Literaturgefluester

2020-09-18

Ich an meiner Seite

Buch sieben der deutschen Buchpreisliste und der erste oder zweite Roman der 1985 im Pongau geborenen Birgit Birnbacher, die Soziologe studierte, als Sozialarbeiterin gearbeitet hat und 2019 den „Bachmannpreis“ gewonnen hat.

Ihr Debut „Wir ohne Wal“ mit dem sie auch für den „Alpha“ nominiert wurde und auf das ich durch den „Bloggerdebutpreis“ aufmerksam geworden bin, habe ich gelesen und hatte meine Schwierigkeiten, weil ich so schnell von einer Geschichte oder Kapitel nicht zum nächsten springen konnte und daher den Romaninhalt nicht ganz erfaßte.

Die Bachmanngeschichte der „Schrank“hat mir aber sehr gefallen und, ich glaube, ich habe beim Publikumsvoting auch dafür gestimmt.

„Ich an meiner Seite“ wurde auch bei den O-Tönen vorgestellt und da mußte der Moderator die Autorin nach dem realistischen Thema, es geht ja um einen Haftentlassenen fragen und wunderte sich darüber, daß eine Soziologin Romane schreibt oder so und das ist glaube ich, auch das Dilemma des Romanes, beziehungsweise der Birigit Birnbacher oder des Anspruches, daß vielleicht nur dann etwas als literarisch gilt, wenn es sehr abgehoben ist und damit habe ich ja, die realistisch schreibende erfolglose Autorin meine Schwierigkeiten.

Bei der Lesung bin ich auch nicht ganz mitgekommen, was ja natürlich ist, wenn man aus einem Buch nur Auszüge hört und jetzt, denke ich, daß es sehr schwer und wahrscheinlich unmöglich ist, auf eine literarisch anerkannte Art, die Geschichte eines Haftenlassenen zu erzählen.

Da geht es mir dabei wahrscheinlich ähnlich wie bei „Blauschmuck“ wo ich ja auch dachte, so spricht eine türkische Unterschichtfrau nie im Leben bei „Ich an meiner Seite“ ist es noch viel viel schwieriger, da Birgit Birnhaber meiner Meinung nach hier zu oft von einem Stil und einer Zeitebene zur anderen hinundherpendelt, obwohl das Buch von der Kritik sehr gelobt wird und es vielen auch sehr gefallen hat.

Birigt Birnbacher erwähnte bei den O-Tönen noch, daß ihr Arthur nach einem realien Vorbild geschrieben wurde und ich muß sagen, das Buch hat mich sehr verwirrt.

Es beginnt mit einer Fahrt von St. Pölten nach Wien, da fährt Arthur auf die Universität und traut sich dann nicht hinein, weil er hat ja eine Haft hinter sich und das darf er den Mitstudenten nicht verraten.

Dann geht es zurück oder nach vor. Das Buch wechselt, wie schon geschrieben, sehr oft die zeitlichen Ebenen. Da ist jedenfalls Arthur zweiundzwanzig, der eine drei jährige Haftstrafe hinter sich hat. Man erfährt lange nicht, das wurde auch bei den O-Tönen thematisiert, warum er gesessen ist,

Er hat jedenfalls einen Bewährungshelfer oder komischen, sprich unkonventionllen Therapeuten namens Dr. Vogl genannt Bird, der an ihm ein besonderes „Starring“ genanntes programm ausprobieren will, wo er in „Schwarzschrift“ alles aufschreiben soll.

Sigmund Freud hat, das glaube, ich freies Assoziieren genannt. Aber bei Birgit Birnbacher ist alles komplizierter und Arthur schreibt auch alles schön auf und da erfahren wir teilweise ganz realistisch und das fand ich sehr gut, den Lebenslauf des Arthur, auch wenn der wieder ganz schön verwirrend ist.

Er ist in Bischofshofen in einer Eisenbahnsiedlung aufgewachsen, hat einen Bruder, der Vater hat die Mutter bald verlassen und er sollte eigentlich auch Mario heißen. Die Mutter fand dann bald einen anderen Freund und ging mit ihm und den Kindern nach Andalusien, um dort ein luxus Sterbehospitz zu gründen, was auch schon mal ganz ungewöhnlich ist, das von einer Eisenbahnsiedlung aus zu machen.

Es gibt dann einen Freund und eine Freundin und einen Unfall, die Freundin ertrinkt, Arthur fühlt sich an ihrem Tod schuldig und kehrt kurz nach der Matura nach Österreich zurück. Dort hat er kein Geld und kommt so in den Betrug hienein, der ihn drei jahre ins Gefängnis bricht.

Nun ist er entlassen und soll resozialisiert werden, hat den schon erwähnten Bewärungshelfer, wohnt in einer betreuten WG und soll Bewerbungsschreiben schreiben und Praktika machen.

Daß ein Haftentlasser in der Gesellschaft wie dieser, seine Schweirigkeiten hat, ist auch sehr realistisch und Birgit Birnbacher versucht auch, glaube ich, mit dem Buch das aufzuzeigen, warum dann eine alte Exschauspielerin die an einer unhelbaren Kranheit leidet und Patientin in dem elterlichen Hospitz war, Arthur nach Wien mit ihren vierundzwanzig Stunden Betreuerinnen ins Hotel Bristol folgt, um ihn zu helfen, ist wahrscheinlich nicht ganz realistisch und warum sie nicht, wenn sie das schon tut, ihn nicht unter die Arme greift, sondern ihn seiner seltsamen Therapie und dem ähnlich seltsamen Wohnheim überläßt, ist auch nicht klar.

