Literaturgefluester

2020-12-26

Ein Corona-Weihnachtsmärchen

Filed under: Schreibbericht,Uncategorized — jancak @ 00:15
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Shit!“ , dachte Michaela Reisinger und seufzte wieder vor sich hin.

„Wie werden wir heuer Weihnachten feiern Mama?“, hatte Lena vorhin gefragt und wissen wollen, warum es keine Weihnachtsmärkte gäbe?

„Ich habe mich doch darauf gefreut, Mama und du hast es mir auch versprochen, daß wir da hingehen, wenn ich brav bin! Aber jetzt hat die Tante im Kindergarten gesagt, das gäbe es heuer nicht, wegen dem Corona-Virus! Warum? Ich bin doch brav gewesen, meistens jedenfalls!“, sagte sie und sah die Mutter treuherzig an.

„Natürlich, Lena-Mädel!“, antwortete Michaela Reisinger und verkniff es sich, die Kleine an sich zu drücken, denn das war ja nicht mehr erlaubt und wenn Lena, das im Kindergarten erzählte, bekam sie vielleicht Ärger mit der Pädagogin.

„Großer Schit und große Scheiße, Extrasupplament!“

„Nicht fluchen, Mama!“, hörte sie da Lenas Stimme, mußte lachen und riß sich zusammen.

„Nein, natürlich, nicht! Du weißt ja, Lena, das Corona-Virus! Die zweite Welle hat uns erfaßt und da müßen wir aufpassen, uns nicht anzustecken und nicht krank zu werden und die Krankheit nicht beispielsweise an die Oma weitergeben, weil die ja schon über siebzig und Diabetikerin ist!“, sagte sie und Lena nickte altklug und treuherzig zugleich.

„Deshalb wurden die Buden am Rathausplatz wieder abgebaut und man darf keinen Alkohol trinken, weil man dann zu lustig wird, nicht aufpasst, sich umarmt und küsst und dann das Virus überträgt! Das weiß ich schon, Mama! Das hat uns die Tante erklärt und dazu gesagt, daß deshalb heuer der Nikolo nur in den Garten gekommen ist und man ihm vom Fenster aus anschauen durfte und weißt du, Mama, er hat eine Maske aufgehabt und das hat sehr lustig ausgeschaut, obwohl das eigentlich trauig ist!“, sagte sie und verzog ihr Gesicht, als würde sie das auch werden.

„Aber du hast ja dein Sackerl mit den Nüßen und den Mandarinen bekommen!“,beschwichtigtre Michaela und Lena nickte energisch.

„Oh ja, Mama! Wird die Oma zu Weihnachten kommen und mir als Geschenk, die Barbie bringen, die sie mir versprochen hat?“

„Natürlich, denn Weihnachten im kleinen Kreis ist erlaubt! Du, der Papa, ich und die Oma! Das sind nur vier Personen und einen Christbaum werden wir auch haben! Den habe ich schon besorgt und wenn du brav bist, darfst du mir beim Schmücken helfen und Kekse werden wir ebenfalls backen, Vanillekipferln und Zimtsterne, die hast du doch gern!“

„Oh ja, Mama!“, sagte Lena und wirkte wieder fröhlich.

„Natürlich helfe ich dir beim Baum schmücken und auch beim Kekse ausstechen und dann setze ich mir die Weihnachtsmannmütze auf, die mir der Papa im vorigen Jahr am Christkindlmarkt kaufte und läute mit der Glocke! Zum Glück hast du sie aufgehoben, weil wir heuer keine nicht kaufen können, aber Mama!“, sagte sie, wurde wieder ernst und sah Michaela an.

„Ich glaube, das geht doch nicht, denn wir sind ja nicht bei dem Gratistest gewesen! Wissen also nicht, ob wir nicht postiv sind und die Oma anstecken können! Warum sind wir nicht testen gewesen? Die Tante Hilde hat uns erklärt, daß das sehr wichtig war und man schuld ist, wenn hundert Menschen ihren Arbeitsplatz deshalb verlieren! Richtig kriminell ist das, hat sie dem Moritz erklärt, als der sagte, daß sein Papa und seine Mama nicht testen waren! Da habe ich mich nicht mehr getraut ihr zu erklären, daß wir auch nicht bei dem Test waren, damit sie uns nicht für kriminell hält!“, sagte sie.

