Literaturgefluester

2021-11-26

1431

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:05

Buch acht des Öst, der Jeanne d`Arc-Roman der 1984 geborenen Sophie Reyer, die ja sehr fleißig ist, schon einmal auf der Shortlist gestanden ist, sehr viele Bücher geschrieben hat, sowohl für Erwachsene und Kinder in den verschiedenen Genres und auch fürs Theater tätig ist und ich auch schon bei einigen ihrer Lesungen war.

Ein historischer Roman oder eine Biografie, da gibt es jetzt ja einige. Franzobel hat da auch so etwas geschrieben.

Über die „Jungfrau von Orleans“, wo man ja das Schiller-Stück wahrscheinlich aus der Schule kennt, die französische Nationalheldin, die zumindestens im Elsaß ,in vielen Dörfern einen Platz mit ihrem Namen und ein Denkmal hat, nun auch von Sophie Reyer in einer schönen etwas geheimnisvollen Sprache beschrieben und wenn man wenig über die Geschichte weiß, lohnt es sich sicher das Buch zu lesen.

Wie historisch es ist, ist wahrscheinlich die Frage, da haben sich wohl schon sehr viele Legenden darum gebildet. Irgendwo habe ich gelesen, daß es nur die Gerichtsakten, aber wenig Persönliches über Jeanne d´ Arc gibt, die ja mit Neunzehn hingerichtet wurde. Ein Bauernmädchen,, das von Stimmen befehligt in Männerkleidung in den Krieg gezogen ist, in Reims den Dauphin krönte und schließlich 1431 am Scheiterhaufen verbrannte.

Sophie Reyer beschreibt das in einundzwanzig Kapitel, mit Prolog und Epilog und das Interessante ist jedes Kapitel ist zweigeteilt, von hinten zurück sozusagen. Am Anfang steht das Jahr 1431, dem Todesjahr. Johanna ist gefangen und wird von einem Beichtvater betreut, der sie aushorchen soll. Dann geht es in ihr Leben, in die Kindheit am Dorf, die Beziehung zur Großmutter, die Stimmen, wo Gott oder die Engeln Johanna auf ihre Mission vorbereiten und dann das schon Erwähnte, das bei Schiller zu sehen aber auch nachzugooglen ist.

Schön ist die Sprache, da habe ich mir einiges angestrichen.

„Was hast du Kind? Was rennst du denn so?“, fragt die Großmutter einmal.

„Der Tod – er ist hinter mir her!“, ruft Johanna aus.

„Woher weißt du das?“

Er kommt alle holen, sagt der Dorfpfarrer!“

„Dann halte dich an Gott!“

„Der ist soweit oben!“, Seite 23

„Kann der Tod sterben?“, fragt Johanna.

„Ja“ Und jeden Sommer kommt er als Leben wieder und singt sein Lied!“, Seite 35.

„Doch seine Worte sind weit weg von ihm, er scheint nichts zu fühlen. Manche reden wie Regen, denkt Johanna da. Ganz ohne Belangen.“ Seite 75.

„Er schwankt zwischen Trunksucht und Ausschweifungen. Ein Bündel neurotischer Sympotme“, Seite 105, Ob man im fünfzehnten Jahrhundert diesen Eindruck schon gekannt hat?

„Wir ergeben uns keinem Weib. Und auch nicht diesen ungläubigen Hurenböcken, die dir folgen!“, tönt es da aus seinem Mund.“ Seite 147.

„Die Geburt bestimmt unser Ende. Überall zeigt sich der Tod!“, sagt Gott, „stirb jetzt ein bisschen hier, damit du dann in Ruhe weitergehen kannst!“, Seite 177.

„Das ist alles“, endet das Buch und wahrscheinlich nicht so bei Schiller zu finden ist, daß Sophie Reyer auch die Gewalt durch die Soldaten an Johannes, die ihr an den Röcke gehen, so daß sie sich weigert diese zu tragen, zeigt und das Ganze vielleicht auch ein bißchen an die Transgenderproblematik denken läßt.

Nicht auf die Shortlist gekommen, aber sicher interessant, Sophie Reyer und ihr Schreiben kennenzulernen.

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