Literaturgefluester

2020-10-16

Die Dame mit der bemalten Hand

Jetzt kommt schon Buch fünzehn des dBps, das vierte Shortlistbuch und das dritte der 1966 geborenen Christine Wunnicke mit dem sie auf der Longlist stand.

2015 als ich mit dem Buchpreislesen begann war es „Der Fuchs und Dr. Shimamura“, 2017 „Katie“, alle in dem kleinen „Beerenberg-Verlag“ und 2015 hat „Literaturen“ über den „Fuchs“, den ich in einer Buchhandlung glesen habe, geschrieben, daß Christine Wunnicke nur Außenseiterchancen hat.

Das habe ich wohl auch geglaubt, denn die Bücher sind klein und dünn, graphisch sehr schön gestaltet und sie haben auch eher ungewöhnliche Themen beim „Fuchs“ ging es um einen japanischen Pschiater bei „Katie“um den Spirtialismus und bei der „Dame mit der bemalten Hand“ wird die Pyschiatrie und ihre Ungewöhnlichkeiten verlassen. Denn es geht nach Jaipur und ins achtzehnte Jahrhundert.

Christine Wunnicke hat einen historischen Stoff gewählt mit dem sie wohl das Nichtverstehen der verschiedenen Sprachen und Kulturen beschreibt und in Zeiten, wie diesen wohl zu größerer Toleranz aurruft und das tut sie mit einer sehr schönen nicht leicht verständlichen Sprache, so daß man sehr aufmerksam und konzentriert lesen muß, um sich in die Welt des Shortlistbuchs einzulesen, über das Sigrid Löffler am Buchrücken „Christine Wunnicke ist eine wunderbare unterschätze Romanautorin schreibt.“ und das, glaube ich, inzwischen auch.

Es beginnt in Bombay im jahr 1764, wo der persische Astronom Meister Musa aus Jaipur, der eine Reise nach Mekka unternehmen will und vorher, um dafür das nötige Geld aufzubringen, einem Geschäftsmann ein sogenanntes Asterolabium verkaufen muß.

Auf der Insel Elephanta wo es nur Affen und Ziegen, sowie ein paar Einwohner gibt, findet er den deutschen Karthographen und Forschungsreisenden Carsten Niebuhr, der von 1733 bis 1815 lebte und 1761 von dänischen König auf eine arabische Forschungsexpedition geschickt wurde. Seine fünf Reisegenoßen sind inzwischen verstorben, er liegt mit Sumpffieber auf der Insel, wird von Meister Musa gefunden und die beiden versuchen sich nun in leidlichen Arabisch zu verständigen und sich kennenzulernen, was wie Christine Wunnicke meint, immer wieder zu großen Mißverständnissen führt, die sie gekonnt beschreibt.

Es gibt auch einen Diener, einen jungen Burschen, der die Beiden, die die Sterne beobachten, wo der eine nun das Sternbild Kassiopeia für eine Dame, der andere für eine hennarotgefärbte Hand, um den Titel zu erklären, hält, mit Hühnchen und Ziegenfleisch bekocht. Es gibt auch eine Großmutter und ihre Enkeltochter und am Schluß werden, die Beiden gefunden.

Carsten Niebuhr kann nach Deutschland zurückkehren und Bücher über seine Expedition schreiben und weiß am Schluß nicht mehr, auch ein Kunstgriff Wunnickes, die in ihrem Autorenportrait meint, daß sie dort, wo es keine geschichtlichen Fakten gibt, sich mit ihrer Phantasie behalf und die Geschichte erfunden hat, ob das, was er in Elephanta erlebte, real oder nur ein Fiebertraum war, während Meister Musa, auch Jahre später, in seiner Heimatstadt ein Buch des deutschen Forschers findet und da er die Sprachen genauso, wie die Mathematik liebte, seiner Tochter während sie ihr fünftes Kind zur Welt bringt, von dieser Geschichte erzählt.

Ein interessantes Buch, das mich sowohl an Trojanows „Weltensammler“ als auch an marion Poschmanns „Kieferninsel“ erinnerte, das es vielleicht nicht auf die großen besten Listen schafft, über das sich aber viel nachdenken läßt.

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