Michaela schüttelte den Kopf verkniff sich das „Scheiße!“ und nahm sich vor mit der Kindergartentante zu sprechen, obwohl sie nicht sicher war, ob das etwas helfen würde, weil das genau die Worte waren, die sie im Fernsehen gehört hatte. Das klang fast so, als hätte sie die Kindergärtnerin dort aufgeschnappt und an die Kinder weitergegeben.

„Wir waren nicht dort, weil die Tests freiwillig sind! Wir ohnehin aufeinander aufpassen und du und der Moritz braucht auch nicht hin, weil ihr noch nicht sechs seid!“, erklärte sie und schüttelte noch einmal den Kopf, als sie Lena fragen hörte, ob sie die FFP2-Masken aufsetzen müßte, wenn am Donnerstag die Oma käme, damit sie sie nicht anstecke und schuld wäre, wenn sie ein Engelein würde und es das letzte Mal wäre, daß sie gemeinsam Weihnachten feiern würden?

„Das will ich nicht, Mama, dann setze ich lieber die Maske auf, obwohl ich damit schlecht Luft bekomme und auch keine Kekse naschen kann und ziehe Handschuhe an, wenn ich das Geschenk der Oma auspacke, denn das hat die Tante auch gesagt, daß man das muß, wenn man nicht bei diesem Test gewesen ist und, daß es überhaupt besser wäre, wenn man den Omas nur über eine Zoom-Konferenz zuwinken würde. In der Kirche soll man auch nicht singen! Das ist dort verboten, Mama, hat die Tante gesagt! Aber ich will gerne singen und habe „Stille Nacht“ schon eingeübt, damit ich es der Oma vorsingen kann! Glaubst du, daß das mit Maske geht, wenn ich den Sicherheitsabstand einhalte, Mama?“, fragte sie. Michaela unterdrückte das dritte „Scheiße!“ und antwortete „Natürlich, Liebling, laß dich nicht kirre machen, Weihnachten feiern ist erlaubt! Da hast du die Tante vielleicht falsch verstanden! Wir backen Kekse, schmücken den Baum, eßen Würstchen mit Kartoffelsalat und du kannst natürlich die Mütze aufsetzten und das Glöckchen schwingen. „Stille Nacht“, singen wir auch und da brauchst du keine Maske aufsetzen und mußt auch keine Handschuhe anziehen, denn die Oma fürchtet sich, glaube ich, nicht!“

„Keine Sorge, Lenchen!“, sagte jetzt auch Bernhard Reisinger, der mit dem Christbaumschmuck das Wohnzimmer betreten hatte.

„Das tut sie nicht, denn ich habe gerade mit ihr telefoniert und sie hat mir verraten, daß sie sich schon sehr auf die Würstchen mit dem Kartoffelsalat freut und wenn du es nicht weitererzählt, sie hat mir auch geflüstert, daß das Weihnachtsengelchen schon das Geschenk für dich bei ihr vobeigebracht hat! Sie hat auch etwas bekommen, was sie uns zeigen wird, wenn sie am Vierundzwanzigsten zu uns kommt und da kannst du ganz unbesorgt dein „Stille Nacht“ singen und der Tante Hilde mußt du das, wenn du nicht willst, nicht verraten, daß wir gesungen haben!“, sagte Bernhard Reisinger, zwinkerte seiner Frau und seinem Töchterlein zu, während er die vergoldete Kette und die gläserne Christbaumspitze aus der Schachtel nahm und auf die Leiter stieg, um sie auf der Tanne zu befestigen.

„Fein, Papa!“, jubelte Lena und wollte wissen, was für ein Geschenk die Oma bekam?

„Ihre zehn FFP2-Masken, die der Bundeskanzler an jeden über fünfundsechzig schickt, damit man in Ruhe Weihnachten feiern, sich freuen und auch singen kann! Es ist aber noch nicht sicher, ob die Oma sie aufsetzen wird, ist sie doch eine rebellische Person!“, antwortete Bernhard Reisinger und zwinkerte Michaela zu.“

So das war die Weihnachten 2020-Geschichte. Wer es lieber nostalgischer will, dem ist die „Nika Weihnachtsfrau“ zu empfehlen 2 5 7 8 9 10 14 19 20 23 24 25 29 30

4 Kommentare »

  1. Hallo Frau Jancak!
    Sie ahnen es vielleicht: ich kann das nicht unkommentiert lassen. Auf das stilistische will ich erst gar nicht eingehen, ich frage mich aber bei jedem Ihrer fiktionalen Texte, wo Sie um Himmels Willen diese realitätsfernen Dialoge und Handlungen hernehmen.

