Literaturgefluester

2019-12-31

Romane schreiben

Filed under: Bücher — jancak @ 18:24
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Jetzt bin ich zwischen Weihnachten und Neujahr, als ich mit dem vierfachen Buchpreisbloggen so langsam fertig war und auch meine Empfehlungen für das beste Debut 2019 abgegeben habe und bevor Jurenka Jurk mit ihrem kostenlosen Miniwebinar  zum Romanjahr 2020 beginnt, während des Korrigierens meiner Schreibartikel meines zweiten „Literaturgeflüsterbuchs“ wo ich mein Schreiben ja kontinuierlich reflektiere, zu Gustav Ernst und Karin Fleischanderls, den Gründern der „Leondinger Akademie“, wie auf dem blauen Cover steht, Schreibratgeber „Wie schreibe ich einen guten Roman? Profis geben Antwort“ gekommen, den ich angefragt habe, als ich bei der Präsentation von „Romane schreiben“ in der „Gesellschaft für Literatur“ war.

Ein Buch, das ich mir ja, wie man vielleicht meinen könnte, gar nicht bestellen bräuchte, schreibe ich ja schon über fünfundvierzig Jahre, habe ab 1973 mit dem literarischen Schreiben angefangen und beschäftigte mich, da ich damit offensichtlich nicht so erfolgreich bin, auch kontinuierlich damit und habe auch schon einige Schreibratgeber gelesen.

James N. Frey „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ war der erste davon, den ich mir in einer dieser Weltbuchhandlungen vor zwanzig oder so Jahren einmal verschämt kaufte und mit seinen Prämissenregeln  nicht so warm geworden bin.

Seit ich in Jurenka Jurks Mailverteiler gekommen bin, beschäftige ich mich auch mit der Frage wie man einen Roman spannend gestalten kann und, wieso  meine Texte, das nicht sind und den 1944 geborenen Gustav Ernst kenne ich auch schon lange, war er doch, als ich 1980 war das, glaube ich, einen meiner ersten Texte in diesem „Literatureck“ in der „Alten Schmiede“ vorstellte, gemeinsam mit Marie Therese Kerschbaumer, die ich damals schon vom Arbeitskreis kannte, einer der beiden Kritiker, die den Text, den ich damals vorgelesen habe, auch gehörig verissen haben, war aber, glaube ich, immer ein Fan von ihm und habe auch einiges von ihm gelesen, ist er ja ein realistischer Autor, schreibt also so, wie ich es auch gern will und treffe ihn auch immer regelmäßig im Literaturhaus, wenn er beispielsweise, die Laudation für den neuen „Prießnietz-Preisträger“ hält, denn gemeinsam mit Robert Schindel war oder ist er ja soetwas, wie derMentor der österreichischen Literatur, hat die besagte „Leondinger Akademie“ mitbegründet aus der Autoren, wie Anna Weidenholzer aber auch Luis Stabauer hervorgengen ist, hat mit Robert Schindel auch den „Hochschullehrgang für Sprachkunst“ gegründet und nun mit seiner Frau, der Italienischübersetzerin Karin Fleischanderl einen Schreibratgeber herausgegeben.

Einen literarischen Schreibratgeber, füge ich gleich hinzu, obwohl sich der Aufbau des Buches wahrscheinlich nicht so sehr von dem unterscheidet, wie auch James Frey seinen Lesern das Romanschreiben beibringen will oder Jurenka Jurk ihren „Romanfahrplan“ gestaltet hat.

Die Ausdrücke, die er und Karin Fleischanderl dabei gebrauchen sind nur, das ist mir schon während der Präsentation aufgefallen, ein wenig anders.

Das Wort „Heldenreise“ wird, glaube ich, nicht erwähnt und auch nicht das berühmte „Show not tell“, das wird nur in der Einleitung oder gleich danach, an dem Beispiels eines Autounfalls, wo zwei der beteiligten Personen miteinander zu raufen beginnen, so beschrieben und in der Einleitung wird erklärt, warum sich die Beiden entschloßen haben, jetzt auch einen Romanratgeber zu schreiben.

Weil eben so viele Leute nach ihrem Studium oder neben ihrem Beruf oder in der Pension zu schreiben beginnen wollen und dazu das nötige Know how brauchen. Da wird dann auch erklärt, daß das in der Musik und in der bildenend Kunst immer schon so war, daß man das Handwerk lernen mußte und konnte,  bei der Literatur war das nur im angelsächsischen Raum so, bei uns nicht, aber natürlich mußte man das Schreiben durch Üben, durch Lesen, durch Gespräche mit Kollegen oder Lektoren erlernen.

Dann beginnt es, was mich ein wenig verwunderte mit einem Kapitel, das sich „Autorenschaft“ nennt und da wird der Typ des Autors beschrieben und auch erklärt, daß man Geduld und ein gutes Zeitmanagement benötigt und sich auch über seine Motive des Schreibens klar werden sollte.

Das ist ja ein Punkt, über den ich manchmal stolpere oder ein bißchen Widerwille bei der Frage, warum will ich schreibe, verspüre.

Aber Gustav Ernst führt das Beispiel an, daß es wahrscheinlich kein edles Motiv ist in einem  Schlüßelroman seine schlechte Ehe oder seine Kindheit zu verarbeiten.

Das sehen Josef Winkler oder Florjan Lipus wohl ein wenig anders und interessant ist auch, daß die Beiden schreiben, daß die erste Fassung wahrscheinlich immer mißlingt und man sich an Kritik gewöhnen oder sie auszuhalten lernen muß, beziehungsweise bei Kritik, die Person vom Text zu trennen, nicht „Ich bin ein schlechter Autor!“, sondern „Der Text ist noch nicht gut und wenn ich ihn besser haben will, muß ich mich hinsetzten und ihn überarbeiten, eine zweite, dritte, vierte Fassung schreiben, etcetera!“, denken soll.

Das ist auch ein Punkt bei dem es bei mir vielleicht ein wenig hapert, aber auch ich bemühe mich und arbeite daran besser zu werden.

Dann springen die Beiden  hinein in das Medias Res und beginnen von der literarischen Sprache zu sprechen, die der Autor braucht oder, um die er sich bemühen muß und soll.

Da scheinen die Beiden sehr streng zu sein und erlauben keine schiefen Metaphern und auch keine Grammatikfehlern. Nun gut, damit hapert es vielleicht bei mir ebenfalls und dann kommen sie gleich zu dem schon erwähnten Beispiel mit dem Autounfall, den man beschreiben soll.

Man sieht, es ist ein sehr praktisches Buch und bevor es noch an die Figuren und die Dramaturgie geht, fahren die Beiden mit einem noch in einem Schnellverfahren durch die ganze Romanarbeit, erklären, daß der erste Satz gut sein muß, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln, zitieren dabei Kafkas „Prozeß“, man sieht die Latte liegt hoch, sie warnen aber auch vor der „Fetischierung des ersten Satzes“ und wenn ich an meine Romananfänge denke, dann muß ich gestehen, daß sich bei mir die ersten Sätze sehr oft gleichen, nun gut, ich bin ein wenig schlampert und habe vielleicht  deshalb keinen Verlag gefunden.

Das regelmäßige Schreiben wird auch erwähnt, das man braucht, um das Ding fertigzukriegen und von der Lust wird gesprochen, sich dabei zwei doer drei Jahre an der Stange zu halten, bis es eben so gut ist, daß man es an einen Verlag schicken kann.

Beim Thema bleiben, nicht abschweifen, sich immer wieder Figuren, Handlung und Konflikt in Erinnerung rufen und vor allem den Roman erst dann an den Verlag zu schicken, wenn man wirklich glaubt, daß er fertig ist, wird geraten, etwas was ich vor zwanzig dreißig Jahen wahrscheinlich nicht gemacht habe und deshalb wohl auch keinen gefunden habe.

Dann wirds konkreter, denn dann gehts, ab Seite 59 in die „Dramaturgie“ und hier erklären die Autoren sehr genau, daß „Dramaturie, die optimale Organisation der spezifischen Elemente und Materalien eines Mediums in einer bestimmten Zeiteinheit mit dem Ziel daraus ein spannendes und attraktives in sich geschlossenen Ganze herzustellen“, darstellt.

Im Roman heißt das meistens  „Erzähl- oder Romanstruktur“ und die Autoren sprechen  davon, daß „die Figuren in manchen Romanen flach und papierern, die Handlung an den Haaren herbeigezogen und die Geschichte chaotisch erzäht wird“.

Ein Grund mehr sich mit der Dramaturigie seines Romans zu beschäftigen, ober besser, was Gustav Ernst auch seinen Lesern rät, ein Drehbuchworkshop zu besuchen und da kann ich gleich aus meiner Schule plaudern, daß die IG Autoren einmal, ich glaube, das war in den Neunzigerjahren und ich bin noch nach Harland gependelt, ein solches Symposium angeboten haben, Gustav Ernst war sicher dabei und dann konnte man sich auch, um ein solches Workshop bewerben. Ich habe, glaube ich, dazu eine einer meiner damals eher flachen  Geschichten eingereicht und wurde nicht auserwählt.

Im Buch geht es jetzt ans Ganze, sprich an die Figuren, die ja innere und äußere  Schwierigkeiten, sprich einen Konflikt haben müßen, um den Leser an der Stange zu halten.

