Literaturgefluester

2020-11-22

Europäische Literaturtage Online

Die europäischen Literaturtage, die in Krems stattfinden und die es seit zwölf Jahren gibt, sind bisher an mir vorbeigegangen, weil Zeitgleich mit der „Literatur im Herbst“, aber heuer ist alles anders, weil in Corona-Zeiten ohnehin nur alles online stattfindet und da hat mich die Hauptverbandseite auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht, die man diesmal ohne Karten zu bestellen, wie das offenbar sonst üblich ist per Livestream verfolgen kann. Das ist der Vorteil des Lockdowns, man kann sich Sachen anschauen, zu denen man sonst nicht hinkäme.

Der Nachteil ist, manche Livestreams sind nicht sehr gut, so hatte ich ja am Montag mit der „Writers in Prison-Veranstaltung“ ziemliches Pech, weil einfach nicht zu verstehen, daß ich nicht wußte, wer ist jetzt wer und wer liest was?

Das Problem scheint behoben zu sein, denn am Dienstag war der Ton in der „Alten Schmiede“ sehr gut und das „Pen-Team“ hat mir auch die Programmfolge geschickt, so daß ich, während ich jetzt in Harland sitze mich in ein übervolles Literaturwochenende hineinzoomen kann und am Sonntagabend wird dann auch noch die Bloggdebutshortlist diesesmal auch per Zoom bekanntgegeben.

Also sehr viel auf einmal und die europäischen Literaturtage werden von Walter Grond organisiert und am Donnerstagabend ging es los mit der Eröffnung.

Ein Problem der Livestream-Veranstaltungen ist zwar, daß man oft abgelenkt wird, so habe ich zwischendurch mit der Doris Kloimstein telefoniert, mit ihr über die „Writers in Prison-Veranstaltung“ diskutiert und dabei einiges von dem Vortrag Ariadne von Schirach zum Thema „Wildnis“, das ist das allgemeine Festivalmotto versäumt.

Mitbekommen habe ich aber, daß Walter Grond allen versichert, daß alle negativ getestet wurden und dann trat schon Robert Menasse auf, ob live in Krems oder aus Wien zugeschaltet, habe ich nicht ganz mitbekommen, dessen Hauptstadtbuch auch prominent im Raum stand und disktierte mit der 1978 in München geborene Philosophin über dieses Thema und da war interessant, daß Robert Menasse, den Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen und die Demonstrationen, die ja in Deutschland viel stärker als bei uns stattfinden, als den Wunsch der Leute nach mehr Wildnis wahrscheinlich mit mehr Freiheit gleichzusetzen, interpretierte. Sie wollen keine Masken tragen und keine Motorradhelme, etc, was ich für eine interessante Interpretationsmöglichkeit fand.

An Freitag ging es dann mit der „Wildnis“ im ersten Panel „Was suchen wir dort?“ weiter und da saß in Krems Veronika Treibel, während dann per Vido Rosie Goldsmith aus london zugeschaltet war, die mit der die 1968 in Toronto geborenen und in Schottland lebenden Polly Clark diskutierte und ihren, auch auf Deutsch erschienen Roman „Tiger“ vorstellte, wo eine Tierpflegerin offenbar wirklich in die Wildnis, nämlich nach Sibirien geht und der 1982 in Wales geborene Dan Richards las aus seinem Buch „Outpost- A journey to the wild Ends of the Earth“, das es glaube ich noch nicht auf Deutsch gibt.

Dann ging es mit der interesanten Frage, ob die Wildnis von Fußgängern, Träumern oder Glücklichen bewohnt wird?, weiter, wo wieder von Rosie Goldsmith den im Tessin lebenden, 1972 geborenen Fabio Andina, dessen „Tagemit Felice“ auf Deutsch erschienen sind und die niederländische Autorin Miek Zwamborn, die ihren Roman „Wir sehen uns am Ende derWelt“ vorstellte.

Dann gings zu den „Eroberern, Forscher und Flüchtlinge, nämlich zu der 1971 in Rhodesien geborenen Petina Gappah, die in Graz Rechtswissenschaften studierte und aus ihrem Buch „Out of darkness shining light“ las und dem ungarischen Autor Gergely Peterfy, 1966 in Budapest geboren, der 2016 übersetzt von György Buda einen Roman über Angelo Soliman geschrieben hat. Dann wurde über die „Black lives matter- Bewegung“ und darüber diskutiert, ob ein weißer Mann einen Roman darüber schreiben kann?

