Literaturgefluester

2020-04-01

Dorothea

„Dorothea Hartinger hatte heute „Elterndienst“, wie Bruno, das zu nennen pflegte. Das heißt, sie war an der Reihe zum Elternsprechtag in der Schule zu erscheinen, wo die Zwillinge in die erste Klasse gingen. Es war eine ganz gewöhnliche Volksschule, die nächst gelegene im Wohnsprengel, die Antonia und Jakob besuchten. Darauf hatte sie Wert gelegt, obwohl Bruno sie in der letzten Zeit öfter darauf ansprach und „Glaubst du wirklich, daß das eine gute Idee ist? Vielleicht sollten wir darüber sprechen, denn wenn man das glaubt, was man so in den Zeitungen liest, können einen schon Bedenken kommen, ob sie da nicht unterfordert sind und vielleicht sogar Verhaltensauffälligkeiten bekommen!“, zu ihr mit besorgter Stimme sagte.

Dorothea hatte ihn da immer empört angeblinzelt und „Ich dachte, Bruno, du bist ein aufgeschlossener  Mensch, der sich, um diese ausländerfeindlichen Debatten nicht kümmert und seine Kinder nicht in die elitären Privatschulen schicken will oder habe ich mich getäuscht?“, eingeworfen.

Da hatte er den Kopf geschüttelt und „Natürlich nicht, Doro!“, geantwortet. „Sonst wäre ich nicht Anwalt geworden und hätte nicht so viele Asylwerber unter meinen Klienten! Aber ich möchte, daß die Kinder lesen und schreiben lernen, sowie später studieren können und die Toni hat mir gestern empört von einem Jungen erzählt, der ihr das Essen einer Schinkensemmel verbieten wollte, beziehungsweise sie „Blödes Schwein!“, genannt hat, weil das nicht halal wäre „Und das will ich nicht, daß meine Kinder gemobbt werden und die Toni vielleicht aufgefordert wird, ein Kopftuch aufzusetzen, weil sich das für eine anständige Frau so gehört!““

„Dabei hast du Fatma Sajyan vertreten, das heißt, nein, die war nicht deine Klientin! Du warst der Anwalt, der angeblichen Bespuckerin, aber die ist auch eine sozial schwache Frau und gehört eigentlich in mein Revier!“

„Natürlich, Doro!“, hatte Bruno versöhnlich geantwortet und sie an sich gedrückt.

„So ist es und schau nicht so bös! Ich meine nur! Natürlich will ich noch immer nicht meine Kinder in elitäre Privatschulen schicken und werden weiterhin Flüchtlinge und Außenseiter vertreten! Aber den Kindern möchte ich auch nicht schaden! Das verstehst du sicher und bist auf meiner Seite! Also schau dich um, wenn du in die Schule gehst! Mach die Augen auf und du kannst mir danach davon berichten!“