Man braucht die Hauptfigur, sprich den Protagonisten und seinen Gegenspieler, den Antogonisten, da kann ich gleich wieder plaudern, daß es bei mir meistens daran hapert und mir der meistens fehlt.

Passive Helden erklären die Autoren, gibt es nicht, außer sie liegen auf der Intensivstation und dann wird die Geschichte meist von einem Angehörigen, einem Arzt oder einem Pfleger erzählt.

Man soll oder kann sich eine Biografie für seine Figuren anlegen, wird geraten, ich verwende da die Charakterbögen der Jaqueline Vellguth von der „Schreibwerkstatt“ und dann kommt es schon zur Handlung. Das Wort Plot wird nicht erwähnt, aber von einer Dreiaktstruktur gesprochen und die am Beispiels eines Romans über eine Scheidung, dargestellt.

„Eine Frau (A) hat Probleme in der Beziehung mit ihrem Mann (B), dem Antagonisten, führe ich an und möchte sich von ihm trennen. Dabei treten weit mehr Schwierigkeiten auf, als A gedcht hat. Aber schließlich gelingt die Trennung doch. A beginnt ein neues Leben.“

Das könnte man nun auch als „Heldenreise“ darstellen, mit der ich ja bisher immer meine Schwierigkeiten hatte. Hier wird die Handlungsstruktur an einigen Beispielen durchexerziert und am Schluß die Erzählperspektiven erklärt.

Da gibt es den allwissenden auktorialen Erzähler oder den Ich-Erzähler, was meistens die Frau sein wird. Es gibt die personale Erzählweise, sowie den verschwundenen Erzähler und die Autoren raten, es sich vor allem für den Anfang nicht zu schwer zu machen und sich nicht zu viel vorzunehmen.

Den autobiografischen Roman gibt es auch. Da erzählt man oder möchte es, von seinem eigenen Erleben erzählen. Muß dabei aber, wie die Autoren erwähnen, vieles weglassen und neu ordnen, weil ja nicht alles, was man für sich selbst für wichtig hält, auch den Leser interessiert.

Dann geht es zum Dialog, auch nicht gerade meine Spezialität, aber sicher die von Gustav Ernst und der führt in dem Buch auch genau auf, welche Dialogformen, den epischen, den funktionalen, den Konfrontationsdialog, den Interwiew-Dialog, den Erklärungsdialog, den redseligen, den spielerischen, den absurden, es gibt und führt Beispiele in Bezug auf seinen fiktiven Scheidungsroman an.

Dann werden noch die Schreibweisen und die Textformen erklärt. Es gibt da ja beispielsweise die Montagetechnik. Alexeander Döblin hat seinen „Berlin Alexanderplatz“ in dieser Form geschrieben und John Dos Passos sein „Manhattentransfer“.

Komik, Ironie und Humor werden erläutert, bevor es zu den Katastrophen im Text, beispielsweise den Kitsch, kommt. Natürlich soll man auf seine Sprache achten. also nicht zuviele Adjektive verwenden und überhaupt das schlechte Deutsch vermeiden, bevor es an die Verlagssuche geht.

Da gibt es auch ein paar Hinweise, worauf man da achten soll und ein paar Adressen werden angegeben und nun auf zum Romanschreiben würde ich sagen.

Bei meinem „Fräulein No“ kann ich ja noch ein bißchen auf die Spannung und die Sprache achten und es ist sicherlich auch interessant zu beobachten, ob beispielsweise „Haymon“ wo Gustav Ernsts Ratgeber ja erschien, in einem Jahr mehr Manuskripte bekommt, die nach Gustav Ernsts Empfehlungen geschrieben wurde und ich weiß nicht genau, was es bewirkt oder verändert hätte, wenn ich das Buch beispielsweise dreißig oder vierzigJahre früher in die Hände bekommen hätte.

Bin mir nicht einmal sicher, wieviel ich damals von dem was darin steht, verstanden hätte, denn Schreiben lernt man wahrscheinlich doch durch Erfahrung und das tun.

Trotzdem kann ich das Buch allen Schreibwilligen und Schreibinteressierten sehr empfehlen und werde es sicher auch weiterverwenden.

Zurückgeschaut

Wieder geht ein Jahr zu Ende und 2019 war irgendwie ein ungewöhnliches Jahr, in dem einiges nicht so, wie geplant passierte, ich mir einen offenen Knöchelbruch und einen Gips zuzog, daher seit fast sechzig Jahren wieder einmal imKrankenhaus war, Großmutter wurde und, um auf den literarischen Bereich, um den es hier  hauptsächlich gehen soll, zwei Bücher heraussgebracht habe.

„Die Unsichtbare Frau“ und die „Magdalena Kirchberg“ sind erschienen, ich habe wieder einmal beim „Nanowrimo“ mitgemacht und da das „Fräulein No“ konzipiert, das noch korrigiert werden muß, weil ich ja noch an meinem zweiten „Literaturgeflüsterbuch“, wo es um „Mein Schreiben, meine Bücher“ geht, korrigiere, was das Jahr 2019 wirklich zu einem Romanjahr machte, habe ich ja das Jahr begonnen oder das letzte damit beendet, mich mit Jurenka Jurks Webinaren zu ihrer „Romanausbildung“ zu beschäftigen, woraus, glaube ich, die Idee entstand, mich mit meiner eigenen Romanproduktion zu beschäftigen und das, was sich ohnehin schon im Blog befindet, sozusagen literaturwissenschaftlich zusammenzufassen.

Wegen des Gips bin ich heuer nicht nach Leipzig gekommen, sondern habe mir das wieder von zu Hause über das Netz virtuell gegeben und am Osterspaziergang der LitGes war ich auch nicht. Das hätte ich wegen dem Gips vermutlich nicht geschafft, wäre aber wahrscheinlich auch so nicht hingekommen, weil da gleichzeitig das „Literatur und Wein Festival“ in Krems und Göttweig stattfand.

Wegen dem Gips habe ich eine etwa sechswöchige Veranstaltungspause gemacht und daduruch wieder mehr gelesen, obwohl es trotzdem insgesamt nur hundertdreiundsechzig Bücher geworden sind, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

Buchpreisgebloggt habe ich aber wieder und diesmal waren das sogar vier verschiedene Aktionen, nämlich die deutschen, die österreichischen und die Schweizer Buchpreisbücher, weil wir ja heuer statt auf der „Buch Wien“ auf der „Buch Basel“ waren und da die Vergabe des „Schweizer Buchpreises“ auch live verfolgten.

Das heißt auf der „Buch-Wien“ war ich schon, allerdings nur am Mittwoch bei der Eröffnung und dann am Donnerstag und da hat es heuer sogar eigene Bloggeraktionen gegeben und was das vierte Buchpreislesen betrifft, sind wir schon bei meinen Jurytätigkeiten angelangt, denn ich bin ja in zwei Juries, obwohl mir manche ja so gerne den Hobbyautorenstatus zuschreiben möchten, den ich für mich nicht gelten lasse, so bin ich seit 2007Jurorin beim „Ohrenschmaus“ dem „Literaturpreis für Menschen mit Lernschwierigkeiten“ und seit 2016 Mitglied des „Bloggerdebutpreises“ und habe mich da auch durch die Shortlist gelesen, so daß ich mich eigentlich für ziemlich belesen halte, was zwar auch niemand bemerkt, was aber  nichts macht.

Bei Veranstaltungen bin ich abgesehen vom März und dem halben April auch gewesen und meine üblichen Lesungen habe ich auch gehalten.

So habe ich wieder sowohl beim Volksstimmefest als auch bei der „Poet Night“ gelesen. Habe die „Unsichtbare Frau“ bei den „Wilden Worten“ vorgestellt und hatte mit ihr sogar eine Lesung im „Republikanischen Club“ und eine im Cafe Westend ja und bei Erika Kronabitters Geburtstagsfest  habe ich auch daraus gelesen.

Ein Begräbnis gab es leider auch, ist doch meine Arbeitskreisgefährtin Hilde Langthaler im Jänner gestorben, was auch einige Gedenkveranstaltungen mit sich brachte.

Mit der Ruth bin ich noch einmal durch den öffentlichen Raum gegangen und zwar haben wir da die „U-Bahnkunst“ betrachtet und in der Schweiz waren wir in diesem Jahr auch zweimal. Im November, wie schon erwähnt bei der „Buch-Basel“, im Sommer beim Filmfestival in Locarno, wo ich auch mein Schweizerlesen vertiefte und in Basel neben dem Literaturfestival auch fleißig an meinem siebenten „Nanowrimo“ beziehungsweise dem „Fräulein No“ geschrieben habe.

Das war es 2019, die Lia ist schon ein halbes Jahr und eine politische Veränderung mit einigen Demonstrationsbesuchen hat es auch gegeben. Meine Bücherberge sind auch wieder angewachsen, während es sonst, was das Schreiben betrifft, so ähnlich wie bisher war.

Das heißt, der Durchbruch ist mir wieder nicht gelungen und den „Nobelpreis“ hat was mich sehr freute und bei mir  keine Kontroverse erregte, Peter Handke gewonnen, von dem ich im neuen Jahr mindestens die „Obstdiebin“ lesen will.

