Literaturgefluester

2020-03-31

Bis zum Ende

Filed under: Bücher — jancak @ 00:33
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Remigiusz Mroz, dem polnischen Kultautors „Bis zum Ende“ habe ich  nicht angefragt, wohl aber seine „Kalten Sekunden“ gelesen und damit, ob der Brutalität und der überraschenden Wendungen, meine Schwierigkeiten gehabt, aber eigentlich auf das vor einem knappen Jahr gelesene Buch inzwischen fast vergessen, so daß ich, als ich den Inhalt von „Bis zum Ende“ gegooglet habe, ein deja vue hatte und glaubte, ich hätte das Buch schon gelesen, aber nein, „Bis zum Ende“ ist  die Fortsetzung der „Kalten Sekunden“, der Geschichte von  Damian Werner, dem seine Braut Ewa verloren gegangen ist, sie suchen will, sich an eine Detektei wendet, die Detektivin Kassandra von ihrem Mann Robert mißbraucht wird und sich dann in Ewa verwandelt und so weiter und so fort.

Nun sind zu den zehn Jahren des Verschwindens ein weiteres vergangen. Damian Werner zieht in eine neue Wohnung, trinkt Bier,  lebt depressiv vor sich hin, bis er Kassetten  findet. Wieder eine Botschaft von der verschwundenen  Ewa und Kassandra, seine Feindin taucht auf, erzählt von ihrem verschwundenen Sohn, den finden sie dann im Koma in einer Klinik. Kassandra wird verhaftet, im Gefängnis mißbraucht und Damian Werner zieht mit Kassandras Assistentin, die er in einem Sushi-Lokal findet, zu einem ehemaligen Jugendclub und man forscht wieder in Ewas Vergangenheit.

Dann taucht Ewa plötzlich auf und verschwindet wieder, beziehungsweise zwingt sie Kassandra, die Kassetten aufzunehmen, also eigentlich eine Zeitsprung nach hinten, wenn ich nicht etwas mißberstanden habe und die Schwierigkeit, der Bücher ist auch, daß sie in zwei Perspektiven geschrieben sind, in der von Damian Werner und der von Kassandra.
Aber beide in Ich- Form, dann hatte ich genau, wie einige „Amazon-Rezensenten“ auch Schwierigkeiten mit den Namen, obwohl ich das Vorbuch ja gelesen habe. Hat man nicht,   tut man sich wahrscheinlich noch viel schwerer, das Ganze zu verstehen, obwohl es ja eigentlich nur, so weit ich es verstanden habe,   eine Wiederholung des Erstens ist und nicht wirklich neue Fakten bietet oder doch vielleicht, Ewa sticht Kassandra nieder, die wird von Damian gerettet und die beiden gehen in ein neues Leben.

Man könnte den Thriller also auch psychanalytisch deuten und dann wäre ich auf den dritten Teil gespannt. Mal sehen ob ein solcher zu mir kommt?

„Zuerst war es Stieg Larsson, dann Jo Nesbo, jetzt ist die Zeit für einen weiteren sensationellen Spannungsautor gekommen:ausPolen“, steht  am Buchrücken.

2020-03-30

Harry

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 00:36
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In Zeiten der Corona-Krise und des Veranstaltungsstops, wieder ein „Fräulein No-Schmankerl“, denn ich habe ja noch zwei der vier hinausgeschmissenen Anhangszenen, die ich hier vorstellen kann, denn ich war ja am vierzehnten November schon mit meiner Gliederung fertig, wußte, es werden keine fünfzigtausend Worte und bin auf die Idee gekommen, einigen Personen, die im Text keinen eigenen Handlungsstrang hatten, eine eigene Szene zu schenken, eine ist davon der Harry, dem Cafehausbesitzer, der das Ganze überspannt, beziehungsweise in seinem Cafehaus alle zusammenbringt und dem habe ich am Schluß noch eine Krebserkrankung verpasst.

Als ich mit dem Rohtext fertig war, habe ich von den vier Anhangszenen, die keinen direkten Bezug zu der Handlung hatte, die von der Dorothea, die zum Elternsprechtag geht und der Fatma, die zum Begräbnis der Großmutter nach Teheran fliegt, die ja damals noch eine Iranerin war, hinausgeschmissen und die des Harrys und der Sibylle vorerst drinnen gelassen, dann aber  auch weggelassen, weil sie ja keinen direkten Handlungsbezug hatten, beziehungsweise, die Krebserkrankung des Harrys der Handlung eine andere Interpretation gegeben hätte.

„Es ist alles in Ordnung, Henrike“ hatte er am Sonntag zu der alten Freundin gesagt, als er mit ihr an dem mit einer altmodischen weißen Häkeldecke, die wohl noch von ihrer Großmutter angefertigt worden war, gedeckten Tisch gesessen war und auf die schon etwas verblasste Tapete im Speisezimmer der alten Grinzinger Villa gesehen hatte, die dringend renoviert gehörte, wozu aber das nötige Kleingeld fehlte. Die Häkeldecke war aber frischgestärkt und in der Mitte stand in einer genauso altmodischen Glasvase, die auch von der Großmutter stammte, seine mitgebrachte Rose. Eine Schachtel „Lindt-Bonbons“, die wohl der Schauspielschüler mitgebracht hatte und das Gansl mit dem Rotkraut und dem Kartoffelknödel, das er Gabel für Gabel in sich hineingeschaufelt hatte, hatte ausgezeichnet geschmeckt.

„Alles in Ordnung!“, hatte er gesagt und dachte, während er in einer der Abulanzen des Allgemeinen Krankenhauses saß und auf seinen Onkologen wartete, „Wie man es nimmt!“

Die Grinzinger Villa verfiel allmählich und wurde von Henrike nur mit seiner Unterstützung halbwegs in Schwung gehalten. So hatte er ihr versprochen, sich im Frühjahr, um das Dach  zu kümmern und auch die Zimmer im Erdgeschoß und im ersten Stock auszumalen und sie hatte ihn  dankbar angesehen.

„Gilt das auch für die Psychotante, die übrigens eine patente Person zu sein scheint. Ich habe mich vor der Vorstellung, um in die richtige Stimmung hineinzukommen, ein wenig mit ihr unterhalten!“, hatte der Schauspielersohn gefragt und dabei angestrengt an seiner Gänsekeule genagt.

„Wirklich ausgezeichnet ist dir der Braten gelungen, Henrike!“, hatte er gelobt, bevor er die an ihm gestellte Frage beantwortet hatte.

„Ist sie, junger Mann, wenn  vielleicht auch ein wenig schwierig! Hat das Leben sie doch ein bißchen mehr, als die meisten anderen gebeutelt! Sie ist aber, wie ich mich überzeugen konnte, ein Stehaufmännchen oder besser Frauchen, um politisch korrekt zu gendern, das sich nicht unterkriegen läßt, sondern es immer wieder neu probiert, so oft sie auch auf den Boden geworfen wird!“, hatte er an seinem Gänsebein kauend gesagt und sich die Frage gestellt, wie das wohl bei ihm wäre? Dann „Wirklich ausgezeichnet!“, wiederholt und No versichert, daß seines Wissens nach alles in Ordnung sei!

„Wenn ihr nach der Vorstellung nicht so schnell geflüchtet wärt, hättet ihr euch davon überzeugen können! Die Anzeige ist zurückgezogen, Fatma Sayjan hat sich entschuldigt und eine Nichte ist aufgetaucht, die sich, um die Tante kümmern will!“, hatte er verkündet und war sich sicher, daß absolut nichts in Ordnung war, er aber nicht wußte, wie er das der alten Freundin beibringen sollte, die ihm zwar zu durchschauen schien, merkte er doch, daß sie immer wieder nachdenklich zu ihm hinübersah, beibringen konnte, daß er laut Auskunft seines Arztes, der ein hochspezialisierter Onkologe war und kein Allgemeinmediziner, wie Ulrich Blumenbach, nur mehr ein paar Monate zu leben hatte, weil der Krebs seinen Körper und seine Prostata schon sehr angeknabbert hatte, wie er das vor fünfundzwanzig Jahren, bei ihrem Walter getan hatte, den sie immer noch  mit ihrem Setter jeden Tag an seinem Grab besuchte. Er hatte es ihr nicht sagen können, die sich freute,  daß das Dach im Frühling, endlich ausgebessert wurde. So daß es nicht mehr hineinregnen konnte, wie es jetzt gelegentlich geschah. Ihr nicht sagen, daß er nicht versichern konnte, daß er dann noch am Leben und so fit war, auf der Leiter herumzuklettern und die Arbeiten, die er von ihr versprochen hatte, auszuführen. Zwei Wochen bevor ihm der Onkologe mit besorgten Gesicht mitgeteilt hatte, daß es sehr ernst und mit dem Befund nicht zu spaßen war, hatte er ihr das versprochen und sie hatte sich, wie ein Kind gefreut und ihr Gesicht hatte gestrahlt, als sie „Dann wird doch noch etwas aus der Villa und ich brauche nicht zu fürchten, daß sie über uns zusammenkracht und uns begräbt!“, zu ihm sagte.

