Literaturgefluester

2020-01-25

Der Hammer

Nun kommt die Überraschung des Jahres, wenn man das im Jänner schon sagen kann, das zweite herausragende Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und ohne Stephan Teichgräbers Centrope-Workshop wäre ich vielleicht nicht darauf gekommen und möglicherweise auf der „Buch-Wien“ beim Wein stehen geblieben, statt zur Lesung von Dirk Stermanns „Hammer“ zu gehen, habe ich den doch bisher eher für einen Kabarettisten gehalten, dessen Scherze mir manchmal zu aufdringlich waren.

Dabei habe ich doch auch die „Sechs Österreicher unter den ersten fünf“ einmal im Schrank gefunden. Wie man sich irren kann, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob alles, was da über die Lebensgeschichte des bedeutenden Orientalisten Hammer von Purgstall zu lesen ist, wirklich der Realität entspricht oder nicht vielleicht doch von der Feder des Kabarettisten, der aber, glaube ich, auch Historiker ist, zu dick aufgetragen wurde.

Es ist jedenfalls eindeutig ein Buch der Sinne und so glaubt man sich zu Beginn im Mittelalter, weil da alles unerträglich stinkt und in Wien, die Buttenweiber herumgehen, die zum Hineinscheißen für ein paar Kreuzerln auffordern. Die Leute haben alle faule Zähne oder gebrochene Kiefer, dabei sind wir in Zeiten der französischen Revolution, wo ja  die Perücken weggeworfen wurden und der napoleonischen Kriege und als Joseph Hammer da in Wien „ausgebombt“ wurde, erinnerte mich die diesbezügliche Schilderung eher an den zweiten Weltkrieg.

Aber trotzdem interessant in den Lebensweg des großen Orientalisten, der laut Dirk Stermann sehr sehr selbstbewußt war, ein Lobbuch führte und sich schon mit der Bekanntschaft Goethes brüstete, als der ihn noch gar nicht kannte, einzutauchen, von dem ich bisher eher nur den Namen gekannt habe.

Dirk Stermann scheint sich für das Buch auch sehr viel Mühe gegeben zu haben, in die Welt des Hammers, wie er am Schluß schreibt, einzutauchen. Er hat da die Quellen genannt, die er dazu benützt hatte, so zum Beispiel das Buch von Rudi Palla über die ausgestorbenen Berufe und so hat ja meine Bekanntschaft mit dem Buch in Stephan Teichgräbers Workshop auch angefangen.

War Joseph Hammer doch der Sohn eines grazer  Gubernialrats, das ist ein Steuerbeamte, das damals noch Grätz genannt wurde, der später geadelt wurde. Er kam mit Dreizehn nach Wien und wurde Sprachknabe, das heißt eine Dolmetscherausbildung gemacht.

Hat da unter den adeligen Mitzöglingen aus den besten Familien, so war einer seiner Kollegen der Sohn des damaligen Außenministers Graf von Thugut, gelernt und gelernt, bis ihm die Augen wehtaten, war bald der beste Schüler, der Türkisch, Arabisch, Persisch, etcetera konnte und wurde, als die Ausbildung beendet war, doch nicht nach Konstantinopel geschickt sondern hatte in Wien zu bleiben, um dort die Wissenschaft zu betreiben, wie seine Lehrer gutmütig sagten.

Nach <konstatinopel ist er dann doch gekommen und war auch bald Dolmetscher auf dem Feldzug in Ägypten gegen Napoleopn. Dann wurde er Legationsrat, weil er sich aber mit allen seinen Vorgesetzen verkrachte und wohl nicht sehr diplomatisch war, wurde er ins Fürstentum Moldau versetzt. In Konstatinopel, wie Istanbul wohl damals hieß, hat er auch die „Märchen aus tausend und einer Nacht übersetzt und da beschreibt Stermann, daß er die Originalausgabe von einem Derwisch geschenkt bekommen hat, die ihm aber erst sein einarmiger Diener in Moldau offenbarte. Er übersetzte auf Französisch und Englisch die Ausgabe, die ganz anderere Erkenntnisse, als das uns Bekannte, erbrachte. Leider gingen aber Original und die Übersetzungen verloren.

Nun gut, so wissen wir nicht wirklich, ob der Sultan Sheherazade statt zu heiraten, hinrichten, ließ.

Josep kam jedenfalls mit seinem Diener, der ein absoluter Taussendsaa war, nach Wien zurück und wurde dort diskriminiert und diskriminiert.

Er ließ sich das zwar nicht gefallen und schrieb Beschwerdebriefe an den berühmten Metternich, der ihm aber erklärte, daß er keine großen Geister, sondern einen eher kleinliche brauche, so daß er ihn weiter kleinhielt und überging.

Joseph von Hammer hat mit Vierzig die neunzehnjährige Caroline von Henikstein geheiratet, die aber vor ihm starb, wurde von der Gräfin von Purgstall adoptiert und war schließlich auch kurz Leiter der „Akademie der Wissenschaften“, aber auch dort gab es Querälen und Intrigen, so daß der große Geist vereinsamt unter der <hand seines Dieners, der ihm bis zum letzten Atemhauch Geschichten erzählte,  verstarb. Ein großes orientalisches Grab hat er sich auch bauen lassen und ich bin wirklich sehr entspannt in die Welt Napoleons, Franz I, dem er beim Suchen eines Balls helfen muß, während sein Vater verstarb und Metternicht, der natürlich wußte, in welcher Ritze des Palastes sich dieser befunden hat,  des ertaubenden Beethoovens, Grillparzers, des Wiener Kongreßes, bis zur 1848 Revolution, etcetera, eingetaucht, denn Joseph von Hammer-Purgstall hat 1774-1856 gelebt und ist am Cover des Buches im prächtigen orientalischen Gewand abgebildet.

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