Literaturgefluester

2019-05-01

Schwanenkuss

Filed under: Bücher — jancak @ 00:08
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Ich habe ja, wie ich immer schreibe, mit den Krimis meine Schwierigkeiten, obwohl ich ganz gerne welche lese, weil das ja meistens zügig vor sich geht und sie sehr spannend sind, in letzter Zeit das Lokalkolorit und die politischen Situation mitberücksichtigen, aber, das ist mein großer Einwand, eigentlich unrealisitisch sind, wenn pro Exemplar ein bis zwei Morde passieren, da geht man am schönen Traunsee oder auch am Donaukanal spazieren und schon stolpert man über Leichen, was im richtigen Leben Gotteseidank nicht so ist, daß die Nachbarin ermordert wird, der Freund oder der Geschäftspartner….

Deshalb habe ich auch beim Schreiben solcher, meine Schwierigkeiten, weil meine Morde keine sind. Aber dann ist es ja kein Krimi und die Leser stöhnen, habe ich bisher gedacht und mich auch geärgert, wenn sich manche Krimiautoren damit brüsten, daß Mord ihr Metier ist und sie die gezückte Messer beispielsweise  auf ihrer Website haben.

Bei der 1976 in Steyr geborenen und in Linz aufgewachsenen Lisa Grüner, die jetzt bei „Gmeiner“ den Kriminalroman „Schwanenkuss“, wie auch am Cover steht, herausgebracht hat, ist das anders, denn eigentlich ist es keiner, obwohl der Beschreibungstext durchaus danach klingt und auch sehr neugierig macht.

Die Krimihandlung, wenn es überhaupt eine ist, beginnt aber erst auf circa Seite dreihundert und da werden drei Schwäne tot im Traunsee bei Gmunden aufgefunden und die junge Unternehmensberaterin Carina Senner, wird verdächtigt, sie ermordet zu haben.

Die hat eine Erinnerungslücke und einen Schnitt auf ihrer Hand und ist nach Gmunden gekommen, um einen dort ansäßigen Konditor zu überzeugen, daß sie das Patent für die „Schwanenbussis“, die er erzeugt, in der Hand hat, was, wie auch am Buchrücken steht, heftige Turbulenzen in der Traun- und Schwanenstadt auslöst.

So weit, so gut und auch sehr spannend, in den vorherigen dreihundert Seiten erzählt Carina, wie sie zu Schwänen steht. Da gibt es Kindheitserinnerungen. Sie kommt dann nach Wien, studiert mit ihrem Freund Stefan, der sehr ehergeizig ist und sie eigentlich antreibt, Betriebswissenschaft. Sie wäre eher lockerer und betrinkt und betrügt ihn öfter. Aber er ist nur ihr guter Freund und so gehen wir mit Carina durch einige Romanzen und fahren mit ihr nach Frankreich, bis sie ihren Job, als Unternehmensberaterin antritt, von ihrem Chef gepisackt wird und dann ihren Traum auslebt, das Besondere, nämlich die „Schwanenbussis“ zu erzeugen.

Sie läßt sich, weil sie gerne Schokolade mag und auch den „Schokomichi“ kennt, das patentieren, fährt deswegen auch mit Stefan nach Gmunden, um herauszufinden, ob das Schwierigkeiten machen könnte.

Aber dann stagniert das Ganze. Carina kommt wegen ihrem Chef nicht dazu sich, um die Sache zu kümmern, findet auch keinen Chocolatier, der ihr die dazu nötigen Prototypen erzeugt, betrinkt sich mehrmals dazwischen, was zu einigen sehr skurillen und meiner Meinung nach, eher unnötigen Szenen führt, bis ihr der schon erwähnte Gmundener Konditor zuvorkommt und Spannung in die Geschichte bringt.

Carina wird durch den Mordverdacht zu den wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens gebracht, steht im Buchtext. Das passiert dann auch auf eher normale Art und Weise, daß sie sich mit dem Konditor einigt. Eher unlogisch habe ich gefunden, daß sie am Schluß bei einem ganz anderen Traummann landet und der Freund Stefan, der ihr bisher immer zur Seite stand und auch gehörig eifersüchtig war,  plötzlich unwichtig wird.

Kein wirklicher Krimi also, was mir aber eigentlich sehr angenehm ist, daß die Schwäne am Ende der Geschichte auch auf sehr natürliche Art und Weise gestorben sind und spannend ist das Buch eigentlich zu lesen und auch sehr leicht und angenehm, obwohl mich die Tolpatischigkeit der Carina, die auch noch Alpträume hat, wo symbolträchtige schwarze und weiße Schwäne vorkommen,  die mir  auch nicht sehr logisch erschienen und sich ständig und nicht erst am Traunsee verletzt und schneidet, aber trotzdem keine Borderlinerin ist, manchmal nervte und auch, daß sie soviel säuft.

Vielleicht sollte man das Buch also etwas kürzen. Daß ein Kriminalroman aber ganz ohne Tote auskommt, finde ich sehr spannend und würde ich unbedingt zur Nachahmung empfehlen, weil es so, wie ich hoffe, doch viel realistischer ist.

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