Literaturgefluester

2020-02-21

Zwei Mütter sind eine zuviel

Filed under: Bücher — jancak @ 00:58
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Jetzt kommt der neue Roman, der in Vorarlberg geborenen, in Wien und in Nürnberg lebenden Margit Heumann, die ich, glaube ich, durch Thomas Wollingers „Texthobel-Schreibwerkstadt“ kennengelernt habe, sie öfter bei Veranstaltungen sehe und, die mir auch ihre Bücher zum Lesen gibt.

Das Jugendbuch, so würde ich es einordnen, ist schon 2017 erschienen, aber irgendwie neu herausgekommen, auf jedenfall stellt Margit Heumann  es demnächst auf einer Lesung vor und es behandelt ein sehr wichtiges Thema, nämlich das der Adoption, mit all ihren Schwierigkeiten, wenn man plötzlich daraufkommt, daß man zwei Mütter hat oder, daß die Mutter, die man hat, nicht die richtige echte ist oder sich die echte plötzlich meldet oder einem die falsche im Zorn oder in Krisenzeiten zurückgeben will,  beziehungsweise das Adoptivkind vielleicht verhaltensauffällig und schwierig ist, etcetera.

Ein Thema, das die Psychologin natürlich sehr interessiert und wahrscheinlich sehr viel jugendliche und andere Leser auch und Margit Heumann bettet es sehr gekonnt in eine Familiegeschichte ein, die  mit einer sehr adjektivreichen Sprache erzählt wird, beziehungsweise sich mit dieser langsam und allmählich, die Handlung entblättert.

Denn zuerst kommt einmal ein Interview mit Adoptivmüttern, das ich eher an das Ende des Buches gestellt hätte, dann fliegen wir mit Juna nach San Francisco. Die ist Flugbegleiterin und hat einen alleinfliegenden Jungen zu betreuen, den sie dort seiner Mutter zu übergeben hat und man merkt schon, da stimmt etwas nicht, Juna hat Probleme und ist unaufmerksam und im nächsten Kapitel lernen wir ihre Tochter Danica kennen, die mit einem Pferd Turnier reiten soll, Margit Heumann ist Pferdeexpertin, merke ich an und die Schwierigkeiten mit ihrer Mutter hat und mit ihr nicht skypen oder telfonieren will.

Nach und nach gleiten wir hinein in das Geschehen und ich habe jetzt erst mitbekommen, daß Danica, die Adoptivtochter, erst sechzehn ist und mit ihrem jüngeren Bruder, dem leiblichen Kinder von Juna und Hennig auf einem Ponyhof lebt, der dem Vater gehört und die echte  oder Biomutter, wie sie sich oder Margit Heumann sie nennt, Emilija aus dem Kosovo hat Briefe an die Tochter geschrieben.

Jedes Jahr einen zum Geburtstag, die vor ein paar Wochen in Deutschland wo das Ganze spielt, angekommen sind.

Hennig und Juna haben sie Danica erst nach ein paar Wochen übergeben und jetzt ist die stinksauer auf Juna, die sich auch Vorwürfe macht und die Tochter mit ihren Emotionen bedrängt, während der Vater etwas besonnener ist und „Warten wir mal ab!“, rät.

Nach und nach immer von den Briefen unterbrochen, dringen wir ein in die Geschichte, erfahren vom Anruf, der Klinik oder des Sozialpädagogen vom Jugendamt, nachdem der bürokratische Aufwand erledigt ist: „Wir haben ein Kind für Sie!“, das das zwanzigjährige Zimmermädchen Emilija Petrovic, das sich ziemlich unerfahren mit einem Gast vergnügte und dann schwanger wurde, zur Adoption freigegeben hat und dann wieder in den Kosovo zurückkehrt.

