Literaturgefluester

2020-08-31

Der Halbbart

Nun kommt Buch vier der deutschen Longlist und das erste das ich nach der Verkündung gelesen habe, obwohl es schon lange auf meinen Bücherstapel lag.

Ich interessiere mich für Bücher ja hauptsächich nach den Autorennamen, so habe ich als mir „Diogenes“ seine Herbst oder Sommervorschau schickte Charles Leweinsk und Bernhard Schlink angefragt, sind das ja bekannte nnamen von denen ich schon was gelesen habe und stolperte dann über den Titel „Der Halbbart“, denn, was soll das heißen und dachte erst einmal „Das interessiert mich nicht!“

Dann bin ich noch draufgekommen, es ist wohl ein historischer Roman, denn er spielt im vierzehnten Jahrhundert.

Uje,uje und, als ich dann noch bei einem Podcast, der die Ll bespricht und die Hörer nach den Genres raten ließ, hörte, daß, da nach einem Schelmenroman gefragt wurde, dachte ich, wohl wieder „Uje, uje!“ oder „Nein!“, da war ich schon beim Lesen und bin irgendwann darauf gekommen, daß der „Halbbart“ damit gemeint sein könnte.

Den 1946 in Zürich geborenen Autor kenne ich genaugenommen seit 2014, denn da stand sein „Kastelau“ auf der Longlist und ich habe das Buch in Folge der Longlistleseaktion gewonnen und besprochen, den „Stotterer“ habe ich auch gelesen, weil mir „Diogenen“ durch das Bloggerdebutlesen Des Genies“, die Vorschau schickte und ich interessiere mich nun einmal für die bekannten Namen.

Da waren wir schon einmal und, um mich nicht wieder zu wiederholen kann ich gleich spoilern, daß ich das Buch, als mein zweites für die shortlist sehen würde, ich habe zwar erst vier gelesen, aber immerhin und es ist wieder ein Buch über das Erzählen und darüber wie Geschichten entstehen und noch darüber hinaus, wie man die Wahrheit von der Lüge unterscheidet oder wie Lüge letztlich durch das Erzählen zur Wahrheit werden kann.

Wahrscheinlich ist es das Alterswerk des Autors, der darin seine ganze Weisheit legt und großen Spaß beim Erzählen hat und dabei auch ein bißchen dreht und wendet, so daß es, was ein guter Roman ja sein muß, wie ich immer höre, etwas Neues und noch nie dagewesenen trotz der Millionen schon geschriebener Romane hat.

Da wäre Erstens, daß der titelgebende „Halbbart“ eigentlich gar nicht die Hauptfigur ist und, daß man eigentlich gar nicht soviel von ihm erfährt oder wahrscheinlich nicht alles und Zweites, daß es einen Erzählstil hat, wie ich ihn auch manchmal verwende.

Es tappt sich von Szene zu Szene voran und beginnt mit Wiederholungen. Das tue ich öfter. Der Autor geht darüber hinaus, überspringt auch einiges und Erzähler ist der Sebi oder Eusebius, das ist ein kleiner Bub, im Dorf aufgewachsen, der sehr schwach ist, dadurch nicht zum Bauern geeignet ist und auch nicht zum Soldaten. Dafür vielleicht zum Mönch, sagt man im Dorf, denn er hat ein gutes Gedächtnis.

Es kommt aber immer alles anders, als man denkt, das sage jetzt ich und der Sebi beginnt das Buch, in dem er erzählt, wie der Halbbart ins Dorf gekommen ist, denn der ist eine sonderbare Erscheinung. Hat er ja ein halb verbranntes Gesicht oder einen halbverbrannten Körper und der ist auch sehr gescheit, beziehungsweise versteht er sich auf das Heilen, obwohl er wie er sagte, nie Medizin studierte. Aber das konnte man im vierzehnten Jahrhundert wahrscheinlich auch nicht wirklich.

Der Sebi, der sich mit dem Fremden, der ihm nach und nach seine Geschichte erzählt, anfreundet, hat zwei ältere Brüder den Poli und den Geni und nur noch eine Mutter, die auch bald stirbt, aber eine vernünftige Frau gewesen scheint, die dem Sebi viele Lebensweisheiten in Sprüchen mitgab und eigentlich nicht an Gott glaubte.

Es geht gleich weiter, daß der Geni beim Holzfällen verletzt wird und der Halbbart rät, daß man ihm sein Beim amputieren muß, damit er nicht stirbt und er baut ihm mit Hilfe eines Schmiedes auch noch ein künstliches Bein, so daß er wieder gehen kann-

Dann erzählt er dem Sebi nach und nach seine Geschichte. Er wurde der Gotteslästerei beschuldigt und sollte daher verbrannt werden, konnte sich retten, hat aber alles verloren, wurde auch zur Schau gestellt und dem hämischen Volk ausgeliefert, so hat er einen großen Haß auf die Habsburger. Er wird auch in dem Dorf, der Hexerei veschuldigt, es kommt zu einem Prozeß. Da kann er seine Unschuld beweisen und der Geni, der ein sehr gescheiter Bursch ist, wird sogar zum Gehilfen, Sekretär oder Assistenten oder, wie immer man das damals nannte des Landammanns bestellt und, als die Mutter gestorben ist, wird er zum Vormund des Sebi und schickt ihm ins als sogenanntes Abtmündel ins Kloster.

Dort darf er, die Schafe hüten, beziehungsweise im Garten arbeiten und als ihm der Prinor einen besonderen Auftrag gibt, nämlich ein totes Kind zu begraben, nimmt er entsetzt Reisaus und ist von den Patres aufs Erste einmal enttäuscht.

Rührend fand ich die Szene, wie er die kleine „Perpetua“, wie seine Schwester heißen sollte und er die Kinderleiche daher so nennt, begräbt, in dem er sie, damit sie doch in den Himmel kommt, vorher tauft und ihr später auch ein Holzkreuz schnitzen läßt.

Der andere Bruder, Poli, ist das Gegengteil von Geni, nämlich ein Raufbold, der unbedingt zu den Soldaten will und, auch als Vorbild, den Onkel Alisi hat, der bei den Soldaten war ins Dorf zurückkommt und sich als Familienhaupt in das Haus der Brüder einquartiert, dazu holt er den Sebi, der sich inzwischen unter anderen Namen bei einem Schmied versteckt hat, zurück und will unbedingt einen Soldaten aus ihm machen. Das mißlingt genauso, wie das Angebot des Totengräbers, den er Sebi immer geholfen hat, sein Nachfolger zu werden, der nun weiß. was er werden will, nämlich Geschichtenerzähler und geht deshalb zur Teufels-Anneli in die Lehre und die gibt ihm auch gleich die richtigen Ratschläge, die vom Autor stammen, nämlich, daß man eine Geschichte immer so erzählen muß, wie sie nicht wirklich war, deshalb vielleicht mein literarischer Mißerfolg, weil ich ja gerne realisitsch schreibe, aber, wie heißt es so schön, jede gute Geschichte ist besser als die erfundene Wirklichkeit.