2019-12-30

Ich habe große Städte gesehen

Filed under: Bücher — jancak @ 10:21
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Nachdem ich nun seit Ende August Buchpreis gelesen habe zwischen Weihnachten und Silvester eingepresst, ein paar Gedichte, nichts Besonderes oder doch vielleicht, denn „Naturgedichte wird man hier, wie Björn Kuhligk in seinem Vorwort der „Diogenes-Gedichtgesammtausgabe“ des 1944 geborenen und 1987 auf der Autobahn überfahrenen Jörg Fausers schrieb, „werden Sie hier nicht finden!“, hat sich doch sein Leben zwischen Marokko, London , Paris, New York und München abgespielt und hat seine autobiografische Gedichte oft auch zu „konzentrierten Kurzgeschichten“ gemacht, die auf der Straße, bei den Nutten von Alkohol und Drugs umgehen spielen.

Jörg Fauser, der von Marcel Reich-Ranicki als er einmal in Klagenfurt gelesen hat, total fertiggemacht wurde „Dieser Autor hat hier nichts verloren!“, hat er großspurig gerufen und es wohl geglaubt und Jörg Fauser hat sich, glaube ich, auch eher als Journalist verstanden und sozialkritische Krimis geschrieben, von denen ich vor kurzem einen gelesen habe, scheint „Diogoenes“ ja sein Gesamtwerk herauszubringen und ich habe einige seiner Bücher auch noch in Harland und in Wien auf meinen Bücherstapel liegen.

Keine sehr ästetisch angehauchte Lyrik sondern eine die von Charles Bukowski, Jack Kerouac und William S. Burroughs inspiriert sein könnte, sondern eine die das Leben von unten beschreibt und eine, die also mir, die ich zwar nicht so sehr von den Beat Poeten und den Drugs inspiriert bin, sehr sympathisch sein müßte.

Sie ist es auch, hatJörg Fauser doch, wie der ebenfalls dichtende  Björn Kuhligk  in seinem Vorwort schreibt, den Satz geprägt, daß „Dichter, die kein Publikum haben, pathetische und sinnlose Figuren sind“, was auf mich zutreffen könnte und ich von mir genausowenig, wie von Jörg Fauser glaube, der, glaube ich, mit den Drugs und dem Alkohol sein Problem hatte und deshalb vielleicht auch auf der Autobahn kurz nach seinem Geburtstag überfahren wurde.

Gehen wir sie also durch die gesammelten und neuherausgegebenen Gesichte von Jörg Fausers, die Roadlyrics, die auch in „London“ beginnen

„Jeden Tag eine neue Bombe. Und jeden Tag wählen die Lämmer den Metzger zum König“

In den Neunzehnsechzigerjahren geschrieben und trotzdem hochaktuell könnte man meinen, hat es Björn Kuhligk in seinem Vorwort auch so geschrieben.

Es gibt die „Abende eines Sommers“

„Trink die Milch der Nacht

der Föhn bläst Gott voraus

Asche in die Täler“,

die ein bißchen an die „Todesfuge“ denken lassen könngten.

Und in „Das Fest ist aus“, schreibt Fauser „In der Straße zwischen Nacht und Morgen verbrenne ich meine Gedichte“, ja dieses Motiv gibt es auch, ebenso wie „Fauser schreibt wieder einmal unverständliches Zeug, nicht tief, nicht kritisch, nicht deutsch genug, trister Typ, der kaum was bringt außer abgekauten Erinnerungsfotos.“

Und in „Trotzki, Goethe und das Glück“, wie wohl auch einer seiner zu Lebzeiten herausgegeben Gedichtbände heißt, die der Vorworwortschreiber, wie er schreibt auch zu einem stolzen Preis in der Erstausgabe bei einem Antiquariar kaufte, schreibt Fauser von einer Louise die Revolution machen wollte, während er sich „suchen uns irgendeinen stillen Winkel wo ich in ruhe mein Bier trinken und zwischendurch mal`n Gedicht schreiben kann“ sich wünscht.

„Und Trotzki?, schrie Louise, und die Genossen im Knast? Dein bourgeoises Glück, pah! Bier und Gedichte, während die Revolutin organisiert wird!“

Sie hat ihn dann verlassen und später in Paris einen Goetheforscher geheiratet, wie ihm ein Freund erzählt. Ja so ist das Leben und die Revolution.

In „Liebesbriefe“ wird er von einer Frau gefragt „Wann hast du deinen letzten Liebesbrief bekommen“

„Der Bastard, denk ich, machts sichs verdamm leicht. Ich seh mich im Spiegel: unrasiert, verkatert, seit  4 Jahren kein Liebesbrief, seit 4 Wochen kein Gedicht.“

Und in „Dichter in New York“ geht es mit einem Jack zu einer „Bukowski-Lesung.

„Jack schief irgendwann ein. Bukowski las exakt eine Stunde, ohne sich zu betrinken und ausfällig zu werden und ohne auf sie reinhzufallen, dann tat er den letzten Schluck, klappte das Buch zu, bummte „Thank you, good night“, gab Autogramme und verschwand.“

Frankfurt am Main, wo Hörg Fauser glaube ich auch am Flughafen gearbeitet hat, sind zwei Gedichte gewidmet, bei einem reimt es sich sogar ein bißchen:

„Die Kälte ist schwül in Frankfurt am Main Wer sich nicht umbringt Der trägt Gefühl.“

Es gibt ein Gedicht von einer „Frau die kein Bier trinkt“ und das „Karfreitag“ genannte, endet mit den Zeilen „Ein Bier. Christus am Kreuz hätte mehr gebraucht.“

Sehr beeindruckend ist das Gedicht, wo die Frauen dem türkischen Hausmeister klagen, daß sie kein „Warmes Wasser“ hätten.

„Der Hausmeister ist Türke. Er hat die Ruhe weg. Er kenn sich mit dem modernen Ldeben aus und außerdem wozu braucht einer der einen Kühlschrank hat Raki im Glas und einen heißen Ofen im Bett auch noch warmes Wasser?“

„Berlin, Paris, New York“ heißt das Gedicht, das dem Buch den Namen gegeben hat:

„Ich habe große Städte gesehen und habe die großen Städte immer geliebt, ihre Frauen, ihre Bars, ihre Dämmerungen vor dem Gebrüll der Maschinen und dem Sturm auf die Bastille.“

In „Rote Fahnen“ passiert ein alter Mann mit Schirmmütze in einem Rollstuhl den Checkpoint Charlie und Jörg Fauser dichtet „Alle Macht der Phantasie gewiss! Schönes Wort. Dachte man dabei auch an die Phantasie von Kerkermeistern? – Aber ja! Ich winke den Seelen der Anarchisten und trolle mich zurück in meine Arena.“

Und in „Geschichten“ fragt er sich, was ich mich auch schon fragte:

„Worüber noch schreiben? Alle Geschichten sind längst erzählt, die Novembergeschichten und die Frühlingsgeschichten, und alle dazwischen.

Worüber noch schreiben? Wir haben alle Geschichten geschrieben, der Regen, die Erde, die Frauen, die Dichter. Aber die Geschichten sind wie Gott: sie machen weiter.“

Und im „Cafe Grabbe“, erzählt er von Christian Dietrich Grabbe,  1801-1836, der die „Hermannnschlacht“ geschrieben hat, während Balzak, wie er behauptet, einen „Neger“ hatte,  Charles Lassailly, ein verwahrloster Poet, der für ihn in der Nacht die Stücke geschrieben haben soll, bis der ihn mit den „trostlosen Worten: Die ganze Nacht habe ich mich abgemüht, aber mir ist nichts eingefallen, was Wert gewesen wäre, niedergeschrieben zu werden“, verlassen hat und sich wieder in die „Kaschemmen, in die Dachkammern, in die Namenslosigkeit“ zurückbegeben hat.

„Byrons Tod“ wird beschrieben und die „Margariten“, die vielleicht nur „Pusteblumen“ waren und in „Strangers In the Night“, erzählt eine beamtete Lehrerin, wie sie, während sie Sinatra hörte, bei einem Penner hängen geblieben ist, der in den Kartoffelsalat pinkelt, endlos Krimis liest und sie jede Woche einen Hunderter an Schnaps kostete.

„Thank you . J.F., steht unter dem Gedicht „Besuch bei Blettenberg, Bangkok 1986“, auf Seite dreihunderteinundvierzig und wir können nur „Thank you, Jörg Fauser, „Diogenes“ und vielleicht auch Björn Kuhligk, für die Zusammenstellung, die, wie wir erfahren, so weit, wie es möglich war, chronolgisch erfolgte und ich füge hinzu, daß es schön war sich zwischen Weihnachten und Neujahr durch Jörg Fausers Lyrik zu lesen und wieder ein bißchen in die Neunzehnsechziger-, neunzehnsiebziger und neunzehnachtzigerjahre einzutauchen und jetzt kommt ein bißchen Schreibtechnisches und ein paar Cartoons aus dem „Holzbaum-Verlag“, bevor es mit Dietmar Füssels höchstwahrscheinlich schräger Lyrik weitergehen wird.

