlichkeit“ nannte, die von ihm moderiert wurde und dieser Ausdruck wird auch in dem eher dünnen schwarz gecoverten Büchlein gebraucht.

„Herrschaft der Niedertracht“ oder auch die „Sprache der Gewalt“, sind Themen, die mich sehr interessieren, denn ich habe mich ja auch für den „Van der Bellen- Hofer- Wahlkampf“ sehr interessiert und da angefangen, die diesbezüglichen Facebookseiten zu lesen und bin da auf die ersten Haßkommentare meines Lebens gekommen.

Später kamen die dann  auch der Uli zu mir und ich habe angefangen, mich auch dafür zu interessieren, um herauszufinden, was jetzt ein „Troll“ und was ein „Glaubenskrieger“ ist?

Ich lese den Blog des Ulis, seit es ihm gibt und kommentiere ihm auch regelmäßig, weil, ich glaube, daß es sehr wichtig, ist, daß man das, was die Rechten posten, um die Welt auf ihre Seite zu ziehen nicht unwidersprochen stehen lassen darf und Robert Misik setzt sich in seinem neuen Buch, einer „Streitschrift“, wie er es nennt und die den Untertitel „Warum wir so nicht reagiert werden wollen“, gibt, auch damit auseinander oder eigentlich tut er das, wie der Untertitel schon verrät mehr mit der neuen österreichischen Regierung und versucht das nach der  Einleitung in sieben Kapitel, von denen das Erste bezeichnenterweise den Titel „Klimakatastrophe“ trägt und da geht es, um nicht mißberstanden zu werden, nicht um Greta Thunberg und den Widerstand, den sie mit ihren Schulstreiks auslöst, sondern eigentlich, was mich anfangs etwas erstaunte, um Gemeinplätze, werden da doch Zitate an Zitate gereimt, die mir, der politischen Aktivistin, die bis vor kurzem zu den Donnerstagsdemonstrationen gegangen ist und das nach Ostern wieder tun will, schon bekannt erschienen.

Es geht um den Sozialabbau, den Köchinnen die gekündigt werden, weil sie nicht zwölf Stunden arbeiten wollen oder können, weil die Kindergärtnerin dann vieleicht schon nach Hause gegangen ist und die Kinder alleine vor der Kindergartentüre stehen würden. Es geht um die abgebauten NGOs und, daß das Geld zwar den Mindestsicherungsbeziehern weggenommen, dafür aber den Schönheitschirurgen zugesprochen werden soll, etcetera.

War also vielleicht ein klein wenig enttäuscht vom erstten Kapitel und habe gedacht, das weiß ich doch schon alles und habe das längst mit dem Uli durchdiskutiert, aber der glaubt mir das sowieso nicht und hält, glaube ich, die ÖVP für rechtsradikal, zumindestens wenn ich ihm ein Video schicke, wo auf Krone-TV halbwegs objektiv duskutiert wird.

Dann gehts aber gleich zu Kapitel zwei und seiner Einschätzung über Sebastian Kurz und das ist interessant, weil er ihn für eine Kunstfigur hält, heißt es doch da gleich in der Überschrift. „Der Kunstfigur Sebastian Kurz kann man nichts vorwerfen, seine Werte verraten zu haben, denn er hatte ja nie welche“.

Das habe ich so vielleicht nicht ganz so gesehen, würde Herrn Kurz für eher machthungrig halten und offenbar für genial begabt, daß er das mit so jungen Jahren so erfolgreich durchsetzen konnte. Daß man dafür seine Emotionen beherrschen muß, ist klar und einige Sager, wie die von den „Kindern, die in manchen Familien die einzigen sind, die morgens früh aufstehen müßen!“, halte ich für arg.

Denke, daß er wahrscheinlich sehr früh aufstehen wird, um zu seinen Terminen zu recht zu kommen. Das ist aber der Preis für seinen Erfolg und wenn ich keine Arbeit habe, ist es wenigstens ein Luxus, Zeit zu haben. Aber schlafen werde ich dann wahrscheinlich auch nicht gut, weil ich ja angsichts der Neiddebatten, um mich herum, schon längst Schlafstörungen haben werden.

Da sind wir dann schon beim nächsten Kapitel, wie denn der Rechtspopulistmus funktioniert?

Nur so, daß die Armen auf die, die noch ärmer sind, hinuntersehen. Die ÖVP- FPÖ war bei der letzten Wahl offenbar deshalb so erfolgreich, weil sie den Leuten, die vorm Abstieg Angst hatten, einredete, man müßte die bösen Ausländer ausweisen, damit sie einem nicht die Arbeit und die Sozialleistungen wegnehmen. Fakt war dann, daß dann schon in der ersten Woche nach der Wahl, die ersten Klientien zu mir kamen und mir von ihrer Angst erzählten, daß ihnen nun ihre Wohnung, ihr Auto und ihr Sparbuch, durch die neue Form der Mindessicherung weggenommen werden würde.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich also mit dem „Neuen Autoritarismus an der Macht“ und über den wundere ich mich schon länger, wenn ich beispielsweise in der Früh „Morgenjournal“ und zu Mittag beim Kochen das „Mittagsjournal“ höre.

Die Angst ist ein guter Ratgeber und treibt die Wähler in den Wahlkabinen dazu, die radikalen Parteien zu wählen, auch wenn sie dann, wie sich später herausstellen wird, die ersten Verlierer sind.

Dieses Thema wird auch in den anderen Kapitel, die sich mitden „Radikalen Rechten“, beschäftigen, erläutert und am Schluß  heißt es wieder: „Warum wir nicht so regiert werden wollen!“

Das ist vielleicht eine links-sozialistische Verallgemeinerung, denn einige wollen, das, wie mir ja der Uli immer schreibt, noch immer.