Daniel Kehlmann hat es ja einmal gemeint, daß ein Autor lüget, wenn er erzählt und in den Schreibseminaren lernt ja, „Erzähle das Schlimmste pawas dir passiert ist, dann wird es gut!“

Der Sebi lernt das, beim Teufels-Anneli, die sich selbst vergiftet, weil sie sich mit Käutern betäubt, um besser fabulieren zu können und die guten Ansätze des Lebens, werden durch die Mord- und Rauflust des Onkesl und seinen Kumpanen sofort zerstört, denn zuerst überfällt er mit dem Dorf und dem Neffen das Kloster, dann macht er einen Feldzug gegen die Habsburger und der Sebi, der zu all dem ja ungeeignet ist, steht daneben und erzählt seine Geschichten so, daß er die Wahrheit übertreibt. Da dann nieman,d wie er meint, sie glauben kann. Der Onkel ist aber begeistert und das Teufels-Anneli nimmt ihm zur Seite und meint „Das war eine sehr schöne Geschichte, Eusebius. Man wird sie bstimmt noch lange erzählen, und irgendwann wird sie die Wahheit sein.“

Da merkt man, denke ich, die Schelmenkunst des Erzählers, der ja eigentlich sehr grausame Sachen erzählt und vieles nur anschneidet, so hätte ich wahrscheinlich mehr vom Leben des Halbbart, der am Ende seine Rachsucht auch nicht überlebt oder über die Kinderleiche erfahren und da läßt derAutor, den Sebi sie ihm in einem Fiebertraum noch als Engel erscheinen und dann gibt es eine zarte Liebesgeschichte, die böse endet und leidet auch irgendwie unvollendet bleibt. Denn der Schmid bei dem der Sebi eine Zeitlang in der Lehre war, hat eine Tochter, das Kätterli, in die er sich ein wenig verliebt. Die kommt eines Tages bleich und stumm vom Kirchgang zurück und man erfährt, sie wurde von einem Mönch vergewaltigt. Nachdem das klar ist, verschwindet sie auf ihren Wunsch selbst im Kloster und man hört nie wieder etwas von ihr. Der Schmid schließt sich in seiner Rachsucht, obwohl sonst ein vernünftiger Mann, dem Onkel und Neffen bei ihren Klosterfeldzug, wo alles geschändet und geplündert wird und den Sebi entsetzt daneben stehen läßt, an.

2020-08-30

Marathonlesen

2015 habe ich ja mit dem „Buchpreisbloggen“ oder des Lesens der nominierten Bücher die auf der deutschen Buchpreisliste standen begonnen, vorher hatte ich seit 2010, glaube ich, meine Leseliste und da stand dann so ungefähr darauf, was ich bis Ende des Jahres lesen wollte, 2013 habe ich aus diesen Grund noch nicht mit dem Buchpreislesen angefangen, obwohl mich „Buzzaldrins“ „Vier lesen fünf“ Aktion schon dazu ein bißchen animierte.

2016 kam dann noch der Öst dazu und weil ich ja 2015 angefangen habe die Verlage nach den Büchern zu fragen, vorher habe ich mich eher nur an die österreichischen Verlage gewandt, kamen die dann mit ihren Vorschauen und meine Leseliste wurde lang und länger, so daß ich schon aus diesem Grund aufhören hätte können zu den offenen Bücherschränken zu gehen, denn keine Chance, keine Chance, so daß das allmählich ein zwei- oder dreifaches Buchpreislesen darauf wurde, das der Neuererscheinungen, das des Öst, des dBp und die Backlistbücher standen dann auf der Leseliste und wurden Ende des Jahres ausgetragen.

Im Vorjahr kam dann noch der Schweizer Buchpreis, den ich heuer auslassen werde, dazu und seit 2016 auch die Bloggerdebutshortlistbücher. Eine elendslange Bücherliste über die man sich wundern kann und sich schon manche gewundert haben, ich kann aber sagen, das Bucpreislesen ist sehr interessant, man lernt sehr viel dabei und bekommt auch einen guten Einblick in die Gegenwartsliteratur.

In diesem verrückten Jahr ist noch vor der Corona-Krise oder zeitgleich mit ihr die „Leipzger-Buchpreisbücher“ dazugekommen, die ich heuer das erste Nal angefragt habe, nichtalle, vier Sachbücher habe ich ausgelassen. Frühjahrsneuerscheinungen kamen auch dazu und bis ende Jänner habe ich noch die Neuerscheinungen vom Vorjahr hinuntergelesen, so daß ich wie schon seit zwei oder drei Jahren erst im Juni so richtig zu meinen Backlistbüchern gekommen bein.

Da habe ich einige sehr Interessante auf die ich mich auch schon sehr gefreut habe, gelesen, wohl wissend ab Mitte August ist es aus, da komme ich in einen Lesestreß, denn ist die deutsche Longlist bekannt und habe ich die Bücher angefragt muß ich mich beeilen, weil meistens ja noch andere Neuerscheinungen auf mich warten, die auch gelesen werden wollen.

Die letzten zwei Jahre waren wir in der Schweiz, da habe ich die Longlist 2018 in Bern erfahren und mir am nchsten Tag bei Weltbild den Arno Geiger um fünf Franken gekauft und hatte dann schon auf der Rückfahrt etwas von der Liste was ich lesen konnte.

Im Vorjahr wurde die Liste, glaube ich, erst nach meiner Rückkehr bekanntgegeben, da habe ich auf der Rückfahrt Gertraud Klemms „Hippocamus“ gelesen und war enttäuscht, als sie dann nicht auf der Liste stand, dafür aber die Streeruwitz, juche, denn die hatte ich schon zu Haus und mir zum Lesen aufgespart.

Heuer waren wir Corona bedingt oder auch sonst in Wien beziehungsweise in St. Pölten, ich habe meine Backlist gelesen und hatte einige Neuerscheinungen auf meiner Liste, die ich erst, um den zwanzigsten August lesen durfte, so daß ich überlegte, wie ich das mit meinen Artikel mache, damit ich, wenn die Liste bekanntgegeben wird, dann in keinen zu großen Lesestreß komme, weil ich noch andere Bücher lesen sollte, so habe ich am Wochenende davor Stephan Roiss „Triceratops“ gelesen, Erscheinungsdaum 17. 8.und hatte das Buch dann schon gebloggt, als klar war, es steht auf der Liste und war damit mein Buch drei, Bov Bjerg und Leif Randt hatte ich schon vorher gelesen.

Leif Randt weil er für Leipzig nominiert war, den Bjerg, weil er beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und das Buch bei den Blogs auftauchte. Danach habe ich die nicht nominierten Neurerscheinungen, nämlich Barbara Riegers „Friß oder stirb“ weitergelesen und Sascha Rehs „Großes Kino“, das ich zuerst im E-book-Kasten hatte und später noch als Buch gekommen habe, dann wäre einige Wagenbach Quartbücher dran gewesen, aber die hatte ich auch als PDF und da war Wanderwochenende und ich habe zwar einen E-Bookreader, die Bücher aber im Laptop, also habe ich Justin Steinfelds „Ein Mann liest Zeitung“, das ich erst später bekommen habe, vorgezogen und in die Steiermark mitgenommen.

Das war sehr umfangreich und nicht so leicht zu lesen, so habe ich eine Woche dafür gebraucht, während bei mir die Bücher nach und nach eingedrudelt sind, so daß ich derzeit etwa zwanzig Neuerscheinungen, Buchpreisbücher und andere auf mich warten habe und schon ungeduldig war, wann kommt denn jetzt Buch vier, denn bald wird ja die Shortlist bekanntgegeben und da hatte ich 2015, glaube ich, schon zehn Bücher gelesen, heuer zwar nach den Neuerscheinungen fünf PDFs, die gleich gekommen sind, aber hurra, Buch vier wartete auch schon, konnte weil Erscheinungstag 26.8 aber erst nach dem Steinfeld gelesen werden.

Ich lese es jetzt, es hat über sechshundert Seiten, also brauche ich dazu auch mehr als das Wochenende, es ist aber sehr interessant und wäre derzeit mein zweiter Shortlisttip.

Dann kämen die drei Wagenbachbücher, ein italienisches, ein Debut und das zweite das ich von der Helen Weinzweig lesen werde, dann die fünf Bpbs, die ich als PDFs geschickt bekommen habe.

