Literaturgefluester

2019-12-08

Der Trost runder Dinge

Buch acht des öst Bp und das vierte Shortlistbuch, der Erzählband des 1982 in Graz geborenen literarischen Shootingsstar, der immer skurriler wird.

Ich habe seinen Werdegang ziemlich vom Anfang an verfolgt, habe „Söhne und Planeten“ gelesen, was mir eigentlich auch schon sehr kompliziert konstruiert erschienen ist. Die Skurrilität war dann schon ein bißchen im „Mahlstädterkind“, wofür er den „Leipziger Buchpreis“ bekommen hat zu merken. Von den Romanen habe ich außer dem Erstlings nur das deutsche Buchpreisbuch von 2015, den Monsterroman „Stunde zwischen Frau und Gitarre“ gelesen, der mir eigentlich sehr gut gefallen hat.

Den Erzählband hat Setz schon bei den O-Tönen vorgestellt, da habe ich eigentlich nicht so viel damit anfangen können. Jetzt denke ich, daß ich wahrscheinlich kein Setz-Erzähltyp bin, will ich es ja eigentlich realistischer und so kann ich mit den Geschichten, wo einer zu einem Schriftstellerkongreß nach Kanada fliegen will, wo auch und das ist interessant „Norbert Gstrein“, der „Buchpreisträger“, neben dem Setz, wie er auf der Buch-Wien sagte, eigentlich sitzen hätte sollen, aber krank gewesen ist, teilnehmen sollte. Der Flug geht aber nicht und nicht ab, so verzichtet er geht nach Haus und findet dann seine Wohnung bevölkert mit hunderten Gestalten, die von seiner Frau liebevoll gepflegt werden.

Das ist mir zu skurill, wie auch die Geschichte von dem „Alten Haus“, das sich einer, der sich Peter Ulrichsdorfer oder Ulrichdorfer nennt und meint früher dort gewohnt zu haben, anschauen will, dann aber von der Familie mit einer ähnlich skurrillen Geschichte hinauskomplmentiert wird.

Der nächste Ich-Erzähler fliegt dann mit einem „Or“ nach Norwegen und erlebt auch sehr viel dabei.

Dann kommt passend zu den „Erich-Fried-Tagen“ auf dem ich das Buch vorwiegend las, eine Angstgeschichte. Da geht es um Herrn Zweigl und seine Söhne. Der hat Panikattacken und lebt sie auch intensiv aus. Besonders interessant war da für mich die Stelle, daß es ja einen Tag im Jahr gibt, an dem man irgendwann einmal sterben wird und man weiß es nicht. Das hat mein schriftstellerische Neugier geweckt und ich habe gedacht, das würde ich gerne wissen, welcher Tag das ist, aber das bekommt man wohl auch mit der größten Angst nicht heraus, ganz im Gegenteil.

Die nächsten zwei Geschichten sind wieder etwas schwierig zu verstehen. Das heißt, vorher gibt es noch die ganz kurze, die auch bei der „Buchpreisverleihung“ gelesen wurde, nämlich die, wo ein Mann vor einem Salamander steht und beide fragen sich, ob der andere nicht vielleicht tot ist?

Auf Einfälle muß man erst kommen. Clemens J. Setz scheint da ein Meister zu sein und während manche Geschichten eher schwer zu lesen ist und mich nicht in ihren Bann ziehen konnten.

Beim „Schulfoto“ war das anders, die ist zwar auch sehr skurril, regt aber  zum Nachdenken an und ist in vielleicht anderer Form gar nicht sosehr von der Wirklichkeit entfernt.

Wird da ja ein Mann in die Schule seiner Tochter zur Frau Direktor zitiert, weil er sich geweigert hat, das Schulfoto zu kaufen. Warum hat er das getan? Weil da ein Kind darauf zu sehen ist, das nur leben kann, weil es von einem Automaten begleitet oder in ihn gesteckt wird. Das kommt nicht so ganz heraus, scheint jedenfalls skurriller zu sein, als wenn ein Spastiker in einer Integrationsklasse sitzt.

Aber dazu fällt mir ein, daß sich, als ich eine junge Studentin war und für den Herrn Novak um Opernkarten anstellte, da die Empörung über Erwin Rngel zu hören bekam, der im Rollstuhl auf die Opernbühne kam, um dort Vorträge zu halten und ich kann mir auch vorstellen, daß es Unterschriftenaktionen gibt, wenn ein behindertes Kind in eine Klasse aufgenommen werden soll.

Auf der anderen Seite gibt es wieder die Frage, was alles medizinisch möglich sein soll, so gibt es ja auch Geschichen, daß klinisch tote Mütter künstlich am Leben erhalten werden, damit sich das Kind in ihrem Bauch entwickeln kann und die Großmütter dazu angehalten werden, den zu streicheln.

Natürlich kann man sich fragen, wieso die Eltern dann nichts dagegen haben, daß ihre Kinder mit diesem Kind in die Klasse zu gehen und sich nur weigern das Foto zu kaufen, was man aber wieder psychologisch interpretieren kann.

Auch sehr spannend ist die Beziehung eines Schulwartes zu einer blinden Frau, deren Wohnung bis oben hin voll mit Obzönitäten beschrieben ist und ein bißchen makaber, man kann es sich aber auch wieder sozialkritisch deuten, die wo eine Frau einen Begleitservice bestellt und von dem sie besuchenden Mann möchte, daß er sie in dem Zimmer, wo ihr Sohn im Koma liegt, vögelt.

Ebenfalls beeindruckend war für mich „Frau Triegler“. Da wird eine Krankenschwester, die sehr einfühlsam in einer Schule mit den Kindern umgeht, plötzlich entlassen, weil die Schule sparen will und sie entführt dnn einen Schüler. Man sieht denke ich Clemens J. Setz Sozialanliegen, das er dann sehr skurril und einzigartig umzusetzen versteht.

Ums „Christkind“ geht es dann zur Jahreszeit passend auch. Da soll ein Weihnachtshasser für ein krankes Kind Signale ausetzen.

In „Suzy“ gehen ein paar sechszehnjährige Schüler in eine Bar und bevor sie hinausgeschmissen werden, schreibt einer im Klo seine Telefonnummer und den Namen „Suzy“ an die Wand. Die Anrufe folgen, er gibt sich als den zehnjährigen Sohn der Dame aus, sagt er darf während sie arbeitet sein Zimmer nicht verlassen und daneben läuft die Schule und der Schulwochen der Schwester ganz gewöhnlich ab.

Ein paar sehr packende und ungewöhnlich kombinierte Geschichten in dem Band, ein paar sind das, wie schon beschrieben weniger, dennoch würde ich das Buch in dem öst Ranking, das bald erfolgen wird, eher höher reihen, vor dem Preisträgerbuch kann ich schon flüstern und wenn Clemens J. Setz das lesen sollte und ihm das ein Trost sein sollte, sofern er sich auf der Buch Wien und auch schon vorher geärgert hat, wird mich das freuen.

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