Literaturgefluester

2019-05-04

Die Gastgeberin

Die 1962 im Burgenland geborene Karin Ivancsics, die von 1986 bis 1989 Lektorin im „Wiener Frauenverlag“ war, als er noch nicht „Milena“ geheißen hat und noch keine Männer verlegte, kenne ich, glaube ich, aus dieser Zeit und wahrscheinlich aus der GaV, war bei einigen ihrer Lesungen in der „AS“, bei den „Wilden Worten“ und in der „Gesellschaft„, habe auch einige ihrer Bücher, gelesen, die ich mir meisten aus Abverkaufskisten oder Bücherwänden gezogen habe, „Aufzeichnungen einer Blumendiebin“ hat sie mir, glaube ich, geschickt und als sie jetzt aus ihrem neuen, bei der „Bibliothek der Provinz“ erschienenen Roman „Die Gastgeberin“,  nochmals bei Richard Weihs gelesen hat, ich aber wegen meines Gips nicht kommen konnte oder wollte,  hat sie mir auch dieses Büchlein geschickt, so daß ich mich fast, als eine Expertin, der auch in der „Fried-Gesellschaft“ engagierten Autorin, die auch für die GAV, die in „Memorian-Lesungen“ organisert und die in einer Mischung zwischen realistisch und experimentell schreibt, bezeichnen könnte.

Oder auch nicht vielleicht, denn „Die Gastgeberin“, die ein schönes Cover mit  August Mackes „Portrait mit Äpfel“, ziert, hat mich etwas ratlos zurückgelassen, weil Karin Ivancsics, glaube ich,  vieles offen und der Leserin, die Deutung überläßt.

Wenn die dann noch zufällig Psychologin ist, weiß sie damit viel oder auch nur wenig anzufangen. Es ist aber eine Geschichte, die sich mit dem Leben und dem Tod beschäftigt.

Da hat sich ja erst vor kurzem Robert Seethaler im „Feld“ mit den Toten beschäftigt und hat sie aus dem Gräbern sprechen lassen. Bei Karin Invacsics, ist es der Monolog einer Frau, die sich aus dem Leben zurückgezogen hat, weil sie ein Trauma, eine Psychose oder auch etwas anderes hat.

Sie kann jedenfalls nicht schlafen, obwohl sie schon die Lichtlampen, Medikamente und auch Psychotherapie ausprobiert hat und die nach außen, sie hat offenbar Malerei studiert, auch ein unauffälliges präkäres Leben führt.

Sie gibt Kurse an der Volkshochschule, am Donnerstag oder Freitag. Die restliche Zeit verbringt sie schlaflos in ihrer Wohnung. Der Kühlschrank ist leer. Sie wird aber von der Nachbarin Marie versorgt und von ihrem besten Freund Max angerufen, der sich mit ihr treffen will. Sie zieht sich aber ins Bett zurück und ist von ihren Erinnerungen, das heißt ihren Toten umgegeben, wird sie doch am Buchrücken, die „Totenflüsterin“, genannt.

So ist auch ihre Wohnung von Felix und Elsa und noch einer Reihe von toten Künstlern bevölkert, die sie nicht schlafen lassen und unruhig durch ihr Leben ziehen.

Elsa war ihre Schulfreundin, die mit fünzehn an Leukomie verstorben ist und dann gab es noch eine Julia, die ebenfalls an Krebs verstarb. An die hat die Erzählerin einen Brief geschrieben, beziehungsweise kommt er an sie zurück. Marie, die eine Portion Lasagne bringt, übergibt in ihr und die Erzählerin hat sowohl an den Pfarrer und an den lieben Gott geschrieben, um nachzufragen, wieso er die Menschen zu sich holt und nun irrt sie schlaflos in ihrer Wohnung herum und fragt sich, wo Julia bleibt und warum sie nicht, wie Elsa zu ihr kommt?

Sie hat vielleicht auch Schuldgefühle, weil sie sich zu wenig, um sie gekümmert hat.

Dann kommt es aber zu einem tröstlichen Ende, Julia erscheint und teilt mit, daß die Toten beschloßen haben, sich aus der Wohnung zu entfernen und die Erzählerin somit Max und dem Leben zurückgeben.

So habe ich mir die hundertfünfzig Seiten, die ich mehr für eine Erzählung, als für einen Roman halten würde, gedeutet.

Es könnte aber auch ganz anders sein, läßt Karin Ivancsics ihre Erzählerin ja mit ihren Lesern kommunzieren und schließt ihr Buch mit den Worten „Erschrecken Sie nicht, wenn ich bei Ihnen klopfe, machen Sie mir ruhig auf. Was aber, wenn ich Ihnen sage:  Ätsch, gar nicht wahr, habe mir alles bloß zusammengeträumt. Und was, wenn ich Sie morgen zu einem Konzert in meinen Salon einlade – Amy singt „Love is a losing game“ und Prince begleitet sie auf der Gitarre -, würden Sie kommen? Den Preis für die Eintrittskarte kennen Sie, Elsa und Felix werden Sie abholen.“

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