„Ich danke dir vielmals lieber Harry und werde mir auch überlegben, den Krümel doch in einen Theodor oder einen Heinrich umzunennen, um dich nicht zu ärgern!“, hatte sie versprochen und ihn, wie sie sich zu erinnern glaubte, am Sonntag fragend angesehen, als ob sie etwas von seiner Spannung und seinen Sorgen, die ihn seither plagten, ahnte. Er konnte es ihr aber nicht sagen, fürchtete er doch, daß sie die Nachricht nicht aushalten,sondern darüber zusammenbrechen würde, wie sie es beim Tod ihres Walters und dem ihrer Tochter fast getan hatte. Damals hatten sie zuerst Martha und später die kleine Enkeltochter davon abgehalten. Jetzt  war aber Nolantha erwachsen und würde sie mit ihrem Schauspielerfreund wahrscheinlich verlassen, wie er es auch bald tun würde, so daß sie in der baufälligen Villa mit ihrem Hund ind ihren Toten alleine blieb. Er hatte es nicht geschafft, sondern getan, als wäre alles in Ordnung, wie er ihr an diesem Sonntag, wie eine Marionette immer wieder versichert hatte, obwohl sie es ihm nicht zu glauben schien. Deshalb hatte er auch Ulrich Blumenbach gefragt, ob er sich nicht um die Junkies und die Nutten, die regelmääßig im Cafe auftauchten, kümmern konnte, was aber ein Vorwand  war, denn wenn er ehrlich war, hatte er es deshalb getan, um einen Arzt im Haus zu haben, wenn es ihm schlecht ging und er vielleicht zusammenbrach, hatte er bei Henrike gedacht und nach dem Glas gegriffen, um einen Schluck von dem mitgebrachten Wein zu trinken und sich von den düsteren Gedanken abzulenken, die in seinem Kopf routierten und nicht zu vertreiben waren.

„Alles in Ordnung, Oma!“, hatte auch No bestätigt und nach einer der Bonbons gegriffen, nachdem sie ihre Günsekeule und den Pudding, den es zum Dessert gab, gegessen hatte.

„Gerti Schuster wird vielleicht zu ihrer Tante ziehen  Harry hat uns einen Hausarzt engagiert, der jetzt Abend für Abend zu uns kommt und ich und der Fabi werden das Stück demnächst in Graz  aufführen und dir Oma, geht es auch sehr gut, nicht wahr?, hatte sie noch wissen wollen, bevor sie in die Küche verschwunden war, um dort Kaffee zu kochen und er hatte keine Antwort gegeben. Hatte das nicht über sich gebracht, obwohl er es wahrscheinlich mußte, weil er die alte Freundin, die ihm, als es ihm schlecht gegangen war, wieder aufgerichtet hatte, nicht unvorbereitet verlassen sollte, dachte er und seufzte auf, während sein Blick durch die Amublanzräume und über die anderen Patienten glitt, die wohl ebenfalls auf ihre Diagnose wartend, auf den orangen Plastiksesseln Platz genommen hatten. Vielleicht sollte er mit Ulrich Blumenbach darüber sprechen, wie er es Henrike beibringen könnte, dachte er und war erleichtert, daß ihm dieser Einfall gefallen war. Denn der war ein guter Arzt, dem es, weil sein Lebensmensch zu ihm zurückgekommen war, auch wieder besser zu gehen schien. Professor Wagner, der ihm demnächst etwas von Chemo- und Strahlentheraphie vorschwatzen würde, der er sich unterziehen sollte, könnte er natürlich gleichfalls fragen, dachte er und stand auf, weil sein Name auf der Anschlagtafel aufleuchtete und er ins Besprechungszimmer gerufen wurde.“

Die hinausgestrichene Szene neunzehn mit den Schreibberichten gibt es hier zu lesen.

2020-03-29

Leben im dystopischen Raum

Filed under: Alltagsgeplauder,Glosse — jancak @ 00:52
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Wenn ich vor einigen Monaten jemanden erzählt hätte, daß man in Wien und auch sonstwo nicht mehr auf die Straße gehen  soll und, daß man, wenn man es trotzdem tut und sich in einem Park oder am Donaukanal auf eine Bank setzt, ein Polizist kommen und sechshundert Euro oder was auch immer Strafe von einem verlangen kann. Man in der  U-Bahn einen Berechtigungsschein vorweisen muß, daß man zur Arbeit fährt und, daß die die Hausärzte einen nicht mehr in ihre Praxis lassen und sich auch weigern die E-Cards anzugreifen, also nur über das Internet ordinieren und womöglich darüber Ferndiagnose abgeben, hätte man mich wahrscheinlich für verrückt gehalten oder bestensfall gefragt, ob ich nicht zuviele Horrorromane lese und wenn ich das in einem solchen aufgeschrieben und an „Rowohlt“ oder auch nur oder „Droschl“ oder „Arovell“ geschickt hätte, hätte ich wahrscheinlich keine Antwort bekommen oder das das zu phantastisch wäre, obwohl ich in den letzten Jahren einige solcher Dystopien gelesen habe.

Das erste Mal bin ich auf den Ausdruck Dystopie, vorher hätte ich utopischer Roman gesagt, glaube ich, 2015 aufmerksam geworden, als ich beim „Deutschen Buchpreisbloggen“ auf Heinz Helles „Eigentlich müßten wir tanzen“ gelesen habe. Dann hat Stephan Teichgräber ein Workshop zur utopischen Literatur abgehalten, wo ich noch einmal in George Orwells „1984“ hineingeblättert habe und mir dachte, das haben wir ja längst erreicht.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2020 und eine weltweite Pandemie ist ausgebrochen, die sich von China über die ganze Welt erstreckte.

Jetzt hebt China die Ausgangssperren langsam wieder auf und öffnet am Montag, glaube ich, die Einkaufszentren , dafür ist die USA, wo Präsident Trump zuerst sehr lange, die Gefährlichkeit des Corona Virus leugnete zum Spitzenherd der Infiszierten angestiegen und er hat notgedrungen auch Ausgangssperren eingeführt, die er aber jetzt wieder aufzuheben will, weil ja die Wirtschafts darunter leidet.

Ein Dilemma natürlich und es weiß wahrscheinlich keiner, wie man sich verhalten soll?

Durch strikte Maßnahmen, wie diese, daß jetzt die Polizisten durch die Straßen laufen und jeden der sich dort befindet,  ermahnt und sich dadurch natürlich selber einer erhöhten Ansteckungsgefahr aussetzt und auch der, daß genervte und wahrscheinlich psychisch nicht so stabile Bürger ausrasten und zu spucken und zu schreien anfangen, was in den zwei Wochen in denen es diese Maßnahmen schon gibt, zu hunderttausend Arbeitslosen und Kurzarbeitern führte.

Die Wirtschaft schreit auf, wir halten das nicht durch, fangt endlich an zu testen und haltet nur die alten, also, die über fünundsechzig, wo ich auch betroffen bin, von den Straßen fern, also vielleicht dreitausend Euro Strafe, wenn ich  einen Brief einwerfe, als wenn da ein Virus auf mich zurasen würde oder die Laissez faire-Methode, die auf  sogenannte Herdenimmunität setzt, wo ich mich eigentlich auch anschließen würde, denn die Jüngeren werden ja  kaum krank, wenn die dann vierzehn Tage zu Hause bleiben, sind sie immun und können wieder hinaus und das Leben kann halbwegs weitergehen. England hat das, glaube ich, praktiziert oder es so wollen, nur die Alten wegschließen, worauf es, glaube ich, zu einem Aufschrei kam und die Taktik geändert wurde, zu spät wahrscheinlich, denn jetzt sind sowohl Prinz Charles, als auch der Premiermistister infisziertund Angela Merkel wurde glaube ich, nachdem sie von einem positiven getestet Arzt geimpft wurde, als negativ erkannt.

Sehr viel Verwirrung also, wenn man jetzt zu Hause sitzt und im Fernsehen die ansteigenden Zahlen hört und, daß da jetzt schon wieder so und soviele Leute erkrankt sind.

Sie sind positiv getestet worden und wenn wüßte, wieviel Leute schon immun sind hilft das wahrscheinlich weiter und auch, wenn die Leute dann selber die vierzehn Tage zu Hause bleiben.

