Literaturgefluester

2019-10-28

Radiophoner Gerstl-Abend

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:20
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Die „Alte Schmiede“ hat ja eine Hörspielschiene und so stellt Andreas Jungwirth viermal im Jahr radiphone Werke vor, früher hat das, glaube ich, Christiane Zintzen so gemacht und der heutige Abend war in drei Teilen Elfriede Gerstl gewidmet, die ja im April ihren zehnten Todestag hatte.

Das heißt so ganz stimmt das nicht, denn dem Hörspiel und dem Feature war nur der erste und der dritte Teil gewidmet, im zweiten performierten  Elfriede Gerstls Lebensmensch Herbert J. Wimmer zusammen mit Judith Nika Pfeifer eine „schnelle gerstl poesie revue“, das heißt, sie projezierten Fotos, die sie in Berlin und in Antwerpen aufgenommen haben, wo sie Passanten Gerstl-Texte in die Hand drückten, die dann in die Kamera läechelten, denn Elfriede Gerstl hat ja in den Sechzigerjahren eine Zeitlang in Berlin gelebt und beim literarischen Colloquium an einer Prosa-Werkstatt teigenommen, wo sie mit elf Männern unter Günter Grass sehr gelitten haben soll.

Im ersten Teil gab es aber die Wiederholung einer Tonspur die 2009 und 2019 gesendet wurde, von Eva Roither „Elfriede Gerstl. Erinnerungen an eine streitbare Dichterin“.

Da wurde die Kindheit der Dichterin, die ich ja sehr gut gekannt habe, weil sie nicht nur viel mit ihren Hut in Wien herumgegangen ist, sondern selber oft Gast in der „Alten Schmiede“ war und einmal auch bei meinem literarischen Geburtstagsfest gelesen hat, erwähnt.

Elfriede Gerstl hat sich ja mit ihrer Mutter in der Nazi-Zeit in verschiedenen Wohnungen versteckt.

Elfriede Jelinek, Judith Bisinger, die Tochter, Herbert J. Wimmer und andere sind zu Wort gekommen und haben aus Elfriede Gerstls Leben und ihren literarischen Werdegang erzählt.

Nach dem Krieg hat sie sowohl Medizin, als auch Psychologie studiert. Dann ist sie, wie schon erwähnt, nach Berlin gegangen, beziehungsweise ist sie von dort hin- und hergependelt, weil ihr das Wohnungsamt sehr lang eine Gemeindewohnung verweigert hat und meinte sie könnte ihre Gedichte ja auch im Park oder im Cafe schreiben.

Sie hat Gerald Bisinger geheiratet, von ihm die Tochter Judith bekommen, mit der Enkeltochter habe ich ja im Juni bei der Lesetheateraufführung im Literaturhaus lang gesprochen, die teilweise von der Großmutter aufgezogen wurde.

Der Roman „Spielräume“ ist entstanden, den „Rowohlt“ ursprünglich herausgebeben wollte, was sich aber zerschlagen hat. Erfolg ist dann erst 1999 mit dem „Trakl- und dem „Friedpreis“, den ihr Elfriede Jelinek als Jurorin zuerkannt hat, gekommen.

2009 ist sie, wie schon erwähnt gestorben, „Droschl“ hat dann ihr Gesamtwerk in vier oder fünf Bänden wiederaufgelegt. Es gab ein Symposium und Veranstaltungen in der „Alten Schmiede“ und an anderen Orten und im dritten Teil wurde ein „Hörspieldialog“ von Ruth Johanna Benrath unter dem Titel „GEH DICHT DICHTIG!“ gesendet, wo Dörte Lyssewski, die Benrath-Texte, Gerti Drassl, die Gerstl Stimme sprach und eine Musikerin das Ganze auch noch musikalisch unterlegte.

War sehr spannend, wenn auch ein bißchen ungewöhnlich und ich bin nicht sicher, ob es Elfriede Gerstl gefallen hätte?

Vielleicht aber schon, war sie ja eine tolerante Frau, die nach ihren beiden Preisen sehr oft zu den Lesetheateraufführungen gekommen sind, wo die Frauen ihre Texte lasen und sie ihnen mit ihrer Anwesenheit, das Publikum und die Aufmerksamkeit brachte, was sie genau gewußt hat.

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