Literaturgefluester

2020-01-23

Zornfried

Filed under: Bücher — jancak @ 00:05
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Nun kommt ein satirischer Roman auf die rechte Szene, „Zornfried“, des 1960 in Bremen geborenen Jörg-Uwe Albig, der 2017, beim  „Bachmannpreis“ gelesen hat und der sein Buch im November beim „Fried Festival“ vorstellte, das mich natürlich interessierte,  mit dem ich aber ein bißchen meine Schwierigkeiten hatte, da die Satire und das allzu grotesk Komische ja vielleicht nicht ganz das Meine ist.

Da gibt es jedenfalls einen pathetisch schwultisgen Blut- und Bodendichter,  Storm Linne genannt, dessen Gedichte einem „Frankfurter Nachrichten- Journalisten“ in die Hände Fallen. Er zerreißt das Buch in seiner Zeitung und bekommt daraufhin eine Einladung in die Burg Zornfried ins Spessart, dort wo sich die rechten Recken treffen.

Wo auch der Blut- und Bodendichter lebt und wird vom Hausherrn, einem Herrn von Schierling empfangen, der hat eine Frau namens Brigitte mit blonden Zöpfen, die zu ihm „Sie“ sagt und offenbar eine unmenge blonder Töchter, die  Freyer mal Gertrud, mal Frigga oder Erdmunte heißen, das Essen servieren, in der Küche das Geschirr spülen und ansonsten unterwürfig schüchtern lächeln, worin Götz Kubitschek und Ellen Kostrica mit ihren sieben Kindern wohl unschwer zu erkennen sind.

Der Erzähler Jan Brock erweist sich, als eher willenschwach und auch etwas farblos. Zuerst verspottet und kritisiert er die Tischgesellschaft, als dann aber plötzlich eine andere Reporterin auftaucht, die sich dem Hausherrn anbiedert, will er zuerst abreisen, überlegt es sich dann doch, fällt  in Ungnade, wird von den „W-Bubis“, das sind ein paar junge Männer, in gelben T- Shirts, die im Hof des Schloßes ständig Wehrübungen machen, angegriffen, verirrt sich im Wald, findet aber wieder hinaus.

Vorher hat er noch den berühmten Dichter, der bisher das Gespräch verweigerte, in einer seltsamen Position gefunden.

Das Blatt wendet sich, die andere Journalistin eine Frau Jenny Zerwien fällt in Ungnade, eine Demonstration findet statt, wo im Hof „Nazis raus!“, gerufen wird, während der Hausherr mit seinen Getreuen sektschlüfend am Schloßturm steht und am Schluß verläßt der Journalist geläutert oder auch nicht das Feld und  die Burg.

„Storm Linne war nun ein Fall fürs Vermischte, nicht mehr fürs Feuilleton“, lautet der letzte Satz.

Jedem der kurzen Kapitel ist eines dieser Blut- und Boden Verse, von Jörg-Uwe Albig höchstpersönlich gedichtet, vorangestellt:

„Dort wo der fuchs in scharfer waid den hasen schlägt

wo raupen schmaus erstirbt durch schnabels wucht

Wo grauer rudel hunger nachts durch tannen schnurrt

Der kitze frevel zahl din fraß zu bannen sucht“, beispielsweise, die in den Rezensionen sehr gelobt werden und es soll auch, habe ich gelesen, um die Frage der Willfährigkeit der Journalisten in dem Buch gehen, von dem ich mir, wie schon beschrieben, vielleicht ein bißchen mehr Ernsthaftigkeit gewünscht hätte, da man die neuen Rechten ja nicht unterschätzen soll.

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