Literaturgefluester

2020-10-19

Nebelkinder

Filed under: Bücher — jancak @ 00:42
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Nun kommt das zweite „Aufbau-Buch“ und auch das zweite, das ich von der1970 geborenen Stefanie Gregg gelesen habe.

„Mein schlimmster schöner Sommer“, wo eine Frau ihrer Krankheit davonfährt ha tmich ja sehrbeeindruckt, weil ich ja selber über dieses Thema geschrieben habe und „Nebelkinder“, das hat mich sehr erstaunt hat nun ein ganz anderes Thema, geht es ja um die Nachkriegsgeneration und die Flucht einer Mutter mit ihrer Tochter aus Breslau, was mich ein wenig wunderte, daß da plötzlich ein ganz anderes Thema war.

Stefanie Gregg hat das in ihren Nachworten sehr genau erklärt und was ich auch sehr spannend fand, dazugeschrieben, wie das mit ihrer Familie war und was sie davon verwendet und was ganz anders war, wo ich ja immer höre, daß immer alles ganz erfunden ist und daß man das muß. Aber wie die Autorin in mir weiß, höchstwahrscheinlich gar nicht möglich ist.

Es wird auch der Begriff „Nebelkinder“ erklärt, der mir, die ich ja auch Pschologin bin bisher völlig unbekannt war, aber ich gehöre ja nicht zu der Generation der Enkelkinder, die von den Kriegserlebnissen ihrer Großeltern überhaupt nichts wissen, obwohl sehr viel wurde bei mir, der 1953 geborenen auch nicht darüber gesprochen und meine Schwester hat, da 1942 auf die Welt gekommen, ein bißchen miterlebt und war, wahrscheinlich durch die mangelnde Ernährung, kleinwüchsig, auch ihr ganzes Leben davon betroffen.

Das wird und das habe ich auch interessant gefunden, in dem Buch auch erwähnt, daß die 1932 geborene Anastasia kleiner, als die anderen Kinder war, weil zu wenig zu essen.

Die Traumatiserungen, die diese Generation erlebte und das damals sicher nicht so nannte, werden also erst heute aufgearbeitet und da stellt sich natürlich die Frage, wie das gelingen kann, wenn man in die Großmutter vielleicht ein Trauma hineindeutet, das diese energisch bestreiten würde und das schreibt Stefanie Gregg auch, ihre Großmutter war nicht so belastet.

Aber das weiß man ja von den Schreibseminaren „Schreib das Schlimmste auf und übertreibe, damit es die Leser interessiert!“

Also habe mich die vielen Vergewaltigungen der Kriegsfrauen etwas gefundert, einigen werden es schon so erlebt haben, die meisten hoffentlich nicht.

Es ist ein Familienroman über drei Generationen und es wird abwechselnd erzählt und um das Ganze schlüßig zu machen, gibt es noch einen Handlungsfaden, den ich etwas konstruiert empfand, wie auch die Geschichten, die die einzelnen Szene erzähten, sehr ausgeschmückt sind, während sonst, das wird wahrscheinlich auch in den Schreibseminaren so verlangt, manchmal Lücken bleiben, um den Leser wohl neugierig zu machen und an der Stange zu halten.

Es beginnt 1945 in einem Bauernhof bei München, da ist Käthe mit ihren zwei Kindern, der dreizehnjährigen Anastasia, Ana genannt und der kleineren Leni, sowie ihrer Schwester mit deren Sohn Wolfgang gerade angekommen. Käthe ist traumatisert. Ana muß sich um alles kümmern, der Bauer läßt sie im Stall schlafen, um Essen zu besorgen macht sie den Stall sauber und fängt eine Freundschaft mit Franz, dem Sohn des Bauern an. Später bekommen sie eine Wohnung in München, der Vater Ludwig, ein Richter, kommt aus dem Krieg zurück und die Zwischenhandlung spielt 2017. Da bekommt Lilith, Anas Tochter von ihrem bindungsunfähigen Freund Robert, den Auftrag sich um sein Kind dessen Mutter gestorben ist, zu kümmern. Er kann es nicht, weil verheiratet und blöd ist nur, das kind ist von der besten Freundin, die sie damit betrogen hat.