Das tat sie auch, als sie jetzt zwischen zwanzig anderen Müttern und nur einem einzigen Vater, die Emazipation schien sogar in dem angeblich noblen neunten Bezirk, in dem sie mit Bruno und den Kindern in einer Altbauwohnung in  der Währingerstraße lebte, Halt gemacht zu haben und sie gestand sich auch ein, daß es die  Gegend war, die sie veranlaßt hatte, die Kinder in der Seegasse einzuschreiben. Wenn sie in Margareten oder Ottakring wohnen würden, wäre es vielleicht anders gewesen. Aber in AKH-Nähe, hatte sie gedacht, könnte sie die Kinder in eine öffentliche Volksschule schicken, um sie nicht von der Wirklichkeit auszuschließen. Sah  sich jetzt in einer Reihe von Kopftuch tragenden Frauen sitzen, schüttelte aber, ob dieser Gedanken gleich den Kopf und dachte „Es ist trotzdem fortschrittlich, daß die Frauen in die Schule kommen! Habe ich doch gehört, daß es bei den Muslimen, die Männer sind, die das tun, weil sie die Frauen nicht aus dem Haus gehen lassen oder die sich das nicht zutrauen und dann wieder Ärger erregen, weil sie der Lehrerin nicht die Hand geben oder die nicht als solche anerkennen!“ und bemerkte nun, daß der einzige Mann in der Runde tatsächlich Syrier oder Türke zu sein schien. Ob er der Lehrerin, einer Frau Silvia Reiter, die Hand gegeben oder sie verweigert hatte, konnte sie nicht sagen. Das hatte sie nicht gesehen und die Lehrerin, die sie sehr freundlich begrüßt hatte und „Willkommen, Frau Doktor Hartinger! Setzen Sie sich nur! Ich hoffe, die Kinderstühlchen sind für sie nicht zu unbequem!“, machte auch nicht den Eindruck, als würde sie sich unterdrücken lassen, sondern wirkte mit ihren kurzen Pagenschnitt, den hennarotgefärbten Haaren und ihrer Baumwollbluse, ebenfalls sehr fortschrittlich, die sich darüber zu freuen schien, daß sie  die Kinder in ihre Klasse gegeben hatte, was den Klassendurchschnitt und das Image sicherlich erhöhte, wenn sie sagen konnte „Ich habe eine Ärztin und einen Anwalt unter meinen Klasseneltern!“

Die anwesenden Mütter schienen diese Berufe nicht auszuüben, wie sie schätzen würde, obwohl sich außer einigen asiatisch aussehenden Frauen und einigen Serbinnen, wie sie schätzen würde, auch österreichische  Frauen befanden und die hoben gleich die Hand und erkundigten sich, ob es wahr wäre, daß heuer die Nikolofeier ausfallen würde, weil man den muslimischen Kindern den heiligen Mann nicht zumuten könne und sie sich vor dem Krampus fürchten würden.

„Und das will ich nicht!“, sagte jetzt eine hagere Frau in einem schwarzen Rock und einer schwarzen Bluse energisch, an deren Aussprache Dorothea,  den polnischen Dialekt erkannte.

„Meine Katinka soll christlich erzogen werden und ich will auch ein Weihnachts- und kein Winterfest!“

„Aber den Christlindlmarkt zu besuchen, ist vielleicht gefährlich? Hört man doch so viel von den terroristischen Anschlägen, die da passieren!“, warf eine andere Frau ein und ehe Dorothea  „Blödinn!“, sagen und einwerfen konnte, daß sie  auch den Nikolo wünsche nicht nicht wollte, daß Antoia wegen einer Schinkesemmel angepöbelt  wurde, es ihr aber egal war, ob es Weihnachts-oder Winterfest heiße, da sie ohnehin nicht katholisch und die Zwillinge nicht getauft waren, mischte sich Silvia Reiter ein und sagte in  breiten Wiener Dialekt „Keine Sorge, liebe Mütter, lieber Vater! Zu uns kommt der Nikolo und ein Christkindlmarktbesuch ist geplant, weil sich die Kinder darauf freuen! Aber keine Angst, das Rathaus hat uns versichert, daß er gut gesichert ist, so daß man unbesorgt einen Schulausgang dorthin machen kann! Und die Antonia und der Jakob halten sich sehr gut! Sie sind unsere Musterschüler und wir freuen uns sehr, daß wir sie in der <klasse haben!“, erklärte sie an sie gewandt und fügte, als würde sie den Einwand des muslimischen Vaters befürchten, hinzu „Was für den Mo, wie wir den Mohamed nennen, auch gilt, Herr Pashmir! Er bekommt auch kein Schweinefleisch! Da achtet die Küche sehr darauf, daß das nicht passiert, obwohl wir für die Ganztagskinder drei Menus zur Auswahl haben, so daß sich jeder aussuche kann, was er mag und wenn Sie rechtzeitig, die Menüs bestellen, brauchen Sie nicht in Sorge sein!“

