Literaturgefluester

2019-05-11

Und alles ohne Liebe

Daß wir in einem Fontane-Jahr leben, nämlich den zweihundertsten Geburtstag von Theodor Fontane, der am dreißigsten Dezember 1819 geboren wurde, habe ich schon während meines Leipzigsurfens mitbekommen, daß da schon ein paar Bücher erschienen sind, obwohl bis zum dreißigsten Dezember ja noch ein bißchen Zeit ist und jetzt ist ein kleines Büchlein „Theodor Fontanes zeitlose Heldinnen“ zu mir gekommen, daß ich mir eigentlich nur bestellt habe, weil Burkhard Spinnen, der langjährige Bachmann Jurorvorsitzende, der Autor ist und ich da, glaube ich, den Namen Fontane eigentlich übersehen habe, obwohl nach der Wende, als Günter Grass sein „Weites Feld“ geschrieben hat, das sich ja auch auf Fontane bezieht, ich alle meine Fontane-Bücher mit dem besten Vorsatz sie zu lesen, aus meinen schon damals großen Fundus herausgeholt und auf mein Bücherregal gelegt habe, wo sie sie eine Zeitlang lagen, bis sie wieder in den Regalen verschwunden sind und gelesen habe ich, fürchte ich, von Theodor Fontane nicht sehr viel und habe so nur das allgemeine Wissen über ihn, was man so hat, wenn man sich, wie ich, sehr für Literatur interessiert.

So kommt das kleine hundert Seiten Büchlein, das den Vorsatz hat, Theodor Fontane von seinem „Verstaubten Schulbuchimage“ wegzuholen, wie in der „Amazon-Beschreibung steht, gerade richtig, obwohl, ich glaube, daß dem  1956 geborenen Burkhard Spinnen trotz allem Bemühen dieser Vorsatz nicht gelungen sind, denn die Fontanschen Heldinnen, die Effis, Jennies, Mathildes und, wie sie noch so alle heißen, sind im neunzehnten Jahrhundert verhaftet und das heutige Frauenleben ist, zum Glück, würde ich meinen, ein ganz anderes, es ist aber und das war wahrscheinlich, sowohl Absicht des Autors, als auch des Verlages, ein Schnellkurs in das Fontansche Werk, wenn man nicht, die Zeit hat oder sie sich nehmen will, sich durch die acht Berlin Romane des Autors zu lesen.

So hat es Burhard Spinnen für eine oder einen schön gebündelt und gibt, was man sowohl spannend, als auch nervig entpfinden kann, noch seinen Senf dazu, spinnt die Frauenleben weiter und denkt sich aus, was aus ihnen geworden wäre, zieht Verbinungen der einzelnen Heldinnen untereinander, etcetera.

Beginnen tut es mit dem Gedicht „Die arme Else“, dessen Refrain, dem Büchlein seinen Namen gegeben hat und dann geht es hinein in das Fontansche Leseleben von Burkhard Spinnen, bevor er in fünf Kapiteln, die Frauengestalten von acht Berlin-Romanen, die zwischen den Achtzehnsiebziger- und Achtzehnachtzigerjahren entstanden sind.

Und da beginnt es einmal spannend, bevor es für eine, die sich nicht wirklich mit dem Fontanschen Romanschaffen auskennt, etwas verwirrend wird, mit der Therese, der Sophie und der Manon und das sind die Töchter der Frau Poggenpuhl, die ist eine verarmte Aristrokratin, Mutter von fünf Kindern und Witwe, die den einstigen Wohlstand vortäuschend, verarmt vor sich hinleben und die drei zwischen siebzehn und dreißig Jahren alten Töchter, sich nicht unter ihrem Stand verhehlichen dürfen, also ledig und alte Jungfern bleiben. So habe ich Burkhard Spinnens Zusammenfassung verstanden.

Im zweiten Kapitel geht es wohl, um den berühmtesten Fontane Roman nämlich „Effi Briest“, die Ehebrecherin, die, weil sie mit siebzehn, als Kindfrau an einem wesentlich älteren Mann verheiratet wurde, diesen untreu wurde.

Brukard Spinnen verbindet die Effi  mit einer Cecile, aus einem anderen, wie er meint, weniger bekannten Fontane-Roman und die Gemeinsamkeit zwischen den beiden Heldinnen ist, daß sie an wesentlich ältere Männer verheiratet wurden und die Ehe brachen.

Dann geht es zu Stine und Lene, wie der Stine-Roman heißt, habe ich nicht ganz herausgefunden, der der die Lene zur Heldin hat, scheint „Irrungen Wirrungen“ zu heißen und hier verweigern, die den unteren Schichten angehörigen Frau, den sie anbetenden Männern, die Hand und gehen daran zu Grunde.

Dann geht es zur Corinna und Jenny und die Jenny stammt aus dem Roman „Frau Jenny Treibel“, den ich, glaube ich von meiner Großmutter geerbt, aber nicht gelesen habe und eine Mathilde Möhring, die Spinnen mit einer Melanie verknüpft gibt es auch.

Die einzelnen Kapitel haben noch alle Titel, wie „Therese, Sophie, Manon oder: der Stillstand“ bis zu „Melanie und Mathilde oder: selbst ist die Frau“, die die Spinnenschen Verknüpfungen erklären und ich vermute, daß dem Autor diese Verknüpfungen sicher Spaß machten, dem Leser, die hundert Seiten entweder eine kleine Einführung oder eine Auffrischung geben. Man sich aber jetzt an das Lesen, der Romane machen sollte, wenn, ja, wenn man die Zeit dazu hätte oder sie sich nehmen könnte und da mich meine übergroßen Bücherberge jetzt noch mehr als vor fünfundzwanzig Jahren am Lesen hindern werden, suche ich mir meine Fontane-Bücher jetzt gar nicht mehr heraus, obwohl man die Effi Briest und auch noch einiges andere natürlich lesen sollte.

Ganz klar, aber bis zum dreißigsten Dezember ist  noch etwas Zeit, da kommt noch Frankfurt dazwischen und bis dahin werden sicher noch einige Fontane-Bücher geschrieben oder sein Werk neu herausgegeben.

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