Literaturgefluester

2020-05-17

Das verflixte letzte Jahr

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 00:23
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Das letzte Jahr kann man wohl sagen, war wirklich besonders verrückt, beziehungsweise hat es Veränderungen gegeben, die man vorher wohl für unmöglich gehalten hat.

Vielleicht hat es schon 2015 mit der sogenannten Flüchtlingskrise begonnen, wo ich ja das erste Mal buchpreislesend, zu ein paar Demos und Veranstaltungen gegangen bin, sonst aber nicht besonders darin involviert war, beziehungsweise ein paar Schuldgefühle hatte, daß ich zwar viel darber geschrieben habe, aber selbst keine Zahnbürsten in Traiskirchen verteilt habe und auch mit keinen Flüchtlingskindern Deutsch lernte.

Dann kam 2016 die Bundespräsidentenwahl, wo  ja meistens der rote Kanditat gewonnen hat, mit Kurt Waldheim kam ein schwarzer und die sogenannte Waldheimaffaire 1986, da bin ich gerade in die GAV gekommen und habe aus meinem Hütteldorf und Heiligenstadt“ im NIG im Hörsaal 1 gelesen und kann mich erinnern, daß die damals noch eher junge Jutta Schutting den alten Hans Weigel hereinführte.

Es gab 2016 auch einen roten und einen schwarzen Kanditaten, Andreas Kohl war, glaube ich, der schwarze, der rote kam von der Gewerkschaft. Aber van der Bellen wäre der Favorit hat es geheißen, da habe ich mich noch gewundert und einen Norbert Hofer, der zuerst gar nicht kanditieren wollte, habe ich nicht gekannt.

Dann hatte der über dreißig Prozent, gefolgt von Alexander van der Bellen, SPÖ und ÖVP hatten je zehn und nach der Stichwahl, wo van der Bellen „arschknapp“ gewonnen hat, sind wir auf Urlaub nach Kroatien gefahren und als wir zurückkamen, haben wir schon von der Wahlanfechtung und der Wahlwiederholung gehört und ich hatte dann bis Weihnachten Angst, daß vielleicht doch Norbert Hofer gewinnen könnte, was ich als ungerecht empfunden hätte.

War dann nicht so und ich hatte in dieser Zeit schon einen rechten Kommentierer, den lieber oder vielleicht doch nicht so lieben Uli, jedenfalls hat er mich zur „Unsichtbaren Frau“ animiert und mich sonst eher  als unbelehrbar naiv bezeichnet und 2017 sind wir zehn jahre nach Ruths Radkarawane mit ihr zu ihren siebzigsten Geburtstag um den Bodensee geradelt und habe dabei, als wir so wieder nach Bregenz zurückkamen und die Erika Kronabitter dort trafen gehört, daß Sebastian Kurz die Partei übernommen  und Neuwahlen ausgerufen hat.

Da habe ich dann im Herbst  „Die unsichtbare Frau“ geschrieben, es kam zu schwarz blau zwei oder türkis blau und einem Innenmister Kickl, der alles umräumte und keinen Stein am anderen lassen wollte. H. C. Strache war Vizekanzler. Ich habe mich mit meinem Freund Uli über die Asylwerber gestritten, die jeden morden und vergewaltigen und über die „linksversifften Grünen“ die seiner Ansicht nach das Übel der Welt wären und bin am siebzehnten Mai 2019, als ich Probleme wegen einer nicht bewilligten Stunde hatte, , mit meinem Knöchelbruch noch nicht so gut zu Fuß zur KritLit aufgebrochen, habe ich dort geärgert, daß ich nicht lesen durfte, die „Unsichtbare Frau“ aber nicht mithatte, als ich das am Samstag vielleicht doch hätte können, weil Lesende ausgefallen sind, weil sich allle am Ballhausplatz befanden, denn es ist ja das „Ibiza Video“ aufgetaucht.

H. C Strache ist zurückgetreten, Neuwahlen wurden ausgerufen, eine Übergangsregierung mit Mißtrauensvotum und einer neuerlichen Umbildung, einer sogeanneten Expertenregierung, die dann den Rest des Jahres, während die Neuwahlen vorbereitet wurden, die Geschicke des Landes lenkten.

Verrückt verrückt und sehr ungewöhnlich. Der Alfred ist Tag und Nacht auf der Straße gestanden und hat für die „Grünen“ Zettel verteilt. Ich habe mich dann auch entschloßen, sie zu wählen, war mit dem Alfred auf der Wahlparty, wo man  Werner Kogler sehr zugejubelt hat und es was Gutes zu essen und zu trinken gab und Anfang Jänner die grün schwarze Regierung, von der man hörte, daß die grüne Handschrift trotz der grünen Justizministerin Alma Zadiz, den grünen Gesundheitsminister und dem Vizekanzler Kogler sehr fehlte und dann kam gleich Corona.

Das heißt in China und in Italien war es vielleicht schon seit November vorhanden, vielleicht auch schon unbemerkt bei uns und das hat eine große Angst- und Panikwelle ausgelöst und zu dystopischen Zuständen geführt, die vor einem Jahr noch undenkbar waren.

Ausgangsbeschränkungen, ein Meter Babyelefanten-Abstand und wenn man den nicht einhält, fünfhundert Euro Strafe, wenn man vielleicht lesend auf einer Parkband saß oder mit seinem Kind Fußball spielte. Nur mit Mund und Nasenschutz maskiert in die Geschäfte, öffentliche Verkehrsmittel und öffentliche Räume was ja insofern interessant ist, weil die letzte Regierung ja vor der Wahl noch schnell ein Vermummungsverbot beschlossen hat.

Also war ich am ersten Mai zwar unvermummt aber von solchen Teilnehmern, sowie maskierten Polizisten umgeben, auf dem, was ich für die Demo der Kommunisten gehalten habe und jetzt werden die Maßnahmen zwar langsam gelockert, das heißt, ab Freitag darf man dann mit Maske in ein Wirtshaus gehen und sich diese beim Essen auch hinunternehmen. Geht man aufs Klo setzt man sie sich wieder auf, obwohl die Viruszahlen inzwischen schon sehr niedrig sind und die Krankhäuser immer noch sehr leer, weil ja die anderen Operationen verschoben wurden, es schon eine Million Arbeitslose und Kurzarbeiter gibt und  Ex-Minister Kickl und die FPÖ deshalb zu einer Unterschriftaktion „Stopp den Corona Wahnsinn“ aufgerufen haben, die ich ja gerne unterschreiben würde, aber keine FPÖ-Sympathisantin bin und eigentlich auch nicht so gerne auf eine Demonstration gehe, wo sich außer mir der Chef der Identitären befindet, weil das die Einzigen sind, die zum Widerstand aufrufen, während es, um die „Grünen“ sehr still geworden ist.

Verrückt, verrückt, könnte man so sagen und zum Schreiben natürlich sehr inspirierend, aber wem soll ich das dann vorlesen, wenn es  keine Lesungen gibt und ich mich selber ja auch nicht so gerne mit Mundschutz in die „Alte Schmiede“ oder ins Literaturhaus setzen möchte.

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