Leben ist mehr – Impulse für jeden Tag

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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Als ich am dreiundzwanzigsten Oktober auf dem Weg zur Debutpreis-Lesung in der AK-Bibiliothek war, bin ich an einem der offenen Bücherschränke vorbeigekommen, habe einen doppelten Remarque hineinglegt  und einen Kalender für das Jahr 2019 herausgenommen.

Ich dachte, es sei ein Kalender, also ein Büchlein, am Cover ist ein schönes Bergpanorama mit See und Booten zu sehen, wo ich etwas hineinschreiben, das Konzept für meinen nächsten Roman vielleicht, kann, aber nein, es steht schon was drin und zwar Gedanken für jeden Tag, so ähnlich, wie die Radiosendung, die es jeden Morgen vier vor sieben in Ö1 gibt.

Der Herausgeber ist wahrscheinlich eine Bibelgesellschaft, denn es gibt für jeden Tag einen Bibelvers, dann hat einer der Autoren eine Botschaft oder einen Artikel dazu geschrieben, die den verschiedensten Lebensbereichen zugeordnet sind.

Und weil ich im Dezember auch einen Adventkalender habe, wo es jeden Tag eine Geschichte zu lesen gab, habe ich mich am vierundzwanzigsten Oktober aufgemacht, jeden Tag eine Seite des Büchleins zu lesen und da gleich einmal zu erfahren, daß der vierundzwanzigste Oktober, der Tag der Bibliotheken ist.

„Hurra, ein Buch!“, lautet die Kapitelüberschrift, die dem Themenbereich Kultur zugeordnet ist, wo man erfahren kann, am vierundzwanzigsten Oktober  1828 die erste Schulbibliothek in Großhain gegründet wurde, daran knüpfte sich die Frage, wann man das letzte Mal in einer Bücherei war, denn lesen ist ja etwas Gutes.

Ich war ganz zufällig am Tag davor in einer und gehe eigentlich nicht so oft in solche, da ich eine Büchersammlerin bin und nein, ausführlicher habe ich noch nicht in der Bibel gelesen, weil ich weder religiös noch katholisch bin, dafür habe ich aber vor, mich ab nun bis Jahresende auf die täglichen Gedanken ein- und den Rest, den Anfang des Buches, also ungelesen zu lassen, weil es ja für das Jahr 2020 wahrscheinlich ein neues Impulsbüchlein geben wird, das ich allerdings erst finden muß.

Dann gehts gleich weiter mit der Abteilung „Geselllschaft“ zum Thema „Ausgerissen“ und wird von einem Kaninchen erzählt, daß von einem kleinen Jungen liebevoll gepflegt wird und trotzdem reißt es aus, rennt weg und der Junge bleibt traurig zurück.

„Aha!“, denkt man und an die Flüchtlingsproblematik, es geht aber, um das Weggehen von Gott, den man verläßt, obwohl er immer gut zu einem war und für einen sorgte.

Da kann man zwar an Auschwitz und die Frage denken, wo Gott da gewesen ist? Das ist aber nicht gemeint, soll man doch die Frage beantworten „Was kann es Gutes bringen, dem Schöpfer entfliehen zu wollen?

„Neue Erkenntnisse vielleicht!“, könnte die aufmüpfige Antwort lauten. Der Leitspruch aber heißt „Vertrauen Sie sich Gott an! Bei ihm finden Sie alles, was Sie brauchen.“

Am sechsundzwanzigsten Oktober, dem österreichischen Nationalfeiertag, geht es, weil es den ja in Deutschland nicht gibt, um das „Christsein“ und die Frage, ob man sein Leben und die Freude daran verliert, wenn man zu Gott gefunden hat.

„Nein, natürlich!“, lautet die Antwort und der Ratschlag folgt, daß man es probieren soll, weil man ja erst dann, wenn man gesprungen ist, merkt, daß das Wasser gar nicht so kalt, sondern angenehm und erfrischend ist.

Am Sonntag, den 27. Oktober gab es die Zeitverschiebung, Ende der Sommerzeit, die ja jetzt abgeschafft werden soll und die Uhr um drei Uhr früh eine Stunde zurückgestellt. Was macht man da, wenn man bei rot über die Straße geht, hat man da einen Fehler gemacht oder nicht, denn es ist ja erst fünf vor drei?

In „Kaminbrand“ geht es um einen Schutzengel in Form eines Rauchfangkehrers, der ausgerechnet dann das Dorf betritt, als Rauch aus dem Haus des Erzählers quillt, ja es gibt sie die Wunder im Hier und Jetzt, die vielleicht nicht so ganz zufällig sind, wie im Psalm 105 1-5 erklärt wird.

Am 29. Oktober verriet in den „Gedanken für den Tag“, die evangelische Gefängnisseelsorgerin Christine Hubka, daß die Bibel das Buch wäre, das sie auf die einsame Insel mitnehmen würde, weil man damit nie mit dem Lesen fertig würde und sie außerdem noch sehr spannend ist und in den „Impulsen für jeden Tag“, ging es um die wahre Sicherheit, die ist natürlich in Gott zu finden, warum sich also auf seinen Verstand oder auf die Politiker verlassen? Auf den Verstand schon ein bißchen würde ich meinen und habe im Morgenjournal gerade die Gedanken einer Schuldirektorin gehört ob und warum Bildungspflicht in Österreich wichtig ist und ob unter Druck setzen hilft?

Am 30. Oktober geht es um die Widerspüchigkeiten der Bibelverse und natürlich, wie immer um den Glauben, der einer nahezu auf jeder Seite nahegelegt wird.

Der 31. Oktober, Weltspartag, Reformationstag und Halloween, wie Christine Hubka in ihrer „Gedanken für den Tag-Woche“ erklärte, war 2017, steht in dem Lektürebuch in Deutschland ein Feiertag anläßlich des fünfhunderten Reformationsjubiläums und ein Dienstag. So nutzen ihn viele Deutsche für ein verlängertes Wochenende.

Ob sie wohl da die Bibel gelesen haben, die Martin Luther in nur elf Wochen ins Deutsche übersetzte und damit zu einem Bestseller machte?

Zu Allerheiligen und Allerseelen geht es natürlich auf Begräbnisse und um das Sterben.

„Warum?“, hat Familie Müller auf den Grabstein ihrer fünfjährigen Tochter setzten lassen und es dann später durch ein „Gott weiß warum!“, ersetzt, denn sie waren gläubige Menschen.

Am sechsten November geht es um einen Soldaten im ersten Weltkrieg, der die Briefe seiner Mutter nicht mehr versteht, woran sich die Frage ist, wie das mit der Bibel ist? Versteht man sie nicht, weil sie zu altmodisch geworden ist oder weil man sich zu wenig mit ihr beschäftigen. Der Autor meint natürlich das Letzere und empfiehlt die Lektüre des Markus-Evangelium.

Dann geht es um die Einsamkeit, von der immer Menschen trotz aller sozialen Medien betroffen sind, so daß es in England schon eine Einsamkeitsministerin gibt.

Am achten und neunten November ging es natürlich um den Mauerfall, den es vor dreißig Jahren in Berlin gab.

Dann kommen zwei Texte zur Wissenschaftsgläubigkeit und zu der Frage, wie die mit den Glauben an Gott zu vereinen ist und am zwölften November wird eine spannende Geschichte aus den vermutlichen Neunzigerjahren erzählt. Da fährt ein junger Physikstudent Autostop nach Göttingen, wird von Professor Heisenberg mitgenommen, den er natürlich nicht erkennt und so gibt er an und prahlt während der Fahrt mit seinem Physikwissen.

Am Schluß stellt sich dann der Nobelpreisträger vor und der Textschreiber vermutet, daß der Student rote Ohren bekommen hat.

„Stimmt wahrscheinlich!“, würde ich vermuten. Ein weltbekannter Physikprofessor denke ich aber, würde über dieses Erlebnis lächeln und dem jungen Mann nicht böse sein.

„Sind Sie gut versichert“, lautet die Frage für den vierzehnten November und die Antwort lautet natürlich, daß Gott die breste Lebensversicherung ist.

Es geht ums „sicher gehen“ und, wie man sein Ziel erreicht, ohne vom Weg abzukommen und um die Frage, ob man ein guter Mensch ist?

Dazu gibt es das Bibelzitat des Pharisäers, der phrahlt ein solcher zu sein und nicht in demHimmel kommt, während dem Zöllner, der sich bescheiden hinten anstellt, vergeben wird.

Da gibt es sicher viel zu diskutieren, denke ich. Denn das Glas ist ja sowohl voll als auch leer und es ist gut zu wissen, wo ich besser, als auch, wo ich schlechter, als die anderen bin, als nur auf Gott zu vertrauen, denkt die Atheistin, weil man da vielleicht nicht wirklich weiterkommt.

Am neunzehnten November wird der Kinder gedacht und die Inschrift eines Kindergartens erwähnt, der den Eltern das Handy verbietet, während sie ihre Kinder abholen. Denn sie sollen statt zu telefonieren, sich  um diese kümmern. Die Zeichnungen, die sie gemalt haben, anschauen, etcetera.

Da kann man auch diskutieren, ob es wirklich gut ist, die Kinder gleich nach der Geburt in eine Tagestätte zu geben, denn wenn man sie bis mindestens drei wie es früher üblich war war oder  bis zu Schule bei sich hat, kann man sich mehr mit ihnen beschäftigen. Aber dann reicht vielleicht das Geld nicht aus oder der Mutter fällt die Decke auf den Kopf und sie muß erst recht mit ihren Freundinnen telefonieren, um nicht depressiv zu werden.

