Literaturgefluester

2020-05-06

Online Corona-Romane zur Recherche

Ich habe mich ja schon vor längerer Zeit entschloßen einen Roman zu schreiben, der die Beziehung zwischen einer älteren Frau und einem um dreißig jährigen jüngerne Mann schildert und der Mann der Protagonistin, den sie pflegt, erlitt damals bei den Jännernotizen, noch einen Schlaganfall. Ich notierte und korrigerte, dann weiter am „Schreibebuch“ und am „Fräulein No“.

Dann kam die Pandemie und weil ich ja immer die aktuellen Tagesereignisse in mein Schreiben einbeziehe, ich weiß, das gilt als nicht professionell, beschloß ich einen CoronaRoman daraus zu machen, wohl wissend, daß da eine Schwierigkeit sein wird, daß ich über eine Krise, die laut Expertenmeinung zwei Jahre dauert bis man die Auswirkungen richtig überschauen kann, nicht in sechs Wochen einen Rohentwurf verfaßen kann. Das heißt, ich kann schon, muß dann aber wahrscheinlich wirklich viel verändern, weil mich die Fakten ja überholen werden.

Es hat sich auch der Romanverlauf verändert, der Egon hat „Alzheimer“ und keinen Schlaganfall, dazu haben mich wohl David Fuchs „Leichte Böden“ gebracht oder nein, über „Alzheimer“ habe ich schon viel geschrieben und kenne mich wahrscheinlich auch besser dabei aus, als beispielsweise mit der Pflege von Schlaganfallpatienten. Das ist wahrscheinlich noch nicht krisenbedingt, es wurde, das liegt auch mehr an mir, als an Corona auch nicht wirklich eine Beziehung zwischen alt und jung daraus. Dazu bin ich wahrscheinlich zu moralisch, sondern nur ein leichtes Antippen, ein Spielen mit dem Feuer. Der Viktor findet seine Christine und der Egon schreibt einen dystopischen Roman darüber, daß plötzlich eine Weltmacht das Lächeln verbietet und die Leute, wie Zobmies mit Masken auf der Straße herumlaufen lassen.

Trotz der Tatsache, daß ich den Verlauf der Krise nicht überschauen kann, ist mein Rohkonzept auf inzwischen fast dreißigtausend Worte angewachsen, ich sollte, was wahrscheinlich noch viel schwieriger ist, den dystopischen Roman schreiben und ansonsten wahrscheinlich noch drei Szenen, eine zwischen Egon und Roswitha, eine wo sich die christine meldet und die Beziehung zwischen Bea und Esther, die ja auf dieser Evidenz basierten Demo war, muß wahrscheinlich auch noch behandelt werden.

Dann käme schon die schlußszene, wo die Ausstellung, weil ja Corona im Juni noch nicht vorüber sein wird, virutuell eröffnet wird und weil ich eine gelehrige Schülerin bin, die ja immer noch hofft, daß Schreiben irgendwann wirklich zu erlernen, damit meine Kritiker mit mir zufrieden sind, habe ich mir schon vor längerer Zeit angewöhnt, vor dem Schreiben entsprechende Rechercheliteratur zu lesen, das kann mal mehr mal weniger ausgeprägter sein, dei den „Berührungen“ habe ich mich durch den fast gesamten Stefan Zweig gelesen und auch noch was von Doderer, bei der „Unsichtbaren Frau“ habe ich Jeanette Wintersons „Powerbook“ liegen lassen und jetzt hatte ich mir ja immer die Folgen von „Das Mööp, den fantastischen Seuchenbericht“ den das Literatur in Fortsetzungen herausgibt, ausgedruckt und von „So ist die Welt geworden – Der Covid 19 Roman“ von Marlene Streeruwitz, von Thomas Glavinic gibt es auch was, aber da kommt man ohne zu zahlen nur zur Folge eins, aber nicht gelesen, weil die Texte ja noch nicht fertig und meine Leseliste ist ja eh schon so lang und eh schon wissen, aber jetzt habe ich gedacht, wenn ich mit dem Rohkonzep fertig bin, hole ich mir das heraus.

Das Problem dabei ist ja ebenfalls, daß diese Romane noch nicht fertig sind, aber interessant zu wissen, wie die anderen Mitten in der Krise das Covid 19-Thema verarbeiten, wie viele Anspielungen sie machen und wieviel nicht, ist es allemal und hier wahrscheinlich wichtiger denn je, vorher zu recherchieren.

Also habe ich mir statt den Erzählungen der Daniela Krien zuerst David Grays „Das Mööp“ und dann später „So ist die welt geworden“ in die Badewanne mitgenommen, um die Covid-Literatur von 2020 wenigstens anzulesen.

David Gray ist ist das Pseudonyms des deutschen Journalisten und Filmkritikers  Ulf Torreck, der 1970 in Leipzig geboren wurde und es gibt bis dato sechs folgen des „Mööps“. Da ich ja lieber in der Badewanne lese, habe ich mir die ausgedruckt. Es gibt aber Lücken dabei, konnte mich aber trotzdem ganz gut in die Krisenbeschreibung hineinlesen.