Ein Buch das „Jung und Jung“ und auch der Literaturkritik gefällt, bei „Amazon“ schreiben die Leser, das Strafentlassene bisher eher etwas Fremdes für sie waren und ich bin nicht ganz sicher, ob man dem Thema nach diesem Buch wirklich näher gekommen ist und auch nicht, ob das Leben des Vorbildes wirklich so wiedersprüchlich war, wie Birigt Birnhaber es in ihrem Roman schildert.

4 Kommentare »

  1. Sehr geehrte Frau Jancak-Nagl!

    Hier ist meine Rezension zu diesem Romantitel „Ich an meiner Seite“ von Birgit Birnbacher!

    Siehe WebSiteLink!

    Vielen herzlichen Dank!

    Kommentar von Manfred Lagler - regall — 2020-09-18 @ 12:50 | Antworten

  2. Jetzt also doppelt! Wie schon geschrieben, mir wars ein wenig zu sprachlich experimentell aufgezwirbelt, aber dennoch ein interessantes Buch, vor allem des Themas wegen, worum sich sonst die Literatur ja nicht so schert!
    Wissen Sie es schon, wenn nicht die Corona-Maßnahmen dazwischen funken, gehe ich in einer guten Woche im Rahmen der Bibeltage zum Skriporium ins Stift Seitenstetten. Den „Josef Haslinger“ nehme ich dazu mit! Haben Sie seinen „Fall“ schon gelesen?

    Kommentar von jancak — 2020-09-18 @ 14:01 | Antworten

  3. Liebe Frau Jancak!

    Nein, ich habe dieses Buch von Josef Haslinger noch nicht gelesen. Ich habe nur im Radio von ihm dem Autor von „Mein Fall“ gehört! Ich finde der Autor will sich mit diesem Werk besonders „wichtigtuerisch“ in der Öffentlichkeit präsentieren. Ich finde ihn nicht ganz so glaubhaft, was er da uns erzählen will! Ja, ich will nicht bestreiten, daß es in der Kirche Menschen, also Lehrer, gibt oder eigentlich gab, die auch sexuell ihre Schüler belästigt haben! Ich war auch Schüler im Stiftsgymnasium Melk (1980-1984), aber wir hatten fast keine Geistlichen als Lehrer, nur einer, unserer Religionslehrer Herr Altabt Burkhard Ellegast und der jetzige Abt Georg Wilfinger, und noch zwei,drei andere gaben uns Unterricht in einem Schulunterrichtsfach! Über so Grauslichkeiten, von denen er in diesem Buch schreibt, kann ich mich überhaupt nicht erinnern, auch nicht vom Hören-sagen, diese existierten nicht oder nahm ich nicht wahr! Gott, sei Dank! Liebe herzliche Grüße! Ihr Manfred Lagler – regall

    Kommentar von Manfred - Lagler — 2020-09-19 @ 20:18 | Antworten

  4. Ich habe das Buch auch noch nicht gelesen, kann dazu also noch nicht allzu viel sagen, obwohl ich, im Jänner, glaube ich, in der „Alten Schmiede“ war, wo der „Fall“ vorgestellt wurde.
    Am Anfang muß ich gestehen, habe ich wahrscheinlich auch so etwas gedacht, noch dazu wo Haslinger ja auch ein Buch über seine Erfahrungen mit dem Tsunami in Thailand geschrieben hat, das ich auch noch nicht gelesen habe, obwohl ich es in Harland stehenhabe, weil ich es einmal in der Abverkaufskiste der Züricher Volksbuchhandlung gefunden habe
    Aber wahrscheinlich gehört es zu den Eigenheiten eines Schriftstellers alles genau zu beschreiben und wenn man zur Zeit des Tsunamis in Thailand war und in einem Kloster herrschen wahrscheinlich autoritäre Strukuren und ich habe mir immer gedacht, man muß das Zölibat abschaffen, denn es kann doch nicht gesund sein, einem jungen Mann ein Leben lang die Sexualität zu verbieten.Das muß ja zu Störungen, Mißbrauch, etcetera führen. Aber natürlich, das wollen Sie wahrscheinlich ausdrücken, sind es nicht alle Priester, die Kinder mißbrauchen und wahrscheinlich wird auch hier viel mit dem Bad ausgeschüttet und es ist wahrscheinlich nicht sofort Mißbrauch, wenn ein Lehrer einmal einem weinenden Kind über die Schulter streicht, auch da kann wahrscheinlich Mißbrauch betrieben werden!
    Also das Buch lesen, dann sieht man es vielleicht ein bißchen klarer oder zumindestens können wir dann darüber diskutieren.
    Ansonsten will ich betonen, daß ich Josef Haslinger, den ich ja persönlich kenne, sehr sympathisch finde, er war Generalsekretär in der GAV, als ich dort aufgenommen wurde. Ich habe jahrelang meine Texte an das „Wespennest“ geschickt, wo er ja Redakteur war und er hat einmal sogar einen genommen und mir in sein Buch „Vaterspiel“ sogar eine schöne Widmung geschrieben und sich nach meinem Schreiben erkundigt, so daß ich ihn für das Vorbild für den Schriftsteller in meinem Kinderbuch „Lore und Lena“ genommen habe.
    Jetzt schreiben wir schon wieder in einer Buchbsprechung über ein anderes Buch, aber vielleicht wollen Sie sich auch meinen Artikel über die damalige Lesung, wo es sehr voll war, ansehen!

    Kommentar von jancak — 2020-09-20 @ 07:14 | Antworten


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