Am 20. 11. geht es um den Perspektivenwechsel vom Übergang vom Dunkel zum Licht, der sich laut  Autor Thomas Kröckertskothen im Flugzeug auf dem Weg von Nordamerika nach Deutschland besonders gut beobachten läßt.

Dann geht es zum Alltgsstreß und die Frage, warum Gott den zuläßt, die wahrscheinlich  mit dem Tagesvers „Denn mit dir erstürme ich einen Wall, mit meinem Gott springe ich über eine Mauer“, auch nicht zu beantworten ist.

Am zweiundzwanzigsten November wird gefragt, ob wir auf die Zukunft vorbereitet sind? Zu wenig wahrscheinlich, weil wir telefonieren oder schlafen ein, wenn uns die Flugbegleiterin erklärt, wie man die Sauerstoffmaske aufsetzt und wo der Notausgang ist und auf das eigene Sterben, einen plötzlichen Unfall, das Eintreten von Demenz, etc sind wir auch nicht gerüstet. Können wir wahrscheinlich auch nicht wirklich, ich denke aber, wenn wir das Leben bewußt und voll leben ist schon viel getan und vor dem Tod brauchen wir uns nicht fürchten, denn wo wir sind ist er nicht und dort wo er herrscht, ist man verschwunden, ist die Meinung der Atheistin und geflogen bin ich glaube ich schon zwanzig Jahre nicht, so ist mir auch die Notfallsrutsche eigentlich egal.

Dann geht es um die Korruption, was Gott nicht ist, ist der Ablaßhandel, der ja viele Kriege ausläste, nur seinen Stellvertretern auf Erden zu Gute gekommen und daß man um Gott zu gefallen Gutes tut und versucht, ein guter Mensch zu werden, kann nicht schade, denke ich, auch wenn es in Zeiten, wie diesen, wie ich fürchte nicht sehr populär ist.

Dann geht es um die Frage, was der Mensch denn wert ist? Ein Fußballer zweihundertzwanzig Millionen, die anderen wahrscheinlich weniger, aber Gott, der für uns seinen Sohn geopfert hat, wird wohl nicht so viel zahlen.

Am sechsundzwanzigsten November geht es um den ersten Schnee und die Spuren, die man hinterläßt, wenn man hineintritt und daß es gut ist, wenn das bei hoher Schneeschicht schon jemand anderer vor einem getan hat, so daß man sich so anstrengen muß.

Um einen Krankenbesuch geht es in „Fester Glaube“, wo der Autor einer an einem Tumor erkrankten Frau einen christlichen Kalender verteilt und danach mit ihr ins Gespräch kommt und gemeinsam betet.

Um die Frage ob man sich durch Selbstmord oder frühen Tod von seiner Schuld freimachen kann, geht es in der Geschichte „Davongekommen“, die sich auf den Bibelvers „Und er wird richten die Welt in Gerechtigkeit, wird über die Völkerschaften Gerichthalten in Geradheit. Psalm 9.9.“ bezieht.

Am dreißigsten November geht es wieder um das Schicksal, bzw. um die Frage, ob der Mensch ein Spielball der Gesellschaft oder der Ereignisse ist. Man sieht die Themen wiederholen sich. Denn man plant das Leben, bekommt ein Kind und der Vermieter kündigt die Wohnung oder es kommt plötzlich ein Herzstillstand. Da hilft nur das Gottvertrauen, meint das Buch, denn in seine Hände soll man ja das Schicksal legen, wie es schon der Bibelvers verrät.

Am ersten Dezember geht es auf einen Weihnachtsmarkt, wo auf den Punschbechern das „T“ vergessen wurde und zu der Frage, ob man Fehler reparieren kann. Bei „Kintsugi“ tut das das japanische Kunsthandwerk, hier natürlich Gott, der durch seinen Sohn Neues geschaffen hat, wie in der Bibel steht.

Am dritten Dezember geht es über die Frage, wieso man, wenn man das Richtige tut, trotzdem verlieren kann zu „Josef und seine Brüder“.

Am vierten Dezember geht es um die Lebensphasen. Alles hat seine Zeit, geboren werden, sterben, weinen, lachen, wie schonKönig Salomon wußte und die Rockband „The Byrds“ am vierten Dezember 1965 zum USA Hit Nummer eins werden ließ.

Am Krampustag geht es um die Frage, wie oft in der Bibel „Fürchte dich nicht!“, steht, dreihundertfünfundsechzig oder doch nur hundertneunzehn Mal und die Abschlußfrage ist, warum sich die Christen trotz all des Trosts in der Bibel trotzdem so oft fürchten.

Dann geht es um den Neid oder um die Frage, was man macht, wenn drei Kinder vier Luftballons geschenkt bekommen. Der kluge Vater trägt den vierten zurück, man kann ihm wohl auch zum Gemeingut erklären. Schwieriger ist es wohl mit den Ungerechtigkeiten, was macht man wenn beispielsweise die, die gar nicht besser schreiben, veröffentlicht werden und man selber nicht, um ein persönliches Beispiel zu erwähnen. Ob da der Glaube wirklich gegen Ungerechtigkeiten hilft, wäre ich ein wenig skeptisch, wäre es ja besser diese abzuschaffen, was aber sicher auch in dem Buch steht, nicht die Aufgabe des lieben Gottes und Sinn des Glaubens ist.

Am achten Dezember geht es seltsamerweise nicht um Maria Empfängnis, sondern um die Sternschnuppen, denn früher wurden die Dochte der Kerzen abgeschnitten, diese unnütze dann Schnuppe genannt und wenn einem etwas wurscht ist, sagt man das noch immer. Dem lieben Gott allerdings lautet die Belehrung sind, wir das nicht und so sollte die Weihnachtsbotschaft niemanden „schnuppe“ sein.

„Frei aber nicht glücklich“, heißt die Geschichte, die über den Umweg über einen freigesprochenen Kaufhausbesitzer, den man die Brandstiftung nicht nachweisen konnte, wieder dafür playdiert den Glauben an Gott anzunehmen.

Am nächsten Tag geht es um die Frage, wie gefangen oder frei man mit oder ohne Gott ist?

„Wenn alle Dämme brechen…“ ist die nächste Frage. Ja was ist, wenn die Menschen statt zum Arzt zu gehen, auch Online-Beratung in Anspruch nehmen oder sich mit Präservativen vor Aids schützen? Eigentlich nicht so schlimm, würde ich meinen, der Verfasser sieht es, aber, glaube ich, anders.

Am 12. 12. geht es „Vermieter kontra Mieter“ und die Streitigkeiten die zwischen beiden entstehen können.

Am dreizehnten Dezember wird die Frage „Weiß niemand, wie es mir wirklich geht?“, gestellt, die wohl nur Gott richtig beantworten kann und der Bibelvers dazu lautet „Du hast mein Elend angesehen, hast Kenntnis genommen von den Bedrängnissen meiner Seele.“

Am vierzehnten Dezember geht es um die „60 Geschlechter“, die es ja angeblich gibt und zu denen man sich bekennen kann, während die Bibel nur von „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie“, in „1. Mose 1.27“, spricht.

Dann geht es um das lebenslange Warten und um die Sorgen, die man sich macht und, die man sich eigentlich nicht zu machen braucht, während am sechzehnten Dezember ein blinder Opernsänger davon spricht, wie wichtig es für ihn und auch die Umwelt war, daß seine Mutter ihn nicht abgetrieben hat, obwohl ihr die Ärzte genau das geraten haben.

„Enjoy your life!“, sagt der Englischlehrer, doch was heißt das genau? Gibt es ja oft genug Schwierigkeiten, Schmerzen, Probleme, etcetera, die einen oder eine daran hindern. Da hilft es dann, meint der Autor „Gott zu verherrlichen und sich an ihm immer zu erfreuen!“, wenn das nur so einfach wäre, füge ich wieder hinzu.

Um die „Likes und Dislikes“ im sozialen Leben geht es am neunzehnten Dezember.

Der Text vom zwanzigsten Dezember beschäftigt sich mit dem Mobbing in der Schule, das selbst dem Lehrer, der Lehrerin Tränen in die Augen treiben kann.

Ums Schenken beziehungsweise, die Frage, ob man solche ablehnen kann, um nicht verpflichtet zu werden, geht es am einundzwanzigsten Dezember.

Am zweiundzwanzigsten Dezember 1917 wurde das deutsche Institut für Nomierung gegründet, so daß fortan alle Stecker in die Steckdosen passen und das Papier die gleiche Größe hat, was uns das Leben sehr erleichtert, wie das auch mit den zehn Geboten so ist. Wenn sich alle daran halten, wäre das Leben besser, ist aber nicht so und wahrscheinlich auch nicht so leicht.

Darum, daß die Chemie nicht zwischen allen Menschen stimmt, daß man aber sein Herz für Gott aufmachen soll, der eines für alle hat, geht es am dreiundzwanzigsten Dezember, wie wahrscheinlich an jedem Tag.

