Literaturgefluester

2021-06-10

Zweimal zweiter Jakob

Ich habe ja ein etwas distanziertes Verhältnis zu Norbert Gstrein, weil mir seine Bücher als sehr konstruiert erscheinen. Habe einiges von gelesen und war auf einigen seiner Leseungen. Seine Romane sind sehr realistisch und sehr kompliziert zusammengefügt. Den vorletzten österreichen Buchpreis hat er gewonnen, da war er krank und konnte seinen Preis nicht entgegennehmen. Er hat aber den Beginn oder eine Seite aus seinem neuen Roman lesen lassen, was, wie ich nachher beim Buffet hörte, von einigen befremdlich aufgenommen wurde. Ich habe es sehr spannend gefunden und gedacht, jetzt habe ich wieder ins Nähkästchen gegucktund ich bin gespannt,ob und was ich von dem Roman, wo ein Schauspieler sechzig wird und eine Biografie über ihn geschrieben werden soll, noch hören werde.

Jetzt habe ich einiges gehört und weiß, daß es „Der zweite Jakob“ ist. Der Roman sollte im Februar in der „Alten Schmiede“ vorgestellt werden, wurde aber verschoben. Dann habe ich noch irgendwie mitgekommen, er wird auch im Lliteraturhaus Salzburg vorgestellt, aber dazu mußte man, glaubte ich, ein Ticket haben. Also ließ ich es und jetzt wurde der Roman wieder oder wirklich in der „AS“ vorgestellt. Am Donnerstag, wo wir nach Harand fahren wollten und ich hatte eine sechs Uhr stunde. Also lassen wir es, wenn das Buch auf eine Listen kommen sollte, kann oder werde ich es ja lesen. Aber dann rief die Klientin schon um fünf an. Trotzdem schafften wir es nicht pünktlich nach Harland zu kommen, denn ein längeres Gespräch am Gang, ein Stau vorder Autobahn. So war Norbert Gstrein schon mitten im Gespräch mit Johanna Öttl und ich kannte mich nicht aus, obwohl ich ja aus dem Roman auch bei meinem Rauris-Surfing gehört habe. Es dauerte also länger bis ich mitgekommen bi n. Der Held ist ein Schauspieler namens Jakob, der sechhzig wird und eine Tochter namens Lucie hat, die ist offenbar oder wurde von Johanna Öttl so angedeutet autistisch und warin einem Internat.

„Ich wurde weggeben, weil ich so komisch war!“ und wer ist jetzt der erste Jakob könnte man so fragen? Das ist der achtzigjährige Onkel ein Sonderling, der in den Dreißigerjahren in einem Heim war und dort knapp entkommen ist, so daß er sich tagelang im Keller versteckte, wenn jemand „Wir holen Jakob!“, sagte!“

Das ist offenbar auch der erste Satz aus seinem ersten Roman „Einer“ Man sieht Norbert Gstrein ist sehrraffiniert. Es stellte sich auch die Frage nach der Biografie, denn Norbert Gstrein wurde im Vorjahr ja auch sechzig und einige biografische Spuren hat er auch gelegt, damit die Rezensenten in Fallen tappten und von Autobiografie schreiben.

Es geht aber um Biografien und als ich soweit war, das zu kapieren, kapierte ich auch, daß ich das Video zurückschalten, also Johanna Öttls Einleitung hören konnte und da kam noch heraus, es gibt eine zweite Erzählebene, die Frauenmorde an der mexikanischen Grenze die wirklich passierten und der Schauspieler Jakob fährt offenbar, wie sein Autor sehr gern nach Amerika und hat oft Frauenmörder gespielt. Dann stieg Norbert Gstrein mitten im Satz und offenbar auch mitten im Buch ein und man erfährt, daß die Tochter Lucie offenbar einen Selbstmordversuch unternommen hat und mit Vierzehn oder Fünfzehn schon viel getrunken hat. DerVater hat ihr Wein eingeschenkt und es geht auch um Gewalt an Frauen.

Dann kam wieder das Gespräch, das ich jetzt besser verstanden habe und dann eine Stelle, wo der Jakob, der vor Jahren an der mexikanischen Grenze einen Film gedreht hat, da mit zwei Freunden über die Grenze geht, dort in eine Kneipe geht und dann mit einer jungen Mexikanerin im Auto landet, die seinen Autoschlüßel nimmt. Diese Stelle hat Norbert Gstrein, glaube ich, in Rauris gelesen. Mitten in der Stelle war dann das Video aus.

„Shit!“, dachte ich, entdeckte dann aber, daß ich mir das Video aus dem Salzburger Literaturhaus anschauen konnte und da erzählte Tomas Friedmann nochmal die Handlung und Norbert Gstrein fing freundlicherweise auch vom Anfang an, der heißt „Natürlich will niemand sechzig werden und natürlich will niemand ein Fest deshalb feiern!

„Irrtum, lieber Norbert Gstrein!“, füge ich an, ich habe das getan und da meine dreißig Bücher, die ich damals hatte, vorgestellt und sechzig Minuten oder solange Elfriede Haslehner mich ließ, daraus gelesen. Aber das ist wahrscheinlich auch der Unterschied zwischen mir und Norbert Gstrein oder seinem Jakob, denn der will seinen Geburtstag nicht feiern, sondern mit seiner Tochter nach Amerika entflüchten, was aber weil Lluciemißlingabsagt mißlingt und im Gespräch mit Tomas Friedmann erklärte Norbert Gstrein auch noch wie er es mit seiner Namensgebung hält.

Dann las er eine Stelle, die in El Paso spielt, vor, wo auch G .W. Bush vorkommt, der aber einen anderen Namen hat und interessant ist auch, daß der Nachname des Jakobs erst auf Seite 91, das erste Mal genannt wird. Norbert Gstrein ist auch zur Recherche nach Mexiko gefahren, hat davon aber nur indirekte Details von seinen Notizen verwendet, zum Beispiel, daß dort in den Tankstellen gekoche Eier in Plastikdosen verkauft werden und das tut dann eine der Personen im Roman.

Interessant, das Switschen zwischen den beiden Lesungen und interessant, was ich jetzt von diesen wieder sehr komplizierten Plot verstanden und mitbekommen habe und habe wieder etwas über das Schreiben und den Taktiken von Schriftstellern gelernt.

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