Literaturgefluester

2021-07-20

Rückkehr nach Wien

Filed under: Textbeispiel — jancak @ 15:24
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Hier, wie versprochen, das erste Kapitel meines momentanen Works on progress „Wo wir waren oder hundert Steiten Depression“, das Mieze Medusa, beziehungsweisem den „Alten Frauen in der Literatur“ gewidmet ist:

„“Das ist mein Corona-Zeugnis!“,sagte Amelia Spelberg seufzend und blickte skeptisch die Großmutterr an, die gerade aus dem Haus kam.

„Gratuliere, Kindchen und laß dich von dem Gerde nicht anstecken! Deine Matura ist genauso wertvoll, wie die,vor zwei Jahren, als es die Pandemie noch nicht gab! Du mußt nu ran dich glauben und stolz auf dich sein! Ich finde es auch schön, wenn du in meine Fußstapfen trittst und in Wien Gender studieren willst, auch wenn das deinem Vater,wie ich fürchte, nicht sehr gefällt!“

„Richtig ,Oma!“, antwortete Amelia und legte das Zeugnis auf den Küchentisch.

„Das stimmt vielleicht ein bißchen! Aber davon laße ich mich nicht abschrecken und du sollst dich auch nicht ärgern,wenn der Papa immer über die blöden Emanzen schimpft, die nichts als meckern, statt etwas Ordentliches zusammenzubringen!“

„Daran bin ich, wie, ich füchtei, schuld!“, sagte Lore Spielberg ein wenig schuldbewußt.

„Denn ich habe, als der Richard klein war, nicht gemeckert, sondern im Institut für höhere Studien geforscht und mit der Angie und der Elfi versucht, den Feminsmus aufzubauen! Da ist deinVater, wie ich fürchte, zu kurz gekommen und hat sich vernachläßigt gefühlt! Es tut mir leid, daß er so empfindet! ich konnte nicht anders, hoffe aber, daß dein Vater nicht so unglücklich war! Beruflich hat er es als stellvertretender Chefredakteur einer bedeutenden Tageszeigung zu etwas gebracht!“, sagte Lore Spielberg, strich mit der Hand über die Stirn und fügte „Aber jetzt laßen wir das heikle Thema und konzentrieren uns auf deine Matura! Ich habe dein Lieblingsessen zubereitet! Vielleicht magst du dein Zeugnis verräumen! Dann decke ich den Tisch und du nimmst Platz!“, hinzu.

„Ich helfe dir natürlich, Oma und glaube auch, daß es der Papa zu etwas brachte, obwohl es mit dem Glück ein wenig schwierig war! Hat er den Selbstmord der Mama, doch noch immer nicht ganhz weggesteckt! Mit seiner Zeitung ist er aber, glaube ich, zufrieden!“

„Dann grüße ihn von mir, wenn du ihn am Montag sehen wirst! Da wirst du doch nach Wien fahren und mich verlassen!“, bedauerte Lore Spielberg und stellte die Schüßel, die sie aus dem Backrohr genommen hatte, auf den Tisch.

„Stimmt, Oma! Ich hoffe nur, daß du nicht zu traurig bist, daß ich in Wien studieren werde und zum Papa ziehe!“

„Nur ein bißchen, Liebling!“,bedeuerte Lore Spielberg und stellte eine Flasche Wein auf den Tisch.

„Zum Fest des Tages ein Schlückchen Wein! Aber sonst verstehe ich, daß du in Wien studieren willst! Das habe ich vor zweiundfünfzig Jahren auch getan! Damals bin ich in ein Studentenheim gezogen! Habe dort die Angela und die Elfi kennengelernt und etwas später auch den Theo!“, sagte sie und ihre Stirn hatte sich noch einmal verwölkt.

„Den Großvater, den ich nur alle heiligen Zeiten zu Gesicht bekomme, weil er dich noch vor Papas Geburt verlassen hat und inzwischen, glaube ich, noch einmal Opa wurde!“,ergänzte Amelia ungerührt.

„Stimmt! Aber sein Enkel aus seiner Ehe ist noch sehr klein! Hat er doch erst viel später seine Leonie geheiratet, weil ihm das Studium wichtiger war, als mit Fünfundzwanzig Vater zu werden! So wurde aus mir, wie es das Schicksal bei den Frauen noch immer will, eine alleinerziehende Mutter und Richard hat sich vernachläßigt gefühlt, weil es nicht so leicht war, mit Zwanzig Mutter zu werden. Ich mir, weil in dem Studentenheim kein Platz für alleinstehende Mütter war, eine Wohnung suchen mußte und die Elfi und die Angela waren, wie ich fürchte, von dem Kleinen auch nicht so begeistert und haben „Verpatz dir doch nicht dein Leben, Lore, Abtreibungen sind zum Glück jetzt erlaubt!“, oft genug auf mich eingeredet und haben nicht verstanden, wenn ich den Kopf geschüttelt habe! Natürlich wäre das leichter gewesen! Das darfst du aber deinem Vater, der ohnehin so etwas zu ahnen schein, nicht verraten, Melia!“, sagte sie entschlossen und häufte der Enkeltochter eine Portion Quiche auf den Teller.