Die Soiree habe ich dann ausgelassen und bin mit einem Umweg über das Literaturhaus nach Wien in die „Alte Schmiede“ zur „Literatur im Herbst“ gegangen, um mich am Samstag wieder nach Krems oder in die weite Welt zu switschen, in normalen Zeiten würde ich in Wien bleiben und nur die Autoren pendeln wahrscheinlich, wenn sie bei beiden Festivals auftreten, wie möglichwerweise Ilija Trojanow hin und her und am Samstag ging es um zehn bei den euopäischen Literaturtagen auch, um das Gehen oder was man daraus lernen kann?

Da stellte der Literaturwissenschaftler Rüdiger Wischenbart, die neuen Bücher von Edo Popovic und Matthias Politycki vor, die beide das Gehen praktizieren oder in ihren Büchern beschrieben haben.

Edo Popovics Buch, von dem ich schon zwei in den Regalen habe und der zuerst als kroatischer Popliterat, dann als Kriegsbeichterstatter galt, heißt „Anleitung zum Gehen“ und betrifft da den kleinen Raum. Er geht spazieren und entschleunigt sich dabei. Etwas, was ich auch betreibe oder besser betrieben habe, denn derzeit gehe ich ja coroanabedingt nicht soviel aus dem Haus, während der 1955 geborene Matthias Politycki ein großer Reisender ist, der offenbar schon die ganze Welt bereiste und sich dabei auch sehr heraussfordert.

Sein neues Buch heißt „Das kann uns keiner nehmen“ und da geht es offenbar um einen Linken und einen Rechten oder einen harten inkorrekt wirkenden Burschen, die sich am Kilimandscharo treffen und dort zueinanderfinden.

Danach ging es wieder zu Ariadne von Schirach und dem Biologen Andreas Weber und zur Diskussion über das „Freßen und Gefressenwerden“ beziehungsweise, was man im Sinne der Klimakrise verändern muß, um wieder zu einem guten Leben zu kommen. Dann wirds noch mit einem weiteren Panel weitergehen, wo unter anderem Daniela Emminger, die auch für das Festival ein Tagebuch führt, das ich wegen der „Literatur im Herbst“ und der „Kraft der Literatur“ versäumte und erst zur Soiree zurechtgekommen bin, wo gerade der Schauspieler Johannes Silberschneider aus dem Roman des isländischen Autors Sjon „CoDex 1962“ las, das laut Beschreibung eine „isländische Wundertüte an „Tausend und eine Nacht Geschichten“ ist. Dann folgte noch ein Konzert von Ernst Molden, dem Sohn des Verlegers Fritz Molden und Enkel von Paula von Preradovic, dessen Konzerte ich schon bei der „Literatur und Wein“ und ihn als er noch Romane geschrieben hat, in der „Alten Schmiede“ hörte und Maria Petrovna, die für Ursula Strauss eingesprungen ist, das aus einem Heurigenzimmer gesendet wurde.

Da die Sonntagsmatinee in der „Alten Schmiede“ ausgefallen ist, konnte ich mich noch einmal nach Krems switschen, weil dort ja schon zum vierten Mal, glaube ich, der „Friedenspreis für Toleranz im Denken des Hauptverbands, diesmal an die schottische Autorin A. L. Kennedy von der ich, glaube ich, ein paar Bücherbesitze, aber noch nicht gelesen habe, verliehen wurde.

Vorher wurde der immer im Rathaus zuerst im Rahmen der Buchwoche dann der „Buch-Wien“ vergeben und ich war auch ein paarmal dabei. Diesmal saßen Benedik Föger, der Präsident des Hauptverbandes und Walter Grond, der künstlerische Leiter in der Minoritenkirche vor einem Bücherregal. Grußbotschaften wurden verlesen, darunter die der Demo „Ohne Kunst wirds still“, ein Konzert gab es auch und Rosie Goldsmith interviewte nach der Laudatio, die von München aus gehalten wurde, die Autorin.

Das war es, jetzt ein kurzer Mittagsschlaf, manche meiner Leser werde das vielleicht skurril finden, daß ich sowas banales schreibe, aber das „Literaturgeflüster“ ist mein persönliches Tagebuch über mein literarisches Leben und dann wieder zur „Literatur im Herbst“und für die, die ein Resumee von mir wollen. Es war ein feines, dicht gefülltes Wochenende, das ich mit ein paar sehr kurzen Radfahrten in Harland an der Traisen verbracht habe und habe mich dabei nicht nur in die „Alte Schmiede“, sondern unter sicher ungewöhnlichen Umständen in die weite Welt geklickt.

Skurill und ungewöhnlich sicherlich, wenn man unter anderen Umständen aufgewachsen ist, aber eigentlich sehr bequem. Man liegt im Bett oder sitzt am Sofa, das Glas Wein kann man sich ja daneben stellen und hat die ganze Welt im Haus.

Anziehen, hinfahren und wieder zurückkehren, muß man dabei auch nicht.

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