Literaturgefluester

2021-11-02

Blaue Frau

Buch achtzehn des dBps, das letzte der Shortlist und das Siegerbuch, außerdem gehört es noch zu den der fünf aufmüpfigen diversen Frauen, ist auf meiner Shortlist und ich denke auch, daß es meinen bisherigen Favoritentip nämlich „Identit“ verdrängt. Ferdinand Schmalz habe ich noch nicht gelesen, mal sehen ob er auf meine Shortlist kommt?

Und die 1974 in Potsdam geborene Antje Ravic Strubel, die wahrscheinlich auch einmal in Klagenfurt gelesen kann, kenne ich, weil ich einmal ein paar ihrer Bücher aus der „Buchlandungs-Averkaufsliste“ fand, sie gelesen oder überflogen habe. Sehr beeindruckt haben sie mich, glaube ich, nicht. Dann hat sie in Leipzig als ich gerade „Paul und Paula“ geschrieben habe, aus den „Wäldern des menschlichen Herzen“ gelesen und vor kurzem war sie in der „Gesellschaft“ und hat dort über die „Blaue Frau“ gesprochen.

Weil das Buch erst spät zu mir gekommen ist, habe ich vorher schon einiges darüber gehört. Einigen Bloggern hat es gefallen, anderen glaube ih auch nicht. Ich habe es eher für ein Transbuch gehalten, weil sich Antje Ravic Strubel ja, glaube ich, auch dazu bekennt, es ist aber ein Buch über die Gewalt an Frauen und da wird das Thema sicher literarischer, als bei Bettina Wilpert und es spricht sich auch gegen die Diskriminierung aus.

Vor allem ist es, glaube ich, hervorragend geschrieben, poetisch und literarisch und die Hauptperson Adina, eine junge Tschechin ist schon in „Unter Schnee“ vorgekommen. Die ist als die letzte oder einzige Jugendlichen in einem kleinen tschechischen Ort im Riesengebirge aufgewachsen. Nennt sich in Chats „Der letzte Mohikaner“ und geht dann nach Deutschland, um zu studieren. Lernt dort eine Fotografin kenne und macht ein Praktikum in der Uckermarck. Dort erlebt sie sexuelle Gewalt, flüchtet damit, weil das niemand ernst nimmt, nach Helinski ,verkriecht sich dort in einen Plattenbau und die Geschichte beginnt.

Sie wird also von hinten nach vorne aufgewickelt und dazwischen gibt es immer wieder die „Blaue Frau-Passagen“, wo sich eine Schriftstellerin, ich interpretiere sie als die Autorin über das Schreiben unterhält, also so etwas wie das „Kaffeetrinken mit der Poesie“ der Simone Hirth.

Es gibt auch noch einen Leonides, einen estnischen Europaabgeordneten, mit dem Adina ein Verhältnis hat und der will an ihren Peiniger einen Menschenrechtspreis vergeben, worauf sie ihn verläßt, das führt wieder zu der Frage, ob man das Werk von der Person trennen darf?

Bei einem Menschenrechtspreis würde ich sagen, der gehört vielleicht nicht an einem Grapscher, aber da haben sich schon mehrer „weiße ältere Politiker“ an jungen Frauen vergriffen oder die sind vielleicht fünf jahre später kurz vor der Wahl daraufgekommen, daß sie das thematisieren könnten. Man sieht das Thema ist vielschichtig und ich denke immer noch, daß die Weinheber-Gedicht trotzdem großartig bleiben, auch wenn er ein überzeugter Nazi war und generell denke ich, wenn sich alle an den Hausverstand oder die zehn Gebote halten, wäre die Welt viel besser.

Dann gäbe es aber vielleicht auch keine Bücher, wie dieses und Andina kreist auch um die Frage, ob sie das zur Anzeige bringen soll? Die Anwältin rät ab, weil die Aussichten, daß ihr geglaubt wird, sehr gering und Antje Ravic Strubel hat, glaube ich, bei der Preisverleihung auch gesagt, daß sie während des Schreibens, sie hat acht jahre für das Buch gebraucht, daraufgekommen ist, wie häufig Gewalt an Frauen passiert.

Also auch ein sehr politisches Buch, wo ich wieder schreiben werde, daß es mir das literarischer, als bei Olga Flor ausgedrückt, vorkommt.

Werbung

2 Kommentare »

  1. Ich mochte das Buch auch, über sehr weite Strecke, insbesondere die „blaue Frau“-Passagen, in denen ich etwas mystisches und lyrisches wiederfand, das ich häufig an Gegenwartsromanen misse. Leider hat mich das Buch ernüchtert zurückgelassen, da die Protagonistin am Ende sehr ins Hintertreffen gerät und von Dingen erzählt wird, die gar nichts mehr mit ihr zu tun haben (wie die gescheiterte Beziehung der Politikerin mit der Anwältin). Ich würde sagen, das Politische hat das Lyrische des Buches am Ende desavouiert. Im Ganzen stimme ich sehr mit dem Gang der Rezension überein. Schmalz fand ich persönlich erfrischend und toll und habe es gern gelesen. Bin gespannt auf die Rezension!

    Kommentar von Alexander Carmele — 2021-11-02 @ 08:04 | Antworten

  2. Ja da war ich über das Literarische überrascht, hatte ich doch am Anfang gedacht, das wäre ein Genderroman und es geht wahrscheinlich um die Gewalt an Frauen, was aber meiner Interpretation nach sehr gelungen ist! So denke ich auch, das ist mein Peisroman! Vorher wäre ich für Mthu Sanyal gedwesen, die die tagesaktuelle Genderpoblematik flapsiger ausdrückt, was ich aber auch gelungen finde!
    Also dann bis zum Schmalz, ein paar Bücher stehen vorher noch auf meiner Leseliste, bin aber schon sehr gespannt ,ob er den österreichischen Buchpreis bekommt!
    hren Blog habe ich mir inzwischen angesehen und finde ihn sehr interessant!

    Kommentar von jancak — 2021-11-02 @ 10:14 | Antworten


RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: