Literaturgefluester

2019-05-31

Das Schlangenmaul

Filed under: Bücher — jancak @ 00:45
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Jetzt kommt ein Krimi des 1944 geborenen und 1987 auf einer Autobahn verunglückten Jörg Fauser.

Jörg Fauser habe ich eigentlich für einen eher experimentellen sprachschöpferischen Autor, so ungefähr a la Marcel Beyer gehalten, hat ja Michael Köhlmeier, als er die Bachmannrede gehalten hat, sich auf ihn und den Veriß, den er als er in Klagenfurt gelesen hat, durch MRR erhalten hat, bezogen.

Gelesen hatte ich bisher noch nicht von ihm, aber zwei Bücher auf meiner Liste, die ich mir bei Abverkäufen gekauft habe, bei Thalia in St. Pölten und Würzburg wahrscheinlich und jetzt hat „Diogenes“, das  „Schlangenmaul“ wieder aufgelegt und ich bin daraufgekommen, das ist ja ein Krimiautor. Friedrich Ani hat das das Nachwort geschrieben und wahrscheinlich ist er nur ein halber oder ein satirischer, denn es gibt in dem Buch, das in Berlin in den Neunzehnachtzigerjahren spielt durchaus ungewöhnliche Elemente, Einfälle und Wendungen, obwohl die Handlung oberflächlich ganz banal ist und man sie wahrscheinlich hundertmal bei Agatha Christie oder sonst wo gelesen hat.

Das heißt, so ganz banal beginnt es doch nicht. Denn es taucht im ersten Kapitel ein Steuerfahnder bei Heinz Harder auf und mahnt ihn an seine Schuld und der ist ein abgehalfteter Journalist und dann wieder doch nicht, hat er doch eine Anzeige aufgegeben, in der er sich als „Bergungsspezialist für außergewöhnliche Fälle, was offenbar Fausers satirische Umschreibung für eine Detektivtätigkeit ist.

Als der Steuerfahnder verschwunden ist, meldet sich schon die erste Klientin, eine Nora Schäfer-Scheunemann und die sucht ihre verschwundene Tochter Miriam.

Das Besondere an dem Buch ist auch, daß  Fauser in die einzelnen Kapitel immer mit einem Handlungsvorsprung einsteigt. Das heißt, er ist in dem einen bei der Klientin, im nächsten steht er dann im Boxring und so weiter und so fort.

Eine weitere Besonderheit ist vielleicht auch, daß hier außer Whisky auch viel Milch und Kamillentee getrunken wird und das würde ich auch als das satirisches Element, das sich Lustigmachen über das Genre bezeichnen, denn eigentlich ist dieser Harder, der geschieden ist und eine Tochter hat, ein harter Bursch.

Es taucht aber auch seine Ex auf und mit ihr besucht er einen Klub, vorher hat er ein Bordell besucht und, als der Stuerfahnder bei ihm war, tauchte plötzlich eine nackte Frau aus dem Badezimmer auf, die ist eine thailändische Prostiuiterte und wird später ermordet.

Aber erst einmal sucht Harder ganz konventionell den Vater Miriams auf, das ist ein ehemaliger Baulöwe und Politiker, liegt aber jetzt in einer Entziehungsklinik gefangen.

Nora Schäfer-Scheunemann hat ihm auch ein paar Hinweise gegeben, beziehungsweise Namen genannt und Bilder gezeigt und einen Hinweis, daß sich Miriam in Berlin befinden könnte, gibt es auch.

Die Spur führt dann über das schon erwähnte Bordell zu einem Institut für physio-soziale Therapie. Da fragt man sich natürlich, was das ist?

Die Antwort ist wieder so ein Einfall wie der „Bergungsspezialist“, das Bordell heißt „Kamasutra“ und der Hinweis auf eine „Farm für freie Entfaltung“ gibt es auch.

Dort soll sich Miriam befinden und dort wird auch mit Schlangen hantiert und so schleust sich Harder mit seiner Ex zu einem Abend der offenen Tür dort ein. Eine Frau Doktor Frenkel-Ahisma hält einen Vortrag. Miriam, die sich jetzt Shiva nennt, tanzt in Trance mit einer Schlange und das Ganze führt, in Zeiten, wie diesen, höchst aktuell, wie  imKlappentext und am Buchrücken steht: „Hinein in das Berlin der windigen Geschäftmänner, illegalen Clubs und dubiosen Politik-und Finanzmachenschaften.“

Eine Morddrohung und ein abgebranntes Nachbarhaus, gibt es dabei auch,  Nuchali, die thailändische Prostituierte wird ermordet und einen Besuch beimPolizeirat Smetana und noch einige andere höchst dramatsche Wendungen, wie das Abhören durch ein spezielles Tonbandgerät, in Zeiten wie diesen auch höchst aktuell, gibt es auch, bis Harder Miram-Shiva wieder zu ihrer Mutter zurückbringt, aber die ist natürlich, wen wundert es, auch in die kriminellen Machenschaften verstrickt und Heinz Harder am Schluß des Buches. als spannende Wenung wieder Besuch von seinem Steuerfahnder bekommt.

Da liegt dann ein Scheck ausgestellt auf zwanzigtausend deutsche Mark am Küchentiscvh. Der Steuerfahnder will begierig danach greifen:

„Der ist leider faul“, sagte ich und zeriß den Scheck“, lautet der letzte Satz des Buches und man kann das Nachwort des Krimiautors Friedrich Ani lesen oder sich informieren, welche Bücher Jörg Fauser noch geschrieben hat.

