Literaturgefluester

2021-03-08

Im Stuttgarter Schriftstellerhaus

Die 1966 in der SU geborene Olga Martynova, die seit 1990 in Deutschland lebt und 2012 den Bachmannpreis gewonnen hat, habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Kennengelernt habe ich sie, glaube ich, durch die Bachmannlesung, ihren 2010 auf der deutschen Buchpreisliste gestandenen ersten Roman „Sogar Pagageien überleben uns“ habe ich bei diesem Augustin-Flohmarkt gekauft und inzwischen gelesen, den Lyrik-Band „Von Tschwirik und Tschwirka“ habeich mir einmal um zwei Euro, glaube ich, aus der „Morawa-Bücherabverkaufskiste“ gekauft, aber noch nicht gelesen und die Autorin selber mehrmals in Wien in der „Alten Schmiede“ bei Lesungen erlebt. Aber jetzt gibt es ja keine Liveveranstaltungen und auch kaum Reisetätigkeit über die Grenze, also derzeit keine Olga Martynova in der „Schmiede“, die ich sogar einmal im Publikum bei einem „GedichtFest“ gesehen habe.

Also hatte ich fast auf sie vergessen, wenn es nicht Wolfgang Tischer und das Literaturcafe gäbe, denn der hat mich auf einen Livestream aus dem Stuttgarter Schriftstellerhaus aufmerksam gemacht, denn Olga Martynova, die, glaube ich, auch einmal beim Schamrock-Festival gelesen hat und ihren Mann Oleg Jurek betrauerte, ist derzeit Stipendiatin des Stuttgarter Schriftstellerhauses und arbeitet dort an einem neuen Gedichtband und das Schöne an Zeiten, wie diesen, die ich, wie meine Leser wissen, ja nicht so schön finde, daß man zwar am Abend ab acht zu Hause bleiben soll und muß damit man sich nicht infiziert, aber auch gleichzeitig statt in die „AS“ oder ins Literaturhaus auch ins Salzburger Literaturhaus, ins Stifterhaus oder wie jetzt ins Stuttgarter Schriftstellerhaus streamen kann, um sich das Gespräch mit der Autorin und der Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses Astrid Braun anzuhören, was ich mit ein paar Ausfällen auch begierig getan habe, denn ich hatte eine sieben Uhr Stunde und bin daher erst nach dreiviertel zu dem Gespräch gekommen, das schon um halb acht begonnen hat.

Olga Martynova, die ihren Gatten Oleg Jurek ja 2018 verloren hat, ist eine lebhafte Diskutantin und erzählte gleich, daß ihr die Sprache in der sie schreibt egal sei, wichtig ist die Literatur. Sie schreibt oder hat ihre Gedichte aber in Russisch geschrieben, sie werden dann meist von Elke Erb, der letzten „Büchner-Preisträgerin“ auf Deutsch übersetzt, ihre Romane „Sogar Papgeien überleben uns“ und „Mörikes Schlüßelbein“ sowie „Der Engelherd“, die ich noch nicht gelesen habe, auf Deutsch und dann gibt es auch einen Essayband „Über die Dummheit der Stunde“ von dem ich, glaube ich, auch schon in Wien gehört habe.

Dann stellte Astrid Braun das Programm vor zuerst drei Gedichte auf Russisch, die dann von Wolfgang Tischer auf Deutsch gelesen wurden und da stürzte mir mein Computer wieder ein paarmal ab, so daß ich von dem ersten nicht viel mehr als den Namen Jelena Schwarz, die eine 2018 in Leningrad verstorbene Dichterin mitbekommen. Im zweiten Gedicht ging es dann um“Nachtigallen“ dieses Wort kommt auch in der russischen Version vor, wie Olga Martynova meinte, daß sie bei ihren Schülerlesungen immer danach fragte.

Leider war die Tischer-Übersetzung schwer zu verstehen und dann ging es im dritten Gedicht um europäische Städte und auch um die Hygiene. Davon habe ich, weil ein neuerlicher Absturz auch nicht viel mitbenommen und dann ging es, glaube ich, um ein Gedicht, das ich vielleicht auch schon gehört habe, nämlich um die Wiener Kaffeehaäuser, die Olga Martynova, da sie ja öfter in Wien war, zu kennen schien. Sie erwähnte in ihrer sympathischen Art, daß das ihre Rache an die Leute sei, die ihr bei Lesungen immer erzählen würden, welche Sehenswürigkeiten sie bei ihren St. Petersburger Reisen gesehen hätte. So hat sie ein Gedicht über Wiener Kaffeehäuser geschrieben, die den Stuttgarter Literurhausbesucher wahrscheinlich nicht viel sagen.

Aber jetzt ist Olga Martynova Stuttgarter Stadtschreiberin und kann dort auch sowenig ins Kaffeehaus gehen, wie ich in Wien, aber das tue ich ohnehin nicht sehr.

Nur als Studentin war ich regelmäßig im Cafe Sperl und Cafe Jelinek, um dort zu schreiben und Olga Martynova bedauerte sehr, daß sie in keine Stuttgarter Kaffeehäuser gehen könne und fragte Astrid Braun, wie lange diese noch geschloßen wären und hoffte sehr, daß sie noch bis Ende April in ein solches gehen könne und im dritten Teil ging es, um den Gedichtband in deutscher Sprache an dem Olga Martynova offenbar im Stuttgarter Schriftstellerhaus arbeitet und eines aus dem „La Speranza-Zyklus“, der eine Auseinandersetzung mit der Trauer ist, das ein Motto von Eugenio Montale hat, der, glaube ich, seine Frau verloren hat, hat sie gelesen.

„Mich hat die Hoffnung verlassen, dass ich dich je wieder sehe“, beginnt das beeindruckende Gedicht und ich habe einen sehr interessanten Abend im Stattgarter Schriftstellerhaus erlebt, in das ich sonst nicht gekommen wäre, der mich wieder an Olga Martynova erinnerte, die ich ja eher mit der „Alten Schmiede“, als mit dem Literaturcafe verbinde,dem ich ja gelegentlich mehr oder weniger empört kommentiere.

2 Kommentare »

  1. Nur kurz: der Roman heißt nicht Moritz Schlüßelbein“, sondern „Mörikes Schlüsselbein“ und betrifft tatsächlich Mörikes Schlüsselbein, entliehen angeblich vom Pragfriedhof Stuttgart, wo Mörike beerdigt ist („Zitat: „Ein Schlüsselbein wandert durch die Jahrhunderte“). – Ich freue mich, daß ich Olga Martynova digital kennengelernt habe,, wahrscheinlich wäre ich nicht zu der Lesung gegangen, wenn es sie denn gäbe zur Zeit.

    Kommentar von Susann Blumenstein — 2021-03-09 @ 13:02 | Antworten

  2. Vielen Dank für die Korrektur! Ein Moritz ist bei dem Gespräch oder in dem Buch, glaube ich, aber auch vorgekommen, freut mich, daß Sie mich lesen! Liebe Grüße aus Wien!

    Kommentar von jancak — 2021-03-09 @ 15:06 | Antworten


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