Literaturgefluester

2021-11-23

Die Natur bei Stifter und bei Han Kang

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 19:59
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„Stichwort Natur“ hieß die heutige Veranstaltung, wo Brigitte Schwens-Harrant mit Lydia Mischkulnig und Christa Zöchling zu diesem Thema zwei Bücher von Adalbert Stifter und der Koreanerin Hang Kang besprachen. Eine interessante Mischung habe ich gedacht.

Denn der „Hochwald“ wurde 1842 geschrieben, die „Vegetarierin“ 2007, die eine Erzählung spielt im Böhmerwald, der Roman in Korea, auf dem ersten Blick würde ich da gar keine Gemeinsamkeiten sehen und die Natur in der „Vegetarierin auch nicht erkennen, die ich ja gelesen habe.

Stifter habe ich auch sehr viel gelesen, als Studentin, ob der „Hochwald“ dabei war, weiß ich gar nicht mehr, kann mich aber auch an ein Naturexeperiment erinnern, daß ich plante und mit dem ich entsetzlich gescheitert bin. 1975 wird das wahrscheinlich gewesen sein. Das Semester zu Ende. Die Elfi hat mich, glaube ich, in die „Fromme Helene“ zum Essen eingeladen und ist dann in die Schweiz zum Servieren gegangen und ich mit einer Tasche Bücher, unter denen die von Stifter waren, auf den Almweg, in der besten Absicht dort den ganzen Sommer zu verbringen.

Zwei, drei Tage habe ich das, glaube ich, ausgehalten und der „Hochwald“, den die drei begeistert beprachen ist auch nur eine scheinbare Idylle. Es spielt im dreißigjährigen Krieg und ein Vater will seine zwei Töchter Johanna und Clarissa heißen sie, glaube ich, vor den Angreifern im Hochwald verstecken. Da denkt man jetzt wahrscheinlich an Vergewaltigung, Adalbert Stifter hat das wahrscheinlich reiner beschrieben und die drei Frauen zeigten sich auch von den Bildern sehr begeistert, den Szenen, wo die Mädchen im Wald Schmetterlinge finden und daraufkommen, daß sie im Winter nicht überleben können und wie sie sich durch den Wald zu ihrer Burg schleichen und dort nur Ruinen sehen. Dann spinnen und musizieren natürlich, wie es damals üblich war.

Die Natur bei Hang Kang ist der Körper der Frau, die scheinbar mittelmäßig plötzlich zu essen aufhört , um zur Natur zu werden und vom Vater zum Essen gezwungen und von der Schwester in eine Klinik eingewiesen wird. Drei Perspektiven, die des Ehemannes, der mit den Veränderungen seiner Frau nicht zurechtkommt, die zweite des Schwagers, der den Körper der Vegetarierin bemalen möchte und die dritte der Schwester.

Brigitte Schwens-Harrant sah in dem Buch die Auflehnung gegen die Gesellschaft. Es geht um die Gewalt des Vaters gegen die Tochter, der ihr ganz brutal das Fleisch in den Mund schiebt. Ein sehr interessantes Buch, das als ich es gelesen habe, das Buch der Saison war, die Beziehung zum Stifter habe ich nach wie vor nicht gefunden, habe von Han Kang aber noch ein anderes Buch gelesen, das ähnliche für uns ungewöhnliche Motive hat.

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