Das ist eine Methode, auf die ich setzen würde und sich das Ganze dann irgendwann in drei Monaten vielleicht, wie in China, ich weiß, da verwendete man noch drastischer Methoden an, als hier, wo ja nur die Polizisten kontrollieren und, die jungen Reporterinnen von Oe24 auf der Straße stehen, den leeren Graben zeigen und die alten Damen, wie die Frau B., die Tochter von einem einmal sehr bekannten Schriftsteller schief anschauen, wenn sie ihren Hund äußerln führen oder sich ihre Milch einkaufen.

Eine schwierige Situation und das Schlimmste, was die nach 1945 Geborenen wohl erlebt haben. Die Krise als Chance gibt es natürlich auch, ist aber warhscheinlich nicht so leicht umzusetzen, wenn ich ständig höre, schon wieder so und so viel Leute infisziert und die Zahl der Todesfälle nimmt zu und zu.

Die Kinder, die jetzt zu Hause mit ihren freigestellten im Homeoffice werkenen Mütter  lernen,  werden aber vielleicht verhaltensauffällig, wenn sie nicht in den Park dürfen und wenn sich dann die älteren zu viert oder auch mehr treffen um ein Bier zu trinken und das Corona-Party nennen, gleich die Polizei zu holfen, ist vielleicht auch nicht die Lösung.

Eine schwierige Situatuon, der Alfred hat gestern vor der Garage eine offensichtlich verwirrte Frau mit viel Gepäck getroffen, die nicht so genau wuße, wo sie hin soll?

Das hat mir die Frau auf der Krisenhotline, die ich angerufen habe, auch nicht so genau sagen können, so ist sie dann mit einem Taxi irgendwohin gefahren, ich hoffe sie ist gut angekommen und im Netz kann man sich, ich wiederhole es und betreibe es auch selber momentan sehr gut beschäftigen, deshalb habe ich auch wegen meines Veranstaltungsstop keine Entzugserscheinungen, sondern arbeite  mit  einem Teil meiner Klienten per Telefon, habe mich für die Krisenhotline des Berufsverbandes der Psychotherapeuten und auch für Krisensupervisionen zur Verfügung gestellt und auch bei Büchern scheint es einen Verzögerungsstop zu geben, da „Amazon“, bei dem aber, wie ich immer höre, ohnehin nicht bestellen soll, sich derzeit bevorzugt auf die Auslieferung von Klopapier und Hygienemittel zu konzentrieren scheint und die anderen Bücher, auf die ich  warte, von den Botendiensten ohne eine Unterschrift zu verlangen, vor die Tür gelegt werden sollen.

Innerhalb Österreichs scheint das zu funktionieren, da habe ich diese woche ein Buch bekommen, „Rowohlt“ hat mir geschrieben, daß sie derzeit sehr viele Bücher zurück bekommen und mir den neuen Camilleri als E-Book geschickt. Die lese ich zwar nicht so gern, aber in der Not frißt die Teufelinin  ja angeblich Fliegen und so ist Nele Pollatscheks „Dear Oxbridge“ auf diesen Weg jetzt doch zu mir bekommen, obwohl der Verlag es zweimal normal an mich verschickte.

Dann korrigiere ich natürlich viel, bin, wie ich hoffe mit dem „Fräulein No“ demnächst fertig, habe da zwei neue nicht mehr im Text enthaltene Szenen als eigene Geschichten im Text eingestellt und bereite mich  natürlich schon auf das Schreiben in Zeiten von Corona vor, plane also darüber zu schreiben, obwohl, das wahrscheinlich nicht so leicht sein wird, weil man da ja noch nicht die nötige Distanz dazu hat und das Ganze wahrscheinlich erst in einigen Jahren so richtig beurteilen kann.

Und hier mein Corona-Textarchiv 1 2 3 4 5 6 7 8

2020-03-28

Die Probe

Jetzt ein Schmankerl aus der Schreibwerkstatt. Nämlich die ursprüngliche Szene neunzehn aus dem „Fräulein No“, meinem siebenten „Nanowrimo“, an dem ich derzeit korrigiere, die im ursprünglichen Text nicht mehr drinnen sein wird, weil sie, da ich ja während des Wettschreibens zwischen „Buch Wien“ und „Buch Basel“ nicht so chronologische geschrieben habe und immer wieder Szenen eingefügte, um zu dem geforderten Seitensoll zu kommen, zeitlich und handlungstechnisch nicht mehr hineinpasste und ich sie daher weggelassen habe:

„Nolantha hatte sich mit Fabian, der, wie, sich eingestehen mußte, mit seinen blonden Locken und den meist strahlend blauen Augen einen verführerischen Eindruck auf sie machte, in Johannas Buchhandlung getroffen, um den Dialog zu proben, den die taffe Hanni, die vielleicht auch Schriftstellerin werden wollte, jedenfalls war sie schon mehrmals bei Poetry Slams im Literaturhaus und sogar schon in Innsbruck aufgetreten, verfasst hatte.

„Gern!“, hatte Fabian Neumayr, der Sohn eines sehr bekannten Burgschauspielers, der seinen Vater aber nicht leiden konnte, sondern ihn als arroganten Arsch bezeichnete, von der elterlichen Wohnung nach der Matura ausgezogen war und seither mit zwei Freunden in einer WG hauste, zu ihr gesagt, als sie ihn zögernd gefragt hatte, ob er mit ihr einen solchen Dialog aufführen wolle?

„Sehr gern, denn hier ist es, wie du ebenfalls festgestellt hast, äußerst langweilig! Fechten kann ich schon, das hat mir mein Vaterarsch, als Kind immer beibringen wollen und außerdem will ich kein Burschenschaftler werden, wie dieser FPÖler, der bei der Diskussion auftrat! Spannend, daß du diese Sandlerin in deinem Cafe kennengelernt hast! Sehr interessant, obwohl mein lieber Vater, jetzt sicher seine Brauen hochziehen, mich mahnend mustern und „Siehst du, Sohn!“, in einer Stimme, die er sich von dem einmal so berühmten Werner Krauß, seinem großen Vorbild abgeschaut hat „Das Leben ist es, was wir suchen müßen in der Kunst!“, deklamieren würde, der von diesem aber, das kann ich dir versichern, keinen Deut versteht!  – Aber das ist wirklich interessant, wenn auch zweideutig, liebste No! Denn wem soll man da zustimmen oder widersprechen? Dieser Sandlerin, die wahrscheinlich eine arme Haut ist und der man, wie ich hörte, übel mitgespielt hat oder der pakistanischen Studentin, die natürlich recht hat, wenn sie von keiner Sandlerin bespuckt werden will? –  Auch eine taffe Frau und vielleicht sollten wir sie anmailen und ihr von unseren Vorhaben berichten? Vielleicht hat sie Lust mitzumachen? –  Aber nein, erst müßen wir den Dialog erarbeiten, liebste No!“, hatte er jetzt fast mit einer Kraußschen Stimme deklamiert und sie dabei verschmitzt angesehen. Denn die beherrschte er ebenfalls sehr gut. War er doch ein perfekter Stimmenimitator, was auch, wie er es sich wünschte, der Grund gewesen war, daß er in den hehren Reinhardt-Hallen aufgenommen wurde und dann bedauernd, die Achseln zuckte und wieder höchst dramatisch „Aber ich fürchte,  liebste No, das dem nicht so war! – Es war wahrscheinlich schon der berühmte Namen meines ebenso berühmten Vaterarschs, der mich in das Dilemma brachte, ob ich nicht vielleicht ablehnen soll, weil ich dem alten Herrn keine Protektion verdanken möchte! Aber da siehst du gleich, Nolantha, deren Vater sich keine Namen merken konnte, das Leben ist auch ein Arsch und ich bin es vielleicht gleichfalls und inkonsequent, denn ich sitze, statt selbst das Leben zu erfahren, schön brav neben dir im Seminar und mache jeden Unsinn mit!“

„Oder du stehst in meines Vaters Buchhandlung, der übrigens ein patenter Mann und kein Arsch ist, wie ich betone möchte und uns sein Büro für unsere Proben zur Verfügung gestellt hat!“, warf Johanna ein und zog ihren Dialog heraus.

„Voila, da sind die kopierten Seiten! Ich habe mir für euch keine Mühen gespart! Ich hoffe, es gefällt!“, setzte sie ein wenig kokett hinzu und sah die Freunde erwartungsvoll an.

„Selbstverständlich, gnädiges Fräulein, das wird es wohl! Ich bin entzückt und bedanke mich vielmals!“, antwortete Fabian im Stil eines Arthur Schnittzler-Helden, verbeugte sich dramatisch und schickte sich an, Johanna einen Handkuß zu geben, die lachend „Du bist ein Spinner und wir sind nicht im Burgtheater!“, zu ihm sagte.