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2019-05-30

Ausstellungstag und Donnerstagsdemo

Beim Augustin-Hoffest am Freitag hat es ja eine Tombola gegeben, bei der man Museums-beziehungsweise Ausstellungseintrittskarten gewinnen konnte und da wir vier Lose und zwei in der Farbe blau hatten, haben wir dann je zwei Eintrittskarten für die Ausstellung „Überleben am Land“  im „Hundertwasser-Museum“ sowie für die Austellung „Hysterical Mining“ im Museumsquartier und in der Kunsthalle am Karlsplatz, so daß der Christihimmelsfahrt-Feiertag nach dem ebenfalls sehr bildende Kunst lastigen gestrigen „AS-Besuch“ sehr kunstaffin wurde, bis es dann am Abend zur Donnerstagsdemo auf den Ballhausplatz gegangen ist und wir inzwischen eine neue Bundeskanzlerin bekommen haben, die nun bis zur Neuwahl im Herbst eine Expertenregierung bilden soll.

Ursprünglich wäre die Demo schon um vier am Heldenplatz gewesen, dann war aber das Wetter wohl zu schlecht dazu, so ist es um sechs am Ballhausplatz losgegangen und dort war es sehr voll. Gab es ja den Jubel, um den Abgang von Kanzler Kurz zu feiern und außerdem waren die Vengaboys mit ihrem Ibiza-Song angesagt.

Aber zuerst gab es einige Reden, die „Omas“ traten wieder auf und die Ungeduldigen schrien schon, „Wir wollen die Vengaboys hören!“

Es gab Transparente, der Alfi hatte wieder seine „Auge-Fahne“ da. Auch der Karl war gekommen und am Schluß rieselten die Konfettis und die Riesenbälle auf die Menge. Ich hatte mich inzwischen auf das Deserteurdenkmal zurückgezogen. Es gab eine tolle Partystimmung und auch sonst war am Ring  viel los, gab es da ja noch bis Ende Mai eine Fotoausstellung von Holocaustopfern, „Wider das Vergessen“ zu sehen. Vor dem Heldenplatz wurde das Fastenbrechen zelebriert und gleichzeitig eine Mahnwache abgehalten, weil die Portraits, vor denen Blumen lagen und Kerzen brannten, schon dreimal Zerstörungen ausgesetzt waren.

2019-05-29

Von der Revolution zu Michael Donhauser

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:30
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Vom „Doml-Workshop“, wo wir bis Kapitel drei von Alexej Tolstois „Schwestern“ gekommen sind, ich habe das Buch, da wir am Wochenende in Harland waren und ich auch noch ein Rezensionsexemplar aufzuarbeiten hatte, noch immer nicht angefangen, ging es dann wieder in die „Alte Schmiede“, wo gestern eine zweiteilige Veransgtaltungsreihe mit Michael Donhauser begonnen hat.

Kurt Neumann, der sich jetzt ja schon in Pension befindet, hat sie organisiert, „Gesellschaftsräume deer Literatur“ nennt sie sich und ich habe den ersten Teil wegen des Bruni-Memorian-Abends leider versäumt, habe von den 1956 in Vaduz geborenen, aber das Buch „Edgar“ gelesen, das ich auch einmal in der „AS“ bekommen habe und ihn auch dort und, ich glaube, auch einmal in Mürzzuschlag bei den Jandl-Tagen gehört.

Ein experimenteller, visueller, was auch immer Dichter und da hatte Kurt Neumann gestern Thomas Assinger aus Salzburg und Theresia Prammer eigeladen, die zu oder mit Michael Donhauser gesprochen haben und heute ging es um Videos beziehungsweise Fotografien.

Da wurden einige Videos, der in Zürich lebenden Judith Albert gezeigt. Das Erste zeigte in einer Endlosschleife, wie Milch in eine Schale geschüttet wurde und Michael Donhauser erzählte dazu etwas über die „Endlichkeit“. Den Text, den er dazu geschrieben hat, hat er aber nicht gelesen und das nächste Video zeigte Hände, die einen Donhauser Satz bildeten, während das dritte wieder Hände zeigten, die aus einen beweglichen Rahmen Muster und Verformungen bildeten.

Dazu gab es einen Text, der mich in seiner Beschreibung, an mein und Ruth Aspöcks „Kunst im öffentlichen Raum-Projekt“ erinnerten und beim Publikum, sowie bei Kurt Neumann eine rege Diskussion über die Beschaffung auslösten.

Dann kamen vier Fotografien, der in Wien lebenden Natascha Auenhammer an die Reihe und Michael Donhauser las dazu einen Text, der von psychodelischen Erfahrungen handelte.

Da ist er offenbar einmal in einem Gasthaus gesessen und konnte die bestellten Eiernockerln, weil die vorher eingenommenen Halluzinogene schon wirkten, nicht mehr essen, marschierte mit seinem Bruder und Freunden dann durch die Stadt Wien, rastete bei einem Würstlstand und die vier Fotografien von Natasche Auenhammer, die den Heldenplatz, das Michaelertor und zwei Skulpturen, darunter einen Blasengel, zeigten, hat ihn dann an dieses Erlebnis erinnert.

Spannend, spannend von dem sehr visuellen Text in der Spiritualität zu landen und ebenfalls sehr interessant wieder etwas von Michael Donhauser zu hören, bei dem ich jetzt schon länger in keiner Lesung mehr war.

2019-05-28

Noch einmal Hilde Langthaler

Die Bruni, die am elften März 1939, in Graz als Brunhilde geborene, Hilde Langthaler, die am zweiundzwanzigsten Jänner verstorben ist, habe ich in den späten Siebzigerjahren im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ kennengelernt, den es  bis 1984, glaube ich, gab, mich danach noch lange mit ihr, Elfriede Haslehner und Valerie Szabo-Lorenz getroffen, um uns einander unsere Texte vorzulesen.

Die Ärztin, die auch Sozialwissenwissenschaften und an der Filmakdademie studierte, war eine sehr vielseitige und sozial engagierte Frau, lange Entwicklungshelferin, Mitbegründerin des Frauenverlags und der AUF und sie hat, obwohl ich sie als eine sehr zögernde Autorin einschätzte, auch sehr viele Bücher herausgegeben.