Ich beispielsweise aber nicht und so ist die Frage, was man dagegen machen kann, wahrscheinlich besonders wichtig und die wäre, denke ich, sich zu währen, das Richtige wählen, damit die „Herrschaft der Niedertracht“ bald überwunden wird und wir wieder zu einem menschlicheren Migteinander kommen und, ich glaube auch, daß es sehr wichtig ist, mit den anderen zu reden und das ist auch der Grund, warum ich das immer noch und sehr regelmäßig mit dem Uli tue und ihm dieses Buch auch schon empfohlen habe und das auch weiterhin tun werde!

Livia Klingl „Biedermeiern“ und wahrscheinlich auch „No more Bullshit“ von Sorority ist aber ebenfalls sehr zu empfehlen.

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3 Kommentare »

  1. Liebe Frau Jancak,

    hier bringe ich Ihnen einen kleinen Einblick in den Osterspaziergang 2019, der heute am 13. April 2019 am Viehofener-See bei der Seedose, seinen Anfang nimmt, und zumindestens bis zum Bankerl im Osten des Sees für mich ein vorläufiges Ende nimmt. Ich war der einzige Mann in der Runde mit 6-7 Frauen, und ich fühlte mich so richtig das erste Mal als Hahn im Korb, was ich bereits fast einmal gewesen war! Es gab eine sehr ausgiebige Jause heuer, für die sich Frau Friederike kümmerte, die diesen Osterspaziergang heuer managte. Drei vier Frauen lasen einige kurze Texte bzw. Gedichte (Frau Gisela, u. ?) vor.

    Meinen Text: möchte ich Ihnen hiermit übermitteln!

    Tod und dann?

    Gisbert Greshake, ein katholischer Theologe, Dogmatiker und Priester, schreibt zum Thema „Tod – und dann?“ folgendes: „Jesus ist – nach christlichem Verständnis – in das „Reich des Todes“ hinabgestiegen, in das Reich, wo nach alttestamentlicher Überzeugung „Gott nicht gelobt wird“ und „Gott des Menschen nicht mehr gedenkt.“. So geht Gott selbst im Tod des Sohnes dem Sünder nach. Damit aber hört der Tod auf – wie Joseph Ratzinger treffend formuliert – „das gottverlassene Land der Finsternis, das Reich der erbarmungslosen Gottesferne zu sein. In Christus ist Gott selbst in den Bereich des Todes eingetreten und hat den Raum der Kommunikationslosigkeit zum Raum seiner Anwesenheit gemacht.“ In diesem starken und wahren Satz liegt bereits soviel theologische Weisheit, so dass der Tod als mir zu ernste Wahrheit gefühlsmäßig dargestellt ist, obgleich wir ihm nicht entrinnen können, und die Feststellungen der beiden Theologen mich zwar beeindrucken, aber trotzdem nicht ganz zufrieden stellen.

    Daher möchte ich darauf hinweisen, dass jeder Mensch, ob klein, ob groß, ob Dick oder Dünn oder anderswo, den Tod auch mal von der humorvollen Art zu betrachten möge, damit die Angst, die jeder Mensch zu bestimmten Zeitpunkten des Lebens sicherlich hat, sich diese vor dem Tod sich nicht so ausdrückt und auswirkt, dass einem nicht zuletzt die ganze Lebensfreude verloren geht, und ein wenig nach dem Motto des Heiligen Don Bosco, „Fröhlich-Sein, Gutes-Tun und die Spatzen pfeifen lassen“ zu leben. Da mit dem Tod das ewige Leben beginnt, wie etwa so:
    „Der Tod ist kurz, das Leben ist lang, dazwischen liegt der Viergsang!“ (4Xang) In dieser Situation möchte ich schließen mit dem saloppen vielleicht sogar literarischen Satz „Der Tod ist Pilot in den Himmel oder in die Hölle!“ Also – Gebt auf Euch Acht, damit ihr nicht in die „Hölle fliegt“, sondern dass ihr in den „Himmel pilgert“! 05.04.2019 17:12

    Liebe Grüße
    Ihr
    Manfred Lagler – regall

    Kommentar von Manfred Lagler - regall — 2019-04-23 @ 15:30 | Antwort

  2. Vielen Dank, ich war ja wie ich schon geschrieben habe, weil der Osterspaziergang diesmal schon eine Woche früher und zeitgleich mit der „Literatur und Wein“, an diesem Tag in Krems und Göttweig und fange jetzt, da ich den Gips heute früh hinunter bekommen habe, langsam an wieder zu Veranstalungen zu gehen und da gibt es am Freitag und am Dienstag zwei Spaziergänge im öffentlichen Raum, zu denen ich Sie, falls Sie in Wien sein sollten, herzlich einlade.
    Am Freitag ists im Rahmen der VHS Alsergrund und fängt um drei am Zimmermannplatz an, der zweite, am 30. April, beginnt vor dem Cafe Museum um drei und geht im wesentlichen die U2 entlang.

    Kommentar von jancak — 2019-04-23 @ 15:35 | Antwort

  3. P.S.: Heinz Holecek, der bekannte Sänger, Entertainer und WienerLiederInterpret ist an einem 13. April (im Jahre 1938) geboren und am 13.04.2012 (an seinem 74. Geburtstag) gestorben. Unsere Eckdaten sind noch nicht vollständig! Doch denkt daran, daß die Liebe auch noch im Herbst blühen kann! Danke für Ihre/Eure Aufmerksamkeit!

    Kommentar von Manfred Lagler - regall — 2019-04-23 @ 15:35 | Antwort


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