Juna und Henning waren sehr aufgeklärte Adoptiveltern, haben Danica die Adoption nie verheimlicht. Das zweite leibliche Kind ist dann, wie das so üblich sein soll, erstaunlich schnell nachgekommen, Danica war auch entsprechend eifersüchtig auf den jüngeren Bruder.

Jetzt umsorgt sie ihn liebevoll und lernt mit ihm Englisch. Es gibt auch einen Großvater, der im Rollstuhl sitzt und eine beste Freundin, den ersten Rausch, die Wut auf die Mutter, eine mütterliche Putzfrau und als wir beim letzten Brief angekommen sind, wo die leibliche oder erste Mutter, die wieder als Flüchtling nach Deutschland zurückgekommen ist, schon ungeduldig drängt, daß Danica sich melden soll, haben sich die Wogen geglättet, das Tunier ist herangekommen, eine Katze ist vorher auch noch verschwunden und glücklich wieder aufgetaucht, Danica ist Juna nicht mehr böse und am Ende taucht, die Großmutter mit einem Onkel auf, schließt Danica in ihrer Arme und, daß Emilija schon verstorben ist und die Großmutter die Briefe nach Deutschland schickte, woher sie die Adresse hatte, wurde mir nicht ganz klar, nachdem das Jugendamt keine Informationen herausrückte und sich Danica, obwohl man das in Deutschland und vielleicht auch in Österreich, ab vierzehn machen, kann auch nie fragend dorthin wandte, ist irgendwie ein Wermuthstropfen der Geschichte, vielleicht auch der Kniff Margit Heumanns, um weiteren Komplikationen, die ja schon der Titel verspricht, zu entgehen.

Es ist aber sicher sowohl spannend, als auch wichtig und lehrreich, sich mit dem Thema Adoption auseinanderzusetzen, so daß ich das Buch allen jüngeren und auch älteren Lesern nur empfehlen kann.

2 Kommentare »

  1. Danke, liebe Eva, für die ausführliche Rezension und die Lese-Empfehlung am Schluss. Die freut mich ganz besonders und vielleicht lockt es den einen oder anderen am 24. März um 19 Uhr ins 7*Stern, wo auch Gabriele Kögl und Hannes Vyoral lesen. Du vermisst die Herkunft der Adresse? Die Großmutter hat nicht selbst nachgeforscht, sondern im Nachlass ihrer verstorbenen Tochter gefunden. Kann sein, meine diesbezüglichen Andeutungen (im letzten Brief der Bio-Mutter und im Begleitschreiben des Neffen) waren zu versteckt …

    Deine Schneewoche ist ja schon zu Ende und du bist schon wieder in Wien unterwegs. Was ist das für ein Selfpublisher-Antrag, den du bei der IG-Autorinnen und Autoren eingebracht hast?

    Liebe Grüße,
    Margit

    Kommentar von Margit Heumann — 2020-02-22 @ 11:14 | Antworten

  2. Ich habs trotzdem, glaube ich, noch nicht verstanden, wie die Tochter zu der Adresse kam, das Jugendamt gibt sie, glaube ich, ja nicht heraus. Aber egal, weil es wahrscheinlich, die Wende ist, die die Handlung brauchte.
    Ja, die Winterwoche, Schi bin ich ja nicht gefahren, war sehr kurz und schon vorbei und das mit den Selfpublishern ist schwierig, weil sie bei der IG immer noch das Eigenverlagimage haben und die zwischen Verlags- und nicht Verlagsproduktion nach wie vor strikt unterscheiden, obwohl vorher ja auch diskutiert wurde, das manche Verlage auch nicht sehr viel anders sind und sehr viel anderes bieten.
    Nun ja, steter Tropfen höhlt den Stein sagt man und ein bißchen hat sich, wenigstens in Deutschland, glaube ich, das Image schon verändert und wenn wir noch ein wenig warten, kommt es dann vielleicht auch mal zu uns!

    Kommentar von jancak — 2020-02-22 @ 19:25 | Antworten


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