„Gehen wir es an und in meinem Dialog mußt du moderner werden!“, fügte sie hinzu und Nolantha dachte, während sie einen Blick auf den blondgelockten Fabi warf, daß er das in seinen knappen Jeans und dem schwarzen Poloshirt, ohnehin war, obwohl er sicherlich auch einen ausgezeichneten „Anatol“ geben würde, wenn sie erst auf den Burgtheaterbrettern standen, wohin sie höchstwahrscheinlich nie kommen würde und Fabian wahrscheinlich auch nur wegen seines Vaters.

„Gehen wir es an!“, wiederholte sie, blickte auf die kopierten Seiten, die Johanna vor sie hingelegt hatte und ergänzte, daß es eine gute Idee wäre, mit Fatma Sayjan Kontakt aufzunehmen.

„Worum geht es eigentlich? Ich fürchte, ich habe das Ganze doch nicht so verfolgt, wie ich eigentlich sollte!“, stand Fabian jetzt schuldbewußt ein und war in die Gegenwart zurückgekommen.

„Zumindest habe ich die Diskussionen nicht gesehen! Zwei hat es davon schon gegeben und in der zweiten ist dieser Arzt aufgetreten, der auch eine Psychose hat, deshalb seine Praxis verlor und nun in dein Nachtcafe kommt, nicht wahr, Fräulein No?“, fragte er.

„So ist es, Harry Krempinsky, mein Chef, der ein guter Freund meiner Großmutter ist, hat ihn gefragt, ob er das machen würde? Und dieser FPÖ-Mann hat ihn dann in der Sendung angegriffen und ihn als Psycho geoutet!“

Er hat sich aber gut gehalten!“, warf Johanna ein.

„Und das gesagt, auf das ich auch im Dialog hinweise! Man muß beide Seiten beachten und zusammenbringen! Die Schimpferin, aus der ich Fabians wegen einen Mann gemacht habe und die der bespuckten Knopftuchfrau, die deine Rolle ist, Nolantha!“, sagte sie und zeigte mit dem Finger auf die Seiten.

„Seht ihn euch durch! Ich hoffe, er gefällt! Ich habe versucht, wie es auch die Jelinek macht, die Tradition der Klageweiber wieder zu beleben und das Ganze trotzdem  in aktuellen Kontext zu stellen! Diese Gerti Schuster, habe ich herausbekommen, soll früher eine bekannte Germanistin gewesen sein und wurde von einem Peter Gruber, der noch vor kurzem Professor an dem Institut war, wo ich studiere, auf mieseste Art hinausgedrängt! Da habe ich Insiderinformationen, die ich auch in den Text eingearbeitet habe! Vielleicht nützen sie dieser Gerti etwas, die ich leider nie kennenlernen konnte! Die aber, wie ich gehört habe, eine ausgezeichnete Germanistin gewesen ist, bevor sie auf miese Machoart hinausgedrängt wurde! Dieser Peter Gruber soll auch ein Arsch gewesen sein, wie mir die älteren Kollegen zuflüsterten! Das habe ich auch zum Ausdruck zu bringen versucht und aus der Gerti einen männlichen Looser mit Asperger-Syndrom gemacht!“, sagte sie und sah sowohl Nolantha, als auch Fabian erwartungsvoll an, der wieder den Kopf hob und sowohl galant, als auch nonchalant „Selbstverständlich, Gnä Frau, ihr Wunsch ist mir Befehl! – Gemmas an, Medames! Und ich kann euch versichern, ich werde ein ausgezeichneter „Asperger“ mit oder ohne „Germanistik-Erfahrung“ sein, denn ich war ja in der Schule meines Vaters und der, kann ich euch verraten, ist auch nicht mit den lautersten Mitteln auf die hehre Burgtheaterbühne gekommen, sondern hat so manche unbedarftere Kollegen sehr schön hinausgedrängt! Von denen ich leider keine Ahnung habe, ob sie deshalb ein Tourette-Syndrom entwickelt haben oder ganz normal, wie das in Wien so üblich ist, still und leise zu saufen angefangen haben!“, deklamierte. Dann atmete er aus und griff nach den kopierten Seiten.“

Neugierig geworden? Dann verweise ich auf das Manuskript an dem ich derzeit korrigiere und das so wie es ausschaut, vielleicht schon bald fertig ist beziehungsweise zum Alfred zur Endkorrigur gehen kann.

Derzeit stehe ich bei neununddreißig Szenen, hundertzwei Seiten und 49527 Worten. Die hinausgeschmissene Szene hat mich also unter die fünfzigtausend Wortmarke gebracht. Herausgefallen sind auch die vier Anhangszenen, die ich im November angefügt habe, um an die geforderte Wortzahl zu kommen.

Zwei davon habe ich Ende Februar, Anfang März hier schon veröffentlicht, die zwei weiteren die der Dorothea und die des Harry werden wahrscheinlich noch folgen.

Und um einen kleinen Einblick in den Text zu bekommen, hier die Schreibberichte: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

2020-03-27

Leichte Böden

Jetzt kommt das Buch zur Situation, könnte man unken, die alltägliche kleine Katastrophe, in der großen, in der wir gerade stecken und keine Ahnung haben, ob und, wie wir da hinaus und davonkommen können?

David Fuchs zweiter Roman, mit dem ersten ist der 1981  in Linz geborene Onkologe und Palliativmediziner 2018 auf einigen Debutpreisschienen gestanden und er hat wieder ein brandaktuelles Thema gewählt, das er sowohl auf eine sehr witzige Art und Weise und dann auch der gehörigen Portion Spannung und Crime zu erählen weiß und uns damit über das Altern und ein Leben in Würde nachdenken lassen würde, wenn die aktuelle Situation nur nicht so brandtaktuell wäre und David Fuchs vielleicht jetzt statt an seinem Schreibtisch in  der Intensivstation stehen wird.

Da ist Daniel Kobicek, ein Biologe oder Biologielehrer, der wurde von seiner Schule auf ein Sabbatical geschickt, weiß nun nicht so genau, was er in diesem anfangen soll und fährt aufs Land hinaus zu Tante Klara, weil er in deren Garage seinen Porsche abgestellt hat. Den will er nun holen, um eine Spritzfahrt nach Italen oder Frankreich zu machen.

Das klingt vielleicht ein bißchen unglaubwürdig, das einer jahrelang sein Auto am Land stehen läßt, aber David Fuchs brauchte es wahrscheinlich für seinen Handlungsbogen und es beginnt schon einmal äußerst spannend, beziehungsweise komisch.

Denn der Held kommt am Bahnhof an, muß dringend aufs Klo, pinkelt in die Büsche, wird von einem Polizeiauto verfolgt, gerät in Panik. Es ist aber nur die Nachbarstochter Maria, mit der er als Kind aufgewachsen ist, die ist Polizistin und fährt ihn zu der Tante, die mit ihrem dementen Mann Alfred und dem krebskranken Nachbarn Heinz, der sich nur noch mit einem Sprachcomputer verständlich machen kann, in einer Art Wohngemeinschaft lebt.

Maria lebt daneben, als ihre Mutter Hilde gestorben ist, ist der Vater zu Klara hinübergezogen, die ihn versorgt und Daniel erwacht nun in der Nacht von komischen Geräuschen, bemerkt, daß es Alfred ist, der schreit, weil Klara ihn eingesperrt hat und ist entsetzt darüber.

Beim Frühstück will Alfred trotz allem Bemühen seinen Toast nicht essen und als Daniel ihn füttern will, scheißt er sich an. Dann will er essen, soll aber in die Dusche und außerdem sagt er zu allem nur „Ja genau!“

Daniel ist noch mehr entsetzt, denn man mußt doch den Alten helfen, so organisiert er ein Babyphone, damit Alfred nicht mehr eingesperrt werden muß, was aber nur zur Folge hat, daß er in den Schweinestall entfleucht und der ist ein bißchen geheimnisvoll, denn Maria weigert sich ihn zu betreten.

Vielleicht nicht so schlimm, würde man nun vermuten, denn er gute Biologe ist auch nicht so ohne, spielt mit Schwertern, hat eine Spinnenphobie und trägt Psychopax bei sich, die er Alfred aufdrängen will.