„Die große Geschichte“ gibts natürlich am vierundzwanzigsten Dezember, da geht es allerdings nicht um die Herbergsuche und die Geburt des Christkindleins, sondern um die böse Kraft, die Eva dazu veranlaßte, nach dem verbotenen Apfel zu greifen.

Am Fünfundzwanzigsten, dem ersten Weihnachtsfeiertag gibt es dann über „Gott im Stallgeruch“ zu lesen und darüber, daß es zu Gott keine Barrieren und keine Hindernisse gibt, sondern, daß jeder zu ihm kommen kann.

Am sechsundzwanzigsten Dezember geht es um „Salvator Mundi – der Heiland der Welt“, ein Werk von Leonardo da Vinci,das 2017 um vierhundert Millionen verkauft wurde.

Daß man Gott vertrauen und sein Schicksal in seine Hände legen soll, kann man auch dem Bibelvers „Höre,HERR sei mir gnädig! HERR sei mein Helfer!“, entnehmen, die dazu gehörende Geschichte trägt den Titel „Schrecksekunde und Reflex“ und der Ausgang dazu sind die Kinder des Verfassers, die sich ihrer Schnelligkeit brüsten. Ja aber bei Rad- oder Autofahren muß man die Schrecksekunde einberechnen, damit kein Unfall passiert!

Am achtundzwanzigsten Dezember kann man schon ein bißchen in die Zukunft schauen, um herauszubekommen, was im neuen Jahr passieren wird. Aber kann man das wirklich? Die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parallelgesellschaften“ in Roßdorf bei Darmstadt hat  2017 herausgefunden, daß alle Wahrsager mit ihren Prognosen voll daneben lagen. Was also tun? Der Tagesvers „In deiner Hand sind meine Zeiten“ oder das Lied der von 1826 bis 1901 lebenden Julie Hausmann „So nimm denn meine Hände“, verrät uns, wer oder was da helfen kann.

„Der Tod hat nicht das letzte Wort“, heißt es am neununzwanzigsten Dezember, dem Tag zwischen Weihnachten und Silvester, wo das Jahr langsam zu Ende geht.

Am dreißigsten Dezember wird mit „leichten Gepäck“ gereist, also für die Weitwanderung, nur das unbedingt nötigste in den Rucksack gepackt und im Leben ist es auch wichtig sich von all unnötigen Ballast der Sünden zu befreien, so daß man gut zu Gott kommen kann und wir sind am Ende des Jahres angekommen, denn am einunddreißigsten Dezember gibt es ja einen „Guten Rutsch“ zu wünschen.

Bei mir gibt es da den Jahresrückblick auf 2019 zu lesen und heute am dreißigsten wird noch einmal, das letzte vorläufig, Adventkalenderfenster aus der „Nika, Weihnachtsfrau“ aufgemacht und hier kann man lesen, was bisher geschah:

1, 5, 7, 9, 10, 14, 19, 20, 23, 24, 25, 29,

2019-12-29

Das Bücherjahr

Filed under: Bücher,Büchergeschichten — jancak @ 00:17
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Zu Jahresende soll man ja Rückschauen anstallen, meine allgemein gehaltende mit all den Höhen und den Tiefen, den dieses Jahr für mich hatte, kommt auch noch.

Das Bücherranking will ich hier abgeben, denn obwohl ich ja immer schreibe, daß man Bücher nicht rankreihen kann und soll, tue ich es allenthalben und habe heuer schon viermal „Buchpreis“ gelesen, den deutschen, den Schweizer und den österreichischen Buchpreis bewertet, beim Bloggerdebutpreis mitgevotet und dann noch einiges anderes gelesen.

Auch einiges von den älteren Bürgerbergen und den Büchschränken, obwohl ich auch dieses Jahr sehr von den Neuerscheinungen dominiert war, was, wenn ich weiter „Buchpreislese“, auch bleiben wird, denn da bin ich ja ab August ausgebucht und komme kaum mehr dazu mich den Weihnachtsbüchern zu widmen, die ich inzwischen ebenfalls sammle und mir ab Dezember in Harland und in Wien je auf den kleinen Beistelltischchen aufstaple.

Was waren meine Highlight so ungefähr und aus dem Gedächtnis will ich das hier zitieren, obwohl ich merke, daß ich da imNachhinein milder werde und da öfter was im Gedächtnis habe, was ich beim Lesen gar nicht als so gut empfunden habe.

Soll aber so sein und bleiben, wie ich ja noch immer glaube, daß es das „beste“ Buch nicht gibt und da muß man sich ja nur die diversen Leseclubs anhören, wo der eine Kritiker sagt „Das ist das beste Buch forever!“ und der andere kontert „So was Schlechtes hab ich noch nie gelesen!“

Das ist interessant und sollte zu denken geben. Trotzdem will ich jetzt mein Ranking machen und aus meiner 2019 Leseliste, die aus ungefähr hundertsechzig gelesenen Bücher besteht.

„Wow!“, werden da meine Leser sagen. Der Durchschnittsmensch liest, wenn überhaupt acht oder neun Bücher pro Jahr, aber „Netgalley“ zählt mich ja zu den professionellen Lesern, was immer das auch ist, wahrscheinlich, die, die beruflich irgendwas mit Büchern zu tun haben und daher Rezensionsexemplare beziehen können, die die mir am besten gefallen haben, am besten erschienen sind, den bleibensten Eindruck hinterlassen habe, etcetera, heraussuchen.

Über eine Diskussion und eine Schilderung der eigenen Eindrücke, wäre ich, wie immer dankbar. Mal sehen, ob was kommt?

  1. Tanja Maljartschuk „Blauwalt der Erinnerung“
  2. Jiri Weil „Mendelssohn auf dem Dach“
  3. Thomas Meyer „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schicke“
  4. Andrej Kurkow „Grauen Bienen“
  5. Gertraud Klemm „Hippocampus“
  6. Marlene Streeruwitz „Flammenwand“
  7. Andrea Grill „Cherubino“
  8. Karen Köhler „Miroloi“
  9. Angela Lehner „Vater unser“
  10. Raphaela Edelbauer „Das flüßige Land“
  11. Emanuel Maess „Gelenke des Lichts“
  12. Sasa Stanisic „Herkunft“
  13. Jan Peter Bremer „Der junge Doktorand“
  14. Gerhard Roth „Der Himmel ist leer, die Teufel sind alle hier“
  15. Marco Dinic „Die guten Tage“
  16. Florjan Lipus „Schotter“
  17. Jon Fosse „Der andere Name“
  18. Alain Claude Sulzer „Unhaltbare Zustände“
  19. Sibylle Berg „GRM-Brainfuck“
  20. Thomas Meyer „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“
  21. Martin Peichl „Wie man Dinge repariert“
  22. Nadine Schneider „Drei Kilometer“
  23. Jörg Fauser „Ich habe große Städte gesehen“

Und hier gehts noch zur „Nika, Weihnachtsfrau“, weil es da am 29. Dezember ja noch ein Adventkalender-Türchen gibt.

2019-12-28

Drei Kilometer

Nun kommt Buch fünf der Bloggerdebutshortlist.

„Drei Kilometer“, der 1990 in Nürnberg als Tochter rumänischstämmiger Eltern geborenen Nadine Schneider. Das Buch ist bei „Jung und Jung“ erschienen und ich habe, glaube ich, zum ersten Mal davon gehört, als ich auf der „Jung und Jung-Facebookseite“ bezüglich Peter Handke nachgegooglet habe.

„Wir sind Nobelpreis!“, ist da gestanden und davor oder dahinter, daß Nadine Schneider ihr Debut auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen wird.

Ein dünnes Buch, das sehr ruhig und manchmal mit vielleicht zu schönen Metaphern von dem letzten Sommer in Rumänien vor der Revolution erzählt und dem auf dem Puplikumranking der Debutpreisseite, die größten Gewinnchanchen eingeräumt wird.

Von einem Dorf im Banat, drei Kilometer, wie schon der Titel besagt, von der jugoslawischen Grenze entfernt und das ist der Sehnsuchtsort der drei jungen Leute, die in dem Buch eine Rolle spielen.

Anna, die Ich-Erzählerin eine wahrscheinlich, um die zwanzig junge Frau und ihre zwei Freunde Hans und Misch. Die Beiden wollen über die Grenze in die Freiheit, Hans weil sein Bruder sich schon darüber machte und er deshalb nicht studieren durfte, sondern in der Fabrik arbeiten muß.

Anna zögert, weil sie ihre Familie, den Vater,  die Mutter und die Großmutter, die schon zu alt ist, um fortzugehen, nicht alleine lassen will.

Die Großmutter stirbt dann, glaube ich, am Ende des ersten Kapitels, des dreiteiligen Buchs.

Anna, die Lakiererin in einer Fabrik ist, obwohl sie das Lizäum besuchen hätte können, geht in ihren Erinnerungen in ihre Kindheit zurück, denkt an den Jahrmarkt, den sie einmal mit der Großmutter besucht hat und an die Wahrsagerin, die dort die Zukunft voraussagte, die das Kind so gerne wissen wollte. Als die großmutter in das Gespräch mit einer Bekannten vertieft ist, stiehlt sie sich in das Zelt der Zigeunerin, die Großmutter holt sie zurück und das Päckchen, das ihr die Zigeunerin schenkte, enthält nur Sand, was das Kind enttäuschte.

