Literaturgefluester

2020-12-16

Die amerikanische Krankheit

Jetzt kommt ein Sachbuch und zwar ein Bericht über die Situation in den amerikanischen Krankenhäuser vor und während der Pandemie des amerikanischen Historiker Timothy Snyder, der auch lange in Wien lebte und sich viel mit dem Holocaust beschäftigte.

Im Dezember 2019, also vor einem Jahr ist er während eines Vortrags in München krank geworden. Eine Blindarmentzündung wurde verschleppt und erst in Amerika entdeckt. Da hatte er aber schon einen Leberschaden und eine Sepsis, wurde aus mehreren Krankenhäuser entlassen und litt sehr am Zeitmangel der Ärzte, die sich nicht die Zeit nahmen, in seine Befunde zu schauen oder ihm zu zuhören.

Dann kam auch noch die Pandemie und Timothy Snyder hat das Buch offenbar auch aus vielen Tagebuchnotizen geschrieben, heißt es doch „Vier Lektionen der Freiheit aus einem US-Hospital“.

Im Prolog und in der Einleitung geht es, um die schon beschriebene Krankenhausgeschichte. Snyder berichtet von seiner Wut und dann dasseiner Ohnmacht und kommt im ersten Kapitel dazu, daß „Gesundheitsversorgung ein Menschenrecht ist“, das jeder haben müßte, es aber vor allem in den USA viele Ungleicheiten gibt und vor allem Schwarze und Ärmere schlechter behandelt werden.

Im zweiten kapitel „Erneuerung fängt bei den Kinder an“, berichtet er für mich überraschend von den Unterschieden, die es zwischen dem österreichischen und den amerikanischen System gibt und ist von dem österreichischen Gesundheitssstem sehr begeistert. Sein erstes Kind wurde in einem öffentlichen Wiener Krankenheit geboren. Er war begeistert, daß man da nichts zahlen muß, begeistert vom Mutter Kind-Paß und den Geubrtsvorbereitungskursen und auch davon, wie die Ärzte und die Schwestern mit den Patienten umgingen. Das vergleicht er dann mit der Geburt des zweiten Kindes, das in einem amerikanischen Krankenhaus erfolgte.

Der dritte Teil führt zu Präsident Trump und den Fehlern, die er während der Pandemie machte, wo es zuwenig Tests und zu wenig Schutzmaterial gab, die Krankheit hinuntergespielt und nicht nicht richtig informiert wurde, so daß sie viele menschenleben kostete und und viele Leute nicht richtig behandelt wurden.

„Arzte sollen das Sagen haben“, ist die Forderung des viertel Teils. Da wird das kommerzialisierte System des Krankenhausesbetriebes in der USA kritisiert. Die Ärzte und die Schwestern haben keine Zeit sich mit den Patienten zu beschäftigen, müßen mehr in den Computer schauen und auch sehr viel dokumentieren und es gibt noch immer sehr viele Amerikaner, die nicht krankenversichert sind. Während der Pandemie wurden sie oft entlassen, waren dann erst recht nicht krankenversichert und weil sie sich nicht trauten zu Hause zu bleiben, haben sie die Krankenheit auch weiterverbreitet und das Virus erst recht zur Ausbreitung gebracht. Da wünscht er sich ein besseres Krankensystem, in dem die Ärzte das Sagen haben und sich für die Freiheit der Patientin einsetzen können, schreibt er und rechnet in seinem Buch mit Amerikas Reaktion auf die Pandemie scharf und offten ab, wie auch am Buchrücken steht.

„Sein Buch ist ein aufwühlender persönlicher Krankenbericht und gleich eine dringende Warnung an uns alle, die Kommerzialisierung der Medizin zu verhindern und den Sozialstaat nicht aus der Hand zu geben.“

Eine Warunung auch an uns alle, da ja durch die Pandemie auch das sehr gelobte europäische und österreichische Sozialsystem in Gefahr ist abzusinken und seinen guten Ruf zu verlieren.

Und so kann man wohl den Schlußsatz „Um frei zu sein, brauchen wir unsere Gesundheit, und für unsere Gesundheit brauchen wir einander“ nur unterstreichen und Amerika unter seinem neuen Präsidenten, von dem ich auch ein Buch auf meinen Bücherstapel liegen habe, endlich ein besseres Gesundheitsystem und eine Krankenversicherung für alle wünschen.