„Nimm dir Salat, Liebling! Er ist aus dem Garten, wie du weißt und lassen wir die traurigen Thehmen, ist heute doch ein Freudenstag! Aber die Vergangenheit holt eine natürlich ein und selbstverständlich ist es traurig, daß ich dich verliere! Habe ich mich inzwischen doch daran gewöhnt, junges Blut im Haus zu haben! Jetzt muß ich mich an die Einsamkeit gewöhnen, aber das werde ich schon! Auch wenn ich bald siebzig bin, kann ich immer noch dazu lernen!“

„Richtig, Oma!“, sagte Amelia und hob das Glas.

„Prost und auch wenn man das nicht soll, schon im Voraus alles Gute zum Geburtstag! In drei Wochen sehen wir uns wieder, um deinen Siebziger zu feiern! ich werde den Papa mitbringen und du hast auch Gäste eingeplant! Wird der Opa kommen?“, erkundigte sie sich neugierig.

„Das weiß ich noch nicht so genau! ich habe den Theo zu dem ungereglmäßiger Kontakt besteht, weil ich ihn manchmal auf Kongreßen und Tagungen getroffen habe, eingeladen! Da kann er auch die Leonie, seine Töchter und den Enkel mitbringen und dann werden auch die Angela und die Elfi erscheinen, denn du weißt, ich will meine Memoiren schreiben, beziehungsweise ein Feminismusbuch und die Beiden, die jetzt auch Pensionistinnen sind, helfen mir dabei! Also werde ich nicht einsam sein! Auch wenn ich dich vermissen werde! Dein Vater wird sich aber freuen, sein Töchterlein bei sich zu haben, das ich ihm vor zehn Jahren, als ich meine Pension angetreten habe und in mein Elternhaus zurückgezogen bin, entführte und du auch früher oft bei mir gewesen bist!“

„Was sollte der Papa auch, der in seinem Beruf aufsteigen mußte, mit einem Säugling anfangen, nachdem die Mama, als ich sechs Wochen war, den Medikamentenschrank plünderte und sich die Pulsadern aufgeschnitten hat? Er wäre, wenn du dich nicht, um mich gekümmert hättest, verloren gewesen, Oma, wie er öfter sagte! Also brauchst du keine Schuldgefühle haben, denn du hast viel ausgeglichen, was du vielleicht mit Zwanzig versäumtst, als dich der Opa verlassen hat und die Mama später mich! jetzt werde ich dich verlassen, um Gender zu studieren und nicht den Medikamentenschrank plündern, denn ich bin trotz meiner Corona-Matura und der verlorenen Generation, der ich angeblich angehöre, nicht depressiv! Also Prost, Oma! Dein Quiche schmeckt ausgezeichnet! Deine Kochkünste werde ich vermissen und den Garten, obwohl ich mich, ganz ehrlich, auf die Stadt freue und darauf, daß man wieder hinaus darf! Auf den Donaukanal und den Karlsplatz, obwohl es da, wie ich in den Nachrichten hörte, große Unruhen und Polizeieinsätze gab!“

„Kein Grund depressiv zu sein und damit du das nicht wirst, hole ich die Erdbeeren, die aus dem Garten stammen! Ich habe sie schon mariniert! Möchtest du Schlagobers dazu?“

„Den Garten werde ich vermissen, obwohl es in Wien den Donaukanal, den Karlsplatz, die Donauinsel, sowie den Stadtpark gibt und fürs Einkaufen den Naschmarkt! Ich also eine Glückspilzin bin, denn die Maturareise, wo wir nach Wien gefahren wären, ist Corona bedingt ausgefallen! Deshalb habe ich mich entschlossen gleich nach Wien zu ziehen, als es mir der Papa angeboten hat und den Sommer dort genießen! Das habe ich aus Egoismus entschieden und hoffe, dich nicht gekränkt zu haben! Aber wenn deine Freundinnen kommen, ist das fein!“, sagte Amelia tröstend.

„Aprpos, Depression, Oma! Was habe ich da auf deinen Schreibtisch entdeckt? „Hundert Seiten Depression“, ist auf dem Mansukript gestanden, das neben deinem Lapop liegt! Werden deine Memoiren so heißen?“, erkumdigte sie sich neugierig. Lore Spielberg, die Amelia, die Schlagobersschüßel hinschob, nickte.

„Stimmt, Melia! So lautet der vorläufige Arbeitstitel! Das ist mir vor ein paar Tagen eingefallen! Aber lassen wir das heikle Thema! Deine Matura ist trotz Corona, ein freudigs Ereignis! Wir genießen das Wochenende! Am Montag bringe ich dich zum Zug und in drei Wochen kommst du mit dem Richard wieder! Vielleicht ist dann auch dein Großvater da! Wenn nicht, werden wir ihn nicht vermissen! Haben wir ihn doch auch vorher nicht gebraucht und jetzt konzentrieren wir uns auf das Mittagessen!““

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