Eines davon habe ich inzwischen auch als Print und werde es wahrscheinlich, wenn es am Donnerstag nicht regnet, zu den O-Tönen mitnehmen, dann kommen ein paar andere Bücher, die ich schon vorher bestellt habe, denn eine Agentur hat mir da fünf Bücher angeboten, die von Frauen und den Neunzehnhundertzwanzigerjahren handeln, da konnte ich nicht nein sagen, obwohl ja am Donnerstag die öst Longlist bekanntgegeben wird und ich die, wie die deutschen Bücher wahrscheinlich, wenn der Verlag nicht schickt, auch über Netgalle bekommen kann.

Ein paar andere Bücher habe ich inzwischen auch angefragt, nämlich das neue Buch von Luis Stabauer, wenn ich da schon nicht maskenlos zur Präsentation gehen kann und dann Linus Gieses „Ich bin Linus“ und das ist ja „Buzzaldrin“, also sehr interessant.

Am fünfzehnten September wird die deutsche Shortist bekanntgegeben und ich habe dann vielleicht fünf oder sechs der Bücher gelesen, weil derzeit lese ich ja eher langsam, obwohl ich wegen des Veranstaltungsstop zweimal am Tag dazu Zeit habe, trotzdem habe ich schon gedacht, um da nicht in zeitlichen Verzug zu geraten, vielleicht einen Lesemarathon einzulegen, das habe ich ja schon gemacht, daß ich ein ganzes Wochenende nichts anderes mache, als Bücherlesen oder in St. Pölten einmal eine ganze Woche, fünf Bücher sind das, glaube ich, geworden.

Was mich daran hindern könnte, sind unter der Woche meine Stunden, aber dann das Schreiben oder das Korrigieren des „Notizbuches“, denn das sollte ja auch nicht liegenbleiben, aber ein bßchen anziehen wäre nicht schlecht, sagt mir der Alfred ja jedesmal wenn der Briefträger läutet „Das schaffst du alles nicht!“

„Schaffe ich schon, auch wenn ich bis zum Jänner brauche, bis ich mit den Buchlisten fertig bin. Macht ja eigentlich nichts und weil meine Leseliste ja so lang und mein Computer am Kaputtwerden ist, habe ich mir die Backlistbücher, die ich in den nächsten drei Jahren lesen wollte, auch beim Verlinken gelöscht.

Also kann ich da wieder ganz von vorne anfangen, beziehungsweise mir die Bücher nach Geschmack und Laune aus meinen Regalen klauben, was ja auch ganz schön ist, also so schnell wie es geht, die zwanzig Bücher von der Warteliste lesen. Weitere zwanzig werden wohl noch dazukommen und im Dezember die des Bloggerdebutspreises.

Da würde ich ganz gern auch Weihnachtsbücher lesen und habe da ja auch schon eine ganze Menge angesammelt, aber ob ich das schaffen werde?

Mal sehen, ich bin gespannt, freue mich auf meine drei „Wagenbach-Bücher“, auf die österreichische lange Liste und dann auf das deutsche Buchpreisbloggen, wo ich derzeit noch nicht sehr viel mehr sagen kann, als daß der Leif Randt, der mir eigentlich nicht so gefallen hat, hochgelobt wird.

„Triceratops“ hat mir sehr gut gefallen und Seethalers „Gustav Mahler-Roman“ wird überall verrissen und da kann ich eigentlich auch nur sagen, daß ich keine so besondere Seethaler-Freundin bin und mich, das was ich von den Lesungen seines „Ganzes Leben“ hörte, nicht sehr beeindruckt hat.

2020-08-29

In den Corona-Herbst

Filed under: Alltagsgeplauder — jancak @ 00:18
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Das letzte Sommerfrischewochenende ist angebrochen, dann geht es wieder zurück nach Wien und in den Herbst, der ja ein Corona geprägter werden will und das ist, wenn man, wie ich, um sich zu informieren sehr viel oe 24 TV hört, nicht zu übersehen, ging es ja nach den Lockerungen, wo eine Zeitlang alles gut ging, die Menschen sich zuerst in den Baumärkten drängten, dann die Lokale geöffnet wurden und sich zuletzt fünfzigtausend Menschen auch ohne größere Auswirkungen auf der Black lives matter Demo drängten.

Nach der Grenzöffnung und dem Wegfall der Masken kam es bald zu der Forderung die Maske muß wieder her, weil sich da einige Cluster bildeten und Oberösterreich die Maskenpflicht schon im Juli wieder eingeführt wurde.

Dann kamen die Cluster in St. Wolfgang, welch ein Glück daß wir nur in Srobl waren, die Bilder von Ibbiza und Testpflicht freiwillig oder unfreiwillig, wenn man vom Urlaub zurückkommt.

Die Zahlen die ja bis Juni sehr gefallen sind, stiegen überall wieder an, so daß man in Paris, glaube ich, Maske ragen muß, wenn man auf den Eiffelturm will und in Velden, wenn man am See spazierengeht, obwohl man ja immer hört, im Freien ist es nichtgefährlich und nur im Herbst, wenn wir dann wieder in den Räumen sind, braucht man die Maske.

Das fordert schon länger der Ärtzkammerpräsident und diese Woche hörte ich in oe 24 die Maskenpflich soll neuerlich ausgeweitet werden, was mich ein wenig wunderte, weil ich keinen wirklichen Grund dafür wußte, denn wenn man jeden Rückkehrer testet, ist es klar, daß man mehr Infizierte, jetzt sind es täglich etwa dreihundert für ganz Österreich, findet. Aber die Kroatien- und Spanienurlauber sind meistens jung und wahrscheinlich auch nicht krank, in oe 24 TV hört man aber wieder, dreihundert Kranke, was ja eigentlich auch eine Falschmeldung ist.

Ja, da wird viel verwechselt und sehr viel Panik gemacht, was ich eigentlich nicht verstehe, denn die Zahlen sprechen nicht dafür, daß dieses Virus wirklich so gefährlich ist, wie man vielleicht am Anfang glaubte.

Trotzdem Maskenpflicht in den Schulen, zumindestens in den Gängen und beim Hinein- und Hinausgehen und das soll oder wird wahrscheinlich auch in den Restaurants wieder so kommen.

Dann gehe ich dort genausowenig hin, wie zu den Veranstaltungen und da habe ich mir schon lange abgeschminkt, daß es heuer keine „Buch Wien“ oder keinen „Alpha“, um den ich mich ja sehr drängte und als ich vor sieben Jahren von der Sommerfrische Abschied nahm auch sehr freute, als sich da Herr Leitgeb meldete und mir eine Einladung versprach. Das fällt heuer wahrscheinlich flach und auch den „Ohrenschmaus“ wird es, habe ich erfahren, erst im nächsten Jahr geben.

Eigentlich eine horrorvorstellung wegen eines Virus mit dem man meiner Meinung nach, auch anders umgehen könnte, so eingeschränkt wird, obwohl es ja egal ist, ob ich auf die „Buch Wien“ gehe, lesen kann ich auch zu Haus, nach Frankfurt wäre ich ohnehin nicht gefahren.

Daß die Wirtschaft und das Gesundheitswesen wegen einer Massenpanik, die vielleicht unnötig wäre, zusammenbricht, ist das eigentlich Arge, obwohl es auch bei mir zu Veränderungen kommen wird. Denn die Rückkehr nach Wien war ja immer mit dem Volksstimmefest gekoppelt, das gibt es Corona bedingt, obwohl ja auch in Freien, heuer nicht, daß es aber auch kein „Linkes Wort“ gibt oder gegeben hätte, hat nicht mit Corona zu tun und das ist sehr schade, weil ja seit Jahren meine größte Lesung oder eigentlich doch nicht schade, weil Honorar hat es ohnehin keines gegeben, nur ein Stück Kuchen, der ursprünglich als die Lesung noch von Arthur West organisiert wurde von seiner Frau gebacken wurde.

Die einzige Lesung, die ich heuer hätte, wäre die bei der „Poet Night“ und da könnte ich da ein Sück aus dem „Notizbuch“, aus dem „Frühlingserwachen“ oder aus dem „Fräulein No“ das demnächst erscheinen wird, lesen, aber wenn man da auch nur mit Maske hineindarf, fällt das auch aus, was auch nicht wirklich was macht, weil eigentlich ohehin nicht so viele Zuhörer und auf den Fünfziger Honorar kann ich auch verzichten.

Aber ich habe ja schon festgestellt, daß die Corona-Krise mich in das Verabschieden von der Literaturführen könnte. Die „Alte Schmiede“ und das Literaturhaus fällt aus, im Juli war ich vergleichweise bei vielen Veranstaltungen, aber da habe ich mich in der letzten Zeit ohnehin nicht so wohl gefühlt immer nur daneben zu stehen.

Geschrieben habe ich Corona bedingt sehr viel, einmal diese Tagebucheintragungen, die Nachwelt wird sich dafür nicht interessieren, hat der Uli einmal gehöhnt, vielleicht, aber die kleine Lia ist mir etwas später eingefallen und, daß ich eine Corona Serie schreiben könnte, ist mir auch schon eingefallen und da wird die Maskenpflicht, die mir ja ein Dorn im Auge ist, sichereine Rolle spielen und spielt es in den zwei schon vorhandenen Texten auch.

Am Montag nach dem Putzen also zurück nach Wien, beziehungsweise Dienstag früh und dann habe ich ja sehr viel zu lesen, weil am Donnerstag ja die österreichische Buchpreisliste bekanntgegeben wird, ich diese Woche sehr viele Bücher bekommen habe und eigentlich noch nicht so richtig mit den deutschen Buchpreislesen angefangen habe.

Da werde ich wahrscheinlich einige Lesemarathons einlegen und das wäre ja ein Ersatz zu den Veranstaltungsverlust, nur das ist sicher ein sozialer Rückzug und da gehen einer wahrscheinlich die sozialen Kontakte schon etwas ab und man ist wieder ein Sückchen weiter aus dem Betrieb weggerückt.

„Ohne Kunst wird still“, könnte ich also auch für mich sagen, aber das Geburtstagsfest könnte ich machen, denn wenn ich da fünfundzwanzig leute einlade und die Hälfte kommen, dürfte das kein Problem sein und so geht es nach dem Herbst dann auf Weihnachten zu und da hat der Bundeskanzler in seiner heurigen Rede zur Nation ja schon erklärt, daß der Herbst und der Winter wegen der zu erwartenden Grippewelle hart werden wird und man jetzt auch schon darüber spekuliert, ob und wie die Weihnachtsmärkte stattfinden können?

Keine Punchsstandl vielleicht, auf der anderen Seite habe ich gehört, daß die Schanigärten verlängert werden sollen, weil man ja auch in Decken gehüllt draußen sitzen oder stehen und sein Bier trinken kann. Also alles ein bißchen sehr verrückt und für die literarische Prdouktion wahrscheinlich bestens geeigent.

Also auf in den Corona-Herbst mit wenig oder keinen Veranstaltungen, dafür aber wieder mit einem dreifachen Buchpreislesen und das ist sicher auch sehr interessant.

2020-08-28

Ein Mann liest Zeitung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:07
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Jetzt kommt ein historisches Zeitdokument, ein Roman, der wahrscheinlich wieder als Zeitbericht zu bezeichnen wäre, des von 1886-1970 lebenden Journalisten Justin Steinfeld, der in Hamburg geboren, nachdem er in Schutzhaft 1933 zuerst nach Prag und danach nach England emigirierte, wo er verstarb.

Der Roman der 1984 erstmals von seinem Neffen im „Malik-Verlag“ herausgegeben wurde, beschreibt sehr viel Autobiografisches. Anmerkungen, die sich auf den Autor beziehen, gibt es auch und er beschreibt eigentlich nichts anderes, als, daß ein aus Deutschland geflohener Geschäftsmann, den er Leonhard Glanz nennt, in einem Prager Kaffeehaus sitzt, dort einen Kaffee und eine Semmel bestellt und dabei Zeitung liest.

Das passiert mit Anmerkungen und Nachwort des jetzigen Herausgebers versehen, auf fast fünfhundert Seiten und Glanz oder Steinfeld kommen dabei vom Hundersten ins Tausendsten, so daß dem Leser der Bart sogar bis in die Marmorplatte des Kaffeehaustisches hineinwächst.

Der jüdische Geschäftsmann wurde von dem Prokurist, den der Vater protegiert und eingestellt hat, enteignet und in Schutzhaft gebracht.

Jetzt sitzt er da und studiert die Annoucen, darf als Emigrant aber nicht arbeiten. Er studiert auch die Announcen die Wiener Freudenmädchen damals in Zeitungen aufgaben „Junge Dame sucht..“, weil prostitution ja verboten war, die die Nazis dann wieder einführten.

Er schreibt von seiner Schwester, die Klavierspielen lernten, sich verheiratete und sich dann als Kulturförderin mit eigenem Salon betätigte, seine Mutter kommt vor, die als Urne neben dem Vater liegen wollte, aber nicht konnte, weil dieses nicht auffindbar war, die Mutter schwärmte von Schiller und Goethe, der Sklavenhandel kommt vor und viele politische gesellschaftliche und andere Anspielungen, die damals wohl in den Zeitungen standen.

Der Stil wechselt vom expressionisch experimentellen in Gedichtform ab, es kommt zu einem Dialog mit dem Ich, was das Lesen trotz des umfangreichen Anhanges wohl ein wenig schwierig macht.

Es ist aber trotzdem, als sehr Interessantes, weil als sehr authentisches Zeitdokument zu verstehen.

Im Nachwort wird das Leben des Autors erklärt. Er kam aus einer Handelsfamilie, sollte eigentlich auch Geschäftsmann werden, wurde dann Redakteur und schloß sich einer Theatergruppe an.

Fotos von ihm, den Zeitschriften, die er herausgegeben hat und seinen Schwestern, gibt es im Mittelteil auch.

Immer wieder werden kulturelle Anspielungen und kritische Bemerkungen über das Kulturgeschehen gemacht. Hans Henny Jahnn, mit dem er wohl befreundet war, wird erwähnt.

Der Anschluß Österreichs an Deutschland, der Kardinal Innitzer und seine Einstellung zu den Nazis wird erwähnt und der Einmarsch der deutschen Truppen in Prag. Da ist Steinfeld nach England geflohen.

Sein Protagonist, der auch, um einen Teppich betrogen wurde, hat es da viel schwerer, weiß nicht, ob er das tuen soll, kommt auch wohl zuspät, weil die Nazis schon die Brücken besetzt haben, als er es doch tun will.

Das Buch schließt mit der Bemerkung „Ende des ersten Teils“

Einen Zweiten hat es wohl nicht gegeben. Jetzt ist das Buch bei „Schöffling & Co“ von Wilfried Weinke herausgegeben worden, der auch das Nachwort geschrieben hat.

2020-08-27

Veränderte O-Töne

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:56
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Mercedes Spannagel

Mercedes Spannagel

Jetzt war ich drei Mal nicht bei den O-Tönen, weil die Bücher von Josef Haslinger und Lucia Leidenfrost habe ich schon gelesen oder gehört, den Hubert Achleitner hats verregnet und zu der Friederike Mayröcker hätte ich sicher eine Maske gebraucht und als ich es heute wieder probierte, war alles anders, weil die Stühle im Querformat, dort wo früher die Bühne war, war ein Zelt, die jetztige Bühne war schon fast bei den Stiegen, so daß ich auf meiner Bank im Hintergrund zwar sehr gut gehört, aber kaum etwas gesehen und auch keinen Kontakt zu den Besuchern hatte. Das heißt den Andi Pianka, der mir ja vor einer Woche einen Kommentar geschrieben hat, habe ich gesehen und das Programm war aus verschiedenen Gründen sehr interessant und eigentlich zwei Debuts, obwohl das eine viel prominenter und skandalummitterter, als das andere war.