Es gibt auch einen schwarzen Hund, der Anna als Kind in die Hand gebissen hat und der sie seither abgöttisch liebt, als er alt und schwach ist und daher getötet werden soll, ist es Anna, die das mit Tränen in den augen und den Hund am Schoß tut.

Misch wagt den Sprung über die Grenze und der Vater bekommt sogar ein Ausreisevisum nach Deutschland und kommt zurück, weil er die Familie nicht verlieren will.

Das ist schon im Sommer 1989, wo man in dem Dorf nur die Gerüchte hört, daß es den Leuten in der Stadt schlecht geht, daß sie keinen Strom und keinen Nahrungsmittel haben und, daß es zu Unruhen kommt.

„Die Unruhen kamen nicht in unser Dorf, ins Dorf kam nur die Angst.“, lautet einer der schönen Sätze.

Anna will mit Hans, den sie vorher für einen Spitzel gehalten hat, mit in die Stadt demonstrieren gehen. Hans geht dann allein und kommt erst später verletzt zurück. Dann sieht man im Fernsehen, die Erschießung Ceausescus und zuletzt fährt Anna in die Stadt, um sich ihre Ausreisepapiere zu holen.

Das Buch ist Nadine Schneiders Vater gewidmet, der ihr viel von seiner rumänischen Heimat erzähllte.

Es erzählt nicht die Geschichte ihrer Eltern, sagt sie in einem Interview und ich habe ein sehr ruhiges, realistisches Buch in einer sehr schönen Sprache gelesen, wo manche Sätze hängen geblieben sind, manche vielleicht fast ein wenig übertrieben wirken.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wenn es nicht auf Shortlist gekommen wäre  an mir vorübergegangen wäre, weil es auf keine andere mir bekannte Preisliste gekommen ist,  ich  nicht in Frankfurt und auch auf keiner Lesung war, wo es vorgestellt wurde.

Und hier noch das Interview von der „Debutpreis-Seite“.

Der Kreis des Weberknechts

Nun kommt schon Buch vier der Bloggerdebutshortlist, Ana Marwans „Der Kreis des Weberknechts“, die 1980 in Slowenien geboren wurde, nach Österreich kam, 2008 den Exil-Preis gewonnen hat und nun bei „Otto Müller“ ihr Debut vorlegte, das am Buchrücken als „Hervorrragender Debutroman der von übersättigten aber dennoch sinnsuchenden modernen Menschen erzählt“, gelobt wird und am Klappentext kann man noch etwas von „herrlicher Ironie“ lesen, in der die Autorin, ihr Spinnennetz gewebt hat.

Worum geht es in dem Buch?

Es geht um den Misanthropen  Karl Lipitsch, der sich in ein Haus mit Garten zurückgezogen hat, um die Menschen zu meiden, in Büchern zu lesen und an einem allfassenden philosophischen Werk zu schreiben.

So weit so gut und fein ausgedacht. Dann fährt er aber zu einem Begräbnis und wird am Flughafen von seiner Nachbarin Mathilde angesprochen, die zehn Tage später mit Kaffee und Kuchen in der Hand, vor seiner Gartentür auftaucht und ein sich Umlauern, sich Umwerben, Zurückstoßen und immer Wiederkommen  beginnt.

Ein bißchen könnte man da an Adalbert Stifter und seinen „Hagestolz“ denken und dabei beobachten, wie der Misantrop der schönen Frau verfällt. Es kommt zu einem Gegengeschenk, einem Honigglas von dem das „Spar-Ettikett“ durch ein Handgeschriebenes, ersetzt wurde, dann zu einer Einladung in den nachbarlichen Salon.

Schließlich bittet er sie jeden Freitag zum Kaffee, weist das „Du-Wort“ aber zunächst zurück, denn mit Distanz kann man sich besser ausdrücken, geht dann mit ihr in ein Konzert, gesteht ihr seine Liebe, bis sie schließlich mit Freunden auf Urlaub fährt und die Liebe zerbricht.

Am Anfang war, ich muß ich gestehen, von der schönen Sprache und der genauen Schilderung der Begegnung begeistert und habe gedacht „Uje, jetzt muß ich schon wieder würfeln!„, ironisch hab ich das Buch eigentlich nicht empfunden, sondern gedacht, daß sich der Hagestolz, der schüchterne junge Mann, es steht aber nirgends, wie alt dieser Karl eigentlich ist, in die schöne Frau verliebt und ich hatte schon einige schüchterne junge Männer in meiner Praxis und kenne mich da vielleicht ein bißchen aus.

Später habe ich das Buch und den Stil eher altmodisch empfunden und mit dem Schluß, der in einer philosphischen Wendung und bei Nietzsche endet, bin ich  nicht ganz mitgekommen.

Wahrscheinlich mag ich auch keine Bücher, wo Menschen von den Stärkeren übern Tisch gezogen, ausgenützt und zerstört werden, was aber eigentlich  nicht geschieht, denn Karl hat am Ende, nach zwei Jahren Einsamkeit, sein Buch fertiggeschrieben und auch beschloßen  an den Anfang  zurückzukehren und Anna Marwan hat  ihre  gut konstruierten Wendungen, um dieses Spinnennetztreiben, vielleicht  nur etwas zu lange ausgedehnt.

Und hier noch  zum Interview auf der Debutpreisseite.

2019-12-27

Wie man Dinge repariert

Jetzt kommt Buch drei der „Bloggerdebutshortlist“, schon oder erst, denn in den letzten Jahren habe ich die Shortlistbücher gleich nach Bekanntgabe der Liste gelesen und war Ende November, Anfang Dezember damit fertig, da man aber diesmal seine Jurybegründung erst am sechsten Jänner veröffentlichen soll, habe ich zuerst die die öst und die Schweizer Buchpreisliste fertig gelesen und werde mich jetzt zwischen Weihnachten und Neujahr den drei noch nicht gelesenen Debutbüchern widmen.

Martin Peichls „Wie man Dinge repariert“ erschienen in der „Editon Atelier“ mit einem ästehtisch schönen Cover, eine zerdrückte Bierdose „Peichl Bräu“ und „Reparaturseidl“ steht darauf und aus der Dose ragen ein paar zerknickte Rosenknospen heraus, die man als Metahper für den Roman verstehen könnte, der natürlich  wieder einmal keiner ist, ist also nach den SchweizerDystopien als Nächstes an der Reihe und ich habe aus dem Debut des 1983 in Waldviertel geborenen und in als Lehrer in Wien lebenden Martin Peichl schon ein Stück bei der „Alpha-Preisverleihung“, wo er neben Angela Lehner und  Malte Borsdorf auf der Shortlist gestanden ist, schon ein Stück gehört.

Das Buch, das ich benützte, stammt auch von dort her und ich kann wieder schreiben, daß ich bei der Lesung von dem Buch, von dem ich durchaus sehr beeindruck bin, wieder nicht viel mitbekommen habe und erst jetzt, ähnlich wie bei der Marie Gamilschegg seine poetischen Vorzüge erkenne, denn es ist ein durchaus lyrisches von der Sprache lebenden Buch, wie Martin Peichl auch im Interview auf der Debutseite bekennt, daß ihm die Sprache mehr als der Inhalt interessiert, allerdings würde ich das Buch, das wohl aus einer Reihe von Metapher über das Gelingen oder Mißlingen des Lebens garniert und umrankt von diversen Statusmeldungen, auch als ein, wie schon die Bierdose verrät,  etwas Zerdrücktes und Zerknautschtes beschreiben, eben eines, das man reapieren muß, wie das bei den Leben und den Lebensläufen halt so ist.

„Beziehungsstatus: Es gibt die große und die kleine Liebe so wie es im Wirtshaus  ein großes und ein kleines Bier gibt“, steht am Buchrücken und klappt man das Buch auf, findet man als Nächstes wieder einen „Beziehungsstatus: Ich schreibe schon wieder einen Text über dich“, heißt es da und das ganze Buch, das ich nicht als Roman, sondern eher als eine poetische Bestandsaufnahme bezeichnen würde, besteht aus Monologen an  ein vielleicht wechselnden oder auch bleibendes „du“, umrankt von den schon erwähnten Statusmeldungen, des Dreißigjährigen, wie ich im Netz, nicht im Buch, gelesen habe, der sein Leben leben, reparieren oder verweigern will, immer auf der Suche nach dem du, ist er vom Waldviertel aufgebrochen, nach Wien zum Studium, könnte man so sagen und nun sitzt er da, zählt seine Bierflaschen, schreibt seinen Roman, erzählt von seiner Lektorin, zitiert Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, dabei ist er auch, was mir naturgemäßt sehr gefällt, sehr politisch dabei und der „Krebs“ ist auch so eine Metapher für das Leben oder das Buch.

„Der Nachbar hat Krebs“, hat die Mutter dem kleinen Buben erzählt und ist mit ihm ihm besuchen gegangen. Der findet dann ein Pornoheft in seiner Lade, sieht, was ihm auch sein Leben begleitet, den schönen Frauen auf den Busen. Später stirbt der Vater wahrscheinlich auch an dieser Krankheit, vermacht ihm den Wald, wo er früher den Großvater auf einem Baum höngen gesehen hat und noch später hat er sein Leben gelebt, die Haare gehten ihm aus und er braucht eigentlich nicht mehr zur Frisörin gehen, weil es gar nichts mehr zum Wegschneiden gibt und das Ganze wird in einer Reihe von poetisch schönen Geschichten erzählt, wo man gar nicht nachkommt, die schönen Sätze und Formulierungen aufzuschreiben und zu unterstreichen.

