Literaturgefluester

2021-02-21

Treue

Jetzt kommt ein „Wagenbach-Quartbuch“, der Bestseller des 1981in Riimini geborenen und in Mailand lebenden Marco Missiroli, das schon verfilmt wird oder wurde. Ein modernes Ehedrama, das vielleicht ein bißchen an den „Reigen“ erinnert, vielleicht auch an das „Fegelfeuer der Eitelkeiten“ von Tom Wolfe, eine moderneres Behandlung des Themas Erotik, als wir es vielleicht bei Alberto Moravia oder Michela Murgia finden.

Es beginnt im Jahr 2009 und da wurde der Dozent für literarisches Schreiben Carlo Pentecoste auf der Uni Toilette mit der Studentin Sofia Casadei in intimer Pose erwischt. Sie reden sich damit heraus, daß der Studentin schlecht geworden wäre und er ihr nur geholfen hätte und der moderne Reigen oder auch das Ehedrama beginnt oder es beginnt, daß die Studentin dem Dozenten in der Vorlesung sagt, daß sie von seiner Frau verfolgt worden wäre.

Die heißt Margherita ist Immobilienmaklerin und hat sich in eine Wohnung verliebt, die sehr teuer ist und auch keine Lift hat, sie will sie aber trotzdem für sich und denkt sich einen Schlachtplan aus, wie sie sie billig bekommen könnte.

Sie hat auch etwas am Fuß, muß deshalb zur Physiotherapie und betrügt schließlich ihren Carlo mit dem Physiotherapeuten Andrea, der hat es in sich, am Schluß entpuppt er sich als schwul, vorher trauert er um seinen Hund, der ihn gebissen hat, so daß er ins Spital kommt und auch von Margherita versorgt werden muß, die ihren Carlo schließlich mit ihm betrügt.

Sofia, ob und was wirklich zwischen ihr und Carlo war, kommt nicht so gut heraus, verläßt Mailand und kehrt nach Rimini zurück, um ihren Vater in der Eisenhandlung zu helfen und dann geht es im zweiten Teil in das Jahr 2018, das Ehepaar hat die Wohnung gekauft und inzwischen einen Sohn, den kleinen Lorenzo, Margherita hat ihre Immobilienfirma verkauft, um sich die Wohnung leisten zu können, Carlo ist auch arbeitslos geworden und Sofia schickt ihm drei Bücher, die sie vorher auf Instagram postet, was bei Margheria Eifersucht auslöst.

Es gibt auch die Schwiegermutter Anna, die zu einer Wahrsagerin geht und am Schluß einen Oberschenkelhalsbruch erleidet und daher vonAndrea, der sich inzwischen dem Boxsport widmet und auch in seinen FisioLab gekündet, hat betreut.

Fast absatzlos gehen in dem Buch die Perspektiven ineinander über und springen von Person zu Person, was das Lesen nicht ganz einfach macht, aber vielleicht, obwohl es eigentlich, um das ehepaar und ihre Bezugspersonen geht, an den Reigen denken läßt.

Es geht um die Frage, was Treue in Zeiten, wie diesen bedeutet. Das Buch ist spannend zu lesen, wirkt manchmal sehr modern und spricht auch ungewöhnliche Themen an.

Spannend, spannend, sich in die italienische Erotik einzulesen, wo es auch ein bißchen um Gesellschaftkritik geht, einige sehr schöne Szenen und Metaphernhat und eigentlich, wenn ich es recht verstehe, zwischen Carlo und Sofia nicht soviel passierte, obwohl es durch das ganze Buch zwischen den beiden ständig knistert.

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