Moderiert und eingeleitet wurde von Daniela Strigl die in etwa zur Begrüßung sagte, daß die beiden Bücher vielleicht nicht ganz jugendfrei wären, dann stellte sie das Buch der Debutantin in der Debutantenschiene, nämlich Mercedes Spannagels „Das Palais muß brennen“ vor und erklärte, daß die 1995 geborene, die Maschinenbau studiert hat, 2019 den „Fm4 Wortlaut-Wettbewerb“ mit einem Mops gewonnen hat und ein Mops namens Marx kommt in dem Buch auch vor, in dem es, um die Tochter einer rechtsradikalen Präsidentin geht, die eben in dem titelgebenden Palais lebt. Der Ton ist frisch und frech, politisch scheint das Buch auch zu sein und das scheint zumindestens auf die zweite Autorin, nämlich die 1992 geborene Kabarettistin Lisa Eckhart, die eigentlich Lisa Lasslberger heißt, auch zuzutreffen, bin ich der doch schon im Netz öfter begegnet und hatte den Eindruck, daß sie sehr provokant zu sein scheint und mich gewundert, daß sie mit ihrem Debut „Omama“ auf dem Programm stand, dann kam der Uli und schrieb einen seiner empörten Artikel, wo er wieder Gott und die Welt beschimpfte, denn Lisa Eckhart hätte in Hamburg bei einem Literaturfestival auftreten sollen, wurde aber, weil Störkrawalle angesagt waren vom Veranstalter ausgeladen.

Ich habe mir dann ein Video angeschaut in dem die junge Frau erklärte, sie wäre eine Kunstfigur und man solle sie nicht damit verwechseln. Nun war es spannend, ob es auch in Wien zu Provokationen käme?

Lisa Eckhart

Lisa Eckhart

Daniela Strigl hat dieses Thema nicht erwähnt, nur, daß Lisa Eckhart Literaturwissenschaften studierte und in der Steiermark aufgewachsen ist. Das Buch das offenbar von ihrer Großmutter handelt, besteht aus drei Teilen. Der erste Teil beginnt 1945, als die russen kommen und die Mutter der Großmutter Helga, deren Schwester unterm Bett versteckt, während die nicht so hübsche Schwester oben draufgesetzt wird.

Der nächste Teil spielt zehn Jahre später. Da hat es die Großmutter in ein Wirtshaus verschlagen und der Staatsvertrag kommt.

Im dritten Teil ist es schon August 1989, wo die Ungarn, die DDRler ausreisen ließen. Da hat die Großmutter ein Busunternehmen, wo sie Pensionisten nach Ungarn bringt, die dort Salami und Sekt einkaufen. Es gibt einen Toten im Bus und ziemlichen Klamauk.

Den Leuten hat es gefallen und der Alfred hat neben der Security, die wieder den Sicherheitsabstand überwachten und alle wegscheuchten, die zu nahe an das Gitter kamen, im Hintergrund ein paar Polizisten entdeckt und außerdem dürften im MQ auch verspätete Festwochen stattfinden. Zumindeste lagen dazu Programme auf und am Gitter gab es Anschläge, die darauf hinwiesen.

2020-08-26

Mit dem Doml ins Gondola

Filed under: Alltagsgeplauder,Workshop — jancak @ 23:22
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Das Gondola ist ein Restaurant in der Schönbrunnerstraße, wir fahren wenn wir von Harland kommen immer daran vorbei und einmal bei einem musikalischen Spaziergang der Susanne Wouk, ja früher hat es tolle Veranstaltungen gegeben, haben wir dort Halt gemacht, Sekt und prosciutto bekommen und Gutscheine für ein Glas Prosecco hängen im Hausflur in der Krongasse auch.

Da gibt es jemanden der dort immer Gutscheine deponiert, einzulösen zu einer Speise und als wir Montag von Harland zurückgekommen sind, habe ich sie gesehen und gedacht, ha, die kann ich einlösen, denn Stephan Teichgräber hat zur zwanzigsten Geburtstagsfeier des Doml eingeladen und da war zuerst nicht klar, wo das stattfinden sollte.

Die Dokumentationsstelle war möglicherweise zu Corona unsicher, so ist das Gondola daraus geworden und ich muß sagen, das war ein Gewinn, denn ein sehr schöner Gastgarten mit Blick zur Wienzeile, wo die U-Bahn vorüberrast und auf der anderen Seite, die Häuser mit den beleuchtenden Fenster zu sehen sind, wirklich eine fast italienische Stimmung und die Frage der Vorstandsmitglieder, da waren außer dem Stephan Teichgräber, der die Dokumentationsstelle mit dem Beppo Beyerl, der nicht gekommen ist, noch drei Frauen da, eine davon eine seine Studentinnen, war, wo haben wir das Doml kennengelernt, die Studentin in Stephan Teichgräbers Vorlesung, ich durch das Fest 1998 das anläßlich des EU- Wahlkampfes vor der Bücherei in der Pannaschgasse war.

Das heißt, nein, da habe ich den Stephan Teichgräber nicht kennengelernt, da habe ich mich wahrscheinlich durch die Bezirkszeitung zum Lesen angemeldet und ein Kind kann ich mich erinnern, ist ständig mit dem Roller durchgefahren und hat gefragt „Wann hört sie endlich auf?“, die Bezirksrätin Steiniger hat mir bedeutet, ich soll mich beeilen.

Vorher hat mir Hannes Swoboda das Mikrophon gerichtet. Ein Buffet hat es auch gegeben und von der Bezirksrätin habe ich eine Einladung zu einer Lesung in die Bücherei bekommen. Da habe ich vergessen nach dem Honorar zu fragen und als ich es dann machte, hat mich der Edy Winter wieder ausgeladen, obwohl die Einladungskarten schon gedruckt waren und ein paar Jahre später hat dann Stephan Teichgräber die Lesungen organisiert, moderiert und mich eingeladen.

Die „Goldene Margarete“ gab es auch ein paar Jahre und da haben viele ost- oder mitteleuropäische Autoren ihre Texte hingeschickt, die dann aus Kostengründen gar nicht anwesend waren.

2009 fand der Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters im fünften Bezirk statt. Ich habe ein paar Mal dabei gelesen und eine Station war auch das Doml, wo uns Stephan Teichgräber, glaube ich, herumführte oder die Dokumentationsstelle vorstellte.

Dann habe ich einmal eine Einladung zu einer Zeitschriftenpräsentation bekommen und die Einladungen zum literarischen Lenz und da ist ja interessant, daß Stephan Teichgräber seine Mails unter verschiedenen Namen, die Übersetzungen in die Sprachen, die er spricht, verschickt.

Dann kamen die Workshops zu den verschiedenen Themen, die ich und das finde ich besonders interessant am Schluß ja im Privatisimum mit Stephan Teichgraber machte, im vorigen Sommersemester war da mein Knöchelbruch und mein Gips die längere Pause in diesem Jahr war es Corona, denn da hat nach dem Lockdown die Veranstaltung nur einmal stattgefunden und der literarische lenz mußte auch auf den herbst verschoben werden.

Bei zwei Weihnachtsfeiern und auch noch anderen Veranstaltungen des Domls war ich auch und jetzt die Zwanzigjahrfeier im Gondola, keine Ansprache, kein „Happy Birthday“ aber gutes Essen. Ich habe nach dem Glas Prosecco ein Gondola-Pizzastangerl gegessen und auch eine Vorschau auf den „Lenz“, der Corona bedingt im Oktober stattfinden wird und vor allem der Ausblick auf die Wienzeile, wo die jungen Leute am Boden sitzen und feiern oder trinken und trotz Corona eine gute Stimmung verbreiten.

2020-08-25

Corona-Opfer?

