Literaturgefluester

2019-11-10

Von der Buch-Wien zur Buch Basel

Schaufensterlesung

Schaufensterlesung

Eröffnung

Eröffnung

Die „Buch-Basel“, dort wo der „Schweizer Buchpreis“ vergeben wird, den es schon länger als den österreichischen gibt, war eigentlich immer mein Sehnsuchtsort.

„In der Pension fahre ich dann mal hin!“, hat der Lehrer, den ich früher immer in der „Alten Schmiede“ traf, zu mir gesagt, als ich davon erzählte und ich dachte, das wäre doch eine gute Art Urlaub zu machen oder das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

In der Scheiz dieses sehr teuere Sehnsuchtsland, bin ich in den letzten zwei Jahren eher zufällig relativ oft gewesen, sind wir doch zu Ruth siebzigsten Geburtstag mit ihr um den Bodensee gefahren, 2018 haben wir einen Schweiz Urlaub gemacht.

Alain Claude Sulzer

Alain Claude Sulzer

Radio X in der Clara

Radio X in der Clara

„Wo willst du hin?“, hat der Alfred mich gefragt.

„Nach Zürich, Genf und Bern!“, habe ich geantwortet und das Basel dabei ganz zufällig ausgelassen. Im Sommer gibt es aber ohnehin keine „Buch-Basel“, die ich eigentlich für eine Schweizer Buchmesse, als Pendant zur Buch-Wien gehalten habe.

Das Jahr 2019 also das große Schweizjahr im Sommer zehn Tage beim Filmfestival in Locarno, Kultur also pur und im November, die „Buch-Basel“, die ja obwohl sie keine Messe, sondern ein Literaturfestival ist, einen entscheidenden Nachteil hat, sie ist zeitgleich mit der „Buch-Wien“, also entweder oder und dann ersetzt sie mir heuer das literarische Geburtstagsmest.

Das mit der Gleichzeitigkeit war dann nicht ganz so arg, denn das Literaturfestival „Buch-Basel“ ist kürzer, als die „Buch Wien“, findet erst am Freitagabend mit der Eröffnung und dann an dem anschließenden Wochenende mit dem Höhepunkt am Sonntagvormittag im Theater Basel mit der Preisverleihung.

Das war auch nicht so ganz richtig, ein paar Veranstaltungen waren, genau wie in Locarno schon vor der Eröffnung, die am Freitag stattfand, so war ich bei der Eröffnung der Buch Wien und zwei Tage vorher schon bei der Verkündung des österreichischen Buchpreises und am Donnerstag auf der Messe.

Da bin ich mit dem Alfred in der Früh mit der schwarzen Reisetasche hingefahren. Zu Mittag haben wir uns zum Essen getroffen und da ist ihm eingefallen, daß wir, da die Messe um sieben aus war und der Nachtzug nach Zürich erst um halb zehn vom Hauptbahnhof abfuhr, Zeit haben, die sehr volle schwere Tüte, in der sich ja einige Leseproben und die zwei Bücher, die ich als Bloggerin bekommen habe, in die Krongasse zu tragen und sie nicht nach Basel mitzuschleppen, noch dazu wo ja nicht so ganz klar ist, mit wievielen zusätzlichen Büchern ich zurückkommen werde.

Gegen den Hass

Gegen den Hass

Dana Grigorcea im Gespräch

Dana Grigorcea im Gespräch

Mit dem Nachtzug also, ich bin schon lange nicht mehr mit einem solchen gefahren und eigentlich fahre ich überhaupt sehr selten Zug. Früher war das anders. Da bin ich ja einige Jahre von St Pölten nach Wien gependelt und noch viel früher als Studentin habe ich öfter mal einen Nachtzug genommen, um nach Amsterdam zum Frans, nach Hamburg, Kopenhagen, etcetera zu fahren.

Jetzt also seit langem wieder und ohne Schlaf- oder Liegewagen ist das wahrscheinlich ein wenig schwierig, obwohl ich schlaflose Nächte ja gewohnt bin und sie mir auch nicht so viel machen. Ich erinnere nur an die Zeiten wo es das „Rund um die Burg“ in seiner ursprüglichen Form noch gegeben hat.

Ich habe aber nicht viel geschlafen, in dem Abteil, wo außer uns noch ein Paar war, das offenbar nach Feldkirch umgezogen ist, jedenfalls einen Teil seiner Möbel und große Taschen mitschleppte.