Ihr berühmtestes war wohl das Theaterstück „Nur keine Tochter“, das ich, als ich es vor kurzem im Schrank gefunden habe, liegenließ, weil ich ja keine Theaterstücke möchte, ich dachte wohl auch, ich hätte es schon in meinen Regalen liegen, nach ihrem Tod habe ich es bereut und heute bei der „In Memorian Lesung“ der „Frauen lesen Frauengruppe“ des „Wiener Lesetheaters“, wo der Richard, ihr Mann eine Reihe ihrer Bücher aufgelegt hatte, es  bekommen und so konnte ich von der Bruni, zu der ich ja, wie schon geschrieben, ein eher schwieriges Verhältnis hatte, noch einmal Abschied nehmen.

Im Jänner hat mich ja die Erika Parovosky angerufen und mir von ihrem Tod erzählt. Da war eine Lesung im Literaturhaus angekündigte, die ich aber versäumte. Ich bin aber auf ihrem Begräbnis gewesen und wollte auch zu der Buchpräsentation der beiden Bücher, die zu ihrem achtzigsten Geburtstag erschienen sind, in die Buchhandlung Tempo Nuevo gehen, da bin ich aber einen Tag vorher am Weg von der Rudolfshöhe abgestürzt und mit einem Gips im Krankenhaus von St. Pölten gelegen.

Der Alfred ist für mich hingegangen, hat mir das „Podium-Heftchen“ mitgebracht, der Richard hat mir dann die „Verortungen“, die „Lyrik der Gegenwart“, die in der „Edition Art und Science“ erschienen sind, geschickt und heute gab es im Amerlinghaus eine Lesetheaterabschiedsaufführung, denn die Bruni ist ja auch in der Frauengruppe des Lesetheaters sehr aktiv gewesen.

Eine ganze Reihe von Frauen haben mitgelesen, Sigrid Farber, die auch im Arbeitskreis war, Judith Gruber-Rizy hat die Aufführung veranstaltet, Heidi Hagl, Elfriede Haslehner, Traude Korosa, Elisabeth Krön, Elisabeth  Osterberg, Erika Parovsky, Angelika Raubek, Gabriela Schmoll, HIlde Schmölzer, Susanne Schneider und für eine Frauenlesegruppe eigentlich unüblich Hansjörg Liebscher.

Gelesen wurden Lyrik, Prosa und zwei Szenen aus dem Theaterstück „Golem now“, das, glaube ich, im Jahr 2000, wo auch ich eine Lesethetaeraufführung meiner Texte im littel stage hatte, dort aufgeführt wurde.

Begonnen wurde mit dem Lebenslauf, den die Bruni zu ihrem siebzigsten Geburtstag beigesteuert hat. Dann kam eine ältere Geschichte, die ich, glaube ich, schon aus dem Arbeitskreis kannte. Eine Hausfrau hastet mit ihren zwei Kindern und den zwei anderen, die sie noch zusätzlich abholen muß, vom Kindergarten nach Hause und wirft dabei ununderbrochen bunte Pillen ein.

Dann kam eine Geschichte, die an den Holocaust erinnerte und noch einige andere, wo das Frauendasein thematisiert wurden.

Gedichte wurden verlesen, in denen das Sterben und der Sinn des Lebens sehr oft thematisiert wurden und am Schluß kam ein „Schinkenfleckerln“ genannter Text, der sich mit der Simmeringer Großmutter beschäftige, das von Hermann Leopoldi gesungene und von Fritz Spielmann geschriebene Lied tönte auf und leitete in den geselligen Teil, wo es Wein,  Knabbereien und Gespräche gab.

Ich habe viele Bekannte gesehen, es war sehr voll und sehr heiß im Amerlinghaus und ich habe von der Bruni, die mir eigentlich doch eine sehr liebe Freundin war, jetzt wahrscheinlich endgültig Abschied genommen. Habe aber noch einiges zu lesen von ihr in meinen Regalen und kann mich auf diese Art und Weise wahrscheinlich auch noch länger an sie erinnern.

2019-05-27

Siebenter und letzter Dichterloh-Abend

Norbert Lange

Norbert Lange

Das „Dichterloh-Lyrikfestival“ gibt es schon seit einigen Jahren in der „Alten Schmiede“, der „Priessnitz-Preisträger“ und Lyriker Michael Hammerschmied organisierte heuer sieben diesbezügliche Abende, von denen ich ich nur den letzten gehört habe, war ich doch am 13. 5, als das Thema „Abgesang und Endgesang“ lautete bei den „Wilden Worten“, bei „Liebe, abschied, existeznz“, habe ich im „Republikanischen Club“ aus der „Unsichtbaren Frau“ gelesen, am 15. 5. wollte ich eigentlich zur „Wldganspreisverleihung“ gehen und bin dann beim „Literarischen Lenz“ gelandet.

Das alles war geplant, den 16. 5 mit Heinz Janisch und Judith Nika Pfeifer hatte ich mir eingeplant, bin dann aber daraufgekommen, daß es, da es offensichtlich um Kinderlyrik ging, schon um fünf angefangen hat und da hatte ich eine Stunde und vorigen Montag, als es um das „weiter/über/setzen“ ging, wollte ich auch hin, da kam aber der Alfred aus Kuba zurück und sagte, „Gehen wir lieber zum „Umar“ Clamari essen!“ und am Dienstag, hätte mich Stefan Schmitzer dort vermutet, da gab es aber auch die „Westend-Lesungen“ und die wollte ich mir einmal ansehen, da ich ja am 16. Juli dort lesen, also wegen des Konkurrrenzprogrammes heuer nicht viel Lyrik und die „Etnopoesie“, das Werkportrait von Jerome Rothenberg, klang auf dem ersten Blick, weil der Dichter mir völlig unbekannt, auch nicht so interessant.

