Literaturgefluester

2019-11-26

Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer

Buch sieben des Öst und das dritte das dort auf der Shortlist stand. Karl Markus Gauss „Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“ aus dem ich schon in Göttweig und im Sommer bei den O-Tönen hörte, wo mir der 1954 in Salzburg geborene freundlich die Hand gab, keine Ahnung woher er mich persönlich kennt, obwohl er mir ja einmal einen Brief auf meine literarischen Zusendungen schrieb und das Buch ist mir sehr sympathisch, zumindestens die Idee dazu, ist es doch eine, die ich zumindestens früher in meinen Werken auch sehr verfolgte, hat doch Karl Markus Gauss der große Reisende, der vor allem die osteuropäischen Länder erforschte und viele Bücher darüber schrieb, sich auf die Reise durch seine Wohnung aufgemacht und die Gegenstände die es dort gibt erforscht.

Zuerst geht es da nach Salzuburg und in Salzburg bin ich ja auch öfter gewesen, habe seit es das „Geflüster“ gibt zweimal dort gelesen und vorher auch schon im Literaturhaus beim „Sichten und Vernichten-Symposiun“ eine GAV-Versammlung gab es dort auch einmal und als Studentin bin ich mit der Monika einmal länger dort gewesen, da bin ich durch das Neutor gegangen, wo der Berg in vorigen Jahrhunderten durchgetrennt wurde, um in die Stadt zu gelangen und dort steht irgendwo auch das Haus, das Gauss, seit den mehreren Jahrzehnten mit seiner Familie bewohnt und das, wie er schreibt wie ein umgekehrtes Schiff aussieht und der erste Gegenstand der gewürdigt wird, ist ein Brieföffner einer Eternitfirma, was Gauss veranlaßt ein bißchen die Aspest-Geschichte, wo viele Arbeiter daran gestorben sind, bevor es verboten wurde, zu erforschen.

Vom Brieföffner geht es zu den Briefen, die heute von Gauss auch schon in Mailform erledigt werden und dann zum Thema Warten, daß es ja in den verschiensten Formen gibt, das Verhältnis von Macht ausdrückt und Gauss das Kapitel mit der Feststellung schließt, daß wir unser Leben bis zum Tod mit Warten auf irgendwas verbringen.

Von einem alten Koffer kommt Gauß zu seinen Schwiegervater, der damit als Kind Südtirol verlassen hat, seine mütterlichen Vorfahren sind Donauschwaben, so gibt es in der Küche ein Kochbuch der Großmutter in dem alle multikulturellen Gerichte stehen, die er als Kind oft gegessen hat.

Der Schreibtisch steht neben dem Bett und bevor der beschrieben wird, kommt es zum Namensgeber des Buches nämlich Xavier de Maistre, der eine ähnliche Irrfahrt machte, als er zweiundvierzig Tage das Zimmer als Gefängnis hatteund Sophie la Roche hat im neunzehnten Jahrhundert  ihren Schreibtisch  beschrieben. Der Aschenbecher auf seinen stammt vom amerikanischen Onkel Hugo,  der ihn aus Venedig mitbrachte, als er dieses einmal mit Gauß Mutter besuchte.

Gauss, der Tassen, Duschhauben und auch Bilder und Bücher sammelt oder viele von ihnen besitzt, stellt dann die Frage, wie das mit dem Besitzen sei und zitiert Beispiele von Menschen, die sich von ihren Besitztümern getrennt haben, um Kunst daraus zu machen oder ein besseres Lebensgefühlt zu entwickeln.

Es gibt, das afrikanische Zimmer im Hause Gauss, das ist das zitronengelb ausgemalte, in dem früher die Tochter wohnte, die nach ihrer Matura für einige Zeit nach Afrika ging und von dort Erinnerungstücke mitbrachte, die Gauss für sie bewahrt.

Es gibt ein T-Shir des  berühmten Freiheitskämpfers stjepan Filipovic, das Gauss in Zagreb geschenkt bekam aber weder tragen noch wegwerfen will und es gibt eine Uhr die ihm vom Freunden geschenkt wurde, die er nur selten aufzieht, weil der Lärm den sie beim Schlagen macht zu störiend ist und es gibt das Original eines Gedichts von Albert Ehrenstein, über den Gauss sein erstes Buch schrieb, das ihm ein Freund verehrte, da  an seiner Alkoholsucht verstorben ist.

So gibt es einen Exkurs über den Rausch und den Fensterblick gibt es auch. Da steht Gauss am Fenster seines Hauses, schaut auf die Stadt Salzburg hinaus und seine Gedanken schweifen überall hin. Nach Kroatien, wo er mit seinen kleinen Kindern, manche Sommer verbrachte, zu den Toten des zweiten Weltkrieges.

Einen Exkurs über den Sinn des Krieges gibt es auch, denn hätte es den nicht geben, wären seine Eltern wohl nicht zusammengekommen und es hätte ihm nicht gegeben.

Man sieht, das Buch schweift weit über Gausses Zimmer und seine Gegenstände hinaus und wärefast eines der „Ungeschriebenen Bücher“ geblieben, denen Gauss ebenfalls ein Kapitel widmet.

Der Zufall hat ergeben, daß das anders wurde und so erfahren wir, wenn wir wollen und uns die Zeit dafür nehmen, viel über die Gaussche Wohnung, seine Gedanken, seine Ansichten, seine Lebenswelt, etcetera.

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