Um acht Uhr zwanzig in Zürich angekommen. Da habe ich noch vorher eine Szene meines „Nanowrimos“ geschrieben, damit ich doch nicht so aus dem Fluß herauskomme, in den Zug nach Basel umgestiegen, dort gefrühstückt, Cafe latte mit Croissant und dann zum Hotel gegangen. Das man leider um zehn noch nicht beziehen konnte, also nur die Tasche abgestellt.

Das Volkshaus, wo ein Teil des Festivals stattfindet, befindet sich in der Nähe. Wir haben aber nur kurz hineingeschaut, da das Programm erst am Abend, beziehungsweise Nachmittag begann, in die Stadt gegangen, die sehr schön ist mit sehr schönen alten Häusern, direkt am Rhein in einer Pizzeria mit Blick am See Mittag gegessen und in zwei Buchhandlungen sind wir auch gegangen.

Zuerst zu „Orell Füssli“, dort habe ich, während ich auf den Alfred gewartet habe, das „Buch- Wien-Programm“, das ich noch in der Tasche hatte, durchgeblättert, um zu sehen, was ich versäume und mir dann schon parallel dazu das Programmheft der Buch Basel vorgenommen.

Club der ungelesenen Bücher

Club der ungelesenen Bücher

Bücherschrank am Wettsteinplatz

Bücherschrank am Wettsteinplatz

Die zweite Buchhandlung war die Partnerin des Festivals, also die, die am Abend die Bücher dort verkaufte und in der Buchhandlung lagen die Schweizer Buchpreisbücher und die Programme auf. Tickets konnten auch gekauft werden, aber ich holte mir den Festival um cicra vier beim Festival ab. Vorher habe ich ein bißchen korrigiert und geschlafen und dann wollten wir uns eigentlich die Ergebnisse anschauen, die Gianna Molinari, ich glaube die Vorjahrs-Schweizer-Buchpreisgewinnerin, zumindest war sie nominiert, mit einer Schreibwerkstatt geschaffen hat. Die haben wir dann aber nicht gefunden. So ging es zu einer Schaufensterlesung, wo und das finde ich originell, als kleiner Teaser für das Festival fünf Autoren, ich glaube hauptsächlich Debutanten, zehn Minuten aus ihrem Werk gelesen haben, das sie dann in den nächsten Tagen noch genauer vorstellten.

Ein paar Stühle waren vorsorglich mit Decken versehen auf der Straße vor dem Kaufhaus aufgestellt. Die Autoren saßen im Schausfenster und die erste war Guila Becker mit „Das Leben ist eines der härtsten“ ein Buch das ich gelesen habe, mir aber nicht so gefallen hat. Kristin Höller, Yael Inokai und  Guy  Krneta folgten. Die Letzte wäre, höre und staune Angela Lehner gewesen, was natürlich die Frage aufwirft, wozu fahre ich nach Basel, wenn ich da die Leute treffem, die ich vorher schon auf der „Buch-Wien“ gesehen habe?  Aber natürlich, die „Buch -Basel“ ist ein internationales Literaturfestival, während ich ja eigentlich um mein Schweizer Literaturwissen zu vertiefen hergefahren bin, hatte auch drei der Schweizer Nominierten in der Tasche, weil ich den ja “ Schweizer Buchpreis“ lese und ein paar andere Schweizer Bücher warten auch auf mich.

Sibylle Berg

Sibylle Berg

Jazzchor und Franz Hohler

Jazzchor und Franz Hohler

Je zehn Minuten hätten die Jungautoren lesen sollen, nach der dritten war es aber schon dreiviertel sechs und um halb wurde das Volkshaus geöffnet, so sind wir vorsorglich gegangen, was sehr gut war, weil wir da schon nur weit hinten Plätze bekamen.

Katrin Eckert, die Festivalintentanten eröffnete und gab bekannt, daß leider leider die Festvalrednerin Olga Tocartczuk wegen dem „Nobelpreis-Trubel“ abgesagt hat und statt ihr Carolin Emcke die Eröffnungrede halten würde, was klar ist, denn als Herta Müller, die auch auftreten soll, den „NP“ bekommen hat, hötte sie auch bei der „Literatur im Herbst“ auftreten sollen und ist nicht gekommen.