Da sitzt ein Horrorautor zu Hause und schreibt über einen Kannibalen. Es geht ihm das Bier aus. Er hört seltsame Geräuschee und bekommt mit, hinter seinen Drucker hat sich ein seltsames Fabelwesen eingemistet. Das Mööp mit Rüssel, das vor sich hinspuckt und droht, wenn er ihm etwas antut, dann stinkt es wie eine Wasserleiche. So läßt er das. Er versucht es auch bei seinen Einkäufen im Wald auszusetzen. Das mißlingt und immer wenn er dem Wesen eine Frage stellt, dann schiebt es Meldungen, wie die, was demnächst die Regierung an Corona-Maßnahmen plant, heraus.

Das Wesen kann nämlich Gedanken lesen und ein Fabelforscher an den der Held sich meldet, sagt, es sei eine Muse, daß es sich von Bücherstaub ernährt hat er auch schon herausgefunden und es kann ihm auch Tips geben, wie er mit seinem Horrorkanibalismusroman weiter kommt.

Denn der Held hat noch ein Problem, denn da hat schon eine Julie Z. einen Covidroman geschrieben, der überall gelobt wird, sein Verlag schickt ihm ein Leseexemplar zu und die Gesundheitscoachs bieten im Internet auch ihre Beratunen an und sind sehr lästig dabei. Dann kommt noch eine Nachbarin, die sich über die Besucher eines anderen Nachbarn gestört fühlt und den, weil es ja das Kontaktverbot gibt, anzeigen will und ihm daher seine Zeugenschaft will.

Soweit bin ich damit schon gekommen. Jetzt kamen längere Zeit keine neuen Folgen mehr im Literaturcafe, die sollen aber noch kommen, ich bin also sehr gespannt.

Die 1950 in Baden geborene Marlene Streeruwitz von der ich schon sehr viel gelesen habe, ist bekannt für ihre Wahlkampfromane, wie beispielsweise „So wird das Leben“.

Jetzt gibt es den Covid-19-Roman, eine Art Tagebuch, offenbar ein „Standard-Auftrag“, die die Dichterin Betty, die sehr viel mit ihrer Autorin gemeinsam hat, bis dato, bis zur Episode 19 am  29. April veröffentlicht hat, da wird die abgesagte Buchmesse in Leipzig, wo Marlene Streeruwitz, ja den „Preis der Literaturhäuser“ bekommen hätte, erwähnt.

Seither sitzt sie zu Hause und kommuniziert und das ist interessant, weil ich das ja manchmal auch mache und mich mit meinem Hauspsychiater, der Fritzi Jelinek und der Lisbeth Hahnenpichler treffe, mit einer Fiorentina, einer Irma und einem ehemaligen Liebhaber namens Edwin. Die Fioreninta trägt immer Markenkleider, ist sehr streng und könnte an die Mutter mahnen. Die Irma ist aufmüpfiger und so wird auch das momentane Geschehen durchkomminziert. Zum Beispiel, die Maskenpflicht oder wie das nun mit den Besuchen war, was ich  eigentlich auch noch nicht so durchschaut habe, warum das so schizophren formuliert wurde?

Nur drei Gründe zum Ausgang, die Arztbesuche, die immer möglich waren, auch wenn die Ärtze da oft nicht ordinierten, wurden untern Tisch gefallen und dann zu Ostern nur fünf fremde Leute in den Wohnungen, aber eigentlich darf man keine Besuche machen und vorletzten Montag stellt sich dann heraus, Besuche waren immer möglich, weil die Polizei nicht ohne Grund in die Wohnung kommen darf.

In die Wohnung der Betty kommt sie, es gab eine Anhzeige einer Nachbarin, die Nachbarn ober ihr streiten und sie ist nicht sicher, ob sie jetzt denunizieren soll und zum Nachbarn gegenüber, einem Richter, der Fritz Keller heißt, kommt sie auch. Der erscheint dann mit Maske, um zu informieren, ich glaube auch nicht, daß ich am Gang eine solche tragen muß und trinkt dann mit Betty Kaffee Tür an Tür mit Sichereitsabstand wahrscheinlich, während die Nachbarn einen Stock weiter unten miteinander flüstern, weil es ja keiner wissen darf, daß der Sohn die alte Mutter besucht, obwohl das, wie im Nachhinein herauskam, ohnehin immer gestattet war.

Marlene Streeruwitz läßt ihre Betty darüber räsonieren, wie das wird, wenn sich jetzt alle zu Hause in Mangel anderer Möglichkeiten fettfreßen und dann als Kugeln demonstrierend vor dem Ballhausplatz stehen und geht demonstrativ mit Maske zu ihrer Bäckerin, um mit ihr zu reden, beziehungsweise ein extra Himeertörtchen zu kaufen, das haben wir in etwa auch so gemacht und ein Auszug aus dem Roman war am 23. April, glaube ich, auch in Ö1 zu hören, interessant, die Covid 19- Romane, die es jetzt schon gibt und sicherlich auch die, die noch entstehen werden, verweise wieder auf die Corona-Tagebücher, die Corona-Lesungen, die Corona-Gedichte und bin nun gespannt, wie es mit dem dystopischen Roman werden wird, an dem ja der an Alzheimer erkrankte ehemalige Universitätsprofessor Eugen Herweg gerade scchreibt.

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