Filed under: Glosse — jancak @ 09:47
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Wer oder was ist ein Corona-Opfer? Das ist in Zeiten, wie diesen wo man ja an oder mit oder ist es umgekehrt an diesem Virus stirbt und man Geschichten hört, daß alle jemals positiv Getesten diese Krankheit in den Totenschein eingetragen bekommen, ganz egal, ob sie an Krebs, an einem Unfall starben oder aus dem Fenster sprangen. Man hört Geschichten, daß Leute das Begräbnis bezahlt bekamen, wenn sie den Toten daran sterben ließen, das erscheint mir ein bißchen unlogisch, denn die Totenscheine werden ja von Ärzten ausgestellt und dann müßten sie das Geld bekommen und auf der anderen Seite hört man von den Kollateralschäden, die viel höher sind, weil im letzten halben Jahr ja die Spitäler und die Intensivstationen für die Carona-Patienten leergehalten wurden, so daß Operationen und Untersuchungen verschoben wurden und sich die Leute aus Angst vor Ansteckung nicht in die Spiäter trauten.

So habe ich beispielsweise von drei Leuten gehört, die in dieser Zeit an einem Schlaganfall verstarben, während ich noch immer keinen Corona- Toten persönlich kenne, nur von zwei jungen in einem Pflegeheim arbeitenden Leuten gehört habe, daß sie postiv infiziert waren und Jonas Lüscher soll ohne Vorerkrankungen einige Zeit im Koma gelegen haben.

Die Zahl der Selbstmorde sollen sich rasant gesteigert haben, in Österreich werden aber nach Erwin Ringel keine Zahlen veröffentlich,t um den Nachahmeeffekt zu hintergehen, vom Anstieg der psychischen Erkrankungen hört man, meine Klienten muß ich dagegen halten, scheinen dieses Virus locker wegzustecken, lebten aber wahrscheinlich schon vorher in einer angespannteren Situation, so daß ihnen die Angstmache und die darum entstandene Hysterie wohl egal war.

Nun ja, nun ja, die Urlauber werden heimgeholt und müssen dann, weil an den Grenzen lückenlos kontrolliert wird, bis fünfzehn Stunden in der Hitze im Stau stehen, die Maskenpflicht soll schon wieder erweitert und auf alle Innenräume ausgedehnt werden und da bin ich schon bei meinem heutigen Glossenthema, denn ich mag das Maskentragen nicht und will mir keine im Supermarkt kaufen, wo dann auf der Packung steht, daß sie leider nicht vor Viren schützen, aber es geht ja, habe ich gehört, um den psychologischen Effekt, damit die Leute nicht zu übermütig werden.

Das bin ich eigentlich ohnehin nicht und außerdem habe ich das Glück so priveligert zu sein, einen einkaufswütigen Mann zu haben, so daß ich schon vorher kaum in die Supermärkte gekommen bin. Eine Stadtflaneurin, also Fußgängerin bin ich auch und war da nur im Vorjahr durch meinen Knöchelbruch etwas behindert, so daß ich damals öfter die Öffis benützen mußte, ob ich wollte oder nicht.

Jetzt geht das wieder und so bin ich sogar schon bis zum Zentralfriedhof zu Fuß gelaufen, nachher taten mir zwar die Füße weh, obwohl ich auf meinen Schreibtisch ja die Taxisgutscheine liegen habe, die Bürgermeister Ludwig an alle über Fünfundsechzig verteilen ließ, aber da man da ja Maske tragen muß, habe ich sie nicht angefordert.

Spazierengehen ist ja gesund, fördert die Arwehrkräfte und dient auch als Thromboseprohylaxe, das haben unsere Politiker während des Lockdown zwar, glaube ich, vergessen, weil sie da ja die Alten aufforderten zu Haus zu bleiben und die Bundesgärten und die Spielplötze versperrt haben.

Aber jetzt darf man ja bevor der zweite Lockdown kommt, hinaus und so war ich ja am Wochenende, ich habe es schon geschrieben mit Alfreds Wandergruppe im Mariazellerland und bin in Richtung Zellerhut und auf die Graualm gewandert.

Mit neuen Schuhen, weil der Alfred meine Knöchel schonen wollte, was aber, weil die noch nicht so gut eingegangen oder vielleicht auch nicht so richtig passen, Blasen auf den Sohlen auslösten, was ich ja an sich wegstecke und ein Pflaster darauf klebe.

Aber am darauffolgenden Montag als wir von Harland nach Wien gekommen sind, waren zwei Postverständigungen im Briefkasten bzw. auf der Pinwand am Gang, daß ich mir Bücher abholen sollte, also nach dem Mittagessen im Waldviertlerhof bis zum Matzleinsdorfer Platz hinaufmarschiert, weil die Post oder die Paketzustelldienste da ja ihre Partner meist in Handieschops, Schneidereien, Weingeschäften, etcetera, hat, auch ein bißchen seltsam und etwas worüber man eine eigene Glosse schreiben könnte, aber ich habe da schon zum ersten Mal gedacht, bezeihungsweise, das schon im Harland zur Vierundzwanzigstundenbetreuerin meiner Schwiegermutter gesagt, daß ich ein bißchen Angst habe, ob ich es am Abend zur Joe Berger- Aufführung ins Weinhaus Sittl schaffe, denn das ist ja auch ein bißchen von der Krongasse entfert.

Normalerweise wäre das zumal, weil der Alfred, als Jahreskartenbesitzer , mit ist, kein Problem, weil mich der ja immer zum Öffi fahren drängte, aber ich ein wenig stur und wie nennt das Oe 24, das ich derzeit ja bevorzugt höre, Maskenanarchistin, nein das tue ich nicht, dazu lasse ich mich nicht zwingen!

Also schon beim Hinweg ein wenig Schwierigkeiten und einen Pflasterwechsel auf einer Bank am Gürtel. Am Rückweg bin ich dann an drei Bücherschränken, wo es auch einige Funde gab, der Alfred hat mir zum Glück meine Tasche getragen, dabei aber selber ein wenig geflucht, nach Hause gehumpelt und mir die Frage gestellt, ob ich nun nicht vielleicht auch ein Corona-Opfer bin?

Natürlich denn ich wäre ja sonst wahrscheinlich schon am Hinweg mit den Öffis gefahren, am Rückweg auf jeden Fall, aber dann werden jetzt meine Kritiker wahrscheinlich sagen, natürlich nicht, denn du mußt ja nicht so stur sein und kannst dich ja, um die anderen zu schützen, in deinen Schal wickeln und wenn du den dann in die Waschmaschine steckst, dann atmetst du das nächste Mal auch keine Viren ein und Allergikerin bist du ja ebenfalls nicht….

Aber trotzdem gut gegangen. Die Blasen sind versorgt, die Füße tun ein bichen weh und weil ich derzeit ja ein wenig langsam beim Lesen bin und mit Justin Steinfelds fünfhundert Seiten Buch, wo er einen Mann beschreibt, der in einem Prager Cafehaus sitzt und dort Zeitungen liest, nicht weiterkomme, einen neuen Artikel Glosse oder Text geschrieben, so daß im „Literaturgeflüster“ alles stimmt und man mein literarisches oder auch mein Alltagsleben, meine Wehwechen und meine Freuden gut nachvollziehen kann.

2020-08-24

Wieder ein Joe Berger Abend

Podium

Podium

Von den 1939 in Kaltenleutgeben geborenen und 1991 gestorbenen Joe Berger habe ich, glaube ich, in den Siebzigerjahren etwas gelesen und gehört, sein „Plädoyer für den Alkohol“ einmal in einer Abverkaufkiste gefunden und dann wieder etwas von ihm gehört, als die Wien-Bibliothek eine Ausstellung und ein Symposium über ihn machte.