Vorher gab es aber noch ein paar weiter Teasers als Vorgeschmack auf das Programm, was ich sehr spannend finde, ein Schwerpunkt des Festivals ist das Thema „Zukunft jetzt“ dazu stellte Carolin Emke die „Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels von 2016“ ohnehin ihr neues Buch vor, es gibt aber auch eine junge wilde Schiene, die Kostproben gab und eine musikalische Untermauerung vonYves Neuhaus gab es auch.

Dann gab es  den Apero wie das in der Schweiz so heißt und ich ließ mir von Alfred zum Geburtstag Eugen Ruges „Metropol“ kaufen, ein Buch auf das ich schon lage scharf bin und nachher hatten wir uns zu entscheiden, ob wir zu Caroline Emcke oder Thomas Hürlimann wollten, eine Wahl die mir schwer fiel, weil mich ja beides interessierte, aber Caroline Emckes Buch zur „Me to Debatte „Ja heißt ja und..“ war sicher interessant und wir haben die Diskussion mit Thomas Strässle auch sehr genossen.

Am Samstag hatte man dann die Qual der Wahl, denn mehrere Veranstaltungen gleichzeitig und so konnte man sich zwischen Lesungen der fünf Buchpreisnominierten, was ich eigentlich tun wollte und vielen anderen kleineren oder größeren Schwerpunkt- und anderer Events entscheiden.

Eric Facon, Dror Mishani

Eric Facon, Dror Mishani

Herta Müller im Gespräch

Herta Müller im Gespräch

Leider stimmte das Programm nicht immer und so wurde schon die erste Schweizer Buchpreislesung Alain Claude Sulzers „Unhaltbare Zustände“ in einen der oberen Säle verlegt und das Buch, das ich mir auch in die Schweiz mitgenommen habe, ist sehr interessant. Es berichtet von den Veränderungen, die einen Schaufensterdekorateur 1968 passieren und dann hätte Ivna  Zic lesen sollen, deren Buch ich bereits besprochen habe. Deshalb haben wir uns entschlossen essen zu gehen, in ein „Klara“ genanntes Lokal, in dem es nicht nur sechs Foodstationen, sondern auch das Radio Programm der „Buch-Basel“ gab. Also wieder etwas Neues gesehen.  Dann kam Sybille Berg mit ihrer Lesung dran, die ich schon in Wien hörte und dann hätte eigentlich Tabea Stein im Festsaal folgen sollen. Es wurde aber über über Bastian Berbners Buch „Gegen den Hass“ diskutiert, in dem er Beispiele von Leuten beschreibt, die dadurch, daß sie Flüchtlinge persönlich kennenlernten, ihre Vorurteile überwunden haben.

Dann war die Wahl zwischen Simone Lippert, deren Buch ich gerade begonnen habe und Dana Grigorcea mit der ich ja einmal im Schiff von Bratislava nach Wien gefahren bin, die hätte eigentlich Hana Abbas vorstellen sollen.

Es war  aber das Gespräch über das Buch von Asije Mujgan Güvenli einer schweizer-türkischen Autorin, die in der Türkei einige Jahre im Gefängnis gesessen ist und jetzt ein Buch auf türkisch darüber geschrieben hat, in dem sie versuchte, die positiven Seiten dieser Zeit darzustellen. So haben sich die inhaftierten Frauen mit Musik beschäftigt, Lieder gesungen oder einander Filme erzählt und interessant dabei war auch, daß ich im Publikum Elisabeth Wandeler-Deck gesehen habe, die ich ja von der „Alten Schmiede“ kenne.

Danach war eine kleine Pause, den wir für einen Gang zu einem offenen Bücherschrank nützen, um auch diesbezüglich etwas zu tun und da habe ich mir und das ist auch sehr interessant, drei Schweizer Bücher herausgesucht, nämlich Thomas Hürlimanns „Fräulein Stark“, der auch beim Festival gelesen hat, dann Hansjörg Schneider „Das Paar im Kahn“ und Alex Capus „Leon und Louise“ von dem ich allerdings nicht sicher bin, ob ich es nicht schon habe und der Alfred hat mir noch Franz Hohlers „Päckchen“ gekauft, so daß ich meine Schweizer Bibliothek wieder etwas aufgefüllt habe, dann gings zu einer interessanten Veranstaltung zu einem interessanten Ort, nämlich zu einer Velo-Werkstatt die sich „Obst&Gemüse“ nennt und dort wurde der „Club der ungelesenen Bücher“ vorgestellt. Vorher hat es eine andere Veranstaltung gegeben, wo auch eine Bekannte nämlich Eva Schörkhuber, die ich vom Volksstimmefest kenne, gelesen hat und bei dieser Veranstaltung wurde zuerst ein Buch von Gion Mathias Cavelty vorgestellt, das „Endlich Nichtleser“ heißt, in dem er sich sehr gegen das Lesen ausspricht.