„Werch ein Iilltum!“, hätte Ernst Jandl wohl so ähnlich gesagt und der 1931 als Sohn jüdisch polnischer Einwanderer in New York Geborene, hat diesen auch auf Englisch übersetzt, so daß er in recht guten Deutsch dem alten Meister auch den Abend widmetete.

Der 1978 in Polen geborene und in Berlin lebende Norbert Lange hat moderiert und eingeleitet, sowie ein Gespräch mit dem Dichter geführt, der wie der alte Rühm, manche seiner Gedichte auch gesungen hat und eine sehr lebendige Art des Vortrages hatte. Es ging um den Holocaust und seine diesbezüglichen Erfahrungen. Einige seiner Gedichte hat er auch auf Jiddisch vorgetragen und ich bin, obwohl ich mir ja nicht sehr viel erwartet habe, sehr positiv überrascht worden.

Jerome Rothenberg, ein sehr kleiner, aber äußerst lebendiger Mann, war die Überraschung des Abends und seine Gedichte und sein Vortrag haben mich auch an Peter Henischs „Suchbild mit Katze“ erinnert, das ich gerade lese.

Interessant, daß es einer Frau im Publikum nicht so gefallen und sie die Gedichte oridnär gefunden hat, was, glaube ich, nicht stimmte und von den Veranstaltern auch entsprechend abgewehrt wurde. Der Autor selbst blieb dabei gelassen und meinte nur, daß der amerikanische Präsident, das wahrscheinlich auch wäre und am ehemaligen Büchertisch lag auch ein Heftchen auf, das wohl am dritten Abend „Zu Gast bei Lichterloh“ vorgestellt wurde, nämlich die „Grand Tour – Europa im Gedicht – eine Reise durch die junge Lyrik Europas mit Jan Wagner und Federico Ilatliano“ und ich habe zwar einiges vom heurigen Festival versäumt, am Schluß aber doch viel Interessantes mitbekommen und Norbert Lange hat zu Beginn das Publikum auch begrüßt und sich sehr gefreut, daß es an diesem Abend trotz Regenwetters in die „AS“ gekommen bin, die Abwahl der Regierung beziehungsweise des Bundeskanzler durch einen Mißtrauensantrag der SPÖ der von der Liste und jetzt und der FPÖ unterstützt wurde, hat er dabei vergessen, das war aber wohl Absicht, war doch die Lyrik das Thema des Abends.

Jerome Rothenberg

Jerome Rothenberg

2019-05-26

Die kalten Sekunden

Filed under: Bücher — jancak @ 00:04
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Jetzt kommt ein Plädoyer gegen Gewalt an Frauen, der 1987 geborene Pole Remigiusz Mroz, der Jus studierte, aber mit seinen „nicht einmal noch dreißig Jahren schon fünfundzwanzig Bücher veröffentlicht hat“, hat die Thrillerform dafür gewählt, wie auch am Cover steht.

Das heißt, daß es immer wieder ungewöhnliche Wendungen und einen großen Spannungsbogen gibt, obwohl dann wieder über weite Strecken, die ganz banale alltägliche Gewalt beschrieben wird und weil es soviele Spannungsbögen gibt, erscheint mir auch einiges offen, unverständlich und nicht ganz nachvollziebar, was aber vielleicht auch Absicht war, ist das Leben doch nicht logisch zu erklären, obwohl die Krimileser das natürlich wollen.

Ungewöhnlich ist vielleicht auch, daß es zwei Ich-Perspektiven gibt. Da ist einmal Damian Werner, im folgenden Wern genannt, obwohl er das gar nicht will, der hat vor zehn Jahren seine Braut Ewa verloren, was ihn völlig aus der Spur brachte, sein Wirtschaftsstudium aufgegeben, sandelt er als Barkeeper vor sich hin, bis ihm ein Freund die Nachricht überbringt, er hätte Ewa auf einem Konzert gesehen.

Er geht zur Polizei, wird dort nicht ernst genommen, als aber später der Freund ermodert wird, flüchtet er zu seinen Eltern und kommt auch zu dem Schluß, daß Ewa noch leben muß, obwohl ihre Leiche kurz darauf gefunden wird.

Die zweite Perspektive ist Kassandra Reimann, das ist die Frau des Besitzer des Detektivbüros, an das sich der Freund wandte, um die Sache aufzuklären und da beginnen, dann die nicht so thrillertypischen Elemente.

Denn Kassandra, die schon am Vormittag trinkt, wird, stellt sich bald heraus, von ihrem Mann mißhandelt und gequält. Sie erduldet, was auch nicht so ganz logisch ist, alles wegen ihres  Sohns, der in dem Buch aber kaum vorkommt oder, wie in Trance herumläuft.

Dafür kommen die Angestellten in dem Haus vor, die Kassandra überwachen, die Hausarbeit wird aber von ihr und ihrem Mann erledigt. Kassandra kann sich nur gelegentlich in ihr Zimmer flüchtet und dort nimmt sie eine Internetverbindung mit Damian Werner auf, der inzwischen mit Internetbotschaften von Ewa durch das ganze Land gejagt wird. Die Polizei ist ihm auf der Spur, er kann aber immer glücklich entkommen.

Kassandra überweist inzwischen das Geld ihres Mannes an ihn, damit er sie und ihren Sohn retten kann und als der besonders brutal zuschlägt und schon alle Rippen gebrochen hat, steht Wern vor der Tür, wird aber auch niedergeschlagen. Kassandra tötet nun ihren Quäler und stellt sich als die verschwundene Ewa heraus.