Kein Roman, aber eine Statuserklärung eines wegen der vielen Bierflaschen wahrscheinlich doch nicht so geglückten Lebens, obwohl die Lektorin begeistert ist und das Buch, wie man sieht, schon das zweite Mal auf einer Shortlist gelandet ist und ich es, weil ich ja wahrscheinlich, die kleinen feinen poetisch formulierten Bücher doch sehr mag, bis jetzt nach Angela Lehners“ Vater unser“, an zweiter Stelle reihen  würde.

2019-12-26

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Bevor es an das Bloggerdebutpreislesen geht, bleibt es noch ein bißchen in der Schweiz, ist Thomas Meyer „Wolkenbruch-Fortsetzung“ zwar nicht auf der  Schweizer Buchpreisliste gestanden, aber 2012 stand er mit dem ersten Teil darauf, da habe ich die Schweizer Lesetour im Literaturhaus angehört, das Buch dann laut meinem Bibliothekskatalog sogar zweimal irgendwo gefunden, aber vielleicht handelt es sich bei der Doppeleintragung auch nur um eine Leseprobe, das Buch aber im Sommer nach Locarno mitgenommen, beziehungsweise schon auf der Hinfahrt gelesen, nachdem ich in Zürich im Sommer 2018 darauf gekommen bin, daß das Buch ja auch zum Schweizer Lesen gehört und sie hat mir sehr gefallen, die Geschichte des Motti  Wolkenbruchs, der sich gegen seine Mame auflehnt, sich Jeans und eine schickere Brille kauft, dann in den Armen der schönen nichtjüdischen Laura landet, worauf er von seiner Familie verstoßen wird.

So endet Teil eins, das ich eigentlich nicht als Reihe empfunden habe, wohl aber schon wußte, daß es einen zweiten Teil geben wird und in Locarno ist der erste Teil als Film gelaufen, allerdings nicht am Abend auf der Piazza so haben wir ihn auch nicht gesehen.

Der zweite Teil ist nun ganz anders, obwohl es genau dort beginnt, wo Teil eins endet, nämlich in dem Hotel in dem Motti sich einquartiert hat, nachdem die Mame das Schloß ausgewedchselt hat, den <job bei seinem Vater hat er auch verloren, sowie den Kontakt zu Laura, so geht ihm das Geld aus und da ist es ein wahrer Segen, daß die Rezeptionistin anruft und ihm mitteilt ein Herr Gideon Hirsch möchte ihm sprechen, der sagt, er ist von den „Verlorene Söhne Israels“ und ist erschienen, um ihn in einen Kibbuz nach Israel zu bringen, sie reisen auch dorthin, der Verein erweist sich aber als einer des Weltjudentums und Motti wird zu seiner Überraschung bald zum Vorsetzitzenden erwählt, was wohl seinen Geschäftssindd weckt, der er beginnt, die im Kibbuz geernteten Orangen via Instragram zu vermarkten und aus der „Alex“a macht er auch eine „Schoschanna“, um der Welt das Judentum, ihre gute <küche, ihre Bräuche etcetera näherzubringen.

Ein guter Vorsatz, der aber durch eine Gruppe Altnazis, die sich nach 1945 in eine sogenannten Alpenfestung zurückgezogen haben, dort lustig Pimpfe hochzüchteten und den Volksrechner in die Welt setzen wollen, gestört wird.

Der Volksrechner ist eine sogenannte „Hassmaschine“, die durch Falschmeldungen, die Welt bald in den Abgrund stürzt und auf Motti wird auch eine schöne junge Spionin namens Hulda gesetzt, die ihn ermorden soll.

Die Sprachassistentin Schoschanna hat sich dagegen inzwischen mit Judith Wolkenbruch wegen des „Mazzesrezept“ zerstritten und Schoschanna ist auch böse auf Motti, so gibt sie Judith, die inzwischen Sehnsucht nach ihrem verlorenen Sohn hat, seine Adresse und alles wendet sich zum Guten, Judith Wolkenbruch verwandelt sich in eine Hippiemaid, die Haßmaschine wird zerstört, die Nazischickse wird ihrem Motti vergeben und am Schluß sitzen alle vereint in Zürich, feiern den Schabbat, alles wird wieder gut und ich habe ein gutes Buch gelesen, das ich auf Platz  zwanzig meiner Jahreshiglights setzen werden, weil es viel versöhnlicher ist, als Sibylles Bergs „GRM- Brainfuck“, obwohl das Buch, wie ich bei „Amazon“ nachlesen konnte, einigen nicht gefallen hat und sie enttäuscht waren, daß es mit dem Motti ganz anders, als erwartet weiterging.

2019-12-25

Balg

Buch fünf der Schweizer Buchpreisliste, das Schweizer Buchpreislesen ist zu Ende und nach den großen Katastrophen und der Weltuntergangsstimmung, die Sibylle Berg von England ausgehend über ganz Europa ausbreitete, erzählt die 1981 am Bodensee aufgewachsene Tabea Steiner, die offenbar Lehrerin ist oder war vom kleinen Unglück in einer Familie, die sich auch zu einer großen Katastrphhe ausbreiten kann.

Balg ist die Bezeichnung eines unerzogenes Kindes und Timon ist ein solches, ein verhaltensauffälliges Kind, das durch die Unfähigkeit der Erwachsenen in die Verhaltensstörung hineingetrieben wurde.

Die Jugendämter können wohl wahre Lieder davon singen, aber das Wort Jugendamt kommt in dem Buch höchstens einmal vor, während die Kindergärtnerinnen den kleinen Timon weil er die anderen Kinder gebissen hat, in ein Extrazimmer sperren und die Schulleiterin, die Eltern in die schule holen und den Jungen von der Schule ausschließen, weil er die Lehrerin bestohlen hat und dabei hat alles so schön angefangen.

Chris und Antonia sind aufs Land gezogen, damit ihr Junge es einmal besser hat und in einer schönen Umgebung aufwächst. Antonia kommt von dort her, ihre Mutter lebt hier und kann sich, was ja auch sehr gut ist, gleich um ihn kümmern, wenn Antonia arbeiten geht.

Dann beginnt es gleich passend am Weihnachtsabend, Timon krabbelt zum Christbaum, schluckt irgendwas, Chris beschuldigt Antonia, die sich betrinkt, obwohl sie ja noch stillt. Dann verläßt Chris sie, zieht in die stadt, Antonia muß zu arbeiten beginnen, die Großmutter ist auch überfordert und die Kindergärtnerinnen schimpfen, weil Timon die anderen beißt.

Dabei gibt es einen Lichtblick im Dorf, Valentin, der war mal Lehrer, jetzt ist er Postbote, denn da ist einmal etwas ganz Schlimmes passiert, man weiß nicht genau was, ahnt, daß es umMißbrauch geht, daß Valentin zu lang geschwiegen hat und daß Antoina jetzt stinksauer auf ihn ist und seine Frau und seine Tochter haben ihn deshalb auch verlassen. Der alte Valentin ist es aber, der sich um Timon kümmert, er schafft sich auch Hase für ihn an und kauft ihm Süßigkeiten, als Antonia davon erfährt, droht sie mit der Polizei und verbietet Timon zu ihm zu gehen.

Dann schickt die Großmutter Timon auf einen Bauernhof, wo es ihm gefällt, Antonia holt ihn von dort weg und das Kätzchen das er gerne will, darf er auch nicht haben.

Antonia findet einen neuen Freund, der den Jungen nicht leiden kann, der Vater zu dem kontakt besteht und der eine neue Familie hat, kauf ihm ein Fahrrad, Antonia verkauft es und kauft sich dafür einen Mantel, den er zerschneidet, dann rückt er aus, verstckt sich in einer alten Käserei, Valentin gibt ihm Essen und läßt ihn bei sich duschen, während  Antonias Freund, dem sie sein Verschwinden verschweigt, auch nicht zur Polizei geht, sondern nur seine Hadybewegungen verfolgt, sein Zimmer bezieht und ihn zur Großmutter schickt.

Man sieht, es passiert viel in dem Buch, alles machen alles falsch, es ist sehr beeindruckend, das Elend in den Familien zu verfolgen, obwohl manches wieder etwas unlogisch und übertrieben scheint, kennt man solche Geschichten der Sprachlosigkeit, der Mißverständnisse, der Überforderungen, die zu Verhaltensstörungen und Traumatisierungen führen.

„Atemlos erzählt Tabea Steiner von einer grausamen Kindheit: ein verzweifelt zärtliches Buch über die Liebe und die Sprachlosigkeit“, hat Dana Grigorcea auf den Buchrücken geschrieben und man sieht wie vielfältig und unterschiedlich die heurige Buchpreisliste war, die einen auch zum Nachdenken bringen läßt.

Ein Debut kann ich noch verraten, ist es auch gewesen, obwohl es nicht auf die Bloggerdebutshortlist gekommen ist.

Und hier gehts zum Adventkalender und zum 25. Türchchen der „Nika, Weihnachtsfrau“.

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