Literaturgefluester

2021-08-01

Der Charme der langen Wege

Filed under: Bücher — jancak @ 00:01
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jetzt gibts schon ein bißchen Vorauslesen, denn der 1966 in Wien geborene Hanno Millesi stellt sein neues Buch erst nächste Woche bei den O-Tönen vor und interessant ist auch, daß ich es nicht direkt vom „Atelier-Verlag“ bekommen oder von dort angefordert habe. Dann hätten sie es mir wahrscheinlich als PDF geschickt, sondern von einer Literaturagentur das Angebot bekommen habe, so habe ich das Printbuch, was mir ohnehin lieber ist und ich weiß nicht, ob es meine Leser wissen, bin eine Fanin des Autors, dessen Namen ich wahrscheinlich das erste Mal hörte, als ich vom Bund die Nachricht bekommen habe, daß es leider, leider, kein Stipendium für mich gäbe, er aber eines bekommen hat oder war das erst später und ich habe ihn direkt im Literaturhaus bei Ernst Kostals „Wahnsinnsmptom“, wo er sehr beeindruckende Kindertexte gelesen hat, kennengelernt?

Ab da war ich, glaube ich, die Fanin und habe auch bedauert, daß sein Text beim „Bachmannpreis“,wo er später gelesen hat, nicht besonders aufgefallen ist. Das Literaturhaus hat dann ihn, beziehungsweise seine Bücher öfter vorgestellt. Eines seiner Bücher habe ich einmal im Schrank gefunden, aber leider noch nicht gelesen. 2018 ist er dann auf der Longlist des Öst Bp gestanden. Da habe ich das PDF der „Vier Weltteile“ gelesen und Hanno Millesi ist, könnte man sagen, einer der, durch seine leise Skurrilität auffällt und so ist es auch hier, wo es um einen Geräuschmacher geht, der sein Gehör verloren hat und dann wird es sehr verwirrend bzw. dstopisch.

Es gibt auch Zeichnungen in dem Buch, die wahrscheinlich vom Autor stammen , der ja auch, glaube ich, Kunst studiert hat und Assistent von Hermnann Nitsch war. Eines zeigt das Denkmal der Kaiserin Maria Theresia am Wiener Maria Theresienplatz. Das Haus des Meeres kommt auch vor und der botanische Garten. Dann geht es aber um eine Stadt namens Z., die auch noch zerstört wurde und zu Beginn, der in einem Kino spielt, tritt der Protagonist Lambert oder Bert auch auf eine Reise in das Weltall auf.

Am Buchrücken steht „Was wie die Laserkanone am Raumschiff Außerirdischer klingt, ist in Wirklichkeit Glasreiniger, der auf eine erhitzte Glasplatte gesprüht wird.“

Dann gibt es offenbar einen Unfall, Lambert, der als Bert in einem Soundstudio arbeitete, verliert sein Gehör, verwandelt sich in in Lambert zurück und geht zu seiner Haushälterin, Frau Hauptmann, die ständig mit einem Staubsauger werkelt und ihn zu unterdrücken scheint. Dann zieht er mit einer Schubkarre und einer DX durch die Stadt. Einen Freund mit einer Imbißbude, der dort alles, also auch Müsliriegel frittiert gibt es auch und als Lambert einmal in die Wohnung seiner Eltern aufbricht, findet er dort in seinem ehemaligen Zimmer offenbar einen Flüchtlingsjungen der sich Sandip nennt. Den macht er dann zu seinem Partner, irrt dann durch das zerstörte Z, wo die Leute selbst ihre Häuser verbrennen und die Leserin ist etwas verwirrt.

Hanno Millesi ist sehr skurril, hat einen unterschwelligen Humor, der mir mir immer sehr gefiel und mich deshalb zu seiner Fanin machte. Ich habe ihn früher auch öfter in der „Alten Schmiede“ oder im Literaturhaus im Publikum getroffen, wo er mich auch immer freundlich grüßte und so bin ich auf die Lesung nächste Woche im MQ, sehr gespannt. Hoffentlich regnet es nicht und zitiere zur Abwechslung einmal die letzten Sätze, die mich ebenfall sehr beeindruckt haben und seinen Stil gut erkennen lassen:

„in Frau Hauptmanns Pupillen gespiegelt, begleiten ein paar Flammen ihren Blick ins Innere der Wohnung, und ehe sie daran geht, die üblichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, muß Frau Hauptmann daran denken, dass ihr Arbeitsgeber alljährlich an diesem Tag behauptet, er verstehe sich darauf mit nichts als einer Packung Prinzenrollenkekse ein weit bedrohlicheres Geräusch zu erzeugen. Um sich einen seiner nicht enden wollenden Vorträge zu ersparen, hat Frau Hauptmann – das fällt ihr jetzt ein – sich nie danach erkundigt, ob er dafür die Kekse oder die Verpackung verwenden würde.“

Wieso das Buch so heißt, habe ich übrigens nicht ganz verstanden. Für mich hätte „Der Geräuschemacher“ besser gepasst. Aber villeicht gibt es diesen Titel schon.

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