Sie war es dann doch nicht, kann ich gleich spoilern, flieht aber mit Wern und dem Kind bis an die ukrainische Grenze. Dort kommt es zu einer neuerlichen Wende, Kassandra kann sich retten, Damian wird zurückgelassen und sie hat fortan Schuldgefühle, ob es richtig war, das zu tun, aber um all die Frauen, die sie vielleicht mittretten konnte, lohnt es sich vielleicht wieder. Kassandras Handlungsstategien und auch das Buch zu lesen, das ein ungewöhnlicher Thriller aus einer ungewöhnlichen Thrillerrichtung kommt. Schon daher lohnt es sich wahrscheinlich das Buch zu lesen und ein Nachwort, das sich gegen die Gewalt, die den Frauen täglich in Polen und wahrscheinlich auch sonst in der Welt richtet,  widerfährt, gibt es auch.

2019-05-25

Schönbrunner Finale

Jetzt kommt ein kleiner Revolutionsliteraturschwerpunkt, habe ich doch zu meinem Backlistlesen, wo zufällig Gerhard Loibelsberger „Schönbrunner Finale“ an die Reihe kam, das mir der Alfred vorigen November in der Krimibuchhandlung der Lisa kaufte, als ich, die bei der Lesung in der Parlamentsbibliothek zum November 2018 getroffen habe, Alexej Tolstois dritten Band seinens „Leidenswegs“ im „Wortschatz“ gefunden und da packten mich die Schuldgefühle, daß ich den ersten Teil „Die Schwestern“, zwar schon ein Vierteljahr  im Schlafzimmer liegen habe, weil Stephan Teichgräber die Trilogie ja als Unterlage für den Workshop bei einem Antiquar kaufte, aber wegen meiner überlangen Neuerscheinungs oder Herbstrückständeleseliste nicht gelesen haben.

Nun denn einen Ruck gegeben und weil das Revolutionsworkshop nach längerer Unterbrechung ja jetzt wieder angefangen hat, werde ich die zwei Bände lesen, wo ich den ersten seit vorigen Herbst mit Stephan Teichgräber analysiere.

Zuerst aber zum „Schönbrunner Finale“ , ein  Roman oder historischer Krimi aus dem Jahr 1918, wie am Cover steht und der 1957 in Wien geborene Gerhard Loiblsberger ist ja ein „Spezialist“ von historischen Wien-Romanen, einen davon habe ich glaube ich gelesen und mit dem ersten Weltkrieg habe ich mich ja seit dem Jahr 2014 auch sehr intensiv beschäftigt.

Da war ich sogar einmal am Naschmarkt, wo Essensackerl  mit den Rationen aus dem Jahr 1914 verteilt wurde und, um das Essen, das Hamstern und das Hungern geht es in dem Buch auch sehr viel.

Es gibt Wienerische Kochrezepte, die wohl damals üblich waren, Knackwürste mit Erdäpflschmarrn zum Beispiel oder die Hungervarianten, die damals in den Gasthäuser serviert wurden oder die Hausfrauen kochen mußten.

Gerhard Loibelsberger ist auch ein Spezialist des Wienerischen, um die vorvorige Jahrhundertwende, so gibt es ein umfängliches Glossar und Fußnoten zur Erklärung, was „abpaschn“, „Beisl“ „Einbrenn“, etcetera auf Bundesdeutsch bedeuten. Mit manchen Übersetzungen bin ich nicht so ganz einverstanden und daß „Einbrenn“ „Mehlschwitze“ bedeutet, finde ich auch ein wenig komisch, weil wer spricht in Deutschland so?

Aber das nur nebenbei. Das Buch beginnt schon im September 1917 an der Front. Da kommt Kaiser Karl zur Inspektion, die Soldaten werden neu angezogen und die besser Ausschauenden in die erste Reihe gestellt. Der Kaiser spaziert huldfrau vorbei und sagt zu allen „Brav! brav!“, was bei Ambrosius Zach Widerwillen erzeugt, so daß er ihm am liebsten anspucken möchte.

Das gelingt nicht ganz. So desertiert er des Weiteren mit dem Tschechen Karel Husak und kommt nach Wien und in das Jahr 1918 hinein, wo der Polizeiinspector, das wurde damals so geschrieben und auch „Bureau“,  Joseph Maria Nechyba bekannt aus den „Naschmarktmorden“ residiert, beziehungsweise herumschimpft,  sich überhaupt auf dem Schwarzmarkt oder mit Hilfe seiner Amtsgewalt, Essen organisiert, so geht er zu einer Greißlerin, die gerade ein gehamstertes Butterbrot mampft, um ihr das zweite abzukaufen. Die wird später von Ambrosius Zach, der früher, in friedlichen Vorkriegszeiten bei der Arbeiterzeitung Setzer war, ermordet und ausgeraubt und Gerhard Loibelsberger will damit wohl zeigen, daß der Krieg, die Menschen abstumpft, denn da wird wegen einem Butterbrot und ein paar Kreuzern sehr viel erschlagen und erstickt.

Die beiden Deserteuere gehen aber zuerst als Bettgeher zu einem Stanislaus Gotthelf, der wird aber auch erschlagen, so daß sie wegen Mordverdachts flüchten müßen, sie quartieren sich bei einer Köchin ein, deren Gnädige derweil auf Sommerfrische ist, da sind wir noch im August 1918.

Karl Husak kommt bei einem Fleischhauer unter und das ist der, beziehungsweise seine Frau, die dem Hofrat Schmerda, bei dem Nebychas Frau Aurelia Köchin ist und der gibt sein ganzes Vermögen im Schmarzmarkt für Fleisch aus und weil er gerne wieder einmal Eierspeise essen will, hält er sich in seiner Luxuswohnung auf dem Parkettboden Hendln, das heißt, da wurde Erde daraufgeschüttelt, was die Frau Hofrat zur Verzweiflung bringt.