lick auf Basel

Blick auf Basel

Dann wurden drei Experten, nämlich Thomas Strässle, der ja im Schweizer Literaturclub auftritt, eine Bloggerin namens Anette König und Stephan Bader vom „Literarischen Monat“ zu ihrem Leseverhalten befragt und dann sollten sie ein Buch, nämlich der des 1989 geborenen Juan S Guse, der argentinischer Abstammung ist „Miami Punk“, das sie nicht gelesen haben, besprechen und dann wurden sie noch danach gefragt, welches Buch sie nicht gelesen haben?

Interessant, interessant und sehr erfrischend einmal ein anderer Einblick in das Literaturgeschehen, wo man ja immer hört, daß man lesen und lesen soll, die Leute es dann aber doch nicht so tun.

Am Sonntag ist es  zur Veleihung des „Schweizer Buchpreises“  ins Theater Basel gegangen, im Gegensatz zum „Österreichischen Buchpreis“ und wahrscheinlich auch zum deutschen war die Veranstaltung kostenlos und öffentlich zuggängig und ansonsten ähnlich zu den beiden anderen gestaltet. Beim „Schweizer Buchpreis“, der seit 2008 existiert, gibt es nur eine Shortliste und die bestand bekanntlich heuer aus Sibylle Berg, Simone Lappert, Tabea Steiner, Alain Claude Sulzer und Ivna Zic und die fünf Nominierten wurden und das ist vielleicht ein Unterschied zu Österreich jeweils von einem Jury-Mitglied vorgestellt. Filmchen gab es keines, dafür eine Lesung des Buchanfangs und sehr angenehm habe ich empfunden, daß jedes Mitglied seinem Autor zur Nominierung gratulierte.

Dann wurde es spannend, obwohl Alfred schon seit einigen Tagen Sybille Berg den Gewinn voraussagte. Ich hätte noch Simone Lappert und Alain Claude Sulzer zusätzliche Chancen zugeschrieben und den beiden anderen eher nicht.

Aber wenn man die Vorjahrslisten anschaut, haben da öfter auch Debutanten gewonnen und das war es auch, was der Jurysprecher Manfred Papst betonte, daß es um das Buch und nicht um das Gesamtwerk geht, aber trotzdem Sybille Berg war die Gewinnerin, die überrascht tat oder es vielleicht auch war nachher gab es den Apero, also Wein und Sekt und kleine Häppchen. Ich ließ mir das Buch von Simon Lappert signieren, das ich gerade lese und es  in der Tasche hatte und erlebte eine Überraschun, als ich eine Stammbesucherin der „Alten Schmiede“, die auch einen Wohnsitz in Basel hat, traf. Mit ihr haben wir uns am Nachmittag im Volkshaus verabredet, denn da gab es noch einige Veranstaltung.

Zuerst wurde der Schweizer Schriftsteller Franz Hohler, von dem ich mir ja ein Buch kaufen ließ, verjazzt. Das heißt, der Jazzchor Basel sang zu seinen Texten. Dann wurde ein Krimi aber auch Liebesbuch  von Dror Mishani, einem israelischen Autors, namens „Drei“ vorgestellt und am Schluß kam Herta Müller, die „Nobelpreisträgerin“ von 2009 und erzählte von den Erfahrungen die sie in der rumänischen Diktatur machte, wie sie einen prägt und zeigte anschließend ihre Collagen, die ihr Freiheit gaben. Sie sprach da von einem „Wortbesitz“ den es  in Rumänien nicht gab und ich dachte, daß es interessant wäre Sibylle Berg und Herta Müller über die derzeitigen Zustand in Deutschland, es gibt ja Leute die behaupten, man lebt dort schon in einer Diktatur und könne nicht mehr seine Meinung sagen, zu einer Diskussion zusammenzubringen.

Das war dann die „Buch-Basel“, neue Bücher, überraschende Begegnungen, spannende Einsichten, obwohl ich sicher viel und vor allem auch einen großen Teil der „Buch -Wien“ versäumte, die inzwischen schon zu Ende gegangen ist.

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