Literaturgefluester

2020-04-12

Allegro Pastell

Jetzt kommt das dritte Buch der Belletristik-Schiene des „Leipziger-Buchpreises“, „Allegro Pastell“, des 1983 in Frankfurt am Main geborenen Leif Randt, den ich durch seine „Bachmannpreis-Lesung“ kennenlernte und dessen „Leuchtspielhaus“ ich mir einmal aus einer Abverkaufsliste einer Traffik gezogen haben.

Ein Buch, das das Lebensgefühl der Dreißigjährigen spiegeln soll. Ein schrilles schräges Buch in dem seitenweise  Ausdrücke verwendet werden, die ich nicht verstehe, weil ich dafür wahrscheinlich dreißig Jahre zu alt bin, um das Lebensgefühl zu verstehen, wie die Bücher von Katrin Weissling etwa, vielleicht noch zugespitzer oder sachlicher erzählt bzw. beschrieben. Der Erzählton erinnert manchmal an die Streeruwitz und die ist, kleiner Trost für mich, ja, glaube ich, drei Jahre älter als ich.

Es geht um Tanja und Jerome. Sie ist eine Kultautorin und hat gerade ihren dreißigsten Geburtstag gefeiert, das Buch spielt in mehreren Phasen von Frühling 2018 bis Sommer 2019. Er ist, glaube ich, Webdesigner und lebt  in Frankfurt, sie in Berlin. Sie führen also eine Fernbeziehung, besuchen sich also zu gewissen Zeiten, an gewissen Orten, trinken  Kaffee und feiern Partys, beziehungsweise, den Silvester in einer dafür gemieteten Hochhauswohnung, die für die Feier dreihundert Euro kostet und nachher aufgeräumt werden muß.

Sie haben nebenbei noch andere Beziehungen, so schreiben sie einander  Mails, skypen, chatten und interessant ist, daß Jerome, als sich Tanja zögernd „entschließt ihm zu fragen, ob er Lust hätte mit ihr im <oktober eine Woche auf die kanarischen Insel zu fliegen“, antwortet, daß er das  nicht könne, da er zu dieser Zeit Vater würde, es also ungünstig ist.

Vorher oder nachher wird noch, die Entscheidungsfindung beschrieben, die man offenbar derzeit macht, wenn ein Baby geplant ist oder sich schon angekündigt hat. Ist das nun gut oder schlecht für die C02 Belastung? Was kann man ihm bieten? Wie wird es das Leben einschränken?  und so weiter und so fort.

Tanja hat auch eine depressive Schwester, die sich öfter in psychiatrischer Behandlung befindet, Tanja muß sich dann um den Hund kümmern, den sie eigentlich betreut.

Es ist also ganz schön kompliziert das Leben der überforderten Dreißigjährigen, die einerseits im Luxus leben, koksen, feiern, trinken, asiatisch essen, wie es ihnen gefällt, aber auch ihre Instragram und andere Homestorys auf ihre Seiten stellen.

Ronja von Rönne und Helene Hegemann haben auch darüber geschrieben und die leben, glaube ich, auch in Berlin, in dieser Kultstadt, die, wie ich in den rechten Videos höre, sich derzeit in Verfall befindet und gar nicht mehr so lebenswert ist.

Um der Schwester Sarah, die weinachtliche Heimreise nach Kiel zu den Eltern zu ersparen, veranstaltet Tanja, die Weihnachtsfeier in ihrer Zweizimmerwohnung, dafür bestellt sei bei „Amazon“ gebrauchten Weihnachtsschmuck und ich, glaube, asiatisches Essen. Der Vater, ein Arzt, hat zu süßliches Parfum, sie begrüßt aber ihre Mutter mit „Merry Christmas, Miss Douglas!“

Der Vater verläßt später auch die Mutter Ulla, eine Psychotherapeutin, um zu seiner Freundin nach Bremen zu ziehen und teilt das seiner Tochter mit und vorher kommt  noch eine interessante Stelle, nämlich eine Lesung im Literaturhaus Wien.

Das muß ich, die ich ja auch öfter darüber schreibe, natürlich besonders erwähnen und das Kapitel beginnt, daß sich Tanja während des Anfluges nach Wien „Entschieden hat sich nicht für dieses Stadt zu begeistern.“

Das sagt schon viel aus über das lebensgefühl und des Stil des buches. Weil der Flieger Verspätung hat, zahlt ihr das Literaturhaus das Taxi. Das wird  real schon so sein. Spannend ist dann, daß die Lesung im „gelben Scheinwerferlicht vor einem Bücherregal“, stattfand, wo ich mich dann fragte, ob Leif Randt schon jemals im Wiener Literaturhaus war, bevor ich seinen Namen nachgooglete und so erfuhr, daß er, 2016 dort in der Bibliothek den „Fried-Preis“ bekommen hat.

Daß die Hälfte des Publkums aus Studierenden „aus mutmaßlichgeisteswissenschaftlicher Fakultäten“, die andere Hälfte aus „Seniorinnen und Senioren aus mutmaßlich gehobenen Einkommenschichten“, bestehen, wird manchmal zutreffen, manchmal auch nicht und ich fragte mich, wie genau man ein Literturhaus kennen muß, um darüber zu schreiben?

Da kann ich mich  selber an der Nase nehmen, denn ich schreibe ja auch öfter über Orte, an denen ich nie persönlich war und es geht dann auch weiter nach der Lesung, wo die  Veranstalter mit den Autoren nachher essen gehen. Das tun sie im Literaturhaus machmal, das weiß ich. Der Leiter heißt aber Robert Huez und die Programmverantwortliche Barbara Zwiefelhofer und nicht  Beatrix.

Spätestens da habe ich aufgegeben ihn bei nächster Gelegenheit, wenn ich das Literaturhaus wieder besuchen kann, was wohl nicht vor dem Sommer passieren wird, darauf aufmerksam zu machen.

Vielleicht hat Leif Randt das auch  absichtlich so entfremdet, weil man das so macht oder vielleicht auch das Lebensgeühl beschreibt und man kann nicht nur in Zeiten, wie diesen, wo das hier Beschriebene momentan ja gar nicht möglich ist und sich der CO2-Haushalt durch die Krise vielleicht gerade erholt über das Buch nachdenken und ich weiß auch gar nicht, was ich darüber denken soll, außer, daß ich es interessant gefunden habe, aber, um es wirklich zu verstehen, wohl dreißig Jahre zu alt bin, was Leif Randt wahrscheinlich anmerken würde, aber man soll sich ja für alles interessieren und Tanja, füge ich hinzu, schreibt ja auch an einen Text über eine adelige Pflegerin eines Seniorenheims, weil ihre Großmutter dort verstorben ist.

„Leif Randt erzählt vom Gück. Von Tanja und Jermome, von einer Fernbeziehung zwischen Berlin und Maintal, von Badminton, idealen Zuständen und den Hochzeiten der anderen. Eine Lovestory aus den späten Zehnerjahren“, steht am Buchrücken, der, das sa auch interessant aus einem beigen Leinenband mit einem Rhombus artigen Sechseck besteht, also eigentlich nicht dem Zeitgeist entspricht.

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