Der Versuch also den bundendeutschen Lesern das Elend Wiens im Jahr 1918 auf amusante Art und Weise näher zu bringen, diese Volkstümelei nervte  manchmal ein bißchen, auch der Wiener Dialekt, von dem ich ganz ehrlich bezweifle, daß die Leute damals wirklich so gesprochen habe.

Es ist aber ohne Zweifel  lehrreich zu lesen und ein gutes Bild vom damaligen Wien, wo meine Elterrn, kleine, wahrscheinlich auch hungrige Kinder waren, bekommt man auch und so geht es durch den Herbst, bis zu dem historischen November, wo der Kaiser abdanken und Schloß Schönbrunn verlassen muß. Da wird noch einmal ordentlich die Hofküche leergegessen und sich an den guten Weinen betrunken.

Nebycha und der Koch tun das. Der Kaiser hat mit seiner Familie längst sein Automobil bestiegen und die beiden Deserteure, die sich der roten Garde angeschlossen haben, werden vom grantelnden Nebycha bei Plündern erwischt. Zach kommt um und Husak wird von Nebycha persönlich zum Bahnhof gebracht und in den Zug nach Prag gesetzt.

„Vy jeste Cech!“ – „Bist du Tscheche?“, ruft der schon abfahrende Joseph Maria Nebycha nach und der „brummt dann mehr für sich als für irgendjemand anderen: „Ich bin Österreicher!“

So endet das Buch. Gerhard Loibelberger hat diese Stelle auch bei der Lesung in der Parlamentsbibliothek vorgetragen. Dann hats ein Buffet mit Grammlpogatscherln, Nuß und Mohnkipfern gegeben und ich komme nicht umhin anzumerken, daß ich diesen Roman aus wahrhaft historischen Zeiten Österreichs in eben diesen gelesen habe. Stehen wir ja gerade vor einer Regierungsumbildung, einer Expertenübergangslösung und einem Mißtrauensantrag, bis zur nächsten Wahl, die es im September sein wird.

2019-05-24

Augustin Hoffest

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:54
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Beim „Augustin-Hoffest“, der Grillparty der Straßenzeitung „Augustin“ in der Reinprechtsdorferstraße war ich schon vor einem Jahr.

Der Alfred hat, weil er da bei einer Veranstaltung war, eine Einladung bekommen, war aber zu dieser Zeit in Amerika, so bin ich hingegangen, habe ein Würstl gegessen und ein paar Stücke der Torte, die auch gegeben hat und einmal war ich bei einem „Augustin-Flohmarkt“ und habe mir da ein paar Rezensionsexemplare gekauft, die ich langsam, langsam abgelesen habe.

Bei der „Augustin Schreibwerkstatt“, die der Herr Blaha abgehalten, war ich 2009 auch Gast und habe ein Stück aus meiner „Sophie Hungers“ gelesen und den „Wunderschönen Tintentraum“, da war ich, glaube ich, das erste Ml in dem Quartier in der Reinprechtsorferstraße. Vorher waren sie, glaube ich, in der Mostgasse und Robert Sommer den langjährigen Herausgeber oder Chefredakteuer, habe ich kennengelernt, als ich im „Augustin“ ein Plagiat entdeckt habe.

Die Straßenzeitung lese ich schon lang, habe selber, glaube ich, auch einmal ein Portrait oder ein paar Texte drinnen gehabt, habe meine Veranstaltungen, „Die Mittleren“ und den „Tag der Freiheit des Wortes“ beispielsweise im Veranstaltungsprogramm „Strawanzerin“ angekündigt und seit einigen Jahren wird auch der „Hammer“ die Zeitschrift der „Alten Schmiede“, in dem Ruth und ich ja unsere „Kunst im öffentlichen raum-Texte“ drinnen hatten, beigelegt und heute bin ich wieder zum Hoffest gegangen, obwohl ich dachte, daß wir, weil der Alfred jetzt wieder aus Kuba zurück ist, nach Harland fahren.

Der Alfred, der wieder eine Einladung bekommen hatte, wollte aber hin und bei der „KritLit“ sind auch Einladungen aufgelegen, so bin ich, da ich im Vorjahr eine sieben Uhr Stunde hatte und um acht, als ich dann dort war, nur mehr Würstln, aber keinen Senf dazu mehr bekommen habe, diesmal sehr pünktlich hingegangen, habe mich auf einen Tisch gesetzt, gewartet bis die Würstl fertig waren, mir einen Spritzer geholt, ein bißchen Konversation betrieben, um sieben gab es dann eine sogenannte Führung mit Lesung.

Das heißt, wir sind den ersten Stock gegangen, wo die Redaktionsräume liegen und es gab eine Lesung aus Robert Sommers „Erinnerungen“, ein Buch, das man nicht kaufen kann, wie die beiden Redaktionsmitglieder erzählten, da Robert Sommer jeden Tag ein Kapitel anfügt. Die Redaktionsfrauen erzählten etwas über die Gründung der Straßenzeitung, die 1995 erfolgt ist. Eine Sozialarbeiterin, Robert Sommers Lebensgefährtin, wollte darüber ihre Diplomarbeit schreiben und hat die Straßenzeitung gegründet, deren Ziel es war, wie einer der Zuhörer erklärte, die Obdachlosen Selbstvertrauen zu geben.

Das heißt, sie kaufen die Zeitung um einen Euro fünfundzwanzig und verkaufen ihn um zweifünfzig. Dazwischen gibt es einige Sozialprojekte, wie eben die Schreibwerkstatt, die es nicht mehr gibt, den Chor und inzwischen gibt es auch das „Radio Augustin“ etcetera.

