Literaturgefluester

2021-02-22

Begegnungen: Stichwort Familienökonomie

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:09
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Wieder eine neue Reihe in der „Alten Schmiede“, die, wie ich in das Video kam Johanna Öttl gerade vorstellte und zwar scheinen da die Autorin Lydia Mischkulnig, die Literaturkritikerin Brigitte Schwens-Harrant und die Journalistin Christa Zöchling immer zwei Bücher zu einem bestimmten Thema zu besprechen, die die Zeiten und die Grenzen sprengen

Diesmal hieß das Stichwort „Familienökonomie“ und die zwei Bücher waren von der 1947 geborenen seneagalischen Autorin Ken Bugul oder Maritou Mbaye Bileoma und der 1940 geborenen Annie Ernoux. Zwei Romane, die beiden etwas Autobiografischen haben dürften oder im Text starke Beziehungen zu ihren Autorinnen aufweisen, was immer, das auch heißt und bedeuten kann,, was in der Diskussion auch besprochen wurde.

Ken Bugul, das Pseudonym heißt „Keiner will sie“ und Ken Bugul, die Tochter eines Marabut,was offe nbar ein senegalisches Oberhaupt ist, ist nach Belgien zum Studium gegangen, 1989 in ihre Heimat zurückgekommen und hat sich dort in den Harem als achtundzwanzigste Ehefrau eines Marabut oder Serigne begeben, wo europüäische Leserinnen wahrscheinlich den Kopf schüttelt und auch das wurde diskutiert. Später hat sie, entnehme ich Wikipedia, nach dem Tod des Marabuts, sich in die Hauptstadt begeben, einen Arzt geheiratet, eine Tochter bekommen und zu schreiben gegonnen. Sie war 2017 Stipendiatin im Literaturhaus Zürich und hat 2000 einen Literaturpreis für den 1999 geschriebenen Roma „Riwan oder Sandweg“ geschrieben, der 2018 bei „Uniom“ auf Deutsch herausgekommen ist, den die drei Frauen in ihrer Stichwortreihe besprachen und das war interessant, denn offenbar ein vielschichtiges Buch und auch eines, das viel von dem schon Beschriebenen enthält.

Es brennt und eine Sklavin, ein sechszehnjähriges Mädchen und die achtundzwanzigste oder was auch immer Ehefrau des Serigne flieht und die offenbare Ich-Erzählerin oder Alter Ego der Autorin ist auch eine ehefrau, hat aber das Recht jeden Abend über den Sandweg in das haus ihrer Mutter zurückzukommen.

Der Titelheld Riwan ist ein Sklave oder ein Begleiter der Protagonistin, der immer schweigt und die Ehefrauen nähern sich dem Serigne auch nur kriechend an, um ihn zu massieren oder zu füttern.

Die typische Haremsgeschichte, habe ich gedacht und als Hauptschülerin habe ich einen solchen Roman gelesen und mir dann selber eine Haremsgeschichte ausgedacht, die mich lang beschäftigt hat.

Jetzt habe ich eher den Kopf geschüttelt und gedacht, was schreibt diese Autorin da und wieso diskutieren die drei Frauen das? Christa Zöching hat nach einigen theoretsichen Diskurs und Fachsimpeln der zwei anderen Frauen dann dieses Thema angesprochen und gesagt, daß sie das buch befremdet oder verärgert hat. Lydia Mischkulnig hat vorher noch gemeint, daß sie beim Lesen dachte, die Autorin hätte die westlichen Leser damit in eine Falle locken wollen und ich habe wieder „Was soll das?,“ gedacht. Christa Zöchling sagte dann, daß sie Berichterstatterin bei Dschihad-Prozessen war und da genau das gefunden hat, wie die IS einen Staat aufbauen will und die jungen syrischen Männer, die zum IS wollen und die jungen hier aufgewachsenen Frauen, genau siese Vorstellungen haben.

Das wurde dann nicht richtig ausdiskutiert, beziehungsweise hat Lydia Mischkulnig dann auf die 1940 geborene französische Autorin Annie Ernaux umgeschwenkt, die in den letzten Jahren im deutschen Sprachraum viel brsprochen wurde. Ich habe von ihr noch nichts gelesen und daher auch den Roman „Scham“ nicht gekannt. Annie Ernaux ist eine, die offenbar auch über ihr Leben schreibt und das Buch beginnt damit, daß die zwölfjährige Annie 1952 Zeugin wird, wie ihr Vater ihre Mutter umbringen will. Er tut es nicht und es wird nie wieder in der Familie darüber gesprochen. Die Eltern sind arm und betreiben einen Laden und eine Kneipe und Annie kommt dann in ein Nobelinternat und schämt sich ihrer Eltern. So ungefähr habe ich das Buch verstanden. Eigentlich zwei ungewöhnliche Romane, die die drei Autorinnen für ihre Reihe ausgesucht haben.

Ich denke, man müßte sich wahrscheinlich in beide Autorinnen mehr einlesen, um sie zu verstehen. In Ken Bugul noch mehr, als in Annie Ernaux, die ja für uns wahrscheinlich weniger ungewöhnlich ist und interessant ist auch, um auf die letzte „Schmiede-Veranstaltung“ und die alten Frauen, die dort besprochen oder nicht besprochen wurden, zurückzukommen. Beide Frauen sind über siebzig und beide schreiben, wenn auch in anderen Kulturen über ihr Aufwachsen mit all den literarischen Verfremdungen, die es dabei wahrscheinlich gibt.

Interessant, interessant, schreibe ich wieder meine Zusammenfassung und das ist auch die zweite „Nachtschicht-Staffel“, wo Susanne Scholl und der Verleger Georg Hauptfeld gestern mit Walter Famler sprachen und die ebenfall 1949 geborenen Susanne Scholl, die einen Essay in der „Edition Konturen“ veröffentlicht hat, von ihrem Leben und Aufwachsen erzählte.

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