    1. Glauben Sie allen Ernstes, dass ein Kindergartenkind solche Sätze spricht, wie in Ihrem Text?

    2. WENN das Kind in diesem Alter zu solcher Denkweise in der Lage WÄRE, würde es kaum anderntags hingehen und im Kindergarten ausgerechnet davon erzählen, dass seine Mutter es in den Arm genommen hat. Abgesehen davon, dass man sich kein Kind vorstellen kann, das einen solchen alltäglichen Vorgang wie körperliche Nähe zur Mutter überhaupt extra noch betont wie einen Besuch im Freizeitpark.

    3. Was für eine Mutter soll das sein, die ihrem eigenen Kind eben jene körperliche Nähe wegen „Corona“ verweigert? Frau Jancak, ich bitte Sie! Oder kennen Sie eine Coronavorschrift, die es Müttern verbietet, ihre eigenen Kinder in den Arm zu nehmen?

    4. Es wäre für jeden Text gut, wenn Sie ihn nicht jedesmal mit „Shit Shit Shit“ beginnen lassen würden und dieses „Großer Schit und große Scheiße, Extrasupplament!“ ist einfach nur fürchterlich. Sorry, aber erstens verunstaltet es den Text und zweitens – wie ich schon mal an anderer Stelle anmerkte – niemand spricht so in der Realität.

    5. Dass Sie mal versuchen, Dialoge kürzer und knackiger hinzukriegen, wird wohl Wunschdenken meinerseits bleiben, oder? Ich versteh nicht, wie jemand, der so viel liest wie Sie, nicht erkennt, dass so keine Dialoge funktionieren. Oder verwechseln Sie Monologe mit Dialogen?

    6. „Fein, Papa!“, jubelte Lena und wollte wissen, was für ein Geschenk die Oma bekam?
    An das Ende solcher Sätze gehört KEIN Fragezeichen!

    Sie werden mir ein ewiges Rätsel bleiben, liebe Frau Jancak 🙂

    Liebe Grüße
    Uli

    Kommentar von Ulrich Lucas — 2020-12-30 @ 08:34 | Antworten

  2. Prosit Neujahr, lieber Uli und gehen Sie morgen mit mir in die „Fledermaus“? Diesen Text muß ich zwar erst schreiben, wurde aber schon durch das Morgenjournal dazu angeregt! Ich freue mich von Ihnen zu hören, habe mich schon gewundert, wo Sie bleiben und Ihr Weihnachtsmärchen auch auf meinen heurigen Bücherchristbaum verlinkt!
    Nun zu ihrer Textkritik, daß Ihnen die Geschichte nicht gefällt war anzunehmen, obwohl sie es eigentlich sollte!
    Was soll ich dazu schreiben? Nun, daß Sie wohl meinem Stil entspricht und ich eigentlich recht zufrieden mit ihr bin und Ihr Beckmesserstaberl mir daher wahrscheinlich nicht passt, obwohl Sie haben recht, ein dreijähriges Kind spricht höchstwahrscheinlich nicht so viel, das weiß ich schon, habe ich ja als Psychologin in Kindergärten und im schulpsychologischen Dienst gearbeitet und lange Kinder getestet und therapiert, habe selber eine Tochter und jetzt ein eineinhalbjähriges Enkelkind, das gerade „Da, da und Mama!“, sagt, aber es passt für den Text.
    Meine Dialoge sind wohl eher Monologe, stimmt, deshalb fange ich mit der „Heldenreise“ trotz Bemühen nicht viel an.
    Aber haben wir uns nicht einmal über Ironie und Humor gestritten? Ich bin zwar nicht so ein lustiger Typ, nehme vieles ernst und lasse mich auch auf den Arm nehmen!
    Aber in Zeiten, wie diesen kommt man um die Satire nicht herum, also ist auch dieser Text satirisch zu verstehen und darum herum halte ich ihn wieder in Zeiten, wie diesen für durchaus realistisch, auch wenn Sie recht haben, daß es besser wäre, wenn die Lena fünf und nicht drei Jahre wäre, also sollte es eine dritte Lena-Geschichte geben, ist sie wunderbar gereift!
    Aber wenn ich mir die Nachrichten so anhöre, dann fürchte ich fast, so schnell kommen wir aus der Geschichte nicht heraus, also die FFP2- Maske anlegen und damit mit der Gondel in den Hmmel fahren oder so!