6 Kommentare »

  1. Ich hatte eine alte Tant`
    mit der um ein paar Ecken war ich verwandt.
    Die war US-Staatsbürgerin –
    hatte aber nur Österreich, die alte Heimat, stets im Sinn.
    So ist sie im Alter gekommen zurück
    und hatte mit meiner Mutter – Gott hab´ sie selig – ein Glück.
    Praktische Ärztin war die Frau
    und wusste, dass die Tant´ nicht versichert ist, ganz genau.
    Sie hat nicht gesagt, dass die Tant´ sie umsonst behandelt,
    denn mit der Tant´ war sie selisch-geistig verbandelt.
    Gespräche mit ihr waren für die ganze Familie ein Gewinn.
    Politische Klarheit bracht´ auch die Tant´ mir in den Sinn.
    Und die Moral von der Geschicht´,
    die weiß ich selber nicht.

    Doris Kloimstein

    Kommentar von schreibzeug123 — 2020-12-16 @ 08:38 | Antworten

  2. Jö, ein Gedicht! Ich habe mich schon gewundert, wohin du entschwunden bist? jetzt kommen noch ein paar Corona-Bücher, zum Schreiben und Philosophieren darüber regt das ja sehr an, vor allem, wo es jetzt ja in dieses aufgeheizte Weihnachten geht! She ich dich vielleicht am Samstag am Markt?

    Kommentar von jancak — 2020-12-16 @ 09:06 | Antworten

  3. Auf den St. Pöltner Markt am Samstag will ich gehen,
    da könnten wir uns gerne sehen!
    Ich hab´s zur Zeit nicht sehr mit „dichten“,
    muss ganz viel „Zeugs“ zusammenrichten.
    Das nennt sich ordnen und aufräumen,
    nicht einmal Zeit bleibt da zum Träumen.

    Doris Kloimstein

    Kommentar von schreibzeug123 — 2020-12-17 @ 09:14 | Antworten

  4. Das ist aber schade und davon würde ich auch abraten, das Aufräumen dem Dichten vorzuziehen! Die „Vorshau meines zweiten „Corona-Buches“, in dem, von dir wahrscheinlich angeregt, auch immer wieder Corona-Gedichtzeilen „Corona, Corona, was tust du da?“ vorkommen, ist fertig. Das Dummie schon bestellt, das Korrigieren des dritten Corona-Buches „Mathilde im Coronaland“ geht zäh vor sich. Wahrscheinlich zuviel Ablenkung! Dafür ist das „Corona-Weihnachtsmärchen“ schon geschrieben und erscheint am Sechundzwanzigsten, wenn dann schon wieder Ausgangssperre ist und die Idee ein“ Corona-Geflüster“, also ein Buch mit all den „Literaturgeflüster-Teten“ zu diesem Thema, da gibt es ja schon viele, ist auch gekommen, also weihnachtlich kreativ, statt sich über die coronabedingten staatlich verordneten Infanitlisierungen zu ärgern!

    Kommentar von jancak — 2020-12-17 @ 09:28 | Antworten

  5. Ich hab´ den Entsorgungsmodus angekurbelt,
    für wahre Ordnung bin ich ehrlich zu verschwurbelt.
    Die Altstoffsammelstelle ist mein Ziel.
    Danach will wieder dichten ich ganz viel!

    Doris Kloimstein

    Kommentar von schreibzeug123 — 2020-12-17 @ 11:08 | Antworten

  6. Super, das würde ich auch empfehen! Ich denke gerade nach, wie ich es schaffe, der neuen Weihnachtsverordnung zu entsprechen? Zehn Personen aus zehn Haushalten soll ichja einladen! Aber ich kenne gar nicht soviele Leute, die da zu mir kommen wollen! Und selbst wenn ich ein Inserat aufgäbe, um dem nachzukommen, wäre ich ja die elfte Person! Und was mache ich mit den Polizisten, die nachzählen wollen, ob ich das ohnehin richtig mache, aber gar nicht in die Wohnung dürfen und eigentlich sollte man ja überhaupt zu Hause bleiben, um niemanden anzustecken? Schwierig, schwierig, den Hausverstand in Verordnungen pressen zu wollen und wahrscheinlich unmöglich! Aber trotzdem ein schönes Fest mit und ohne Maske, Handschuhen und Massentests und wenn es geht, ist auch noch ein Weihnachtslied dabei!

    Kommentar von jancak — 2020-12-17 @ 11:31 | Antworten


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