Das ist die Auslangslage, denn Lilith zögert, will natürlich nicht. Würde ich auch nicht anraten und wohl auch nicht gut für den kleinen Aaron sein. Ana drängt aber zur Verantwortung, „Contenauce!“, ist ein Spruch der Familie und fährt mit Lilith nach Breslau, um ihre Familiengeschichte zu erzählen.

Käthe ist aus guten Haus. „Rücken gerade, Kopf hoch, Contenauce bewahren!“ und verheiratet, will aber Architektur studieren. Der Mann verbietet es, was er damls durfte. Sie betrügt ihn mit Ludwig, bekommt ein Kind, das sie nicht wegmachen läßt und es dem Gatten auch nicht unterschiebt, wird von der Familie als geschiedene Frau verachtet, was ich auch ein wenig konstruiert empfinde. Ludwig, der Richter heiratet sie. Die Ehe ist aber nicht gut, wie wir noch später erfahren und er betrügt sie sehr oft. Vielleicht bin ich naiv, aber in meiner Familiengeschichte gibt es nicht so viele betrügende oder betrogene Frauen, aber ich weiß schon, im Roman muß alles übertrieben sein und dann machen es die Leser vielleicht nach…

Anastasia, auch ein ungewöhnlicher Name, fühlt sich für die kleine Schwester verantwortlich, die Mutter liegt immer im Bett und kocht dem Vater, wenn er nach Hause kommt, kein Abendessen, wo er dann die Stirne runzelt.

Warum erfährt man auch, denn es war gar nicht so einfach mit dem Zug von Breslau nach München zu gelangen. Es war kalt, es gab kein Essen und um solches für die Kinder zu besorgen, mußten die Frauen sich- und die kleine Leni machte sich an, weil sie nicht aufs Klo gehen konnte, als der Zug hielt, war dann der Urin auf der Unterhose gefroren, was der Grund war, daß sich Ana sehr über die drei Unterhosen freute, die sie dann, schon in München zu Weihnachten bekam, denn nun konnte sie täglich wechseln. Später studierte sie, wie der Vater ebenfalls Jus und wünschte sieh einen verläßlichen Mann, der ihr Sicherheit bieten konnte, der war aber, wie Großvater Ludwig fand, entsetzlich fad. So traf sie Franz wieder und das Kind, als sie dann, ihren Jochen heiratete, war natürlich eine Frühgeburt was aber niemand merkte, weil die Verkäuferin, die das Hochzeitskleid anprobierte, die richtigen Ratschläge gab. So ging es weiter in das Wohlstanddeutschland, das hat auch Eva Sichelschmid ähnlich beschrieben und Lilith fror ein wenig unter der Sicherheit, denn „Ich liebe dich!“, konnte Ana nie zu ihr sagen oder tat es erst später und am Schluß kommen Ana und Lilith nach München zurück. Lilith nimmt Aaron auf und Ana schenkt ihm zu Weihnachten die Spieldose, die ihr ihr Vater schenkte, bevor er in den Krieg mußte und sie nach München rettet,e ihrer Tochter aber nie gezeigt hat.

Sicher wichtig die Traumen der Nachkriegsgeneration aufzuarbeiten. Ich habe ich ein Tagebuch meiner Mutter gefunden, das sie geschrieben hat, sie mit der kleinen Uschi allein Wien war, weil mein Vater noch in Gefangenschaft und habe beim Lesen öfter gedacht, daß wir jetzt ja hurtig den nächsten Traumatsierungen entgegentaumeln, die sich aber wahrscheinlich erst so richtig ausmessen lassen, wenn ich vielleicht schon gestorben bin. Dann kann die kleine Lia drüber schreiben, wie es damals war, als alle plötzlich mit Masken herumliefen und alle, wie man es auch jetzt merken kann, es verdrängten, beziehungsweise nicht darüber schreiben wollen,wie es ihnen damit geht.

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