Literaturgefluester

2021-11-19

Metropolis

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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Über die 1920 Jahre gibt es sehr viele Bücher, die ich zum Teil schon im Vorjahr gelesen habe, vor kurzem eines über den Februar 1933 in Berlin, das sich speziell mit der Rolle der Dichter, wie Thomas Mann, Alexander Döblin, Heinrich Mann, etcetera beschäftigte und jetzt, Zufall, wie es sie gibt, ist mir ein Krimi des 2018 verstorbenes Philip Kerrs, den ich einmal in der Hauptbücherei gesehen und zwei Bücher von ihm gelesen habe, in dem er mit seiner Bernie Gunther Reihe bis ins Jahr 1928 zurückgeht und da teilweise Personen, wie in „Berlin 1933“ vorkommen und ich muß sagen, das ist das Buch von Philip Kerr, das mir bisher am besten gefallen hat, obwohl es auch da einige sehr ungewöhnliche Ermittlungsweisen und einiges nicht wirklich logisch ist, sowie, glaube ich, Handlungslücken gibt, aber es ist wahrscheinlich das Thema und das Berlin, in den Neunzehnzwanzigerjahren, was wieder sehr dicht und beeindruckend beschrieben wird, das mir sehr gefiel.

Den vorletzten Bernie Gunther Krimi habe ich ja gelesen. Der jetztige, den Philip Kerr kurz vor seinen Tod fertiggestellt haben dürfte, beschreibt den jungen Bernhard Gunter, der gerade in die Mordkommission kommt. Beim lesen habe ich mir gedacht, wenn es da schon eine ganze Reihe von Bernie Gunther Bücher gibt, muß der im letzten, den ich gelesen habe, schon eine ganze Reihe Ungesetzlichkeiten auf den Buckel haben und spannend auch, daß sich Kerr in seinem Romanen mit dem historischen Berlin beschäftigte und sich da gut auszukennen schien.

Also Berlin 1928. Der erste Weltkrieg ist zehn Jahre vorbei, auf den Straßen Berlin laufen die „Krüppel“ „in ihren verschliessenen Uniformen auf denen noch die Orden hängen und betteln, weil sie ihre Beine im Krieg verloren haben und die Frauen, die ihre Arbeit verloren haben, müssen sich prostituieren.

Auch sehr interessant, das Buch ist in drei Teilen, wie ein Tryptichon gegliedert und das gibt es von Otto Dix, der in dem Buch auch vorkommt, nach dem Prolog von Ian Rankin zu sehen, der erste Teil „Frauen“ zeigt einen solchen „Krüppel“, Teil zwei „Niedergang“, zeigt eine Jazzclubszene und Teil drei heißt „Erotik“.

Im Teil drei geht es um Prostituiertenmorde, da wurden vier oder fünf Frauen von einem „Winnetou“ genannten Mörder skalpiert und Bernie Gunther wird von der Sitte in die Mordkommission berufen, um bei der Aufklärung zu helfen. Der war auch im Krieg, ist daher kriegsgeschädigt und säuft sich seine Traumen weg. Eigentlich hätte ein Inspektor Reichenbach die Stelle bekommen sollen. Aber der ist nicht nur Jude, sondern geht auch recht gewalttätig bei seinen Ermittlungen um. Der Chef der Mordkommission ist ein Dr . Weiß, sein Stellvertreter heißt Ernst Gennat und beide sind historische Personen und man kann im Anhang über ihr weiteres Schicksal lesen.

Die Polizisten unterbezahlt halten die Gesetze auch nicht so ganz ein, sondern leeren am Tatort manchmal auch die Geldbörsen der Opfer aus oder dealen vielleicht ein bißchen.

Also ein starkes Sittenbild Berlins und das ist sehr dicht beschrieben. Dann kommt es zu einem Schnitt, denn „Winnetou“ verwandelt sich in einen „Dr. Gnadenschuss“. Bernie Gunther beginnt bald zu ahnen, daß das das vielleicht dieselbe Person sein könnte, denn die Frauenmorde hören auf, stattdessen werden plötzlich die Bettler umgebracht und Dr. Gnadenschuß, wie er sich nennt, hat Bekennerschreiben an Zeitungen wie beispielsweise das „Tageblatt“, die ja in „Berlin 1933“ auch vorkommt, wo er sich dazu bekennt Berlin von den „unnötigen Krüppel“ zu befreien und wieder schön sauber machen.

Dr. Weiss kommt auf die Idee, daß sich Bernie Gunther als Lockvogel mit einem „Krüppelknarren“ auf die Straße stellt, um den Mörder zu fassen. Er geht mit einer Saxophonspielerin, die in seiner Pension wohnt, auch ins „Sing-Sing“, das ist ein Lokal, das es auch gegeben hat, wo es einen elektrischen Stuhl gibt und Bernie Gunter wird auserwählt das Opfer zu spielen, das sich vor den Schaulustigen guiilitieren lassen muß. Da kommt Gunther mit dem Vater des letzten Frauenopfers in Kontakt. Der mischt sich in die Aufklärung ein und Gunther wird als Bettler verkleidet von einer Jugendbande angriffen und blöderweise hat er vorher die Pistole verloren, so daß er froh sein kann, daß plötzlich sein Kurt Reichenbach kommt, ihm hilft und ihm seine Pistole gibt.

Einen Mordfall kann Gunter auch noch beobachten, den soll Reichenbach aufklären. Aber der verschwindet und ist, stellt sich heraus, der Prostituierten- und Bettlermörder. Aber statt die Sache aufzuklären und ihn festzunehmen, hat der Vater ihn entführt und ermorden lassen, beziehungsweise vor ein Gericht bestellt und überredet Gunther, die Sache zu vertuschen. Denn wem hilft es, wenn die Witwe plötzlich die Gattin eines Mörder war?

Einen eigenen Mord oder Notwehr, als Dr. Weiss angegriffen wurde und die Kollegen holte wollte, hat er auch vertuscht. Dafür klärt er den schon erwähnten Mord auf, was ich sehr seltsam finde und mich stört.

Ansonsten ein sehr interessantes Buch, das mir aber manchmal etwas zu lang und auch unlogisch vorkam. So hatte Kurt Reichenbach in seinem Auto ein scharfes Messer, einen Hammer und eine Perücke liegen, die ihn an Mörder auswiesen. Das denke ich, wird die Witwe wohl gefunden haben, als sie sich um den Nachlaß kümmerte oder das Auto verkaufen wollte.

Und der Titel, bezieht sich auf Fritz Langs Film und mit dessen Frau, die Drehbuchautorin Thea von Harbou, die Nationalsozialistin war, trifft sich Bernie Gunter auch, um sie bei einem Drehbuch zu beraten.

Also interessant, wie es in Berlin in den Zwanziger und Dreißigerjahren aussah und wieder interessant, wieviele Bücher es darüber gibt.

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