Da wurden dann auch ein paar neue Bände seiner Werke herausgegeben und dann bin ich im Zuge der Sommerlesereihe im Weinhaus Sittl des ersten Wiener Lesetheaters wieder auf ihn gestoßen, weil die ihm jedes Jahr eine ihrer Veranstaltungen widmen.

Der 2013 verstorbene Rolf Schwendter hat das, glaube ich, so eingeführt, jetzt hat Christian Katt die Organisation übernommen und ich bin bei einigen der Veranstaltungen gewesen, denn ich mag das urige Original, das er gewesen sein muß, eigentlich sehr.

Heuer hat es sich eigentlich zufällig ergeben, daß ich beim Joe Berger Abend war, denn ich wollte die Sommermontage eigentlich in Harland verbringen, aber manchmal will der Alfred früher zurückfahren, so bin ich Ende Juni beim ersten Abend gewesen, dann bei der Andreas Okopenko- Aufführung, den ich eigentlich auch gern mag, sonst nicht, weil im Juli ja alternierend die Podiumsommerlesereihe im Cafe Prückl war und morgen feiert der Alfred in der WU seinen Abschied, weil er sich ja Ende August in Pension begibt, da hat es sich gut getroffen und das Wetter war auch wieder schön.

Publikum

Publikum

Viele Leute, die sich nicht vor Corona fürchten und eigentlich viele mir unbekannte Gesichter, am Podium Eva Filip, Gabriele Stöger, Claudius Kölz, Ottwald John, den schon erwähnten Christian Katt, der die Einleitung hielt und das mit der jährlichen Veranstaltung erklärte und Richard Weihs mit seiner Gitarre.

Dann begann es mit dem „Plädoyer für den Alkohol“, Richard Weihs sang einen der von Ernst Kölz vertonten Texte, Claudius Kölz die „Wiener Depressionen“ und Ottwald John improvisierte wieder in dem er eine einführung in seine Joe Berger Erinnerungen gab und schon spoilerte, daß er den Schweizer Jazzmusiker Mathias Rüegg dazu gewonnen hat, daß er im nächsten Jahr mit einigen Vertonungen auftritt.

Jetzt lobte Ottwald John die „Ironischen Zettel“ als bestes Berger Werk und erzählte, wie er die Bücher in einer Salzburger Buchhandlung gefunden, aufgekauft und dann entweder verschenkt oder teuer weiter verkauft hat.

Ansonsten gibt es von Joe Berger noch „Die Märchen für Konsumkinder“ „Die Märchen für die Satten und die Irren“ und dann das von Julia Danielcyck, die früher in der Wien-Bibliothek war und Thomas Antonic herausgegebenen Irosatexte aus dem Nachlaß „Hirnhäusl“, die bei „Ritter“ erschienen sind.

Ein interessanter schöner Sommerabend, eine gute Stimmung und auch viele Berger Fans, die ihre Erinnerungen austauschten.

2020-08-23

Im Mariazellerland

Wir gehen ja seit September 2000 seit Alfreds ehemaliger Mathematik und Turnlehrer sechzig geworden ist jedes jahr zweimal mit den ehemaligen Mitgliedern der Wandergruppe, die der Lehrer im Gymnasium, als der Alfred dort Schüler war, gebildet hat und deren Freunden und Bekannten, meist in die Steiermark, im Hochschwab-Gebiet oder auch im Mariazellerland wandern und der Alfred und ich haben auch eine in Holz gebrannte Art Urkunde, daß wir von 2000 bis 2013 so neunzehnmal mitgegangen sind.

Damit lagen wir damals wohl an der Spitze der eifrigen Wanderer, inzwischen sind wir wahrscheinlich etwas abgedrückt, weil wir in den letzten zwei Jahren nur bei der kurzwanderung und dem sogenannten Fototreff waren, weil wir 2018, verhindert waren, der Alfred bei der Juni Tour mit dem Karl auf Reisen und im August waren wir in der Schweiz, im Vorjahr konnte ich nicht wegen meinem Knöchel und heuer im Juni dachte ich eigentlich das findet wegen Corona nicht statt, wir hatten aber nur keine Benachrichtung, weil wir in keinerWhatsapp-Gruppe sind, dann haben wir es aber irgendwie doch erfahren und konnten uns zur zweiten Wanderung anmelden, die ebenso, wie die erste im sogenannten Mariazellerland oder Hochschwabgebiet beim „Franzbauer“ stattgefunden hat und da haben wir die Ingrid und den Herbert ja vor einigen Wochen am Markt im St. pölten getroffen, die uns vorschwärmten, daß die Wanderungen sehr schön gewesen waren und das Essen sehr gut und beim „Franhzbauer“, dem Wirtshaus im Salzatal bei Gußwerk waren wir, glaube ich, schon einmal als wir noch in die hohe Tatra gefahren sind, zumindestens kann ich mich erinnern, daß ich dorthin Prospekte oder Fotos von unseren Touren mitgenommen und vorgeschlagen haben, daß wir das auch einmal tun könnten.

Dazu ist es nicht gekommen und wir fahren, glaube ich, seit zehn Jhren auch nicht mehr dorthin, weil wir zu langsam sind und auch diesmal war meine Kondition wahrscheinlich nicht die allerbeste, habe ich das Gehen und das Wandern nach meinen Unfall erst wieder lernen müßen, dann kam Corona und da bin ich bis Ostern ja auch eher zu Hause geblieben.

Jetzt hat mir der Alfred, weil ich keine mehr hatte und, um den Knöchel zu schonen neue hohe Wanderschuhe gekauft, aber die müßen erst eingegangen werden, so war ich einmal damit auf der Rudolfshöhe und vor einigen Wochen am Göller und damit auch im Mariazellerland und sogar in Mariazell im der berühmten Konditorei Pirkner mit den Lebkuchen, Mittagessen, weil wir nichts anderes gefunden haben.

Diesmal sind wir am Freitag Morgen von Harland losgefahren, haben beim „Franzbauer“, wo wir unser Quartier hatten Mitaggessen, die anderen begrüßt und schon einmal gehört, wie gut die Mehlspeisen dort sind.

Ich hätte bei meinem Menu zwar auch eine bekommen, hatte aber schon einen Kaffee bestellt und wir sind auch bald aufgebrochen, um an der Salz und durch die Salzaklamm zu wandern. Vierzehn Personen waren wir und drei neue, die in der Zwischenzeit dazu gestoßen sind, waren auch dabei. Ein gutes Abendessen, um sieben mit dem Schnapserl, daß der Herr Sladky immer stiftet, ich aber nicht trinke, dafür ein Achter Rot und eine Wildpastete mit Toast habe ich auch gegessen, obwohl ich am Abend eigentlich nichts esse.

Am Samstag war das Frühstück, um halb sieben, die Wirtin hat extra für uns gedeckt, obwohl die frischen Semmeln erst um sieben kommen. Ein reichhaltiges Wurst-Käse- Schinken- Speck-Angebot und ein weiches Ei und dann sind wir in Richtung Zellerhut aufgebrochen.

Da waren wir, glaube ich, auch schon einmal und wir mußten uns beeilen, weil Regen angesagt, aber alle sind ja nicht mehr so gut zu Fuß und der Herr Sladky schon über achtzig.

Durch ein Holzfällgebiet sind wir auch gewandert und die neuen Schuhe haben immer noch gedrückt. So bin ich nur bis zum mittleren Zeller gekommen und dann, wie ich die Schuhe gewechselt habe, ist das Gewitter schon dagegewesen und wir sind ziemlich naß geworden.

Zurück zum „Franzbauer“, die Terrasse war überdeckt. So konnte man auch trotz Regen draußen sitzen. Ich habe einen Hawaitoast und einen Topfenstrudel gegessen, mich dann zum Lesen und zum Ausruhen ins Zimmer zurückgezogen und bin dann um sieben zwar zum Abendessen hinuntergegangen, habe aber nur einen Kaiserspritzer und dann ein Achterl Rot getrunken und dem Konzert zugehört, daß der Gunther und der Andreas auf der Gitarre beziehungsweise Manduline darboten.