Klara sagt ihm dann, daß Heinz Maria  als Kind immer in den Schweinestall gesperrt hat. Alfred aber jeden Abend kam, um sie von dort herauszuholen und während man noch glaubt, daß der Palliativmediziner uns weißmachen will, daß man sich nicht die scheinbar nicht so perfekte Pflege einmischen und mit besten Willen alles noch viel schlimmer, als es ist, machen soll, bahnt sich schon die nächste Tragödie  an und nun wird es ein bißchen aktionreich, denn nur das alltägliche psychosoziale Elend genügt ja nicht, den Lesern, denn die haben wir ja ohnehin zu Haus, wir wollen es schon mit der Spannung haben.

So kommt es zu einem Stromausfall, Heinz Tablett funktioniert nicht mehr und schließĺich findet Daniel, der sich langsam mit Maria angefreundet hat, die beiden Alten wieder im Schweinstall. Heinz hat Alfred niedergestoßen, der erleidet einen Schenkelhalsbruch, muß ins Spital. Daniel zerrt Heinz auch dorthin, weil er sich bei ihm entschuldigen soll und schließlich findet man, während Daniel bei Maria ein Schäferstündchen hat, Heinz erschoßen im Stall und die Beiden fahren dann mit dem Auto, dessen zuerst verschwundene Batterie doch gefunden wurde, davon.

Ob ins Glück oder ins neue Elend weiß man nicht so genau, ich habe aber, glaube ich, eines der besten Bücher der Saison gelesen und denke fast, man könnte es den Krisenmanagern empfehlen, die jetzt vielleicht verzweifelt versuchen, uns vor der Katastrophe zu retten und womöglich schon daran sind, uns weiter hineinzustürzen.

Und noch etwas könnte ich hinzufügen, daß ich wieder nicht verstanden habe, warum das Buch so heißt?

2020-03-26

Die rechtschaffenen Mörder

Das zweite Buch der Belletristik-Schiene, des diesmaligen „Preises der Leipziger-Buchmesse“, der nicht dort vergeben wurde. Nach der Lyrik und dem Mondgedicht, folgt nun der beinharte Wenderoman oder die drei Variationen darüber, denn so einfach läßt sich das wohl nicht erzählen, wie durch einen DDR-Dissidenten und Lesemenschen ein Rechtsradikaler wurde, wie das in Ostdeutland wohl öfter passierte oder gerade passiert.

Autor ist Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, ich habe ihn nach der Wende, wie ich ja immer schreibe, bei einer Lesung in der „Alten Schmiede“ kennengelernt und einiges von ihm gelesen, einiges habe ich wohl auch noch ungelesen in den Regalen und von dem Buch, das den „Buchpreis“ nicht gewonnen hat, habe ich, bevor ich zum Lesen gekommen bin, schon einiges gehört, hat Ingo Schulze es ja, glaube ich, trotzdem in Leipzig und auf jeden Fall auf der Online-Buchmesse vorgestellt.

Drei Teile und ein wunderschöner Klappentext „Ich wollte eine Erzählung schreiben über das Lesen und die Leser und ich wollte fragen, ob man durch Lesen sein Leben verfehlen kann oder warum es Leser gibt, die plötzlich zu verraten scheinen, was ihnen ihr Leben lang wichtig war“, hat dort Ingo Schulze und dann geht es los mit dem ersten langen Teil und das ist wohl der Wenderoman, wie ihn der Leser sich vorstellt oder vielleicht auch das Lieschen Müller, weshalb sein Held der Dresdner Antiquar Norbert Paulini auch von einigen Amazon-Rezensenten, als naiv dargestellt wird.

Ich, die ich ja ebenfalls eine Vielleserin bin und mich jetzt auch durch die Corona-Krise lese, vielleicht um nicht verrückt zu werden und zu denken, ich wäre in einen dystopischen Roman, empfinde das nicht so und habe ja auch Bücherberge in meiner Wohnung und wahrscheinlich auch die fünftausend ungelesenen Bücher, von denen in dem Buch, glaube ich, irgendwo geschrieben wird.

Da ist also Norbert Paulini, 1950, glaube ich, in  die DDR geboren und seine Mutter Dorothea war Buchhändlerin, beziehungsweise Antiquarin. Sie ist, glaube ich, bei der Geburt gestorben und der Vater sammelte all ihre Bücher in die zwei Zimmer, die er in der Villa Kate bewohnte, so daß der kleine Norbert auf Bücherbergen aufgewachen ist.

Zuerst nach der Schule etwas „Anständiges“ lernen sollte. Er war schon damals Vielleser, dann von Freunden vermittelt, eine Buchhändlerlehre machte und schließlich in der Villa sein Antiquariat aufzog, das, wie man vielleicht sagen könnte, die DDR zu etwas Besonderes machte, zu einem Hort des geistigen Widerstands, wo es Lesungen und Feiern in den Räumen gab und Paulini hier eine Menge Intellektuelle und Künstler kennenlernte. Doch dann kam die Wende und die schönen DDR- Bücher und vielleicht auch die etwas weniger schönen, wie die Honegger Biografien, ich schreibe das deshalb, weil ich vor circa vierzig Jahren eine solche, von einer Müllhalde gerette, geschenkt bekommen habe, wurden dorthin gekippt und niemand wollte mehr Paulinis schätze haben.

Die Bank gewährte keinen Kredit mehr, sondern zuckte nur die Achseln und die Frau, die Paulini geheiratet hat, eine Friseurin, entpuppte sich zuerst, als Stasi-Spitzel, später als Kapitalistin, die zwischen ihren drei Friseursalons hin- und herpendelte, weil alle nur von der Chefin frisiert werden wollte und Paulini versuchte sich zuerst als Kassier in einem Supermarkt. Dann flüchtete er mit seinen Restbeständen in die sächsische Schweiz und dort klopft eines Tages die Polizei bei ihm an. Denn es gab einen Anschlag an ein Asylheim und Paulini und sein Sohn wurden verdächtigt, die Täter zu sein.

So weit, so gut.

„Wie wird ein aufrechter Büchermensch zum Reaktionär- oder zum Revoluzzer. Eine aufwühlende Geschichte, die uns alle angeht“, steht am Buchrücken.

Wenn es Ingo Schulze dabei belassen hätte, hätten wohl alle geschrieen, nicht schon wieder ein DDR-Roman, das wollen wir nicht hören, kitschig, aus, etcetera.

Also endet es nicht da, sondern es gibt einen zweiten und einen dritten Teil. Im Zweiten taucht ein Ich-Erzähler auf, der sich imTeil drei, als der Autor Schultze entpuppt, der Paulini einmal in seiner Villa „Prinz Vogelfrei“ wie er sich auch nannte, kennenlernte und dann einen Roman, beziehungsweise, die Novelle über ihn schrieb, die wir auf den ersten hundertsechsundneunzig Seiten gelesen haben und im Dritten sind dann Paulini und seine Weggefährtin Elisabeth Samten tot, bei einem Bergunfall vergunglückt und Schultzes Lektorin macht sich auf den Weg mit dem Nachfolger des Antiqarats zu sprechen und herauszufinden, was wirklich geschehen ist.

Also drei deutungen, drei verschiedene Versionen des Geschehehn oder Perspektiven. Drei Wahrheiten und, daß die ja sehr verschieden sein kann, habe ich  erst kürzlich bei Daniel Zipfel gelesen.

Ein Buch, das mit gefallen hat, füge ich hinzu und ich wäre wahrscheinlich auch mit dem ersten Teil schon zufrieden gewesen.

So habe ich, muß ich gestehen, den Titel nicht ganz versctanden. Denn wer hat oder, wie hat Paulini jetzt ermordet?  Der Autor Schultze, wie das die Autoren mit ihren Figuren gerne tun?

Wieso dann das Plural?

Vielleicht kann  mir das einer meiner Leser erklären? Mein Stammleser Uli wird das Buch aber wahrscheinlich nicht gelesen haben.

2020-03-25

Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau

Buch vier der Übersetzerschiene der zum „Leipziger Buchpreis“ 2020 nominierten, den ersten Band der sämtlichen Erzählungen der 1929 geborenen brasilanischen Autorin Clarice Lispector, die in der Ukraine geboren wurde  und 1977 mit sechsundfünzig Jahren verstorben ist und von Clarice Lispector habe ich, glaube ich, vor einigen Jahren in der Sendung Ex Libris zum ersten Mal etwas gehört und dann auch später immer wieder ihre Bücher in Buchhandlungen liegen gesehen.

Jetzt habe ich das erste Mal etwas von ihr gelesen und bin überrascht, denn der Schreibstil ist wirklich ungewöhnlich, obwohl ich Erzählungen, wie ich immer schreibe, eigentlich nicht so mag.

Nominiert wurde natürlich nicht die Autorin, sonder der 1970 in München geborenen Luis Ruby, der das Buch übersetzt hat, das von dem  1976 in Texan geborene Benjamin Moser, herausgegeben wurde.