Danach gab es den Chor und Dj-Musik, eine Tombola gab es auch, wo man Lose in verschiedenen Farben kaufen konnte. Der Alfred kaufte vier. Zwei waren davon in blau und haben gewonnen. Der Gewinn bestand aus Eintrittskarten zu Kunstausstellungen, so daß wir demnächstst ins Kunshaus Wien und ins Jundertwasserhaus gehen können und wir haben wieder einen interessanten Abend, den man wohl der sogenannten Subkultur zurechnen könnte, gehabt und ein interessantes Stückchen Wien kennengelernt, beziehungsweise schon bekannte Beziehungen wieder aufgefrischt.

So habe ich die Ulli Fuchs dort gesehen und Anton Blitzstein, der ja seine Katzen und Mondkälber auch im „Augustin“ veröffentlicht war auch anwesend.

2019-05-23

Nur zur Hälfte auf der Demo

Filed under: Gesellschaftspolitik — jancak @ 23:35
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Durch meinen Unfall bin ich glaube ich das letzte Mal am Frauentag auf der Donnerstagsdemo gewesen und da mit dem Alfred, seiner Fahne und der grünen Weste die Meidlinger Hauptstraße hinuntergegangen.

Dann machte ich eine Veranstaltungspause und ließ den Alfred alleine demonstrieren, der ja Ende April mit dem Karli nach Kuba geflogen ist. Jetzt ist er wieder zurück und wir haben in den letzten Tagen nicht nur den Rücktritt von H. C. Strache wegen seines Skandalvideos, wo er einer schönen Russin halb Österreich verkaufen wollte und Johann Gudenus erlebt, sondern auch den Rücktritt der FPÖ-Minister, weil Bundeskanzler Kurz, den Innenminister nicht mehr in der Regierung haben wollte.

Jetzt haben wir eine sogenannte Expertenregierung, eine Neuwahl im September und ob es einen Mißtrauensantrag und den Rückzug von Sebastian Kurz geben wird, wird sich am Montag entscheiden.

Sehr viel Aufregung in einer Woche, Staatskrise, Regierungskrise und am Sonntag, noch die EU-Wahl und als ich vorigen Samstag davon erfahren habe, war ich auf dem Weg zu der „KritLit“, bei der ich ja auch gern einmal lesen möchte, Ulli Fuchs bei der „Lavant-Ausstellungseröffnung“ auch die „Unsichtbare Frau“ gegeben haben, aber „Eigenverlag, ja, Eigenverlag, wollen wir nicht!“, eh schon wissen, obwohl am Samstag hätte ich vielleicht schon eine Chance gehabt, wenn ich das Buch mitgehabt und rechtzeitg geschaltet hätte, denn um zwölf und, um zwei gab es ja keine Veranstaltung, die Leute waren, hörte ich, alle am Ballhausplatz, so bin ich auch dorthin gegangen und heute hatte ich vor, es mit dem Alfred wieder auf der Demo zu versuchen.

Das wollte ich eigentlich schon am vorigen Donnerstag, als alles noch normal und, wie gehabt war, aber da war der „Literarische Lenz“, den ich dann doch vorgezogen habe.

„Aber heute probiere ich es einmal!“, habe ich gedacht und, als ich kurz vor sechs, den Europaplatz und den Westbahnhof erreichte, war es dort noch ziemlich leer und ich habe auch ziemlich herumgesucht, bis ich die Demo gefunden habe.

Elfi Resch habe ich gesehen, den Auge-Gewerkschafter mit dem ich ein paarmal mit dem Alfred unterwegs war, die Erika Parovsky und und, denn bald hat sich der Platz gefüllt, es wurde „Kurz muß weg!“ geschrieen und seltsamerweise riefen auch einige Leute „Ibiza!“, was ja eigentlich kein Kampfruf ist.

„Kurz muß weg-Plakate“, gab es auch, die „Omas“ haben sich formiert und es ist nach und nach sehr voll geworden. Es gab ein paar Reden, eine Musikeinlage, dann setzte sich der Zug durch den fünzehnten Bezirk, dort wo viele Migranten wohnen und Leute, die, wie die Veranstalter sagten, nicht wählen dürfen, bis zur Tannengasse, dann  hinauf bis zur Gablenzgasse und die Burggasse hinunter bis zu ÖVP-Zentrale.

Dort war ich schon ein paar mal. Vor der Angelobung von Schwarz-blau I, hat es, glaube ich, eine diesbezpügliche Demo gegeben. Einmal war ich auch auf einen ÖVP-Fest, weil ich eine Zeitlang in deren Verteiler war und vor ein paar Wochen oder zwei Monaten hat es auch eine Demo gegeben, die dort endete.

Da habe ich kann ich mich erinnern, lange mit dem Uli kommentiert, dem ich ein Video schickte und er dann die ÖVP für links hielt, weil bei der dortigen Diskussionsveranstaltung, wo es um die Lehren der Asylwerber ging, eine Dame vom ÖVP-Wirtschaftsbund relativ sachlich diskutierte und ich habe ihm geschrieben, daß es mich interessieren würde, ob Kanzler Kurz einen Lach- oder Wutanfall bekommen würde, wenn er wüßte, daß der Uli die ÖVP für linksextrem hält.

Kanzler Kurz war aber natürlich nicht da und ich auch erst sehr spät, weil ich eine sieben Uhr Stunde hatte, so bin ich der Demo nachgelaufen und gerade zu der letzten oder vorletzten Rede bei der ÖVP-Zentrale zurechtgekommen und diesmal sollte es von der Tannengasse auch dorthin gehen.

Ein langer Weg, wenn der Fuß immer noch ein wenig geschwollen ist, so daß ich mich bei der U 6 Station Burggasse verabschiedete und mit der U-Bahn zum 13 A gefahren bin, dort eine halbe Stunde auf dem Bus, bis die Demo eben vorübergezogen war, warten mußte und der Alfred ist alleine weitermarschiert, weil er alles fotografieren wollte.

