Literaturgefluester

2020-02-10

Josef Haslingers Fall

Der 1955 in Zwettl geborenene Josef Haslinger, der Mitbegründer des „Wespennestes“ und zu der zeit als ich in die GAV aufgenommen wurde, dort Generalsekretär war, den ich also öfter meine Manuskripte geschickt habe, der den „Opernball“, das „Vaterspiel“   und „Jachymov“ geschrieben hat, seit  1996 Professor am Literaturinstitut Leipzig ist und 2006 auch über den Tsunami  in „Phi Phi Island“ geschrieben hat, hat jetzt in einer Art Dokumentarbericht seine Mißbrauchserfahrungen, die er im Zisterzienserkonvikt Zwettl erlebte, aufgearbeitet und, ich glaube, schon bei den „Friedtagen im November“ darüber berichtete, aber da war auch die „Poet-Night“, wo ich mich mit einigen Leuten verabredet habe, so daß ich gerade vorher weggegangen bin und daher froh darüber war, daß Josef Haslinger heute in der „Alten Schmiede“ sein Buch „Mein Fall“ vorstellte und daher gerne die „Wilden Worten“ zu denen ich wahrscheinlich sonst gegangen wäre, ausließ und die „Alte Schmiede“ sehr sehr voll.

Als ich sie zwanzig Minute vorher mit dem Alfred erreichte, war der untere Saal schon voll und man konnte nur mehr das ganze über die Videoleinwand im „Schmiedesaal“, was ich ja nicht so gerne mag und mir einmal schon im ungekehrten Fall passierte, verfolgen.

Katja Gasser moderierte, leitete kurz ein,  dann las Josef Haslinger aus dem Buch in dem er offenbar seine persönliche Geschichte, wie er als zehn- zwölf- und dann auch äterer, sehr gläubiger Sängerknabenschüler, der Priester werden wollte, von den Patres mißbraucht wurde, als auch die Aufarbeitung dieser Mißbrauchsfälle, die es seit zehn Jahren durch die sogenannte Klasnic-Kommission gibt, schilderte.

Er hat offenbar auch schon vorher literarisch fiktional über die Geschehnisse beispielsweise im „Konviktskaktus“ geschrieben, die Namen der Täter aber erst nach ihren Tod genannt und hat sehr lange sehr berührende Stellen aus dem Buch gelesen, die natürlich sehr betroffen machen und eine Dame auch die Fragen stellen ließ, wieso er sich nicht wehrte und seinen Eltern davon erzählte?

Damals konnte man das wohl nicht und Josef Haslinger hat auch die sehr autoritären Strukturen in dem Stift geschildert und seine Abhängigkeit beziehungsweise emotionale Zugehörigkeit zu den Tätern, die sehr freundlich zu ihm waren.

Zölibat abschaffen, wären da meine Forderungen und in die Internate gehören auch Frauen, die auf die Geschehnisse achten und vor allem natürlich, die Kinder so selbstbewußt erziehen, daß sie sich das nicht gefallen lassen und sie wehren.

Ein sehr beeindruckendes Buch, ein sehr beeindruckendes Thema mit dem man sich beschäftigen sollte und eine lange Warteschlange vor dem Signiertisch, den Rudi habe ich gesehen, die Astrid Nischkauer, die Frau Schmidt-Dengler, die Helene Hofmann, aber auch sehr viele Leute, die ich nicht kannte und vielleicht zum ersten Mal in der „Alten Schmiede“ waren.

2 Kommentare »

  1. Liebe Frau Eva Jancak-Nagl!

    Gestern bekam ich das Buch „Mein Fall“ von Josef Haslinger, und ich las dieses Buch in einem Atemzug von Anfang bis Ende! Jedoch ich werde nicht schlau, was mir dieser Autor damit sagen will! Zuerst zögerte er 8 Jahre, so schreibt er am Anfang, nach Bekanntwerden der ersten sexuellen Mißbrauchsfälle und der Gründung der „Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft“ und der „Unabhängigen Opferschutzkommission“ durch Kardinal Christoph Schönborn.

    Der Autor schreibt, dass er nun bereit sei, über die Vorkommnisse in seiner Kindheit im Internat des Stiftsgymnasium Zwettl und der Sängerknaben dort auszusagen! Dann wird er sogar aufgefordert, weil er ja jetzt ein Schriftsteller ist, seinen Fall aufzuschreiben, sodass dieser dokumentiert ist. Das macht er schließlich auch und schreibt: „Ich bin Schriftsteller. Mein Fall ist hiermit dokumentiert.“

    Da diese sexuellen Übergriffe bereits 50 Jahre und mehr zurückliegen, und mir diese Sachlage verjährt zu sein scheint, und die vermeintlichen Täter bereits gestorben sind, und der Autor dieses Buches über Pater Gottfried Eder schreibt, dass er offenbar ein beliebter Seelsorger gewesen sei, so zweifle ich über die Wahrheit dieses „Mein Fall“(es)! Ich frage mich daher, in wie weit dieser Fall überhaupt ein Mißbrauchsfall war, und eigentlich nicht zuletzt nur ein monetärer Entschädigungsfall geworden ist???!!!! Natürlich ein kleiner Kern dieses Buches ist sicherlich wahr!

    Liebe herzliche Grüße!
    Ihr
    Manfred Lagler – regall

    Kommentar von Manfred Lagler — 2020-10-21 @ 12:45 | Antworten

  2. Das kann ich ihnen auch nicht so genau beantworten und habe das Buch auch noch nicht gelesen, weil ich ja leider wegen Corona oder weil ich keine Maske wollte nicht beim „Skriptorium“ in Stift Seitenstetten war, kann mich aber erinnern, daß Josef haslinger, den ich sehr mag, bei der lesung erwähnte, , daß er den Tod des Paters abgewartet hat, bis er darüber schreiben wollte oder konnte und, daß ihm die Geschichte jahrelang schwer belastet hat!
    Schwer darüber zu urteilen, wenn man selbst nicht betroffen ist, wahrscheinlich ebenso schwer sich das Ganze vorzustellen und man wehrt wahrscheinlich auch viel ab und verdrängt viel dabei!
    Wenn Sie aber diesbezüglich andere Erfahrungen gemacht haben, lassen Sie sich nicht verunsichern! Es sind sicher nicht alle Patres „Kinderschänder“, aber das Zölibat spielt meiner Meinung nach eine große Rolle dabei, weil man seine Sexualität ja gesund ausleben können sollte!
    Liebe Grüße und vielleicht melden Sie sich wieder, wenn ich das Buch gelesen habe und falls Sie es noch nicht wissen und mich mit Maske sehen wollen, mein neues Buch ist da und Sie können sich, wenn Sie wollen am der Leserunde beteiligen oder mir eine Rezension darüber schreiben!

    Kommentar von jancak — 2020-10-21 @ 13:23 | Antworten


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