Die Erzählungen sind in mehrere Abteilungen gegliedert und am Schluß gibt es einen Anhang, wo unter anderen Clarisse Lispector darüber schreibt, wie ihre Erzählungen entstanden sind.

Die erste Abteilung sind die ersten Geschichten und fielen mir schon am Anfang durch die ungewöhnliche Themengestaltung auf, so erzählt in „Triumpf“ eine Frau, daß sie von ihrem Mann verlassen wurde, weil der sich von ihr beengtfühlte. Der ist Schriftsteller und sie liest ein zurückgelassenes Notizblatt, was sie mit Triumph erfüllt, weil sie danach weiß, daß er zurück kommt, weil sie die Stärkere ist, was man als Widerstand, der vor fünfzig oder siebzig Jahren unterdrücken Frauen gegen die Männer interpretieren kann. Die Stärke und die Schwäche ist ein wichtiges Thema und auch der Widerstand gegen das Mittelmaß.

Das kommt auch in „Obsession“ so vor, wo eine Frau von ihrer unauffälligen Kindheit erzählt. Sie heiratet dann einen Mann, ist eine Weile mit ihm glücklich, bis sie erkrankt und zu Erholung auf Kur in eine Pension geschickt wird. Dort lernt sie einen Mann kennen, zu dem eine seltsame Obsession beginnt und bei ihr wie sie schreibt „Ihr Erwachen als Mensch  und Frau“ beginnt.

Sie verläßt, was zu erwarten war, ihren Mann. Später dann den Liebhaber, der sie sie ja sehr herablassend behandelt, kehrt zu ihrem Gatten zurück und trotzdem ist nachher nichts mehr wie es vorher war.

Zehn mit Ausnahme der „Obsession“, eher kurze „Erste Geschichten“, die von den unterschiedlichsten Beziehungsmustern handelt, da geht es um einen „Fiebertraum“, um eine Frau, die ihren Mann schließlich doch nicht verläßt, „Briefe an Hermengardo“ geschrieben von einer Idalina und von einem  jungen Mädchen, namens Tuda, das sich ratsuchend in die Sprechstunde einer Dr. B. begibt.

Auch in der nächsten Abteilung, der, der „Familären Verbindungen“ geht es weiter mit den kleinen feinen,  oft auch sehr rätselhaften und überraschenden psychischen Veränderungen, die vor allem die wahrscheinlich unterdrückte Mittelschichtfrau der damaligen Gesellschaft betrifft.

So bleibt die namensgebende Heldin in ihrem Tagtraum plötzlich im Bett liegen, worauf sich ihr Gatte ihre Veränderung mit einer Krankheit erklärt. Als sie dann mit ihm und einem Geschäftsfreund in ein Restaurant essen geht, betrinkt sich sich unmäßig, während der Geschäftsfreund unterm Tisch zufällig oder nicht ihr Bein Berüht.

Eine andere Dame fährt mit ihren Einkäufen in der Straßenbahn nach Hause, sieht da einen Blinden Kaugummi kauen, was sie in einen seltsamen Ausnahmezustand versetzt, so daß das Netz hinunter fällt, die Eier, die damals noch in Papier verpackt wurden, zerbrechen und sie auch die Station, wo sie eigentlich aussteigen sollte, verpaßt.

Eine Henne, die für das Mittagessen des Hausherrn bestimmt war, fliegt davon. Die Köchin schaut ihr verdutzt nach und wir erinnern uns, daß das Buch in Zeiten geschrieben wurde, wo jeder bessere Haushalt noch ein Dienstmädchen hatte.

Dieses soll in einer anderen Geschichte, der Freundin ihrer Hausfrau die Rosen überbringen, die diese vorher am Markt kaufte, dann aber darüber hadert, ob sie sie nicht besser für sich behalten hätte sollen?

Und ein Geburtstagsfest gibt es auch, wo die Söhne und die Schwiegertöchter samt ihren Kindern zu einer neununachtzigjährigen Jubilarin kommen und dann nicht so recht wissen, was dabei anfangen sollen, was diese mit feinen Humor kommentiert.

Makaber die Geschichte von der „Kleinsten Frau der Welt“, in der auch von Kindern erzählt wird, die mit einer Toten spielten, weil sie keine Puppen hatten.

Die kleinen feinen Beobachtungen, der seelischen Zustände des Menschens können schon manchmal skurille Züge annehmen. Bleiben wir also bei den familiären Verbindungen, die, füge ich hinzu, auch manchmal etwas surreal und seltsam sind.

Ein Abendessen in einem Restaurant beschrieben, von den „Anfängen eines Vermögens“, sowie von dem „Verbrechen des Mathematiklehrers“, erzählt, bevor es in die dritte Abteilung, in die „Fremdenlegion“ geht.

Das sind schon einmal „Sofias Dramen“, eine umgekehrte „Lolita-Geschichte“ sehr beeindruckend, man sieht Clarisse Lispector hat ein Talent alles umzudrehen und mit der Absurdität zu spielen, was auch noch später vorkommen kommen wird.

Hier ist ein neunjähriges Mädchen in ihren Lehrern verliebt und will ihn, nicht ganz leicht zu verstehen, dadurch retten, in dem sie ihm ihren Haß ausdrückt.

„Im Brechen der Brote“, geht es, wie schon der Titel vermuten läßt, um das „Essen und in den „Affen“, die übrigens wahrscheinlich Brasilien bedingt, in dem ganzen Buch öfter vorkommen. Hier kauft einer eine Äffin, „Lisette“, genannt, wie das damals offenbar üblich war,  mit Rock und Ohrringen ausgerüstet für sich und seine Kinder und muß sie dann in der Tierklinik mit Sauerstoff behandeln, beziehungsweise verenden, lassen.

„Die Henne und das Ei“, ist noch einmal extra hintergründig, mutet doch die sehr lange Geschichte, zuerst fast, wie ein philosophischer Dialog, etwa, was zuerst da war oder wichtiger ist, an, bevor es sich wieder, um den Ausdruck einer menschlichen Seele oder fast, um ein psychotisches Geschehen, dreht, wie die Psychologin deuten würde.

In der „Reise nach Petropolis“ wird eine obdachlose Frau hin- und hergeschoben.

„Die Lösung“ ist eine Geschichte über zwei Freundinnen, wo die eine auf die andere mit einer Gabel sticht, nachdem sie sie“Fette Kuh!“,  genannt hat und in der fünften Geschichte wird fast spielerisch über das Geschichtenschreiben erzählt, während ich auch nach zweimaliger Lesung die Namensgegebung der titelgebenden Geschichte nicht ganz verstanden habe, in der es  um eine Beziehung zwischen einem Mädchen und einem Küken geht, aber ja, Tiere spielen in den manchmal  sehr surreal anmutenden  Geschichten eine große Rolle.

Dann gibt es noch ein paar Texte, die mit „Ganz hinten in der Schublade“ übertitelt sind. Da ist ein Drama dabei und eine Eröffnungsrede und ich kann sagen, daß ich über manche Geschichten eher hinweggelesen habe, während mich manche  wegen ihres ungewöhnlichen Tons und ihrer ungewöhnlichen Erzählweise sehr beeindruckt haben.

„Clarisse Lispector ist eine Ikone weiblichen Schreibens. Diese vierzig Erzählungen neu und teilweise erstmalig ins Deutsche übertragen, zeigen ausdrücklich Virtuosität, Poesie und Humor „einer der geheimnisvollsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts“, hat Orhan Pamuk, der Nobelpreisträger von 2006 am Buchrücken geschrieben und ich füge hinzu, Clarisse Lispektor ist für mich eine unbedingte Entdeckung, so daß ich über die Buchpreisnominierung, ohne die das Buch vielleicht nicht zu mir gekommen wäre, sehr dankbar bin.

2020-03-24

Superbusen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Jetzt kommt ein Debut oder ein Poproman, das Erstlingswerk der 1989  in Dresden geborenen Paula Irmschler, die 2005 zum Studium nach Chemnitz zog.

Sie ging dann nach Köln, arbeitete dort als Garderobiere und begann eine Kolumne zu schreiben.

Im Herbst 2018, wo Chemnitz ja berühmt wurde, wurde sie Redakteurin der „Titanic“ und hat in „Superbusen“ höchstwahrscheinlich in einem sehr rotzigen frechen Ton von sich selbst erzählt und wahrscheinlich auch noch das eine oder andere dazu erfunden,  die berühmte Stadt aber, glaube ich,  mit ihren sozialen Problemen, treffend geschildert.