Eine tolle Stimmung und viel Aufbruchseuphorie. Ich bin da ein wenig skeptischer, ob nach der Neuwahl etwas Besseres nachkommen wird.

Die Zeiten in denen wir leben sind aber sehr spannend und ich bin gespannt, wie die Route, der nächsten Demo sein wird, vielleicht ist sie kurz genug, daß ich sie schaffe und ebenfalls ist es sehr spannend, ob Sebastian Kurz dann noch Kanzler ist.

Ich werde aber demnächst wieder aus der „Unsichtbaren Frau“ lesen und zwar am 16. Juli im Cafe Westend, das sich auch beim Westbahnhof befindet und in dem ich schon bei der letzten Lesung am vorigen Dienstag war und diesbezüglich schon mein Foto und meine Kurzbiografie an Luis Stabauer geschickt, die Einladungskarten drucken kann und da kann ich meinen neugierigen Lesern auch vermelden, daß außer mir noch Christian Schwetz und Bruno Schernhammer lesen werden.

2019-05-22

Wieder Revolutionsworkshop, wieder Hauptbücherei

Jetzt bin ich in diesem Semester erst das zweite Mal in Stephan Teichgräbers Revolutionsworkshop gewesen, zuerst hinderte mich mein Gips und meine Veranstaltungspause daran.

Dann waren noch Osterferien, der erste Mai und Stephan Teichgräber hatte auch auswärtige Termine.

Ich bin aber nicht untätig gewesen, habe ich doch nicht nur Markus Liskes Buch über „Erich Mühsams Räterepublik“ gelesen und in den letzten Tagen endlich Gerhard Loibelsberger „Schönbrunner Finale“, sondern auch  auf wundersame Weise am Sonntag als ich vom „Kramer-Fest“ zurückgekommen bin, Alexej Tolstoi dritten Teil des „Leidenwegs“ im „Wortschatz“ gefunden, was mich daran erinnerte, daß ich im letzten Semester ja immer den ersten Teil „Die Schwestern“, die Stephan Teichgräber, im Oktober in einem Antiquariat in der Margareten oder Schönbrunnerstraße erstanden hat, zum Workshop und wieder zurück schleppte, das Buch aber nicht gelesen habe, denn meine Leseliste war ja so lang, aber deshalb ein schlechtes Gewissen entwickelt, denn beim Partisanenworkshop habe ich ja auch das „Engele“ gelesen.

Jetzt bin ich mit meinen Rezensionsexemplaren zwar nicht ganz, aber fast durch, ist doch heue Jörg Fausers „Schlangenmaul“ zu mir gekommen und Arif Anwars „Kreise ziehen“ wartet auch noch auf das Lesen.

Aber dann habe ich mir vorgenommen, werde ich beide Bücher lesen und im Workshop meinem Privatissimum mit Stephan Teichgräber ist es heute wieder um Alfred Döblins „November 1918“ gegangen.

Da wollte Stephan Teichgräber, daß wir  nach den Motiven suchen und daraus Motivketten erstellen, die er für sein Skriptum braucht.

Damit habe ich zwar immer noch meine Schwierigkeiten und auch die Handlung beim ersten Teil zu erkennen, bin aber jetzt schon bis Seite einundzwanzig gekommen und dann wieder in die Hauptbücher gefahren. Das habe ich im März, als ich das letzte Mal im „Doml“ war, auch getan, da hat es einen Film über Ivan Cancar gegeben. Diesmal hat wieder Armin Thurnher aus seiner „Fähre nach Manhattan“ gelesen und Franz Schuh hat mit ihm gesprochen.

Ich habe zwar schon im Schauspielhaus und bei „Rund um die Burg“ aus dem Buch gehört“, aber irgendwie hat es mich, obwohl ich Wiederholungen ja sonst vermeide,  hingetrieben, wahrscheinlich weil Armin Turnher, der Falter-Gründer, eine interessante Erscheinung ist und das bei „Zsolnay“ erschienene Buch ist, wie ich heute erfuhr, der erste Teil einer Autobiografie. Zwei Weitere sollen noch folgen und Armin Thurnher sagte auch gleich, daß das „Ich“, um das es in dem Buch geht, nicht sein wirkliches wäre, weil ja alle Autobiografien gelogen wären, uns so weiter, aber es ist wahrscheinlich wirklich schwierig authentisch zu bleiben, wenn ein Siebzigjähriger über den Achtzehnjährigen, der er einmal war, schreibt, der mit einem Schnürrlsamtanzug aus Vorarlberg nach Amerika kommt, um dort in einem College ein Stipendium anzutreten.

Es war das Jahr 1967 und der Vietnamkrieg, die Bürgerbewegung und er wurde auch von der Selbstbedienungscafeteria in dem College erschlagen, hatte er sowas doch nur vorher in Wien in der „Billateria“ in der Singerstraße, die ich auch gelegentlich besuchte, gesehen.

Die Stellen, die gelesen wurden, habe ich zum Teuil schon gehört und Franz Schuh breitete dann gleich ein ganzes Konstrukt darumherum auf, beginnend mit Fragen zur Autobiografie, kam er zu der „Utopie Amerikas“ und  dem „Mythos Stadt“.

Darüber kann man natürlich herrlich philosphieren, die französische Revolution und den „Alexanderplatz“ zitieren. Man kann aber auch einfach, wie ich es eher tun würde, von den Jugenderinnerungen des Achtzehnjährigen, der das erste Mal mit seinem Schnürrlsamtanzug und vielleicht ein bißchen ungeschickt, in das weite Land kommt und jetzt mit siebzig über seine Erinnerungen schreibt, sprechen.

Mal sehen, ob ich das Buch mal finde oder zu den Lesungen der beiden anderen  Bände komme, wenn sie erschienen sind.

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