Am Sonntag war das Wetter wieder schön, das Frühstück war um sieben, die Semmeln wegen Sonntag wahrscheinlich wieder aufgetaut und wir sind zur Graulm hinaufmarschiert, haben dort Blumen geplückt. Eierschwammerl gab es, wie ich hörte, auch, die habe ich versäumt und zu Mittag sind wir wieder und zum letzten Mal zum „Franzbauer“ dort habe ich Damhirschfilet mit Erdäpfelkroketten, sehr gut und fein und gar nicht so teuer, gegessen und zum Dessert mir eine Cremeschnitte geteilt und weil man immer soviel hört, daß Coronabedingt, die ganzen Wirtshäuser pleite gehen, weil sich die leute nicht hintrauen. hier war das nicht so.

Die Terrasse eigentlich immer sehr voll, obwohl wir unterwegs nicht so viele Wanderer gesehen haben, aber Motorradfahrer sind vorbei gekommen, die Wirtsleute sehr freundlich und offen für Sonderwünsche und so war es wieder mal ein schönes Wanderwochenende, wo ich meine Kondition trotz Blasen anden Füßen hoffentlich ein wenig aufgebaut habe.

2020-08-21

Großes Kino

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Nachdem ich vor einigen Wochen Ivan Mandys Kino alter Zeiten“, den Erzählzyklus auf die Filmvergangenheit des 1918 geborenen Ungarn gelesen habe, kommt jetzt das „Große Kino“ des 1974 in Duisburg geborenen ehemaligen Sozialarbeiters Sascha Reh und das ist interessant, habe ich ja ebenfalls vor einigen Wochen gehört, daß die offenbar etwas provokante Kabarettistin Lisa Eckhart mit ihrem Debutroman „Omama“ von einem Hamburger Literaturfestival ausgeladen wurde, weil es gegen sie Antisemitismusdrohungen und daher angekündigte Störkrawalle gab. Sascha Reh hätte auch da lesen sollen und hat mit der Begründung daß sein Roman auch politisch inkorrekt sei, abgesagt.

„Interessant, interessant!“, habe ich gedacht, weil ich mich ja seit vier Jahren mit dem Uli matche, wenn er wieder einmal auf seinen Blog gegen die Linken schimpft oder aufzählt, daß sich Polizisten nicht gegen Clan durchsetzen können und schon wiederein Asylwerber eine Gewalttat begangen hat.

Dann habe ich das Buch aufgeschlagen und war erst recht erstaunt, steht da doch unter den Motti „Es ist ohne weiteres möglich eine gute Story zu schreiben, ohne die Einzelheiten der Reise des Helden zu beachten. Ehrlich gesagt, ist dies sogar der bessere Weg. Christopher Vogler „Die Oydssee des Drehbuchschreibers“.

In diesem buch folgt dann wahrscheinlich die Begründung, warum es doch besser ist, in seinen Romanen, die nach der „Heldenreise“ zu arbeiten, gilt Vogler ja als der Oberguro der „Heldenreise“, der sie in die Filmbranche und nach Hollywood brachte und Jurenka Jurk schreibt mich ja jedes Jahr an, um mir mit Gratisseminaren ihre „Ausbildung zum Romanautor“ schmackhaft zu machen, die genau nach diesen Prinzipen arbeitet und da ich eine gelehrige Schülerin bin, habe ich bei meinen letzten Texten ja versucht, diese Prinzipen, mit mehr oder weniger Erfolg, füge ich an, zu beachten und da kommt jetzt einer daher und verarscht dieses Heiligtum der Schreibschullehrer und schreibt einen Roman darüber oder besser, wie im Klappentext und am Buchrücken steht „Der neue Roman von Sascha Reh ist eine Gansterkomödie voller Sprachwitz und Sensationskomik, deren Held sich mit Eloquenz und Chuzpe durch die Inselhalbwelt mauschelt.“

Ja, das habe ich mir so vorgestellt, aber nicht, daß da einer nach der Dreiaktstruktur und den fünfzehn Heldenreisenstufen einen politisch inkorrekten roman schreibt. Fängt es ja im ersten Akt mit der Phase des Aufbruchs an, was zum ersten Kapitel „Die Reise des Helden beginnt mit der Vorstellung seiner gewohnten Welt. ein initialer Auslöser setzt die Handlung in Gang“ bis zu Kapitel 15 im Akt III „Die Reise des Helden ist zu Ende. Wuppke erhält sein Elixier und kehrt in seine gewöhnliche Welt zurück.“

Was dazwischen auf über dreihundert Seiten folgt ist ein Klamaukstück mit allen billigen Trick und Einfällen, Mord und Totschlag, wie man es sich nur vorstellen kann, das politisch Korrekte bewußt in sein Gegenteil zu verkehren und eine geübte Leserin wie ich, mag die Handlung trivial finden. Daß sich aber einer wirklich traut, die „Heldenreise“ zu veraschen finde ich genial und hilft mir vielleicht davon abzulassen und weiter so balal und „Da passiert ja nichts!“, zu schreiben, wie ich es schon vor über vierzig Jahren mit meinen romananfängen tat.

Mal sehen, wie es bei mir weitergeht.

Jetzt einmal zu Carsten Wuppke, dem Helden und ehemaligen Sozialarbeiter, der von der rechten Bahn abgekommen ist, nun eigentlich mit seinem Bewährungshelfer Bewerbungen schreiben soll, aber in den Supermarkt geht ein Joghurt zu kaufen, sich dort mit einem Polizisten anlegt, ein Mofa klaut und die Handlung beginnt.

Er gerät nämlich in die machenschaften des „Chinesen“, das ist, sowohl originell, als auch politisch inkorrekt, ein arabischer mafiaboss, der ihn zwingt, ihm einen Gefallen zu tun und nach Sylt zu reisen, weil er dort eine Heide kaufen will.

Dort gibt man sie nicht her und so stolpert unser Held durch alle Stufen, bis er geläuert zurückkommt und sein Schöpfer Reh, hat dabei nicht an Mord und Totschlag, Sex und Crime etcetera gespart. Er gerät nämlich in das Haus des Bürgermeisterkanditaten und Baulöwen Jorgenssen, der die Heide nicht hergeben will. Der ist auch ein Hobbyfilmer, die Filme, spielen wie der Titel schon verrät, ja auch eine Rolle, hat eine fünzehnjährige Tochter namens Effi, betrügt seine Frau und ein Cousin des Chinesen gibt es auch, der von Wuppke auch einen Gefallen will. Er soll ein italienisches Pärchen abholen, das ein Paket Kokain ins Land schmuggelt, einen Filmstar gibt es auch, der liegt im Spital, Wuppke vergißt bei ihm das Kokain, der Clanboß setzt deshalb seine Buberln an ihn an. Dann kommt die Schwester des Italieners mit ihrem kleinen Sohn angereist und das ist originell, weil der Sechsjährige sich an alle Pistolen heranmacht und gleich einen der beiden Handlanger erschießt. Jetzt muß man die Leiche versorgen. Das ist auch originell und kaum ist das geschehen, kommt der Chinese nach Sylt. Wuppke muß nun handeln, klärt alles auf oder führt es zu einem guten Ende. Ein Polizeikommssar erleidet dabei auch noch einen Schlaganfall. Dann kehrt der Held zurück in seine Welt, geht in Neukölln zum Starbucks und kauft sich dort einen Kaffee.

Ich bin gespannt, wie das Buch in der Literaturwelt ankommt, setzt es sich ja zwischen alle Genres und ob es soviele Leser, die an der Heldenreise interessiert sind, weiß ich auch nicht, hätte es aber auf LL erwartet, dort ist es aber nicht daraufgekommen.

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