Das in drei Teilen mit einem Epilog geschriebene Buch beginnt, als Gisela, die eine Zeitlang mit ihrem Freund Paul in Berlin lebte, wieder nach Chemnitz zurückkommt, wo sie vor einigen Jahren, nach dem sie eine eher sozialschwache Jugend in Dresden erlebte, wie ihre Autorin zum Studium in diese Stadt  gekommen ist, dort in einigen WGs wohnte und mit ihren Freundinnen Fred, Meryam und Jana, die Band „Superbusen“ gegründet hat, mit denen sie durch die Lande zog.

„Nächste Woche soll`s wieder scheiße wern“, hieß der erste Song.

Vorher wird in einigen mehr oder weniger starken Szenen, das Studentenleben ohne Geld erzählt. Das Studium geht nicht so recht voran, die Studenten sammeln Flaschen oder klauen sie, um dann das Pfand abzukassieren, leben von Spaghetti, die sie in einer Sauce mit Ketchup, Milch, Wasser und Pfeffer essen.

Gisela, die nicht so genannt werden will, arbeitet, wie ihre Autorin, als Garderobiere, hat ein Problem mit ihrem Übergewicht, wird gehänselt und hat auchProbleme mit der Stadt in der sich die Antifa mit den Nazis, beziehungsweise,  umgekehrt, bekriegen oder auch das nicht passiert.

Ein wildes freches Buch, dem vielleicht ein wenig der strigente Handlungsrahmen fehlt, eines, das als superlustig beschrieben wird, als Ereignis der Saison,  auf „Amazon“ sehr gute Kritiken bekommen hat und von Chemnitz der berühmt berüchtigten Stadt, die zu DDR -Zeiten,  in Karl Marx Stadt umbenannt wurden, haben wir 2018 ja sehr viel gehört und sich darüber mit einem  Roman, wie diesen, ein Bild zu machen, ist wahrscheinlich auch in Zeiten wie diesen, wo höchstwahrscheinlich,  wenn wir nicht großes Glück haben, noch viel kaputt gehen wird, sicherlich sehr interessant.

2020-03-23

Corona-Tagebuch

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 00:09
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Ich erlebe ja momentan ein deja-vue, denn am zehnten März vor einem Jahr, einem  Sonntag, bin ich mit dem Alfred, wie wie das immer wenn wir in Harland sind, machen, auf die Rudolfshöhe gegangen und dort bei dem schmalen Wegerln, wie mir auch schön öfter passierte, ausgerutscht und habe mir einen offenen Knöchelbruch zugezogen. Drei Tage Spital, sechs Wochen Gips, in denen ich meine Praxis machte, ungefähr einmal in der Woche nach St. Pölten zur Kontrolle ins Universitätsklinikum gefahren bin, dann einmal, weil wir schon die Karten dazu hatten, ins Filmcasino gegangen sind und einmal aus genau diesen Gründen auch zu der „Literatur und Wein“.

Bach Ostern ist der Gips hinuntergekommen, das Gehen ist dann mühsam gewesen und mußte sozusagen neu erlernt werden, viel Straßenbahn gefahren am Anfang, aber jetzt ist wieder alles normal und ich sollte meine letzte Kontrolle haben und entscheiden, ob ich mir die Schrauben herausnhemen oder drinnen lassen will?

Das ist ja wieder etwas wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn Implantate sind nicht gut, Operationen auch nicht, die Entscheidung wurde aber durch den momentanen Ausnahmezustand oder dem Corona Virus, das im Jänner dieses Jahres zuerst in China, dann überall auftauchte, abgenommen und nun hat sich alles wiederholt.

Es ist, wie ich schon in meinen „Haßposting“ geschrieben habe, zu einem zweiten Veranstaltungsstop gekommen und „Leipzig“ wurde als erstes noch einmal abgesagt.

Die ersten Informationen über Corona waren wahrscheinlich durch den Ausbreitungsort in China sehr beunruhigend. Da hörte man ja von drastischen Maßnahmen, wie, daß die Ausgangsstops durch Polizei und Sandsäcken vor der Tür durchgesetzt werden.

Dort scheint sich inzwischen wieder alles zu normalisieren, aber das Virus ist wohl gloabilierungsbedingt nach Italien gekommen und hat dort drastische Ausmaße erreicht. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Die Menschen sterben in den Gängen der Kliniken und können nicht behandelt werden und das, was ich in Österreich ziemlich am Anfang hörte, war ja auch das Bild von der Schule, wo es eine aus Italien zurückgekommene Lehrerin gab, die dann auch negativ war. Die Schule wurde aber von der Polizei abgeriegelt und die Kinder nicht hinaus gelassen.

Das hat sich jetzt geändert und die Ausgangssperren sind Beschränkungen und laufen mehr oder weniger freiwillig, beziehungsweise höflich geordnet ab und das, was mich an der Sache am  meisten schreckt, ist die Gewalt und die Dystopien, in die man dadurch kommen könnte.

So höre ich ja die Gerüchte, daß das Geld abgeschafft werden und, die, daß die Ausbreitung des Virus durch Bewegungsmeldungen der Handydaten erreicht werden sollen, höre von Zwangsimpfungen, die es dann geben wird.

Noch gibt es aber keine Impfung, auch keine Medikamente und sogar die Schutzmittel, beziehungsweise die Desinfektionsmittel sind aus. Die werden, wie ich höre oder lese, auch manchmal geklaut.

Ebenso gibt es diese ja fast lustigen Geschichten, um das Klopapier, das alle plötzlich horten und wahrscheinlich immer noch niemand weiß, wozu man das braucht?

Denn notfalls kann man ja das Wasser, die Zeitung und im schlimmsten Fall sogar Buchseiten zum Po abwischen verwenden. Das ist sicher ein psychologischer Effekt und das Spielen mit der Angst ist wahrscheinlich auch die höchsten Gefahr, denn dieses Virus ist ja sehr widersprüchig.

Es breitet sich sehr schnell aus und Anfangs wurde wahrscheinlich auch viel zu leichtsinnig überall herumgeflogen und das Fiebermessen am Flugplatz ist wahrscheinlich auch kein eindeutiges Indiz der Ansteckung, wo ja die jungen Leuten offenbar keine Symptome zeigen, die älteren und kranken schwere Verläufe haben und man Anfangs nicht so richtig wußte, wie man damit umgehen soll?

Hände waschen genügt, hieß es vor drei Wochen, als Leipzig schon abgesagt, die Veranstaltungen aber noch offen waren und ich war auch bei ein paar sehr gut gefüllten Veranstaltungen, wo ich mich dann durch den vollen Buffetraum des Literaturhauses, drängte, um meinen Wein zu holen und auch die Frauenlesung im Amerlinghaus war sehr voll, so daß der Meter Abstand, der damals schon herumging, nicht eingehalten werden konnte. Das änderte sich dann Schlag auf Schlag, bei der Veranstaltung zum Frauentag im Literaturhaus habe ich noch gedacht, die Geschäftssperrungen, von denen man schon hörte, kommen in zwei drei Wochen auch auf uns zu.

Sie kamen dann im Lauf der Woche, zuerst mit einer Veranstaltungseschränkung auf hundert Personen am Dienstag, wo ich am Abend noch in die „Gesellschaft für Literatur“, aber nicht hineinging, weil man seinen Namen angeben mußte. Den hätten sie zwar ohnehin gehabt, aber ich bin ab da zu Hause geblieben, beziehungsweise nur noch zweimal einkaufen gegangen. Das erste Mal am Mittwoch, um mir für das Mittagessen Avocados zu kaufen, das zweite Mal am Freitag, weil die Milch ausgegangen war und der Alfred erst so spät nach Harland zum Einkaufen und das Regeln mit der Vierundzwanzigstundenbetreuerin, fuhr, was auch ein Problem sein wird, wenn die wegfallen, daß ich, ob der Bilder von den Hamsterkäufen befürchtete, keine mehr zu bekommen.

Ab da hat sich das Leben  verändert. Die Leute bleiben langsam zu Hause, beziehungsweise werden sie, wenn sie in den Parks spazieren gehen,von Reportern gefragt, was sie da machen? Wo ich mich ein wenig wundere, daß sie den ganzen Tag auf den Straßen herumlaufen, weil das ja  keine lebensnotwendige Tätigkeit ist, die anderen lächerlich zu machen, wenn sie sagen, daß sie bald wieder zum Friseur gehen wollen!

Ich habe, glaube ich, schon ab der Absage von Lepzig, damit begonnen auf die Wichtigkeit des Lesens hinzuweisen, werde mir Ronny Rinderers Schreibkurs zur Krise ansehen und werde das wohl noch öfter tun und bin ansonsten  sehr beschäftigt, habe ich ja einen Beruf, der wichtig ist, um die Depressionen, die durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder in Folge  der Angst und Panikmache entstehen, einzudämmen und ansonsten ist es wohl, die gravierenste  Situation, durch die wir gerade gehen.