    Kommentar von jancak — 2020-12-30 @ 09:23 | Antworten

  3. Zwischen „Die Geschichte gefällt mir nicht“ und „Es gibt da ein paar Punkte, an denen Sie arbeiten sollten“ liegen Welten, liebe Frau Jancak! Aber genau da liegt Ihr immerwährendes Problem: Sie verwechseln Textkritik mit Ablehnung. Für Sie ist punktuelle Kritik an einem Text gleichzusetzen mit kompletter Ablehnung. Das ist schade, wird sich aber sehr wahrscheinlich nicht ändern.

    Die Bemerkung mit dem Körperkontakt bezog sich auf diese Stelle: “ … und verkniff es sich, die Kleine an sich zu drücken, denn das war ja nicht mehr erlaubt und wenn Lena das im Kindergarten erzählte, bekam sie vielleicht Ärger mit der Pädagogin.“

    Sie bezeichnen sich selbst wiederholt als „nicht so lustig“ und Sie „würden vieles ernst nehmen“. Nun, für das Schreiben von Satiren bedarf es aber eines gewissen Maßes an Humor. Vielleicht funktionieren aus diesem Grund Ihre Satiren nicht? Weil Ihnen eben der nötige, bissige Humor fehlt?

    Niemand wird mit einer Gondel in den Himmel fahren. Schauen Sie einfach weniger Mainstream-Nachrichten, dort wird mit Angst- und Panikmache gearbeitet um die Menschen noch mehr zu verunsichern.

    Danke fürs Verlinken! Das hatte ich gar nicht mitbekommen, finde ich sehr lieb von Ihnen! 🙂

    Kommentar von Ulrich Lucas — 2020-12-30 @ 10:16 | Antworten

  4. Darf ich Sie auch ein bißchen satirisch kritisieren? Mir kommt vor, Sie wiederholen sich immer stur mit der Bemerkung, ich könne Kritik nicht vertragen und haben offenbar vollig übersehen, daß mich diese Kritik überhaupt nicht kränkte, sondern ich sie höchst satirisch nahm und so verstehe ich das auch mit dem Text und das mit dem Herumdrücken, als ein wenig satirisch übertrieben!
    Aber ganz so übertrieben ist das leider gar nicht! Denn man soll ja Abstand halten! In Kärntnen haben Leute Strafanzeigen bekommen, weil sie mit Infizierten zusammenlebten! Ich habe eine Politikerin sagen gehört, daß sie das Nachbarkind immer von ihrer kleinen Tochter weghalten mußte und als ich mit der Anna und der Lia, das letzte Mal auf den Spielplatz war, habe ich beobachtet, daß sich das Nachbarkind an seine Mutter klammerte und „Da sind ja Leute!“, rief und wenn ich mir so Videos von „Zeit der Wahrheit“ oder, wie das heißt, ansehe, wo dort dann, die nicht Maske tragenden, ins Kammerl gesperrte Lehrerinnen von den traumatisierten Kindern berichten, die zu schreien anfangen, wenn sie aus dem Haus gehen sollen, weil sie dort die Leichen liegen zu sehen glauben, geht das auch in diese Richtung! Ganz abgesehen von den Quarantäne-Bescheiden, die aus Deutschland stammen, wo Eltern ihre vierjährigen Kinder isoliert in ein Zimmer sperren sollen und wenn sie das nicht tun, wird mit dem Jugendamt gedroht!
    So ein kleiner traumatisierter Maskenpolizist kommt in meinem dritten Corona-Text „Mathilde im Corona-Land“, auch vor.
    Da wird, warne ich Sie gleich, auch sehr viel geflucht und „Scheiße!“, gesagt und das mit der Gondel war ebenfalls eine satirische Bemerkung, die Sie vielleicht nicht verstehen, wenn Sie die österreichische Verordnung, daß man mit der FFP2-Maskel im Sessellift auf den Berg fahren muß, wenn man Schifahren will, nicht kennen!
    Liebe Grüße und lustiges Weiterschreiben! Ich wünsche mir, Sie wissen es vielleicht, viele weitere Corona-Texte von Ihnen! Ich schreibe sie schon und sage meinen Kritikern immer, schreiben wir so gut, wie wir es können und freuen Sie sich, wenn Sie besser, als ich sind und im übrigen halte ich mich nach wie vor für lernbereit!

    Kommentar von jancak — 2020-12-30 @ 10:31 | Antworten


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