Dorothea fiel wieder Brunos Frage ein und überlegte, ob sie es Silvia Reiter antun könne, die Kinder abumelden, die sich in der schule trotz der „Schwein-Beschimpfung“, die Antonia widerfahren war, wohlzufühlen schienen und ihre Freunde hatten und, als sie später im Einzelgespräch, nachdem sich die Runde aufgelöst hatte und die meisten Eltern nach Hause gegangen waren, die Lehrerin danach fragte, beziehunsweise ihr die Geschichte mit der Schinkelsemmel erzählte, schüttelte die den Kopf und wiederholte wieder „Keine Sorge, Frau Doktor Hartinger! Es stimmt schon, da hat der Ali, die Toni ein wenig angerempelt! Das hat er wohl zu Hause so gehört, aber keine Angst! Die Toni ist ein starkes Mädchen und hat sich gewehrt! Ich dürfte Ihnen das vielleicht gar nicht sagen! Aber sie hat ihn wütend angefunkelt und „Spinnst du?“, gefragt. „Ich lasse mir von dir nicht vorschreiben, was ich esse und ein Kopftuch werde ich mir auch nicht aufsetzen, da ich keine Muslimin bin!“, und dann hat sie zugeschlagen.  Aber bevor ich mich einmischen und sie ermahnen konnte, hat sie sie dem Ali ihre Schikensemmel hingesteckt und  „Tut mir leid, entschuldige!“, gesagt. „Willst du nicht einmal probieren?  Sie schmeckt sehr gut und ich weiß gar nicht, was du gegen Schinken hast? Ich esse ihn jedenfalls sehr gern!“ Und wissen Sie, Frau Doktor Hartinger, da habe ich gesehen, wie es in seinem Augen aufgeblitzt hat und er gerne zugebissen hätte, wen er sich nicht vor dem Mo und dem Hassan, die daneben standen und ihn anstarrten, geniert hätten!“, sagte Silvia Reiter und nickte ihr schelmisch zu, bevor sie sich Frau Wysocki zuwandte, auch eine Frage an sie hatte.“

So das war jetzt die vierte hinausgeschmissene Anhangszene, die ich im November meinen siebenten „Nanworimo“ angefügt habe, um die geforderte Wortanzahl zu kommen.

Die Szenen „Fatma“, „Harry“ , „Sibylle“ sind hier zu finden, sowie die frühere Szene neunzehn, die in den Text, der derzeit hundertzwei Seiten, neununddreißig Seiten und derzeit 49527 Worte hat, nicht mehr enthalten ist, so daß man sich jetzt schon einen kleinen Einblick machen oder zumindestens die handelnden Personen kennenlernen kann.

Ich bin ja derzeit sehr am Korrigieren, hoffe bald fertig zu werden, so daß mein achtundvierzigsten Selbstbemachtes bald erscheinen kann. Vorher soll ja das zweite „Literaturgeflüsterbuch“„Mein Schreiben-meine Bücher“ fertig werden und ich hoffe nur, daß es dann den „Digitaldruck“ noch gibt, so daß die Bücher erscheinen können.

Bis dahin fordere ich auf in die Blogartikel hineinzuschmöckern, das erste „Literaturgeflüsterbuch“ ist auch im Blog zu finden und die Kurzgeschichtenerzählung „Besser spät als nie“ sowie auch einige Artikel aus der „Nika, Weihnachtsfrau“, aber das passt derzeit nicht zum schönen Wetter und nicht zur Jahreszeit.

Wer  mehr von meinem Schreiben wissen will, kann sich auch auf meiner Website umsehen und eventuell bei mir bestellen oder sich  die Videos anhören, die es von meinen Lesungen gibt.

Da habe ich ja einmal im El Speta aus meiner „Frau auf der Bank“ und der „Wiedergebornen“ gelesen und einmal vor dem offenen Bücherschrank aus der „Mimi“

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