Wie sich diese Krise auf uns alle auswirken wird, wird sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen. Bis dahin durchhalten, sich eine Tagesstruktur aufbauen, sich beschäftigen, ist wohl zu empfehlen und da weise ich, weil das ja  meine Passion ist, auf das Schreiben und Lesen hin und überlege schon, wie ich das Virus in meinen nächsten Roman, der ja „Kein Frühlingserwachen mehr“, heißen soll, einbauen kann, obwohl es wahrscheinlich zu früh ist, über die Krise zu schreiben.

Paula Giordano, der italienische Autor, hat es schon getan. Sein „In Zeiten der Ansteckung“ wird  im April erscheinen. Ich werde, wenn das Buch oder die Fahnen zu mir kommen, darüber schreiben und ein weiteres „Corona-Tagebuch“ wird es bei mir  wahrscheinlich in unregelmäßigen Abständen  auch geben, wenn ich meinen Tagesartikel nicht durch eine Buchbesprechung füllen kann.

Ansonsten hätte ich noch drei Kapitel aus dem „Fräulein No“, die ich im November geschrieben, aus dem Text aber hinausgeschmissen habe, die ich nach und nach hier einfügen kann.

2020-03-22

Und wie wir hassen!

Filed under: Bücher — jancak @ 00:04
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Haß im Netz ist ja seit es das Internet gibt und wir bloggen, twittern, facebooken, etcetera, ein großes Thema, dem ich beispielsweise durch meinen Freund Uli im Jahr 2016 begegnet bin, vorher hatte ich schon einige Troll oder Spam-Kommentare, Beschimpfungen eigentlich selten, weil ich ja schon berufsbedingt und, weil ich, wie mir eine Mutter bei einem Elternabend der Kinderguppe oder freien Schule meiner Tochter Anna vor zig jahren einmal sagte, harmoniesüchtig sei, immer freundlich darauf antworte.

Ich antworte, lösche,  blockiere nie und zeige auch nicht an, weil ich die Kommunikation und das gute Auskommen für wichtig halte, konnte aber an meinen Kommentierern, beispielsweise einer der letzten, wo es um das Wort „MS“ das offenbar nicht ausgeschrieben in einem Kinderbuch steht, ich als solche aber zu erkennen glaubte, merken, wie  schnell das umschlagen kann.

Ich bin also keine Haßposterin und mein „Haßposting an Corona“, richtet sich auch weniger gegen die Krankheit, als an den Haß und die Gewalt, die vielleicht deshalb entstehen kann und  wurde da durch die fünfzehn Haßreden inspiriert, die Lydia Haider, die 2015,  Finalistin beim „Alpha“ war, bei „Kremayr & Scheriau“ herausgegeben hat und fünfzehn meist jüngere Autorinnen und bildende Künstlerinnen dazu eingeladen hat. Die Betonung liegt auf dem „I“, denn es ist ein Buch von Frauen.

Ich habe es schon länger im Badezimmer liegen, vor einigen Wochen eine Ö1 Sendung darüber gehört und Gertraud Klemm, hat bei der Lesung zum Frauentag, der letzten Veranstaltung, die ich coronabedingt, bis jetzt besucht habe, einen Teil daraus vorgetragen.

„Und, wie wir hassen – 15 Hetzreden“, Haß liegt mir eigentlich nicht, habe ich schon geschrieben, Literatur interessiert mich dagegen sehr, auch wenn ich mit mancher, die vielleicht zu sehr hetzt und schimpft meine Probleme habe und zum Leidwesen meines Freundes Uli , der sich manchmal darüber lustig macht, auch mit der Ironie, es also nicht mag, wenn neben mir im Literaturhaus eine oder einer sitzt, der oder die laut auflacht, wenn der Autor, die Autorin beispielsweise vorliest, wie er oder sie ihrem oder seinem Partner eine hinunterhaut.

Trotzdem habe ich das Buch gelesen und es hat mir auch gefallen, obwohl ich, wie schon geschrieben, Haß  eigentlich nicht mag, also sollte ich mich vielleicht auch von dem kurzen Vorwort, der 1985 geborenen Lydia Haider, die in der „Wienzeile“, auch eine eher offensive Literaturzeitschrift, publiziert, distanzieren.

Man kann aber auch, wie ich es getan habe, darüber hinweggelesen und dann sind die Texte mit Ironie betrachtet, wie die Autorinnen beim Interview auch betonten, eigentlich nicht mehr so arg.

Die, wie sie schreibt, im letzten Jahrhundert geborene deutsche bildende Künstler Sophia Süßmilch beginnt mit einer „Vollständigen und fairen Liste alle Dinge, die ich hasse“, die mit „Ich hasse Hoden“, beginnt und mit „Ich bin so voller Hass, das muß Liebe sein“, endet, was schon einmal nachdenklich machen kann.

Die Publikumspreisträgern des „Bachmannpreises“ von 2018, die mit dem „Flüssigen Land“, sowohl auf der „Shortlist des dBp“ als auch des „Öst“ gestanden ist, steuert eine Haßrede an den Literaturbetrieb bei und schreibt am Schluß „(Die Autorin lässt ihre Entschuldigungen dafür ausrichten, dass sie sieben Jahre nach Verfassen dieses Textes doch noch irgendwie zum Hauptpavillon geschossen weorden ist. Sie kann sich nicht erklären, wie das zugegangen ist.)“

Nora Gomringer, die ja ihren letzten Gedichtband beim Leipziger- Onlinemesse Erstatzprogramm vorgestellt und sich dabei als sehr gläubig geoutet hat, hat erlebt, wie ein schnell ein Brief, der die Worte „hochverehrt, bezaubernd und klug“ enthält, sehr schnell zu einem mit „verfickte Schlampe, Männerhasserin“ umschwenken kann, wenn man nicht, wie gewünscht darauf regiert.

In Sibylle Bergs Text hat die Erzählerin Schwierigkeiten mit ihrem zwanzigjährigen fußballbesessenen Sohn und ist, wie ich erstaunt feststellt, weniger offensiv, wie ich es eigentlich von Sybille Berg erwartet hätte.

Texte der kurdischen Rapperin Ebow sind auch immer eingestreut.

Die ebenfalls beim „Bachmannpreis“ gelesen habende,1986 geborene Stefanie Sargnagel, die Mitglied der Burschenschaft „Hysteria“ ist, drückt ihren Haß in Auszügen aus ihren Tagebüchern aus.

Die in Belgrad geborene „Prießnitz-Preisträgerin“ Barbi Markovic, erzählt von einem Klassenbuch, das die Erzählerin über ihre Mitschülerinnen angelegt hat und dafür von ihrer doch nicht allerbesten Freundin Mira, zu Grund und Boden niedergeschimpft wurde.

Die 1983 geborene Judith Rohrmoser erzählt in „Sesshaft von ihrer jüdischen Familie und beginnt mit den Worten „Ich hasse es, wenn Leute in diesem gekünstelten Hochdeutsch mit mir reden, anstatt ihrer naturgewachsenen Bauerngoschn zu benutzen.“

Die  1971 in Wien geborene Gertraud Klemm hat von ihren “ Vier Zumutungen“, ihre Haßrede an die Frauenministerin schon im Literaturhaus gelesen, dann gibt es noch eine an ein Vorstandsmitglied, eine an die Vegetariergegner und einen Nachschlag gibt es auch.

Die Politikwissenschaftlerin und Genderforscherin Judith  Goetz hat ihre „Verachtung gegen die entbehrlichen Herren“, schon bei derr Ö1-Diskussion ausgedrückt.

Die 1971 geborene Kathrin Röggla  mit der ich schon  einmal in Salzbrug gelesen habe,  läßt ihre Protagonistin eine „Taxifahrt“ mit einem Rechten erleben, fährt mit ihm an einer Demonstration vorbei und hat auch ihr Geld vergessen.

Die „Todespostings“, der 1983 in Wien geborenen Puneh Ansari Todespostings“ und die „Haßtiraden“ der 1983 in Wien geborenen Köchin und Sprachkunststudentin Maria Muhar, waren mir  fast zuviel, da hat mir dann,  die „Hasshasenagst“, der 1974 in Zehdenik geborenen Manja Präkels, deren Debutroman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“, ich gelesen habe, die an Hand eines Angriffs an ein elfjähriges irakisches Mädchens, die Entstehung des Hasses analysiert, besser gefallen.

Ein interessantes Buch mit interessanten Texten interessanter starker Frauen, die einmal, den Spieß umdrehen  und denen ich dennoch zurufen möchte „Weniger Haß ist mehr!“

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