Literaturgefluester

2020-10-28

Streulicht

Nun kommt schon oder erst Buch achtzehn des dBps, das fünfte Shortlistbuch und eines das im Vorfeld hochgelobt wurde.

Das Debut der 1988 in Frankfurt am Main geborenen Deniz Ohde, die eine türkischstämmige Mutter hat und das ein Thema unfaßt, das eigentlich ziemlich klar und selbstverständlich istund auch nicht so neu, sondern schon hundermal diskutiert und beschrieben wurde und, daß ich zugegeben nicht im literarischen sondern eher im soziologischen pschologischen Sinn auch schon oft gehört habe, nämlich daß Arbeiterkinder in den Schule diskriminiert werden, daß sie viel weniger, als die aus Mittelschicht und Bildungsfamilien zu einem höheren Schuzlabschluß kommen. Daß sie, wenn sie schon auf dem Gymnasium sind, dieses öfter abbrechen und, daß es Kinder mit Migrationshintergrund auch sehr schwer haben und oft als sekundäre Analphabeten, die Schule verlassen und dann zu Problemjugendlichen werden ist auch nicht ganz so neu. Man denke nur an die Bücher der Susanne Wiesinger, wo ich ja auch eines auf meinem Stapel habe, weil es mir die liebe Doris einmal in die Hand steckte.

Neu ist vielleicht das Erstaunen, daß das Debut, das wie die Autorin selbst erwähnte, autobiografischen Hintergrund hat und vielleicht auch Schuldgefühle auslöste.

„Ach je, ist das so? Das haben wir ja gar nicht gewußt!“

Vielleicht trifft das für die Leser zu, die sich mehr für das Sprachexeriment und nicht so sehr für die Gesellschaft interessieren und deshalb ist es auch sehr gut, daß das Buch nicht nur auf Shortlist gekommen ist, sondern auch den „Aspekte-Literaturpreis“ gewonnen hat.

Ob es so unbedingt literarisch ist, weiß ich nicht und ich habe mir eigentlich öfter gedacht, daß weiß ich alles schon und habe es zum Beispiel in den Siebzigerjahren in Christa Stippingers „Kress“ gelesen, das ich ja dann unter einem anderen Namen auch einmal im „Augustin“ endeckte und stimmt oder stimmt nicht mehr, hat sich doch inzwischen auch einiges geändert, die türkisch oder afrikanisch etcetera stämmigen Kinder mit Migrationshintergrund schließen wahrscheinlich immer öfter das Gmnasium, beziehungsweise die Uni ab und schreiben dann sogar Romane, die im ersten Anlauf auf der Shortist landen und den Lesern ein wahrscheinlich schuldbewußtes „Wow!“, entlocken und so ist es auch der wieder namenslosen Ich-Erzählerin gegangen, die wahrscheinlich viel mit ihrer Autorin gemein hat, eine türkisch stämmige Mutter, einen Arbeiter, als Vater der sein ganzes Leben das Industriegebiet wo es das titelgebende Streulicht gibt, nicht verlassen hat. Die Tochter schon und deren Freunde Sophia und Pikka, zwei Mittelschichtkinder, was schon mal ein bißchen ungewöhnlich und vielleicht auch heute noch nicht so ganz realistisch sind, heiraten.

Deshalb kehrt sie an den Heimatort zurück, erinnert sich an ihre Kindheit und die verpatzen oder schließlich doch geglückten Gelgelenheiten. Denn sie ist mit Zehn aufs Gymnasium gekommen. Ist dort aber immer hinter der strahlenden Sophia gestanden und wenn Herr Kaiser, der Französischlehrer Markt „qu`est- ce que ce?“, fragte, hat sie ihn lange nicht verstanden.

Hat sie sich doch beim Lernen schwer getan und in ihren Eltern wahrscheinlich auch keine Förderer gehabt. So verläßt sie die Schule, bricht sie ab oder wird auch hinausgeschmissen. Um dann später zuerst den Realschulabschluß, dann noch die Oberstufe abzuschließen und schließlich doch zu studieren. Das wird in Rückblenden erzählt und dabei wird auch viel Familiengeschichte eingeblendet. Der Vater trinkt und ist ein Sammler, weil er wegen der Kriegserfahrungen, die wahrscheinlich schon der Großvater hatte, nichts wegwerfen kann. Die Mutter ist verstorben und andere Trauma und Schwierigkeiten gibt es auch.

Ein interessantes Buch kann ich schreiben, bin gespannt, ob es auf die Bloggerdebutshortlist kommt und mich nur wiederholen, daß mich das Echo der Leser etwas erstaunte, weil das hier geschriebene für mich eigentlich selbstverständlich war und es eigentlich schön ist, daß man seine Matura und sein Studium auch im zweiten Bildungsweg schaffen und, daß man es mit seinem Erstlingsbuch gleich auf die Shortlist schaffen kann, viele der Rezensenten hätten Deniz Ohde auch den Preis gewünscht, ist auch sehr schön und etwas was ich mir noch immer wünsche, aber nie erreichen kann, weil ja demnächst mein fünfzigsten selbstgemachtes Buch erscheinen wird.

1 Kommentar »

  1. […] Eva Jancak zu Deniz Ohde […]

    Pingback von [Das Debüt 2020] And The Winner is… | Das Debüt — 2021-01-15 @ 08:12 | Antworten


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